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Popkultur

Music For The People: ABBA, ein Porträt

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TV-Tipp: Am 20. Dezember 2020 werden ABBA mit einem Themenabend bei RTL gefeiert. Los geht’s um 20:15 Uhr mit dem Spielfilm „Mamma Mia – Here We Go Again“, um 22:30 Uhr folgt die Doku „Mamma Mia! Darum liebe alle ABBA“. Direkt im Anschluss gibt’s eine Wiederholung beider Titel.


Die These ist gewagt, aber selbst ein Theodor W. Adorno hätte von Mamma Mia einen Ohrwurm davongetragen. Über eine Band, die Hoch- und Populärkultur versöhnte und bald ein großes Comeback feiern will.

Hört hier die größten Hits von ABBA:

Ein „Wunder der Popmusik“ und „die wichtigsten Pop-News des 21. Jahrhunderts“: Die Presse sparte nicht mit Superlativen und Begeisterungsstürmen, als eine gewisse Band namens ABBA im April 2018 verkündete, sie werde zurück auf die Bühne kommen, neues Album inklusive.

Auf Instagram kommentierten innerhalb von Sekunden Tausende Fans mit offenkundiger Schnappatmung die News über die Wiedervereinigung, in der die Band verkündete, man habe das Gefühl gehabt, „dass das nach 35 Jahren Spaß machen könnte.“

❤️ #abbaofficial #abba

Ein von @ abbaofficial geteilter Beitrag am

Reunion? ABBA ja doch!

Eine Reunion der Supergroup nach so langer Zeit schien lange aussichtslos. Die Band hatte wiederholt betont, keine derartigen Pläne zu haben. Selbst einem angeblichen Angebot von einer Milliarde Dollar für eine Tour erteilten die vier Schweden eine Absage. Bjorn Ulvaeus hatte dem Billboard-Magazin 2014 noch mit unverhohlener Süffisanz mitgeteilt, man habe keine Geldprobleme, falls die Leute dies annähmen. Die Trennung sei besiegelt.


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Nun ist die Fallhöhe für Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad natürlich gewaltig und die Erwartungen an das neue Album groß.

Aber was macht ABBA eigentlich so außergewöhnlich und einflussreich für die Geschichte der Popmusik?

Alles begann mit einer echten Überraschung. Vier außerhalb Schwedens unbekannte Künstler*innen gewannen im Jahr 1974 den Eurovision Song Contest. Das erste Mal ging die Auszeichnung an das skandinavische Land, bis dato ein blinder Fleck auf der Landkarte der Popmusik. Der ESC fand damals in Großbritannien statt, ein Land mit ausgeprägter musikalischer Infrastruktur und die Produzent*innen rissen sich sofort um den vielversprechenden Nachwuchs.

Der Erfolg des Quartetts war in seiner Dimension zwar überraschend, kam aber nicht aus dem Nichts. Hier trafen vier Profis aufeinander und alle hatten bereits in Schweden Karriere als professionelle Musiker*innen gemacht. Andersson schrieb Hits für die „Schwedischen Beatles“, die Hep Stars, Ulvaeus feierte mit seiner Band Hootenanny Singers Erfolge, Fältskog trat bereits als Teenager mit Schnulznummern im TV auf und auch Lyngstad war kein unbekannter Name.

Disko-Kult und Aerobic-Kultur

Für die große Bühne wechselten die vier Musiker*innen von der schwedischen Sprache ins Englische, was den internationalen Erfolg überhaupt erst möglich machte. Weiter ließe sich darüber spekulieren, wie sich die aufkommende Aerobic-Kultur mit dem Disko-Kult und damit auch der Musik von ABBA zusammendenken lässt, schließlich schrieben die Schwed*innenen die perfekten Nummern für das Fitnessstudio: schnell, extrem rhythmisch, mit positiver Message.

Während die Fans ABBA für ihre Popsongs voller Leichtigkeit und Lebensfreude feierten, liebte die Klatschpresse die spezielle Verbandelung der Gruppe: Zwei verheiratete Paare, Fältskog und Ulvaeus sowie Lyngstad und Andersson. Die größeren Zeitungen dagegen reagierten verhalten auf die musikalische Sensation.

Perfektionist*innen auf der Bühne und im Studio

An der Musik kann es nicht gelegen haben, ABBA leisteten sowohl in ihren Performances als auch im Studio hervorragende Arbeit. Während Fältskog und Lyngstad sangen, schrieben und komponierten Andersson und Ulvaeus vor allem die Songs. Durch ihr gewissenhaftes Arbeiten im Studio erwarben die Künstler*innen sich schnell einen Ruf als Perfektionist*innen.

Möglicherweise rührte das Misstrauen in den Kultursparten der Zeitungen von dem außergewöhnlichen und globalen Erfolg der Band. Es waren die 70er und die Gräben zwischen Hoch- und Populär-Kultur noch tief.

ABBA scheuten sich nicht davor, Stil, Rhythmen und Melodien aus Volksmusik und Schlager zu importieren. Gleichzeitig mischten sie unendlich viele Einflüsse: Rock’n’Roll mit Disko, klassische Chor-Arrangements mit Anleihen aus Flamenco, lateinamerikanischen Rhythmen, Reggae, französischem Chanson, Motown und elektronischer Tanzmusik. Scheinbar mühelos entstanden aus dieser Melange die schönsten Pophymnen und Tanznummern, und sie waren stets als ABBA-Songs erkennbar. Trotz des Easy-breezy-Gefühls, das viele Stücke verbreiteten, durchstreifte sie ein Hauch Melancholie in Ton und Text.

Vielleicht ist es gerade diese Melancholie, die ABBA auch zu Ikonen der LGBTIQ*-Community machte. Wer von der Gesellschaft immer noch dazu genötigt wird, seine Identität zu verstecken, zu dem- oder derjenigen mag ein eher ästhetisiertes Leiden sprechen und ein Begehren, das sich nicht festlegen muss.

Ihr Biograf Carl Magnus Palm schreibt, das große Alleinstellungsmerkmal von ABBA sei es gewesen, den beliebten aber wenig hippen schwedischen Schlager – Soundtrack zahlloser Campingurlaube, Kabarett-Abende und Dorf-Tanzveranstaltungen – als Grundlage für neue Popmusik zu nutzen. „Sie wuchsen damit auf und liebten diese Musik“, so Palm. Aber sie wollten auch ein ganz neues Phänomen in der Popmusik sein und waren durch Bands wie die Beatles und Beach Boys geprägt.

Der Schlager diente ihnen als Grundlage, um dann mithilfe der neuesten Produktionstechnik – mit Double-Tracking der Instrumente und Stimmen – ein bombastisches Klangerlebnis zu erzeugen. ABBA schrieben nicht nur bessere Songs und traten selbstbewusster auf als andere. Sie arbeiteten detailverliebt und gewissenhaft im Studio, begleitet und unterstützt durch ihren amerikanischen Produzenten Phil Spector. All diese Faktoren sorgten für den kometenhaften Aufstieg der Band. „Sowas wie ABBA hatte man einfach noch nie gehört“, schreibt Palm.

ABBA-Songs waren unverkennbar

Die These ist gewagt, aber wäre Theodor W. Adorno in den 70ern noch am Leben gewesen, hätte selbst er sich spätestens bei Mamma Mia oder Lay All Your Love On Me einen heftigen Ohrwurm eingefangen. Bye bye Zwölftonmusik, hello Dancing Queen. (Gut, mit der Oberschnulze I Have A Dream hätten Agnetha und Co. ihn auch wieder über alle Berge gejagt!)

Ohrwurm ist am Ende das Stichwort, das alle anderen Gründe für ABBAs gigantischen Erfolg überflügelt: Die Dichte der catchy tunes auf den acht Alben, die zwischen 1973 und 1981 erschienen, liegt bei etwa 95 Prozent, mit leicht absteigender Tendenz auf den älteren Alben, auf denen ABBA das Auseinanderbrechen ihrer Liebesbeziehungen verarbeiteten und die Melodien getragener wurden.

Der Eingängigkeit ihrer Songs ist es wohl auch geschuldet, dass ABBA eine der meistgecoverten Bands überhaupt ist. Zahllose Künstler*innen zählen sie zu ihren Einflüssen, von Ariana Grande über Britney Spears zu Madonna, von den Backstreet Boys über Ace Of Base zu Pink, Kelly Clarkson und Katy Perry.

Wie geht es weiter?

Am 27. April 2018 platzte die Bombe: Es hieß, ABBA hätten die beiden brandneuen Songs I Still Have Faith In You und Don’t Shut Me Down aufgenommen. Erst sollten sie noch im selben Jahr in einem TV-Special ausgestrahlt werden, wurden dann aber immer wieder nach hinten geschoben, bis man diese potentielle Sensation fast schon wieder vergessen hatte. Zwischendrin meldete sich Björn Ulvaeus mal wieder zu Wort und verkündete, dass es inzwischen fünf neue Songs gebe und sie wahrscheinlich irgendwann 2020 erscheinen würden. Die geplanten Reunion-Aktivitäten schließlich aufgrund der Pandemie und technischer Schwierigkeiten auf 2021 verschoben. Es bleibt spannend!

10 ABBA-Songs, die jeder Fan kennen sollte

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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