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Popkultur

Der wahre Elton John: 10 Dinge, die wir aus dem Film „Rocketman“ gelernt haben

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Taron Egerton als Elton John in "Rocketman"

Obwohl der Kinofilm Rocketman bekanntermaßen von Elton Johns Leben handelt, nimmt weder der Regisseur Dexter Fletcher noch Autor Lee Hall oder Co-Executive Producer Elton John persönlich den Ausdruck „Biopic“ in den Mund. Stattdessen wird immer wieder betont, dass es sich um eine musikalische Fantasiewelt, um ein Fantasy-Musical auf der großen Leinwand handelt.

von Paul Sexton

Der Film funktioniere eher wie ein impressionistischer Blick auf ausgewählte Schlüsselmomente im Leben des Musikers, wobei die Songs selbst die Handlung vorantreiben. Der Slogan „Based on a true fantasy“ – auf einer wahren Fantasie basierend – bringt das alles schon sehr gut auf den Punkt. Was jedoch keinesfalls heißt, dass man im Kino nichts über das Leben von Elton John lernen könnte. Im Gegenteil: Es gibt jede Menge Fakten und wahre Begebenheiten, die hier neu in Szene gesetzt worden sind.

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Die vielen Lobgesänge von Seiten der Kritik konzentrierten sich einerseits auf die Hauptfiguren: Immer wieder wurde Taron Egertons umwerfende Elton-Darbietung gefeiert, genau wie Jamie Bell, der eine grandiose Performance in der Rolle seines jahrzehntelangen Co-Songschreibers Bernie Taupin abliefert. Auch die Musik selbst, die Zeitlosigkeit der Kompositionen dieses Dreamteams, wurde immer wieder thematisiert. Tatsächlich war es der musikalische Leiter Giles Martin, der die vielen Klassiker neu interpretiert und sie so aufgenommen hat, dass sie nun mindestens so umwerfend und (leinwand-)groß klingen wie die dazugehörigen Szenen.

Nicht zu vergessen, die gefeierten Nebendarsteller*innen: Richard Madden zum Beispiel, der den Manager (und Gelegenheits-Lover) John Reid richtig schön machiavellistisch wirken lässt. Oder auch Stephen Graham, der Eltons ersten Plattenboss Dick James spielt; und natürlich die grandiose Gemma Jones als Großmutter Ivy, für den angehenden Sänger eine wichtige Unterstützerin.


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Während Rocketman ganz bewusst keine chronologische Nacherzählung von Leben und Werk bietet, vereint der Film doch etliche wahre Anekdoten, Wusste-ich-ja-noch-gar-nicht-Momente und viel zu selten beleuchtete Aspekte aus dem Leben jenes Musikers, der einst als Reginald Kenneth Dwight zur Welt kam. Hier sind 10 Dinge, die wir aus Rocketman gelernt haben.

Hört hier den Soundtrack von Rocketman:

1. Your Song entstand binnen weniger Minuten – in der Wohnung von Eltons Mutter.

Unter den vielen Schlüsselmomenten, die im Film Rocketman grandios in Szene gesetzt sind, zählt dieser zu den atemberaubendsten: Bernie präsentiert Elton seinen neuesten Songtext, die mit Kaffeeflecken übersäten Zeilen für eine frühe Ballade. Eines der ersten Beispiele für die unvergleichliche Chemie des Songwriter-Teams, nahm Elton diese Zeilen, in denen sein junger Freund versuchte, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, und fand schon im nächsten Augenblick die perfekte Melodie dazu. Das Ergebnis hieß Your Song – sein erster großer Hit. Es war der Startschuss, derjenige Titel, der sein Leben und die ganze Musikwelt für immer verändern sollte.

2. Eltons Vater war in der Britischen Luftwaffe und deshalb kaum zu Hause.

Eltons Vater Stanley Dwight, der im Film von Steven Mackintosh gespielt wird, war Hauptmann der Britischen Luftwaffe (Royal Air Force). Gleich zu Beginn von Rocketman hat er ein paar Tage frei und ist ausnahmsweise bei der Familie: Hier wird die schwierige und von der häufigen Abwesenheit geprägte Vater-Sohn-Beziehung sehr gut sichtbar. Seine Mutter Sheila, deren Rolle Bryce Dallas Howard übernimmt, wirkte dagegen eher unterstützend auf den Sohn ein: Sie fand es gut, dass ihr kleiner Reggie so sehr auf Rock & Roll stand.

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3. Der im neuen Jahrtausend veröffentlichte Song I Want Love beschreibt eine Familienangelegenheit aus den 50ern.

Im Jahr 2001 wurde Eltons britischer Top-10-Hit I Want Love, eine bewegende Ballade vom Album Songs From The West Coast, für einen Grammy nominiert. Auf der Leinwand ist der Song ein Paradebeispiel dafür, wie der Film seine ganz eigene Zeitachse kreiert, um das Leben des Musikers auf ungewöhnliche Weise nachzuzeichnen: Hier als Interpretation eines Ensembles in die Handlung integriert, hören wir I Want Love in Eltons Elternhaus in Pinner in der Nähe von London. Es ist genau der Moment, in dem die Textzeile „dead in places other men feel liberated“ auf seinen Vater zutrifft.

4. Eltons Großmutter Ivy war eine loyale Unterstützerin.

Sheilas Mutter Ivy hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrem Enkel Reggie, sicherlich auch deshalb, weil der Vater Stanley ja andauernd abwesend war. Die Großmutter war zugleich diejenige, die den zukünftigen Musiker dazu brachte, mit dem Klavier weiterzumachen, seine anfängliche Begeisterung für das Instrument nicht ersticken zu lassen. Im Film bringt sie ihn zu seinem ersten Termin an der Royal Academy of Music – und steckt ihm für die Rückfahrt das nötige Kleingeld zu.

5. A&R-Mann Ray Williams war ein entscheidender Weichensteller.

Der Film Rocketman beleuchtet auch die zentrale Rolle, die Ray Williams in der Karriere von Elton John gespielt hat: Damals Leiter der A&R-Abteilung von Liberty Records, war er es, der 1967 die folgenreiche Anzeige im New Musical Express schaltete. Es war jenes Inserat, auf das wenig später Reg Dwight und der angehende Pop-Songtexter Bernie Taupin antworten sollten. Gespielt wird Williams von Charlie Rowe.

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6. Das berühmte Video zu I’m Still Standing wird im Film 1:1 nachgestellt.

Taron Egerton kam während der Dreharbeiten in den Genuss, das wahnsinnig extravagante, extrem ausgelassene Video zu dem 1983 veröffentlichten Hit I’m Still Standing nachstellen zu können; das Original hatte Regisseur Russell Mulcahy in Cannes und Nizza gedreht. Dieses Mal war es also Egerton, der im Strohhut am Strand die „menschlichen Dominosteine“ umschmeißen durfte…

7. Die Levitations-Szene aus Rocketman basiert auf einer Fotografie aus dem Jahr 1970.

Natürlich wird in Rocketman auch gezeigt, wie Elton und Bernie endlich in Los Angeles ankommen, dem Ort ihrer Träume. Der Sänger war erstmals in den Staaten gebucht worden, und dann gleich für sechs Konzerte im legendären Troubadour in West Hollywood. Der erste dieser Auftritte, es war der 25. August 1970, war dermaßen umwerfend, dass der US-Musikkritiker Robert Hilburn von der LA Times danach schrieb: „Aus ihm wird einer der größten und wichtigsten Stars der Rockwelt werden.“ Die Levitations-Szene im Film ist von einer Fotografie inspiriert, die an jenem Abend in Los Angeles entstanden ist: Darauf zu sehen ist Elton, der seine Beine in die Luft schleudert – und zwar so, wie es sein Idol Jerry Lee Lewis einst auch gemacht hat.

Elton John 1974. Chris Walter/WireImage

8. Rocketman vereint neben den größten Hits auch unbekanntere Songs.

Schon ein flüchtiger Blick auf die Tracklist des dazugehörigen Originalsoundtracks verrät, dass Rocketman nicht nur mehr als ein Dutzend Klassiker aus der langen Karriere des Briten beinhaltet, denn obendrein ist auch noch Platz für eine Auswahl von frühen, sehr viel weniger bekannten Kompositionen. Dazu gehören etwa Rock And Roll Madonna, eine Single aus dem Jahr 1970, die nie auf einem Album erschienen ist, oder das noch zwei Jahre ältere Thank You For All Your Loving, das Elton mit seinem einstigen Gitarristen Caleb Quaye schrieb.

9. Elton lernte seine Frau Renate Blauel im Studio kennen, als er gerade ein Album fertig machte.

Seine spätere Ehefrau Renate Blauel, eine Deutsche, die von Celinde Schoenmaker gespielt wird, war Tontechnikerin. Die beiden lernten sich in einer Phase kennen, als Elton in eine Abwärtsspirale aus Drogen und Alkohol geraten und dementsprechend ziemlich am Ende war. Die groß angelegte Hochzeit in Australien, die 1984 stattfand, ist im Film zu sehen; die Scheidung erfolgte 1988, woraufhin der Sänger, der sich schon 1976 öffentlich als bisexuell bezeichnet hatte, wenig später sein Coming-Out hatte. „Mein allergrößter Wunsch war damals, ein guter Ehemann zu sein“, kommentierte er später, „aber zugleich verleugnete ich damit mein wahres Wesen – was meine Frau sehr traurig machte und mir ein erdrückendes Schuldgefühl gab.“

Elton John und Renate Blauel bei ihrer Hochzeit am 14. Februar 1984. Foto: Patrick Riviere/Getty Images

10. In Rocketman kriegen sich Elton und Bernie auch mal in die Haare – was in Wirklichkeit nie vorgekommen ist.

Es gibt eine Szene in Rocketman, in der Bernie Taupin einige Zeilen aus Goodbye Yellow Brick Road präsentiert, und der Texter nach einer hitzigen Auseinandersetzung mit Elton davon singt, sich nicht einsperren zu lassen und „zu seinem eigenen Acker“ zurückzukehren – „going back to my plough“. Doch schon im Nachspann wird in aller Deutlichkeit gesagt, dass die beiden seit gut fünf Jahrzehnten miteinander befreundeten Musiker tatsächlich in all den Jahren noch nie gestritten haben. Im Gegenteil: Die Freundschaft zwischen dem Rocketman und dem Brown Dirt Cowboy ist so ungetrübt, eng und einzigartig wie eh und je…

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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