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Der wahre Elton John: 10 Dinge, die wir aus dem Film „Rocketman“ gelernt haben

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Obwohl der Kinofilm Rocketman bekanntermaßen von Elton Johns Leben handelt, nimmt weder der Regisseur Dexter Fletcher noch Autor Lee Hall oder Co-Executive Producer Elton John persönlich den Ausdruck „Biopic“ in den Mund. Stattdessen wird immer wieder betont, dass es sich um eine musikalische Fantasiewelt, um ein Fantasy-Musical auf der großen Leinwand handelt.

von Paul Sexton

Der Film funktioniere eher wie ein impressionistischer Blick auf ausgewählte Schlüsselmomente im Leben des Musikers, wobei die Songs selbst die Handlung vorantreiben. Der Slogan „Based on a true fantasy“ – auf einer wahren Fantasie basierend – bringt das alles schon sehr gut auf den Punkt. Was jedoch keinesfalls heißt, dass man im Kino nichts über das Leben von Elton John lernen könnte. Im Gegenteil: Es gibt jede Menge Fakten und wahre Begebenheiten, die hier neu in Szene gesetzt worden sind.


Die vielen Lobgesänge von Seiten der Kritik konzentrierten sich einerseits auf die Hauptfiguren: Immer wieder wurde Taron Egertons umwerfende Elton-Darbietung gefeiert, genau wie Jamie Bell, der eine grandiose Performance in der Rolle seines jahrzehntelangen Co-Songschreibers Bernie Taupin abliefert. Auch die Musik selbst, die Zeitlosigkeit der Kompositionen dieses Dreamteams, wurde immer wieder thematisiert. Tatsächlich war es der musikalische Leiter Giles Martin, der die vielen Klassiker neu interpretiert und sie so aufgenommen hat, dass sie nun mindestens so umwerfend und (leinwand-)groß klingen wie die dazugehörigen Szenen.


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Nicht zu vergessen, die gefeierten Nebendarsteller: Richard Madden zum Beispiel, der den Manager (und Gelegenheits-Lover) John Reid richtig schön machiavellistisch wirken lässt. Oder auch Stephen Graham, der Eltons ersten Plattenboss Dick James spielt; und natürlich die grandiose Gemma Jones als Großmutter Ivy, für den angehenden Sänger eine wichtige Unterstützerin.

Während Rocketman ganz bewusst keine chronologische Nacherzählung von Leben und Werk bietet, vereint der Film doch etliche wahre Anekdoten, Wusste-ich-ja-noch-gar-nicht-Momente und viel zu selten beleuchtete Aspekte aus dem Leben jenes Musikers, der einst als Reginald Kenneth Dwight zur Welt kam. Hier sind 10 Dinge, die wir aus Rocketman gelernt haben.

Hört hier den Soundtrack von Rocketman:

1: Your Song entstand binnen weniger Minuten – in der Wohnung von Eltons Mutter

Unter den vielen Schlüsselmomenten, die im Film Rocketman grandios in Szene gesetzt sind, zählt dieser zu den atemberaubendsten: Bernie präsentiert Elton seinen neuesten Songtext, die mit Kaffeeflecken übersäten Zeilen für eine frühe Ballade. Eines der ersten Beispiele für die unvergleichliche Chemie des Songwriter-Teams, nahm Elton diese Zeilen, in denen sein junger Freund versuchte, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, und fand schon im nächsten Augenblick die perfekte Melodie dazu. Das Ergebnis hieß Your Song – sein erster großer Hit. Es war der Startschuss, derjenige Titel, der sein Leben und die ganze Musikwelt für immer verändern sollte.

2: Eltons Vater war in der Britischen Luftwaffe und deshalb kaum zu Hause

Eltons Vater Stanley Dwight, der im Film von Steven Mackintosh gespielt wird, war Hauptmann der Britischen Luftwaffe (Royal Air Force). Gleich zu Beginn von Rocketman hat er ein paar Tage frei und ist ausnahmsweise bei der Familie: Hier wird die schwierige und von der häufigen Abwesenheit geprägte Vater-Sohn-Beziehung sehr gut sichtbar. Seine Mutter Sheila, deren Rolle Bryce Dallas Howard übernimmt, wirkte dagegen eher unterstützend auf den Sohn ein: Sie fand es gut, dass ihr kleiner Reggie so sehr auf Rock & Roll stand.

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3: Der im neuen Jahrtausend veröffentlichte Song I Want Love beschreibt eine Familienangelegenheit aus den 50ern

Im Jahr 2001 wurde Eltons britischer Top-10-Hit I Want Love, eine bewegende Ballade vom Album Songs From The West Coast, für einen Grammy nominiert. Auf der Leinwand ist der Song ein Paradebeispiel dafür, wie der Film seine ganz eigene Zeitachse kreiert, um das Leben des Musikers auf ungewöhnliche Weise nachzuzeichnen: Hier als Interpretation eines Ensembles in die Handlung integriert, hören wir I Want Love in Eltons Elternhaus in Pinner in der Nähe von London. Es ist genau der Moment, in dem die Textzeile „dead in places other men feel liberated“ auf seinen Vater zutrifft.

4: Eltons Großmutter Ivy war eine loyale Unterstützerin

Sheilas Mutter Ivy hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrem Enkel Reggie, sicherlich auch deshalb, weil der Vater Stanley ja andauernd abwesend war. Die Großmutter war zugleich diejenige, die den zukünftigen Musiker dazu brachte, mit dem Klavier weiterzumachen, seine anfängliche Begeisterung für das Instrument nicht ersticken zu lassen. Im Film bringt sie ihn zu seinem ersten Termin an der Royal Academy of Music – und steckt ihm für die Rückfahrt das nötige Kleingeld zu.

5: A&R-Mann Ray Williams war ein entscheidender Weichensteller

Der Film Rocketman beleuchtet auch die zentrale Rolle, die Ray Williams in der Karriere von Elton John gespielt hat: Damals Leiter der A&R-Abteilung von Liberty Records, war er es, der 1967 die folgenreiche Anzeige im New Musical Express schaltete. Es war jenes Inserat, auf das wenig später Reg Dwight und der angehende Pop-Songtexter Bernie Taupin antworten sollten. Gespielt wird Williams von Charlie Rowe.

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6: Das berühmte Video zu I’m Still Standing wird im Film 1:1 nachgestellt

Taron Egerton kam während der Dreharbeiten in den Genuss, das wahnsinnig extravagante, extrem ausgelassene Video zu dem 1983 veröffentlichten Hit I’m Still Standing nachstellen zu können; das Original hatte Regisseur Russell Mulcahy in Cannes und Nizza gedreht. Dieses Mal war es also Egerton, der im Strohhut am Strand die „menschlichen Dominosteine“ umschmeißen durfte…

7: Die Levitations-Szene aus Rocketman basiert auf einer Fotografie aus dem Jahr 1970

Natürlich wird in Rocketman auch gezeigt, wie Elton und Bernie endlich in Los Angeles ankommen, dem Ort ihrer Träume. Der Sänger war erstmals in den Staaten gebucht worden, und dann gleich für sechs Konzerte im legendären Troubadour in West Hollywood. Der erste dieser Auftritte, es war der 25. August 1970, war dermaßen umwerfend, dass der US-Musikkritiker Robert Hilburn von der LA Times danach schrieb: „Aus ihm wird einer der größten und wichtigsten Stars der Rockwelt werden.“ Die Levitations-Szene im Film ist von einer Fotografie inspiriert, die an jenem Abend in Los Angeles entstanden ist: Darauf zu sehen ist Elton, der seine Beine in die Luft schleudert – und zwar so, wie es sein Idol Jerry Lee Lewis einst auch gemacht hat.

Elton John 1974. Chris Walter/WireImage

8: Rocketman vereint neben den größten Hits auch unbekanntere Songs

Schon ein flüchtiger Blick auf die Tracklist des dazugehörigen Originalsoundtracks verrät, dass Rocketman nicht nur mehr als ein Dutzend Klassiker aus der langen Karriere des Briten beinhaltet, denn obendrein ist auch noch Platz für eine Auswahl von frühen, sehr viel weniger bekannten Kompositionen. Dazu gehören etwa Rock And Roll Madonna, eine Single aus dem Jahr 1970, die nie auf einem Album erschienen ist, oder das noch zwei Jahre ältere Thank You For All Your Loving, das Elton mit seinem einstigen Gitarristen Caleb Quaye schrieb.

9: Elton lernte seine Frau Renate Blauel im Studio kennen, als er gerade ein Album fertig machte

Seine spätere Ehefrau Renate Blauel, eine Deutsche, die von Celinde Schoenmaker gespielt wird, war Tontechnikerin. Die beiden lernten sich in einer Phase kennen, als Elton in eine Abwärtsspirale aus Drogen und Alkohol geraten und dementsprechend ziemlich am Ende war. Die groß angelegte Hochzeit in Australien, die 1984 stattfand, ist im Film zu sehen; die Scheidung erfolgte 1988, woraufhin der Sänger, der sich schon 1976 öffentlich als bisexuell bezeichnet hatte, wenig später sein Coming-Out hatte. „Mein allergrößter Wunsch war damals, ein guter Ehemann zu sein“, kommentierte er später, „aber zugleich verleugnete ich damit mein wahres Wesen – was meine Frau sehr traurig machte und mir ein erdrückendes Schuldgefühl gab.“

Elton John und Renate Blauel bei ihrer Hochzeit am 14. Februar 1984. Foto: Patrick Riviere/Getty Images

10: In Rocketman kriegen sich Elton und Bernie auch mal in die Haare – was in Wirklichkeit nie vorgekommen ist

Es gibt eine Szene in Rocketman, in der Bernie Taupin einige Zeilen aus Goodbye Yellow Brick Road präsentiert, und der Texter nach einer hitzigen Auseinandersetzung mit Elton davon singt, sich nicht einsperren zu lassen und „zu seinem eigenen Acker“ zurückzukehren – „going back to my plough“. Doch schon im Nachspann wird in aller Deutlichkeit gesagt, dass die beiden seit gut fünf Jahrzehnten miteinander befreundeten Musiker tatsächlich in all den Jahren noch nie gestritten haben. Im Gegenteil: Die Freundschaft zwischen dem Rocketman und dem Brown Dirt Cowboy ist so ungetrübt, eng und einzigartig wie eh und je…


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