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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.11.1984 erscheint „Like A Virgin“ von Madonna.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.11.1984.

von Julia Segantini und Christof Leim

Madonna, die „Queen of Pop“. Um ihren Namen nicht zu kennen, müsste man die vergangenen Jahrzehnte unter einem Stein gelebt haben. Nach ihrem Debüt Madonna (1983) legt sie schon ein Jahr darauf mit Like A Virgin nach. Auch dreieinhalb Dekaden später kann wohl jeder Zeilen aus Hits wie Material Girl mitsingen – ob man will oder nicht. Wir werfen einen Blick auf die zweite Platte der Popsensation.

Hier könnt ihr euch Like A Virgin anhören:

Auch wenn sich der Erfolg der ersten Platte – Platz acht in den Billboard-Charts –  sehen lassen kann, festigt die Sängerin erst mit Like A Virgin ihren Spitzenplatz im Mainstream-Pop. Es wird ihr erstes Nummer-eins-Album unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den USA. Damit schreibt die Sängerin nebenbei ein Stück Musikgeschichte: Zum ersten Mal verkauft sich die Platte einer Frau über fünf Millionen Mal in den Vereinigten Staaten. 1999 erhält es Diamantstatus und zählt bis heute über 21 Millionen Verkäufe weltweit.

Mit Hochzeitskleid und Raubkatze

Wenn die damals 26-Jährige eines weiß, dann das: Provokation ist die beste Marketing-Strategie. So ruft das Titelstück Like A Virgin augenblicklich Konservative auf den Plan, die sich über die angeblich verherrlichende Darstellung von vorehelichem Sex beschweren. Versuche, den Song und das Musikvideo zu verbieten, bleiben jedoch erfolglos. Der Grund für die Empörung: Im Video trägt Madonna ein Hochzeitskleid und räkelt sich aufreizend darin. 

Madonna 1984 in New York – Pic: Michael Putland/Getty Images

Gedreht wird der Clip in New York und Venedig – mit einem ausgewachsenen Löwen. Die Arbeit mit der Raubkatze scheint Madonna so gut zu gefallen, dass sie sich für ihren Auftritt bei den ersten MTV Video Music Awards im September 1984 einen weißen Bengal-Tiger wünscht. Diese Idee wird allerdings durch eine weniger tierische, dafür mindestens genauso skandalträchtige Inszenierung ersetzt: Mit Brautkleid, Bustier und weißen Handschuhen erscheint Madonna auf einer riesigen Hochzeitstorte, wälzt sich auf dem Boden und deutet Masturbation an. Rückblickend bezeichnet MTV Madonnas Auftritt als „eine der wichtigsten und unvergesslichsten VMA-Performances überhaupt, wenn nicht sogar eine der berühmtesten Pop-Performances aller Zeiten.“

Professionelle Provokation

Doch die „Queen of Pop“ erweist sich nicht nur als meisterhafte Provokateurin. Bei der Arbeit an ihrer zweiten Platte sticht sie auch durch ihre Professionalität hervor. Wie schon der Vorgänger zeichnet sich Like A Virgin vor allem durch tanzbare Nummern, eingängige Melodien, eine hochwertige Produktion und Madonnas besonderen Gesangsstil aus. Zudem werden bereits viele Elemente kommender Werke angedeutet, die Sängerin zeigt verstärkt die Vielfalt ihrer Einflüsse. In Angel etwa klingt Liebe zu klassischer Musik an, Shoo-Bee-Doo erweist sich als eine Hommage an Motown

Weil ihr Label es ablehnt, der Künstlerin bei der Produktion freie Hand zu lassen, holt sie sich Nile Rodgers von Chic ins Boot, der zuvor mit Madonnas Vorbild David Bowie((LINK)) zusammengearbeitet hatte. Sechs Songs stammen aus der Feder der Ney Yorkerin, die meisten schreibt sie mit ihrem Ex-Freund Steve Bray als Co-Autor. Material Girl steuern Peter Brown und Robert Rans bei, die später auch True Colors für Cyndi Lauper und So Emotional für Whitney Huston komponieren. Aufgenommen wird im New Yorker Power Station Studio. Toningenieur Jason Corsaro überzeugt dabei Rodgers, damals noch neue digitale Technik zu verwenden. 

Liebe vor und hinter der Kamera  

Die Sessions beginnen üblicherweise erst am Nachmittag, da Rodgers es als passionierter Partygänger nie morgens zur Arbeit schafft. Obwohl sie es nicht muss, nimmt Madonna an jeder Sekunde der Aufnahme- und Mixingprozesse teil. So schafft das Team die Arbeit in Rekordzeit. In der Biografie von J. Randy Taraborrellis kommentiert die Künstlerin: „Warner Bros. Records ist eine Hierarchie alter Männer, eine chauvinistische Umgebung, in der ich wie ein sexy kleines Mädchen behandelt werde. Ich musste beweisen, dass sie sich alle geirrt haben – nicht nur meinen Fans, sondern auch der Plattenfirma.“

Der Erfolg gibt ihr Recht. Und nicht nur musikalisch läuft es für die Sängerin: Beim Videodreh zu Material Girl, bei dem Madonna sich von ihrem Stilvorbild Marilyn Monroe und deren Film Blondinen bevorzugt (1953) inspirieren lässt, lernt sie den Schauspieler Sean Penn kennen. Die beiden gehen einige Mal aus, verloben sich und heiraten ein Jahr später. Die Hochzeit wird zu einem Medienereignis. Mehrere Helikopter fliegen über die Küste von Malibu, wo die Trauung stattfindet. Unter den Gästen finden sich unter anderem Andy Warhol, Cher und Tom Cruise. Im Sommer 1984 steht Madonna zudem in der Hauptrolle des Comedy-Dramas Susan… verzweifelt gesucht (erscheint 1985) vor der Kamera. Der Streifen wird ein Erfolg, was die Künstlerin in folgenden Filmen nicht wiederholen können wird.

Hit-verdächtiger Feminismus 

Madonna avanciert in mehrfacher Hinsicht zum Idol für ihre Fans. Der Look, ihre Auftritte und Musikvideos beeinflussen junge Mädchen und Frauen. Vor allem der Kleidungsstil – Spitzenoberteile, Röcke über Caprihosen, Netzstrümpfe, Schmuck mit Kruzifixen, Armbänder und gebleichte Haare – wird zu einem der weiblichen Modetrends der Achtziger. Zudem äußert Madonna als eine der wenigen Popkünstlerinnen feministische Ideen. Das Artwork von Like A Virgin zum Beispiel sei ein klassisches Beispiel für ihr Spiel mit Stereotypen, erklärt sie in Debbie Vollers Buch Madonna: The Style Book. „Das Foto war eine Unabhängigkeitserklärung. Wenn du Jungfrau sein willst, dann tu’ das. Aber wenn du eine Hure sein willst, dann ist das dein verdammtes Recht“, heißt es dort. 

Schon der Albumtitel bietet eine provokante Verbindung zwischen ihrem religiös anmutenden Namen Madonna und dem christlichen Ideal der unbefleckten Empfängnis. Dies bleibt nicht Madonnas letzter Skandal in diese Richtung, mit Like A Prayer treibt sie es Jahre später auf die Spitze. 

Ohne Frage bleibt Like A Virgin eines der wichtigsten Alben für die Künstlerin. Und ohne Frage bleibt Madonna bis heute eine der einflussreichsten Sängerinnen der Popgeschichte. Ihr Songs kennen jedenfalls alle. Und vielleicht steckt ja sogar in dem bärtigsten Rock’n’Roller irgendwo ein Material Girl… 

10 Songs, die jeder Madonna-Fan kennen muss

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