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Popkultur

Magische Orte: Cavern Club – die Wiege der Beatles

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Der beste Keller-Club der Welt. Die Wiege der britischen Rockmusik ist der legendäre Cavern Club in Liverpool, eröffnet am 16. Januar 1957, und weltweit bekannt durch die Beatles.

“In den frühen Tagen des Cavern Clubs machten wir zu fünfzig Prozent Comedy und Ad-lib. Wir alberten herum, sprangen ins Publikum.” (John Lennon im Interview mit der BBC).


“Die Beatles waren am Anfang ein bisschen wie ein Witz” (Zeitzeugin aus Liverpool). “Als sie aus Hamburg zurückkamen, trugen sie Lederklamotten. Ich schwänzte damals oft die Schule, zog mich in der Toilette um und ging mittags in den Cavern Club. Minderjährige durften rein, weil es dort keinen Alkohol gab.”

“Der Cavern Club war damals ein Treffpunkt von vielen Bands” (Singer-Songwriter Graham Nash (The Hollies). “Uns verband, dass wir alle nicht so leben wollten, wie es unsere Eltern getan hatten. Die Musik wurde das Medium, um unsere Gefühle und Gedanken auszudrücken. Es war eine magische Zeit. Das spürte damals jeder im Cavern Club, der völlig überfüllt war. Die Beatles waren begnadet. Sie spielten Rock ‘n’ Roll auf eine verwaschene, verlotterte Art. Und sie waren Poser. Sie fluchten und rauchten auf der Bühne und beschimpften das Publikum.”

“Wir kamen 1963 mit einem kleinen Bus von Newcastle nach Liverpool und luden unser Equipment vor dem Cavern Club aus” (Alan Price von den Animals). “Eine junge Frau in einem Dufflecoat stand auf der Straße und beobachtete uns. Ich fragte sie: `Glaubst Du, die Leute mögen hier Rhythm & Blues?´, `Mögen?´, erwiderte sie fragend, `wir haben ihn doch erfunden!´”


Vom Jazz zum Skiffle

Inmitten des Gassengewirrs von Liverpools alter Innenstadt war die Matthew Street eine schäbige Adresse, ein Niemandsland mit einem einzigen Pub, nur Lagerarbeiter hielten sich dort auf. Im 19. Jahrhundert dienten seine Katakomben der Stadt zum Schutz vor Überflutung, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker. Das änderte sich 1957, als der junge Börsenmakler und Club-Promoter Alan Sytner das Kellergewölbe unter der Hausnummer 10 kaufte, um sich dort einen Traum zu erfüllen. Sytner wollte ein Pendant zu den Jazzclubs der Pariser Rive Gauche schaffen, in denen Femme-Fatales und Philosophen von der normalen Welt abtauchten. Ein kühner Plan, der aufging: Bei der Eröffnung des Cavern Clubs, am 16. Januar 1957, drängten sich 600 Fans im schlecht belüfteten Backsteingewölbe, um die Merseysippi Jazz Band zu sehen. 1500 mussten draußen bleiben.

Jazz war zur Mitte 1950er populär in England. Was sich kurz darauf änderte, als Skiffle – Folk mit Rock and Roll-Elementen – die Hauptrolle übernahm, und in Liverpool hunderte Teenager-Gruppen mit diesem selbst gemachten Stil nach vorn drängten, darunter John Lennons Quarrymen, in denen ab 1958 Paul McCartney mitspielte, und ihre größten Rivalen: die Eddie Clayton Skiffle Group mit dem Schlagzeuger Richard Starkey alias Ringo Starr.

Mit dem zweiten Besitzer Ray McFall (im Januar 2015 mit 88 verstorben) und seinem Haus-DJ Bob Wooler verabschiedete der Cavern Club sich von seiner Identität als Jazz-Tempel und wurde dafür zur Schmiede des Merseybeats – diesem unverkennbar Liverpooler Sound, den die Beatles, Gerry & The Pacemakers und Cilla Black in die Welt trugen. Zu Beginn ihrer Karriere traten die Fab-Four rund 300 Mal im Cavern Club auf.


6,50 Gage pro Auftritt

“Die Beatles waren anders, erstaunlich gut eingespielt, weil sie gerade nach drei Monaten Club-Tortur in Hamburg zurück gekommen waren” (Ray McFall).

Der damals 17-jährige George Harrison kam auf ihrem ersten Auftritt, am 9. Februar 1961, zur Mittagszeit, um ein Haar nicht in den Club, weil er eine Jeans trug – damals tabu im Cavern. Die Beatles spielten dort mit dem Bassisten Stuart Sutcliffe und dem Schlagzeuger Pete Best. Die Band bekam eine Gage von 25 Shilling, heute wären das rund 32 Euro.

“Mir gefiel sofort, was ich hörte. Und ich dachte, das wird auch sehr vielen anderen gefallen” (Beatles-Manager Brian Epstein 1964 im BBC-Radio). “Sie waren frisch und ehrlich. Und sie hatten Ausstrahlung. Sie sahen verwahrlost aus mit ihren schwarzen Lederjacken, Jeans und langen Haaren. Das ungepflegte Aussehen schien ihnen aber egal, es schien ihnen wichtiger zu sein, wie sie klingen.”


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Stinkendes Beat-Verlies

Im Anbruch der Beatlemania wurde der Cavern Club zum Ort, wo jede britische Band auftreten wollte. Der Club hatte sogar eine eigene Sendung bei Radio Luxemburg. The Rolling Stones, The Who, The Kinks stiegen die 18 Stufen in das Beat-Verlies hinunter. US-amerikanische Bluesmusiker wie John Lee Hooker, Howlin’ Wolf und Memphis Slim folgten und sogar Pop-Sternchen wie Sandie Shaw und Petula Clark.

Im Cavern zu spielen, erforderte einen starken Magen, der Club war nichts für Zartbesaitete: Es roch nach Schweiß, Desinfektionsmittel, altem Obst, Zigaretten, nach Hamburgern und Toiletten. “Bei Flut kam das Wasser durch den Sandsteinboden in die Toiletten hinein” (Zeitzeugin aus Liverpool).


Der Sound am Ende des Tunnels

Der Sound in den verwinkelten Tunnelgewölben war jedoch mächtiger als sonst irgendwo. Zum Beginn der 1960er war der Cavern das Mekka der britischen Jugendkultur. Auch nach den Beatles blieb der Mythos bestehen. 1970 spielten Queen einige ihrer frühen Konzerte im Cavern. Status Quo schleppten ihr schweres Equipment die enge Kellertreppe hinunter. “Der Club war eigentlich ungeeignet für sie” (Road-Manager Bob Young) “aber sie wollten unbedingt auf der selben Bühne wie die Beatles gestanden haben.” Thin Lizzy, Judas Priest und Wishbone Ash machten es ihnen nach.


Verschüttet und gerettet

1973 kamen die Bulldozer, rissen die überirdischen Lagerhäuser ein und schütteten das legendäre Kellergewölbe wie ein Grab zu. Aber der Cavern Club wollte nicht sterben. Er wurde zunächst auf der anderen Straßenseite wiedereröffnet und dort zur Bühne von New Wave-Künstlern wie Elvis Costello und Frankie Goes to Hollywood. Das Attentat auf John Lennon riss die Stadtverwaltung 1980 aus ihrer Apathie. Auf einmal besann man sich wieder auf das reiche kulturelle Erbe Liverpools, das da begraben lag. 1984 wurde mit 15.000 der originalen Backsteine am selben Ort eine Replik gebaut. Ein lebensgroßer John Lennon aus Bronze lehnt lässig am Eingang, täglich geküsst von Tausenden Fans.


Get back, get back, get back to where you once belonged

Am 14. Dezember 1999 drängten sich Hunderte in den Cavern Club, um Paul McCartney wieder an dem Ort zu sehen, der die Beatles geprägt hat. Viele behaupten, dass sie nie wieder so gut waren wie auf diesen frühen Gigs, wo sie nur Zentimeter vom Publikum entfernt, mit ihren ersten eigenen Songs herum experimentierten. Später haben sich alle Vier nostalgisch über den Cavern Club geäußert. 2003 schloss Sir Paul eine Welt-Tournee mit einem weiteren Konzert im Cavern-Club.

Beinahe 60 Jahre nach seiner Eröffnung ist der Kellerclub in Liverpools Matthew-Street heute mehr als ein Touristenmagnet und Museum. Bands wie Arctic Monkeys und Travis haben ihn zum Hotspot des heutigen britischen Indie-Rocks gemacht.


Ahoi!

Der Cavern Club soll im Oktober 2015 nun auch auf hohe See gehen, denn eine weitere Replik der Club-Legende wird dieses Jahr in ein Kreuzfahrtsschiff der Norwegian Cruise Linie eingebaut. Es soll ein Erlebnis für Beatles-Fans werden, wenn bei 22 Knoten eine Tribute-Band “I Want To Hold Your Hand”, “She Loves You” und natürlich “My Bonnie” aufführt. Bei starkem Seegang könnte sich einem der Magen ähnlich umdrehen wie damals im Cavern.


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