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Popkultur

15 Hip-Hop-Empfehlungen für den Einstieg

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Frühe Hip-Hop-Pioniere: N.W.A. Foto: Raymond Boyd/Michael Ochs Archives/Getty Images

Kanye West hat nicht Unrecht, wenn er über sich und seine Kolleg*innen sagt: „Wir sind die neuen Rockstars!“ Die Welt spricht Hip-Hop und das schon seit vielen Jahren. Doch was genau versteht man darunter eigentlich? In gängigen Definitionen werden vier Säulen genannt, wenn es um die Bestandteile der Hip-Hop-Kultur geht: MCing (i.e. Rappen), DJing, Breakdancing und Graffiti. Los geht das Ganze schon während der Siebziger in Form sogenannter „Block Parties“, später entwickelt sich daraus ein globaler Trend. Inzwischen gibt Hip-Hop kulturell den Ton an, ob wir Rocker*innen das hören wollen oder nicht. Schauen wir uns mal an, wer dazu beigetragen hat und beiträgt.

von Timon Menge und Sina Buchwitz

Hier könnt ihr euch einige unserer Hip-Hop-Empfehlungen anhören:

Üblicherweise grenzen wir unsere Empfehlungsartikel ein wenig stärker ein. 15 Tipps für den Hip-Hop-Einstieg auszuwählen, entspricht etwa einem Text mit dem Titel „15 Empfehlungen für den Rock-Einstieg“. Eigentlich viel zu allgemein, klar. Weil wir auf dieser Website aber vor allem Rockmusik-affin sind, möchten wir in erster Linie einen ganz groben Überblick geben. Die frühen Anfänge mit DJ Kool Herc, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash schenken wir uns, ebenso wie kommerzielle Superstars à la Kanye West und Jay-Z. Stattdessen haben wir ein paar lose Fäden zusammengetragen, die man aufgreifen kann, um die spannende Welt des Hip-Hop zu erforschen.

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1.N.W.A. / Dr. Dre

N.W.A. (Abkürzung für: „Niggaz Wit Attitudes“) aus Compton bei Los Angeles gehören nicht nur zu den einflussreichsten Hip-Hop-Gruppen aller Zeiten, sondern auch zu den wichtigsten Brutstätten des Genres. So starten mit Dr. Dre und Ice Cube gleich zwei Mitglieder der Crew auch als Solokünstler durch. Dr. Dre verhilft außerdem einigen anderen großen Namen des Geschäfts zum Erfolg, wie zum Beispiel Snoop Dogg, Eminem und 50 Cent. Hier geht also einiges los. Ein guter Startpunkt für alle, die sich näher mit dem Thema Hip-Hop beschäftigen möchten.

Anspieltipps: N.W.A – Straight Outta Compton; Ice Cube – It Was A Good Day; Dr. Dre – Still D.R.E.; Snoop Dogg – Who Am I (What’s My Name)?; Eminem – ‘Till I Collapse

2.Ice-T / Body Count

Ice-T heißt eigentlich Tracy Lauren Marrow und legt in den Achtzigern los, genau wie N.W.A. und andere frühe Vertreter*innen des Hip-Hop. Der Titel seines ersten Albums Rhyme Pays (1987) soll sich für ihn bewahrheiten: Acht erfolgreiche Studioalben veröffentlicht er im Lauf seiner Karriere, sieben weitere mit seiner Metalband Body Count. Weitere Brötchen verdient er sich als Schauspieler in diversen Filmen und mit seiner langjährigen Rolle in der US-Fernsehserie Law & Order: Special Victims Unit.

Anspieltipps: Ice-T – 6 ‘N The Mornin’; Ice-T – Colors; Ice-T – New Jack Hustler (Nino’s Theme); Ice-T – O.G. (Original Gangster); Body Count – Cop Killer

3.Salt-N-Pepa

1985 gründen Cheryl „Salt“ James und Sandra „Pepa“ Denton in Queens quasi spontan Salt-N-Pepa – auf Bitten ihres Freundes (und späteren Managers und Produzenten) Hurby „Luv Bug“ Azor nimmt Cheryl mit ihrer damaligen Arbeitskollegin Sandy The Show Stopper auf, einen Antwortsong auf Doug E Freshs The Show. Später kommt Deidra „DJ Spinderella“ Roper zur Gruppe hinzu. Von den männlichen Vertretern ihres Genres häufig objektifiziert und herabgewürdigt, gibt das Trio selbstbewussten Frauen im Hip-Hop erstmals eine Stimme. Laut. Und unmissverständlich: Hits wie Let’s Talk About Sex, Shoop, Push It und Do You Really Want Me thematisieren die weibliche Sexualität ebenso unverblümt wie feministische Ideale und gegenseitigen Respekt.

Anspieltipps: I’ll Take Your Man; Let’s Talk About Sex; None Of Your Business; Tramp; Champagne

4.Beastie Boys

Ursprünglich legen die Beastie Boys unter dem Namen The Young Aborigines los. Damals spielt die Truppe noch experimentellen Hardcore-Punk, erst später folgt die Umorientierung zum Hip-Hop. Und damit durchbrechen die drei New Yorker eine Barriere. Unter Weißen ist der Hip-Hop nämlich eigentlich noch so gar nicht angekommen. Ad-Rock, MCA und Mike D interessiert das nicht und die Musiker veröffentlichen in den Jahren danach Erfolge wie Licensed To Ill (1986), Ill Communication (1994) und Hello Nasty (1998). Heute zählt das Trio zu den erfolgreichsten Hip-Hopper*innen aller Zeiten.

Anspieltipps: Sabotage; Intergalactic; Fight For Your Right; No Sleep Till Brooklyn; Brass Monkey

5.Missy Elliott

Schon lange bevor Missy Elliott als Solokünstlerin durchstartet, ist sie für zahlreiche Hits mitverantwortlich. Sie schreibt Songs für Größen wie Aaliyah, Christina Aguilera, Mariah Carey und Ginuwine, bevor sie 1997 mit ihrem alten Schulfreund Timbaland ihr Debütalbum Supa Dupa Fly aufnimmt und die Hip-Hop-Welt nachhaltig verändert: Mit innovativen Sounds, cleveren Texten und legendären Musikvideos manifestiert sie im Laufe der Jahre ihren ikonischen Status im Genre. Spätestens mit ihrem dritten Album Miss E…So Addictive steigt sie 2001 zum Rap-Superstar auf.

Auch mit ihrem Look macht sie von sich reden: Während viele ihrer Kolleginnen Anfang der 2000er von Medien und Plattenfirmen hypersexualisiert dargestellt werden, setzt Missy auf lässige Baggy-Styles, cartoonartige Silhouetten, grelle Farben und bereichert das sonst oft ernste Hip-Hop-Business um eine große Portion Selbstironie und Humor.

Anspieltipps: Sock It 2 Me; Pass That Dutch; Work It; Lose Control; Gossip Folks

6.2Pac

Um Tupac Amaru Shakur ranken sich die verrücktesten Mythen. Offiziell wird der einflussreiche Rapper am 13. September 1996 bei einem Drive-By-Shooting in Las Vegas erschossen. Inoffiziell soll er immer noch leben und sich bloß aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen haben, ähnlich wie es auch Elvis Presley öfter nachgesagt wird. So oder so zählt 2Pac zu den wichtigsten Figuren des West Coast Hip-Hop. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in New York City, mit 17 geht es nach San Francisco, 1993 zieht er nach Los Angeles. Immer wieder beschäftigt er sich mit sozialkritischen Themen und setzt sich für die Gleichbehandlung von Schwarzen ein.

Anspieltipps: Ambitionz As A Ridah; All Eyez On Me (feat. Big Syke); Changes; Dear Mama; Keep Ya Head Up

7.The Notorious B.I.G.

The Notorious B.I.G. (oder auch Biggie Smalls) kennt man vor allem für seinen virtuosen, entspannten Rap-Stil sowie für seine äußerst gehaltvollen, teils autobiografischen Texte. Er gilt als einer der besten Rapper aller Zeiten, zu den erfolgreichsten zählt er auf jeden Fall. Hits wie Hypnotize und Juicy gehören zu jeder Hip-Hop-Party, seine Alben Ready To Die (1994) und Life After Death (1996) in jedes gut sortierte Plattenregal. Leider wird er nur 24 Jahre alt, weil er am 9. März 1997 ebenfalls bei einem Drive-By-Shooting niedergeschossen wird.

Anspieltipps: Hypnotize; Juicy; Big Poppa; Old Thing Back (feat. Ja Rule & Ralph Tresvant); Gimme The Loot

8.OutKast

Nicht nur an der Ost- und der Westküste findet der Hip-Hop statt, sondern auch im Süden der USA. Das erste berühmte Beispiel dafür gründen André 3000 und Big Boi 1992 unter dem Namen OutKast. Funk, Psychedelic, Jazz, Folk: Die beiden Rapper lassen allerlei Stilrichtungen in ihre Musik einfließen und erobern mit Hits wie Ms. Jackson und Hey Ya! die Charts. Ganze sechs Grammys erhalten die beiden im Lauf ihrer Karriere, mehr als 25 Millionen Alben gehen über die Ladentheke. An dieser Stelle wird es schon ein wenig experimentell, doch wir bewegen uns immer noch an der obersten Oberfläche des Hip-Hop.

Anspieltipps: Ms. Jackson; Hey Ya!; Roses; So Fresh, So Clean; ATLiens

9. Nas

Mit seinen tiefgründigen, wortgewandten Texten hat er das Genre auf ein neues Level gehoben. Mit Illmatic (1994) hat er ein Album für die Ewigkeit veröffentlicht. Immer wieder taucht die Platte in Auflistungen der „Besten Hip-Hop-Alben aller Zeiten“ ganz vorne auf. Aktiv ist Nasir bin Olu Dara Jones, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, immer noch. Gerade erst hat er sein zwölftes Album King’s Disease (2020) rausgebracht.

Anspieltipps: If I Ruled The World (Imagine That) (feat. Lauryn Hill); N.Y. State Of Mind; The Message; The World Is Yours; Halftime

10. Lauryn Hill

Im Song The Score spricht Fugees-Kollege Wyclef Jean 1996 das aus, was Fans und Musikinteressierte schon lange denken: „The magazine said the girl shoulda went solo“. Mit ihrem Album The Miseducation Of Lauryn Hill tut Lauryn Hill genau das – und landet damit einen Nummer-eins-Hit. Mühelos lässt die Künstlerin Grenzen zwischen Hip-Hop, Soul und R’n’B verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur des Neo Soul. Auch lyrisch kann sich die Platte sehen (bzw. hören) lassen: Hill verarbeitet in ihren Songs nicht nur eine verflossene Liebe, sondern rappt auch über Themen wie Feminismus, das Musikbusiness und die damit verbundenen Herausforderungen, denen sich vor allem Frauen stellen müssen.

Anspieltipps: Fugees – Fu-Gee-La; Doo Wop (That Thing); To Zion; Ex-Factor; Ready Or Not

11. Pharrell Williams

Ob als Produzent mit den Neptunes, als Solokünstler oder als facettenreiches Multitalent mit seiner Band N.E.R.D.: Pharrell Williams’ Kreativität scheint kein Ende zu kennen. Immer wieder erfindet sich der Musiker aus Virginia neu, Platte für Platte entwickelt er sich selbst und den Hip-Hop weiter. Ganze 13 Grammy-Trophäen konnte er bislang sammeln, unter anderem dreimal als bester Produzent. Die meisten seiner Songs kommen euch vermutlich bekannt vor, ob aus dem Musikfernsehen (Wisst ihr noch, damals…), von YouTube oder aus dem Radio.

Anspieltipps: Marilyn Monroe; Water; Lemon; Freedom; N.E.R.D. – She Wants To Move

12. Drake

Seit 2006 mischt der kanadische Rapper Drake im Musikbusiness mit. Während seine Anfänge nur von geringem kommerziellem Erfolg geprägt waren, startet er 2010 mit seinem Debütalbum Thank Me Later richtig durch: Mittlerweile zählt Drizzy über 200 Songs in den Billboard Hot 100 Charts und zählt damit als Spitzenreiter unter den Solokünstlern. Diesen Triumph hat der Rapper vor allem seiner Vielseitigkeit zu verdanken. Durch seinen spielerischen Umgang mit Genres wie Hip-Hop und R’n’B und mal prahlerischen, mal nachdenklichen Texten gelingt es Drake, seine Zuhörer in jeder Stimmungslage abzuholen.

Anspieltipps: Passionfruit; Laugh Now Cry Later; In My Feelings; Best I Ever Had; Too Good

13. Nicki Minaj

Clevere Lines, unerschrockener Feminismus und ein Selbstbewusstsein, das selbst dem größten Macho Respekt einflößt: Rapperin Nicki Minaj hat von ihren Vorgängerinnen viel gelernt. Onika Tanya Maraj, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, begeistert ihre Fans mit unvergleichlichem Flow und einem Sinn für Humor, wie er zuletzt vielleicht Missy Elliott zugeschrieben wurde. Insbesondere der spielerische Umgang mit Dialekten, Metaphern und unerwarteten Punch Lines haben Minaj seit den 2000ern zu einer festen Größe im Hip-Hop werden lassen. Musikalisch lässt sie sich in keine Schublade stecken; viele ihrer Songs weisen Elemente aus Genres wie Eurodance und Electropop auf. Der Erfolg gibt ihr Recht: im März 2017 bricht sie den Rekord für die meisten Chartplatzierungen einer Frau in den US-amerikanischen Charts.

Anspieltipps: Monster; Barbie Dreams; Feeling Myself; Super Bass; Chun-Li

14. Kendrick Lamar

Neuer Künstler, alte Geschichten: Wie einige seiner musikalischen Vorbilder wächst auch Kendrick Lamar in Compton bei Los Angeles auf. Sein Vater arbeitet zwar bei einer Fast-Food-Kette, muss zusätzlich aber auch kleine Straftaten verüben, um seine Familie über Wasser halten zu können. Gangkriminalität gehört zur Tagesordnung, obwohl Lamar selbst sich nie einer Gang anschließt. Das übernehmen die Geschwister seiner Eltern für ihn. Seit einigen Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Rappern der Welt, vor allem für seine Texte wird er von allen Seiten gelobt.

Anspieltipps: HUMBLE.; All The Stars (with SZA); LOVE. FEAT. ZACHARI.; Money Trees; DNA

15. Megan Thee Stallion

Egal, ob durch Samples, Lyrics oder Musikvideos: In den letzten zwei Jahren hat sich Megan Thee Stallion, die eigentlich Megan Pete heißt, einen Namen in der Musikbranche gemacht. Schon mit 16 schreibt sie ihre ersten Rap-Texte, mit ihrer Karriere startete sie jedoch erst zur Volljährigkeit fünf Jahre später, nachdem ihre Mutter, die ebenfalls als Rapperin tätig war, ihr dazu aufgrund der zweideutigen Texte geraten hatte. Bis heute hält sich diese sexpositive Haltung, die ihr auch ihren Künstlernamen (Stallion = Hengst) einbrachte.

In ihren Texten und Musikvideos zelebriert sie Body Positivity, setzt sich für schwarze Frauen ein und hält Fans dazu an, sich selbst zu lieben.

Anspieltipps: Girls In The Hood; Hot Girl Summer; Captain Hook; Savage; Freak Nasty

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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Popkultur

„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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