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Popkultur

Die musikalische DNA von Billy Idol

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„Ich bin hoffnungslos zwischen dem Düsteren und dem Guten, dem Rebellen und dem Heiligen, dem Sexfanatiker und dem Mönch, dem Poeten und dem Priester, dem Demagogen und dem Populisten hin- und hergerissen“, begrüßt William Michael Albert Broad auf seiner Website sein Publikum. Das klingt kompliziert, einfacher machte es sich sein Chemielehrer, der dem Knirps die Worte „William is IDLE“, also „William ist untätig“ ins Zeugnis schrieb. Der nahm sich das zwar zu Herzen, nicht aber so wie der Schulmeister es wohl gern gehabt hätte. Aus William Broad wurde Billy Idol, einer der größten Stars der achtziger Jahre – und offensichtlich ein innerlich ziemlich zerrissener Typ.


Hört hier in die musikalische DNA von Billy Idol rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

So liest sich auch die Geschichte von Idols Karriere alles andere als die eines untätigen Künstlers. Vielmehr haben wir es immer mit einem umtriebigen Menschen zu tun, der nicht selten mal zu weit ging in dem Versuch, allen anderen ein bisschen voraus zu sein. Punk, Glam, New Wave, klassischer Rock, elektronischer Pop und ein Flair von Cyberpunk – Billy Idol versammelt tatsächlich nicht wenige Widersprüche in sich, was sich auch auf seine Musik auswirkt. Doch was hat den rebellischen Heiligen, den sexversessenen Mönch, den poetischen Priester eigentlich auf seinem langen und keineswegs geraden Weg alles inspiriert? Die musikalische DNA von Billy Idol schlüsselt uns genau das auf. Aber Achtung – es wird wild…


1. Sex Pistols – God Save The Queen

…denn schließlich fängt es auch wild an! Mit den Sex Pistols nämlich und der von ihnen losgetretenen Revolution namens Punk. Als Teil der Band Chelsea beziehungsweise später Generation X war Idol Teil der jungen Szene, in deren Mitte Johnny Rotten und Co. standen. „Damals die Sex Pistols zu sehen war wie, verdammt, Himmel, Paulus auf dem Weg nach Damaskus zu sein oder so“, versuchte er den Einfluss der Band auf seine Generation zu beschreiben. „Du bekamst eine Vorstellung davon, wie die neue Welt sein würde, eine Welt ohne Zukunft.“

Das nämlich war bekanntermaßen der Schlachtruf des Punks, wie er in God Save the Queen zu hören war. Klingt pessimistisch? Überhaupt nicht. Stattdessen wurde die britische Jugend angespornt, die Ärmel hochzukrempeln und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „Johnny zeigte uns, wo‘s langging“, so Idol. „Wir mussten unsere Ärsche bewegen und etwas unternehmen. Als ich die Sex Pistols sah, zeigte mir das, dass diese Typen in meinem Alter genau das machen, was ich tun sollte. Und wenn sie es konnten, hielt mich nichts auf!“ Gesagt, getan: Idol bewegte den Arsch. Und nicht nur seinen eigenen, versteht sich. Bald schon tanzte die ganze Welt auf der White Wedding.


2. The Beatles – She Loves You

Doch als Idol zuerst mit Generation X Karriere machte, kam das in der Punk-Szene nicht immer gut an. Wie andere von Punk inspirierte Gruppen, etwa The Police, wollten sie mehr als nur polarisieren und nicht allein eine gute Figur, sondern auch die passende Musik dazu machen. „Wir sagten das Gegenteil von The Clash und den Sex Pistols“, erinnerte sich Idol. „Die nämlich sangen ‚Kein Elvis, Beatles oder Rolling Stones‘. Wir aber waren aufrichtig in dem, was wir mochten. Unsere Musik baute auf den Beatles und den Stones auf!“

Die Beatles kamen schon früh in Idols Leben. Mit sieben Jahren hörte er das erste Mal She Loves You. „Als Kind lebte ich in den Staaten, in Long Island, und habe da vermutlich Elvis, Gene Vincent and Eddie Cochran gehört und die Beatles und Velvet Underground. Mein ganzes Leben lang habe ich Musik geliebt.“ So zollte er den Fab Four auch 2006 mit einer Interpretation ihres Stücks Tomorrow Never Knows vom Revolver-Album Tribut, das auf der Compilation Butchering The Beatles – A Headbashing Tribute enthalten war. Kein Cover wie jedes andere, versteht sich.


3. T.Rex – Get It On

Denn wann machte Idol schon jemals irgendetwas wie sonst jemand anderes? Eben, nie. 1981 ließ er England wieder hinter sich und zog nach New York, um seine Solo-Karriere anzukurbeln, nachdem er mit Generation X ein paar Achtungserfolge erzielen konnte. Hilfe kam vom ehemaligen KISS-Manager Bill Aucoin ebenso wie vom Gitarristen Steve Stevens. Gemeinsam mit Phil Feit und Gregg Gerson veröffentlichten die beiden die Don’t Stop-EP, auf der neben einer Version von Generation X‘ Dancing with Myself auch eine Interpretation von Tommy James & the Shondells‘ Mony Mony enthalten war.

Doch musikalisch wie in seinem Erscheinen machte sich ein weiterer Einfluss bei Idol bemerkbar: Glam Rock. Noch heute covert Idol bei Konzerten mit seiner Band gerne Glam-Hits wie T.Rex’ Get It On. Seine Liebe zum Songwriting und Sound der sechziger und siebziger Jahre schließlich spiegelt sich darin ebenso wider wie sein exaltiertes Auftreten, das ihn von den schnoddrigen Punks seiner Zeit unterschied. Und nicht nur das: T.Rex-Mastermind Marc Bolan war ein früher Förderer von Generation X, der Idol auch als Solo-Künstler unter seine Fittiche nahm.


4. Simple Minds – Don’t You (Forget About Me)

Glam hier, Rock da: Die Musik von Bolan und seiner Band bot für Idol das Beste aus beiden Welten. Doch die Rock-Welt änderte sich in den achtziger Jahren, was auch vor ihm nicht Halt machte. Die Songs klangen glatter, Synthesizer verdrängten die Gitarre an den Bühnenrand. Was tun? Nicht verzweifeln! Idol blieb offen für die Entwicklungen und ging das eine oder andere Bündnis mit Bands ein, die Rock-Fans eher ablehnten. Mit Duran Duran ging er ebenso auf Tour wie er den Simple Minds ihren größten Hit verschaffte, indem er… rein gar nichts tat!

Wie bitte? Die Geschichte von Don’t You (Forget About Me) geht folgendermaßen: Das von Keith Forsey und Steve Schiff geschriebene Stück wurde unter anderem Bryan Ferry und eben auch Idol angeboten, sie alle aber lehnten ab. Schiff schlug deswegen die Simple Minds vor, die sich auch nur zögerlich darauf einließen – schließlich wollten sie lieber mit ihrem eigenen Material bekannt werden. Eine Ironie der Geschichte, denn tatsächlich wurde daraus ihre berühmteste Nummer überhaupt. Und Idol? Der interpretierte das Stück 2001 für seine Greatest Hits-Platte neu. Ob er es heute wohl bereut, Forseys Vorschlag damals nicht angenommen zu haben?


5. The Doors – L.A. Woman

Überhaupt gehört das Scheitern genauso zu Idols Biografie wie seine großen Erfolge. Nicht nur mit Don’t You (Forget About Me) sollte es nichts werden, auch Idols zwei vielleicht größte Fernsehrollen überhaupt wurden ihm vereitelt. Zugegeben, daran war er nicht unschuldig: 1990 wurde er in einen schweren Motorradunfall in Hollywood verwickelt, weil er auf dem Weg vom Studio nach Hause ein Stoppschild überfuhr. Und was ihn das alles kostete! James Cameron hätte den sporadisch als Schauspieler aktiven Briten nämlich gerne als T-1000 in Terminator 2 gesehen.

Tragischer noch, dass ihm vielleicht die Rolle seines Lebens durch die Finger glitt: Eigentlich nämlich sollte er ebenso in Oliver Stones Jim Morrisson-Biopic The Doors eine tragende Rolle spielen, konnte aber wegen seiner Verletzung nur am Rande auftauchen: Er mimte Morrissons Saufkumpanen Cat. Mit den langen Haaren aber ist er schwer zu erkennen. Immerhin: Er hat es in den definitiven Film über eine seiner Lieblingsbands geschafft. Immer wieder spielt er Doors-Songs bei seinen Auftritten, für eine Interpretation von L.A. Woman vom gleichnamigen Album ging er 1990 ins Studio. Genau, im selben Jahr, als er mit dem Motorrad verunglückte…


6. The Who – The Punk and the Godfather

Morrisson zu treffen war Idol nie vergönnt, doch die anderen Doors-Mitglieder durfte er im Laufe seines Lebens kennenlernen. Sowieso konnte er immer wieder die Chance nutzen, mit seinen Idolen auf Augenhöhe zu kommen, sei es im Studio oder auf der Bühne. 1996 gelang ihm ein besonderer Coup, bei dem er seine Talente als Musiker und Schauspieler vereinen konnte: Er spielte bei The Whos Quadrophenia mit, wie auch auf der The Who – Tommy and Quadrophenia Live With Special Guests-DVD dokumentiert ist. The Punk and the Godfather sang er ebenso wie Bell Boy. Nicht das erste Mal, dass er mit The Who auf der Bühne stand – und erst recht nicht das letzte Mal. 2017 ging er erneut mit Pete Townshend auf Tour.

Die Frage, wer von den beiden wohl der Punk und wer der Godfather sei, stellt sich gar nicht erst. Townshend entfesselte mit seiner Band die wütende Energie seiner Generation auf die Bühne und schuf damit überhaupt erst die Möglichkeiten für Punk und damit auch das, was Idol später machen sollte. Die beiden wurden aber beste Buddies. Auf die Frage hin, bei welcher Band Idol gerne dauerhaft das Mikrofon übernehmen würde, musste er auch nicht lange nachdenken: „The Who! Aber nicht, dass ich das lange machen könnte… Vielleicht für fünf Minuten.“ Sieh an, vor solchen Rock-Giganten entdeckt selbst ein Billy Idol seine Bescheidenheit…


7. Ernie Marrs & the Marrs Family – Plastic Jesus

Aber wir wollen Idol auch nicht größenwahnsinniger zeichnen, als er eigentlich ist. Denn über alle Eskapaden hat er seine Wurzeln nicht vergessen. Als er 2005 mit Devil’s Playground sein erstes Album seit zwölf Jahren veröffentlichte, tat er das gemeinsam mit zwei alten Wegbegleitern: Seinem Gitarristen Steve Stevens natürlich und Keith Forsay. Genau, eben jener Forsay, dessen Don’t You (Forget About Me) Idol zwanzig Jahre zuvor wohl besser nicht abgelehnt hätte. Die Platte überraschte sogar mit dem Cover eines traditionellen Folk-Songs: Plastic Jesus.

Dass Idol, der von Kindheit an ein Leben zwischen den USA und England führt, sich auf klassische US-amerikanische Traditionen bezieht, liegt nahe. Doch Plastic Jesus, bekannt durch die Version von Ernie Marrs & the Marrs Family, ist schon eine etwas obskure Perle. Vielleicht lag es am Einfluss von Stevens, der den Sound von Idol über die Jahre noch bestimmter leitete als sonst jemand anderes. „Meine frühsten Einflüsse waren Folk und Flamenco, was viele überrascht, weil ich für meine Arbeit mit Billy bekannt bin“, sagte Stevens. Vielleicht also war Plastic Jesus der ideale Kompromiss zwischen den beiden, um gemeinsam eine neue Ära einzuleiten.


8. Art of Noise – Close (To The Edit)

Ein Schritt zurück kann schließlich zugleich einer in Richtung Zukunft sein. 2014 tat sich Idol mit dem Überproduzenten Trevor Horn zusammen, der als Musiker mit The Buggle und Yes bekannt wurde, bevor er sich es hinter den Reglern bequem machte und Pop auf den Kopf stellte. Mit der Gruppe Art of Noise gründete er gemeinsam mit Gary Langan, J. J. Jeczalik, Anne Dudley und Paul Morley ein radikales Kollektiv, das sich Anfang der achtziger Jahre auf die Musik des frühen 20. Jahrhunderts bezog und doch die Zukunft klanglich erfahrbar machte.

Mit Songs wie Close (To The Edit), der von Horn mitgeschrieben wurde, landete die nicht immer ganz ernst gemeinte (Nicht-)Band allerdings ein paar veritable Hits und zeigten in den achtziger Jahren, was mit der Hilfe von Samplern und Studiotechnik alles möglich war. Idol war damals von Horns Tätigkeiten begeistert und ist es noch heute noch. Nachdem die beiden schon für den Soundtrack des Tom Cruise-Films Tage des Donners zusammengearbeitet hatten, wollte ihn Idol für die Aufnahmen von Kings & Queens of the Underground erneut im Boot haben. „Ich sagte zu ihm: ‚Du hast alles gemacht!‘, und das stimmt. Er hat Techno gemacht, Hard Rock, Progressive Rock, Pop, alles in der Welt“, schwärmte Idol in 2014.


9. The Velvet Underground – Heroin

Es passte also alles. Denn mit Horn fand Idol einen Partner, der genauso viele Interessen wie er selbst unter einem Hut (oder besser: unter einer wasserstoffperoxidblonden Stachelfrisur) vereinte. Schon 1993 schließlich hatte Idol erneut bewiesen, dass er neuen Sounds und Technologien, wie auch Horn sie in den achtziger Jahren populär machte, aufgeschlossen war. Richtig, wir reden von seinem Album Cyberpunk, das er im Heimstudio an einem Macintosh-Computer aufnahm! Mit der Platte wollte Idol den alten Punk-Gedanken aufleben lassen und alles auf eigene Faust machen – womit er ziemlich früh dran war.

Das hatte seinen Grund – Idol war über die Stagnation im Rock-Biz frustriert. „Ich sitze hier als Punk von 1977 und schau Courtney Love dabei zu, wie sie über Punk redet und sehe, wie Nirvana über Punk reden – und das hier ist meine Antwort darauf“, hieß es zur Platte. Neben viel Literatur von Autoren wie William Gibson, Treffen mit wichtigen Figuren der Cyberkultur und natürlich einer umfassenden Internetrecherche floss allerdings ein bisschen alter Spirit in das Album ein, das in der Cyber-Community kontrovers diskutiert wurde: Das Stück Heroin ist ein Cover der gleichnamigen Velvet Underground-Nummer. Ob Idol schon 1993 verstand, wie süchtig uns das Internet eines Tages machen würde?


10. Nmesh – A Face Without Eyes

Cyberspace, Cyberpunk – das sind Worte, die heute längst ihre futuristische Magie verloren haben. Je schneller das Internet wurde, je mehr Menschen online gingen, je mehr Musik darin zu finden war, desto mehr verlor auch die Zukunft ihren Reiz und wir wurden von einer stressigen Gegenwart überwältigt. Ein zweites „No Future“? Nicht ganz, denn wo aus Punk noch ganz neue Formen entstanden, da folgte auf den großen Internet-Hype… Na ja, sehr wenig. Als „Retromania“ bezeichnete der Musikjournalist Simon Reynolds die Musik von Bands wie Arctic Monkeys oder Amy Winehouse, die überkommene Stile neu aufkochten. Pop-Kultur, argumentierte er, sei süchtig nach seiner eigenen Vergangenheit geworden. Heroin!

Als Antwort auf – oder vielleicht doch nur Ausdruck von? – diesem schleichenden Prozess entwickelte sich ab Ende der Nullerjahre im Netz ein bizarrer Mikrotrend namens Vaporwave: Gesichts- und manchmal namenslose Artists sampelten und verlangsamten Passagen aus bekannten Pop-Songs, um verrauschte Verfremdungseffekte hervorzubringen und die Pop-Welt mit ihrer Vorgestrigkeit zu konfrontieren. 2013 nahm der Produzent Nmesh sich dabei auch Billy Idols Eyes Without a Face vor. Ewig loopt sich die markante Eingangssequenz des Originals hin, bevor der Song springt und plötzlich in den stark verlangsamten Refrain übergeht – ein unheimlicher Effekt, gerade weil das Stück so einen enormen Wiedererkennungswert hat. Ob es dem (ehemaligen) Cyberpunk Idol wohl gefallen würde, die Power-Ballade so zu hören?


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Brennende Betten, brennender Tommy und ein verhedderter Fallschirm: 5 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Tommy Lee stammen können

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Tommy Lee
Foto: Emma McIntyre/Getty Images for SiriusXM

Nur fünf Anekdoten aus dem Leben von Tommy Lee? Es gäbe wahrscheinlich mindestens 5.000 zu erzählen. Diese finden wir besonders unterhaltsam, tragisch oder schockierend.

Hier könnt ihr euch Andro von Tommy Lee anhören:

1. Als er auf der Girls, Girls, Girls-Tour einen Drogendealer hinter sich herfahren ließ.

Über die Drogeneskapaden von Mötley Crüe wurde schon so viel geschrieben, dass es nahezu unmöglich ist, noch eine neue Geschichte aufzustöbern. Wir haben uns deshalb für eine der unterhaltsamsten entschieden. „Die Girls, Girls, Girls-Tour von 1987 gehört zu den geilsten Erlebnissen meines Lebens“, erzählt Schlagzeuger Tommy Lee im Interview mit dem britischen Guardian. „Zumindest glaube ich das, denn ich erinnere mich an nichts, außer an jede Menge verschwommenen Wahnsinn. Wir hatten einen mächtig großen Jet, endlos viel Kohle und konnten machen, was immer wir wollten.“

Spätestens seit der Mötley-Crüe-Bandbiografie The Dirt wissen wir alle: Egal, welche Ausschweifungen man sich so ausmalt … Tommy Lee und Co. setzen immer noch einen drauf. „Eine Zeit lang hatten wir sogar unseren eigenen Drogendealer, der in einem Luxus-Oldtimer hinter unserem Tourbus hergefahren ist“, berichtet Lee weiter. „Auf seinem Kennzeichen stand: DEALER. Wann immer wir aus dem Bus ausgestiegen sind, ist er mit seiner diamantbesetzten Rolex, seinen Goldketten und ein paar Bitches in jedem Arm aufgetaucht und hat der Band und der Crew ganze Bündel voller Koks zugeworfen. Er war der pimphafteste Dealer aller Zeiten und hatte immer seinen Partyhut auf.“ Doch die Plattenfirma von Mötley Crüe bekommt kalte Füße. Schließlich könnte die Polizei bei einem auffällig gekleideten Drogendealer in einem Luxusauto mit dem Kennzeichen „DEALER“ stutzig werden. Die Band muss sich von ihrem hauseigenen Rauschmittelhändler verabschieden. In Versorgungsnot geraten die Musiker während der Tour aber wohl trotzdem nicht.

2. Als er mit einer Leuchtfackel in einem Hotelzimmer herumspielte und das Bett in Brand steckte.

In den Siebzigern und Achtzigern gehört das Zerstören von Hotelzimmern für viele Rockstars schlicht und ergreifend dazu. Das gilt (natürlich) auch für Mötley Crüe. Als die Band 1986 durch die Schweiz tourt, nimmt sie ihren Auftrag durchaus ernst. Nicht nur, dass Schlagzeuger Tommy Lee und Frontmann Vince Neil in ihrem Hotelzimmer ein paar Leuchtfackeln anzünden. Nein, das Duo Infernale steckt damit auch gleich das Bett in Brand. Als wäre das nicht genug, zerstört die Band im gleichen Hotel auch noch die Glasfenster der Aufzüge.

3. Als sich sein Fallschirm beinahe nicht geöffnet hätte.

Sein Leben hat Tommy Lee im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufs Spiel gesetzt. Doch mit einem Vorkommnis hat er wohl selbst nicht gerechnet. So verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine die gefährlichste Situation, in der er sich je befand: „Das ist etwas, was du nicht hören willst, wenn du gerade einen Fallschirmsprung machst“, steigt er in die Erzählung ein. „Ich mache gerade einen Tandemsprung, bin an einen Lehrer geschnallt, er ist mit dem Fallschirm auf meinem Rücken und höre: ‚Oh, fuck!‘ Ich schaue nach oben und der Fallschirm hat sich verheddert. Er zerrt daran und kämpft mit den Seilen und ich denke: ‚Das war’s, ich bin am Arsch, es ist vorbei.‘ Aber dann hatte ich eine spirituelle Erfahrung und dachte: ‚Ich kann nichts tun. Ich werde den freien Fall einfach genießen, bis ich auf dem Boden aufschlage.’ Als ich gerade losgelassen hatte, ging der Fallschirm auf einmal auf. Nicht cool.“

4. Als er sich in Wyoming an der Pyrotechnik verbrannte.

Am 12. Oktober 2005 spielen Mötley Crüe im Casper Events Center (heute: Ford Wyoming Center) — und dabei geht einiges schief. Laut Ultimate Classic Rock habe sich Tommy Lee an jenem Abend an einem Seil zwischen verschiedenen Drumsets hin und her geschwungen, wobei er in einen Funkenregen geraten sei. Dabei habe er „oberflächliche Verbrennungen and seinen Armen und im Gesicht erlitten“ und versucht, die Show noch zu Ende zu bringen. Doch man habe auf Nummer sicher gehen wollen, wie Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil im Interview mit People verrät: „Er sah nicht gut aus, als die Sanitäter ihn hinter der Bühne behandelt haben, also haben wir uns dazu entschieden, ihn ins Krankenhaus zu schicken.“ Zum Glück sehen die Verbrennungen schlimmer aus als sie sind: Schon zwei Tage später sitzt Lee in Bismarck (North Dakota) wieder am Schlagzeug.

5. Als er ein Dickpic in den sozialen Medien postete.

Als hätte nicht sowieso schon ein ungleich großer Teil der Weltbevölkerung Tommy Lees Penis gesehen, musste der Schlagzeuger am 11. August 2022 noch einen draufsetzen — und postete in den Social Media ein Foto von seinem Gemächt. „Vor einigen Wochen hatten wir eine etwa zweiwöchige Tourpause“, erklärt der Trommler das Dickpic später im Rahmen eines Konzerts. „Und ich habe mich abgeschossen, Alter. Mich volllaufen lassen. Ich war so voll, dass ich mich ausgezogen und Bilder von meinem Schwanz gepostet habe. Dabei bin ich eigentlich ein Mann der Brüste. Ich sehe gerne Brüste. Aber ich dachte: Das ist die Nacht der gleichen Möglichkeiten. Ich wollte in dieser Nacht jedermanns Ding sehen. Komm schon, hol deinen Schwengel raus!“ Ah ja … Bei Facebook und Instagram wurde das Foto schon längst wieder gelöscht. Bei Twitter kann man sich Lees gesamte Herrlichkeit noch immer anschauen. Haben wir gehört.

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch fünf Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler*in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jede*r Autor*in jemals könnte.

In dieser Woche dreht sich alles um den 3. Oktober 1990, jenen Tag, an dem aus West und Ost wieder ein gemeinsames Deutschland wurde. Knapp ein Jahr zuvor, am 9. November 1989, war die innerdeutsche Mauer gefallen. Ein Ereignis, das auch in der Musik stattfand. Wir liefern fünf Wahrheiten über den Sound der deutschen Einheit.

1. Pink Floyd und die wahrgewordene Utopie

Noch im Juli meinte Roger Waters von Pink Floyd, dass es nur einen einzigen Anlass geben würde, aus dem er das bandeigene Riesenspektakel The Wall noch einmal inszenieren würde – und zwar den Fall der Berliner Mauer. Waters sah dieses Ereignis in so weiter Ferne, dass er sogar in Erwägung zog, dafür seinen Ex-Bandkollegen David Gilmour mit auf die Bühne zu holen. Knapp vier Monate später fiel die Mauer tatsächlich und im Juli 1990 wurde Waters Gedankenspiel Realität: The Wall wurde am Potsdamer Platz noch einmal aufgeführt – zwar ohne David Gilmour, aber dafür mit vielen Auftritten anderer Stars.

2. Der Boss in Ostberlin

Auftritte von westlichen Künstler*innen in der DDR waren rar gesät. 1988 etwa trat Bruce Springsteen in Ostberlin auf. Weil der SED-Zentralrat das Konzert als gute Möglichkeit der massenpolitischen Arbeit der FDJ ansah, wurde Bruce Springsteen eine Auftrittsgenehmigung für die DDR erteilt. Rund 200.000 Bewunder*innen des Bosses kamen zur Radrennbahn Weißensee, wo Springsteen seinem Wunsch Ausdruck verlieh, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden sollen. Der Satz wurde aus der Übertragung des Konzertes geschnitten – änderte aber nichts daran, dass sein Wunsch gut anderthalb Jahre später Wirklichkeit wurde.

3. Das David-Hasselhoff-Gate

Auch gut 30 Jahre nach dem Mauerfall hält sich das Gerücht wacker, David Haselhoff sei mitverantwortlich für dieses geschichtliche Großereignis, da er wenige Wochen nach der Maueröffnung dort seinen Hit Looking for Freedom sang und sich Menschen aus West- und Ostdeutschland dazu in den Armen lagen. Aber: weit gefehlt. „Ich hatte nie etwas damit zu tun und habe das auch nie gesagt. Niemals“, äußerte sich der Baywatch-Star unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

4. Das Eigenleben von Freiheit

Wer an Musik und Mauerfall denkt, hat sicherlich auch Freiheit von Marius Müller-Westernhagen im Sinn. Aber: Nicht nur, dass MMW den Song schon drei Jahre vor dem Mauerfall schrieb, nein, er hatte den Fall der Mauer nicht Mal im Sinn. Die Live-Version von Freiheit entwickelte vor dem Hintergrund des Mauerfalls allerdings ein Eigenleben und wurde zur Hymne des Herbstes. „Freiheit zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut“, sagte Marius Müller-Westernhagen gegenüber der TZ.

5. Wind Of Change ist ein rechtlich geschützter Begriff

Klar, Wind Of Change gilt unangefochten als die Hyme der Wende schlechthin. „Mein Gedanke war: Die ganze Welt in einem Boot und alle sprechen eine Sprache – Musik. Im September entstand Wind Of Change in Deutschland und im November fiel die Berliner Mauer. Der Song drückte ein Gefühl der Hoffnung aus, dass wir alle in der Zukunft in einer friedlicheren Welt leben können“, erklärte Klaus Meine mal gegenüber dem Fernsehsender VOX. Der Song machte die Scorpions binnen kürzester Zeit zu Weltstars. Nur logisch, dass Klaus Meine und Rudolf Schenker seitdem Inhaber der Wortmarke Wind Of Change sind.

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 3. Oktober 1990 war es offiziell: West- und Ost-Deutschland gehören wieder zusammen, die Berliner Mauer fiel schon ein Jahr vorher, der Eiserne Vorhang begann sich nach und nach zu lüften. Wir schauen zurück auf dieses historische Ereignis mit Songs, die damals und in der folgenden Zeit zum Soundtrack des wiedervereinigten Deutschlands wurden.

1. Scorpions – Wind Of Change

Los geht’s mit offensichtlichsten Song: Die sogenannte „Hymne der Wende“ ist auf jeden Fall der kitschigste, aber auch emotionalste und bekannteste Klassiker, den Mauerfall und Wiedervereinigung im Nachhinein hervorgebracht haben. Ein Jahr nach der Maueröffnung und kurz nach dem Zusammenschluss von BRD und DDR war Wind Of Change mit seinem Plädoyer für das Ende der Ost-West-Trennung die perfekte musikalische Untermalung für das, was gerade vor sich ging. So schreibt man Geschichte mit.

2. Westernhagen – Freiheit

Auch wenn dieser Song schon ein paar Jahre vorher veröffentlicht wurde, ist er ganz fest mit der deutschen Einheit verknüpft. Natürlich wegen des programmatischen Titels. Aber auch weil Westernhagen einer der vielen Künstler*innen war, die beim „Konzert für Berlin“ in der Deutschlandhalle auftraten, ein paar Tage nach dem Fall der Mauer. Dass Freiheit in diesem Setting eine extrem emotionale Rolle zukam, versteht sich von selbst.

3. Udo Lindenberg – Horizont

Allerallerspätestens mit dem Musical Hinterm Horizont ist Udo Lindenberg zu einer Galionsfigur für das geteilte Berlin und die Menschen geworden, die trotz aller gemauerten Widerstände zusammen sein wollten. Horizont ist die Liebesballade, die im Zentrum des Musicals steht. Und obwohl Sonderzug nach Pankow die politisch stärkere Hymne ist, berührt einen Horizont doch ein wenig mehr.

4. Die Prinzen – Millionär

Mauer weg, Invasion der Ossis. Für viele Westdeutsche (und natürlich auch ehemalige DDR-Bürger*innen) war die Wiedervereinigung eine mindestens zweischneidige Sache. Auch musikalisch war das Land jetzt vereint, und Die Prinzen wurden zu den ersten neuen gesamtdeutschen Popstars. Millionär war ihr erster putziger Hit.

5. WestBam / Dr. Motte – Sunshine

Techno und House gelten als inoffizieller Soundtrack der Wende – zumindest in Berlin. Mauerfall und Wiedervereinigung fielen eher zufällig mit dem Aufkommen der neuen Jugendkultur zusammen, aber es hätte nicht besser passen können: Auf großen Raves, in neuen Clubs und Events wie der Loveparade feierte Berlin seine neue Zusammengehörigkeit, mit einer Musik, die sich nicht um Ost oder West schert. Dr. Motte und Westbam waren zwei der damaligen Protagonisten, die regelmäßig neue Hymnen für die „ravende Gesellschaft“ produzierte.

6. Tocotronic – Aber hier leben, nein danke

Das neue Deutschland, genau so wie die zwei alten, war für viele nicht unbedingt etwas, mit dem man sich identifizieren konnte oder wollte. Egal, welche politische Meinung man hier hat – besonders die Deutschland-Kritiker*innen aus dem linken Spektrum haben ihre Vorbehalte immer in tolle Musik verpackt. So wie Tocotronic hier. Zwar ist der Titel ziemlich eindeutig, der Text allerdings sehr kryptisch und der Song unglaublich gut.

7. Slime – Deutschland

Andere waren da schon deutlicher: Dieser deutsche Punk-Klassiker stammt zwar aus den 80ern, ist aber bis heute ein Dauerbrenner. Vor allem wenn es darum geht, unserem Land auch mal die Meinung zu geigen. Das muss es schließlich aushalten.

8. Rocko Schamoni – Mauern

Und auch hier muss man ein bisschen ironische Skills mitbringen: Denn unser liebster Hamburger Lebenskünstler Rocko Schamoni empfiehlt bei zu viel sozialen Spannungen, einfach eine Mauer zu bauen. Kennt man ja. Aber ist natürlich auch nicht ganz so ernst gemeint. Die Satire-Partei Die Partei tut allerdings sehr überzeugend so, als würde sie ihre radikalen Forderungen ernst meinen – zum Beispiel, tatsächlich wieder eine Mauer in Deutschland zu errichten. Natürlich wurde Schamonis Song zur ihrer Wahlkampf-Hymne.

9. Pink Floyd – Another Brick In The Wall, Pt. 2

Auch dieser Rock-Klassiker handelt von einer Mauer, aber nur im übertragenen Sinne von der Berliner. Seit Pink Floyd 1988 aber ein Konzert direkt an der Mauer gespielt haben, ist der Song wie der gleich folgende untrennbar mit der Wiedervereinigung verknüpft.

10. David Hasselhoff – Looking For Freedom

Ein bisschen Spaß muss sein, ne? Denn in Expertenkreisen weiß man, dass es vor allem The Hoff war, die die Mauer zu Fall brachte. Looking For Freedom muss man heute schon mit sehr viel Augenzwinkern hören, doch damals war es ein Mega-Hit. Und wenn man sich die Begeisterung bei Hasselhoffs Mauer-Auftritt im Jahr 1989 ansieht, dann kann man schon verstehen, wieso The Hoff so von seiner historischen Leistung überzeugt ist.

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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