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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.1.1980 veröffentlichen Rush „Permanent Waves“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.1.1980.

von Tom Küppers und Christof Leim

Eine beinahe schon mutwillig zu nennende Ignoranz musikalischen Konventionen gegenüber hat die Karriere des kanadischen Trios Rush über vier Dekaden angetrieben. Die Kurskorrekturen, die Lee, Lifeson und Peart mit ihrem siebten Album Permanent Waves am 14. Januar 1980 vornehmen, entpuppen sich als ganz großer Wurf – wie groß, erzählen wir in diesem Zeitsprung.

Hier könnt ihr euch Permanent Waves anhören:

Nachdem sich Bassist/Sänger Geddy Lee und Gitarrist Alex Lifeson 1974 auf ihrem selbstbetitelten Debüt noch eher auf herkömmlichen Rockpfaden bewegen, reift die Band durch die Hinzunahme von Schlagzeuger und Lyriker Neil Peart zur Prog-Rock-Institution. Angespornt von seinen komplexen Texten erschafft die Band mehrteilige, überlange Kompositionen, die gerne mal eine ganze Seite einer Langspielplatte in Anspruch nehmen. Plattenfirmen und Managements reagieren mit der Frage, ob es vielleicht machbar wäre, kürzere Songs schreiben, die dann gegebenenfalls auch eine Chance auf großflächige Radioeinsätze hätten. 

Immer besser werden

Was die Musiker genau in die andere Richtung treibt und der Welt Meisterwerke wie 2112 (1976) oder im darauffolgenden Jahr A Farewell To Kings beschert. Diese begeistern mit musikalischer Virtuosität und fordernden Arrangements nicht nur die Musiker*innen unter den Hörer*innen, sondern entpuppen sich auch als kommerzielle Volltreffer. „Musik künstlich Grenzen zu setzen, ist unehrlich“, erklärt der Anfang 2020 verstorbene Peart damals in Billboard. Was auch für die Musiker selbst gilt: „Wie hatten mal mit der Idee gespielt, ein viertes Mitglied aufzunehmen“, erinnert sich der Schlagzeuger. „Dann haben wir uns aber entschlossen, als einzelne Musiker noch besser zu werden“. Die längst im Rush-Kosmos etablierten Keyboards spielen Lee und Lifeson auf der Bühne dann mal eben – kein Witz – mit Fußpedalen.

Geddy Lee mit seinem Werkzeug auf der „Permanent Waves“-Tour. Foto: Fin Costello/Redferns/Getty images

Für Album Nummer sieben gönnen sich die Herren erstmals eine sechs Wochen lange Pause vom Tour-Studio-Tour-Hamsterrad. Als wichtig entpuppt sich vor allem die Entscheidung, musikalisch andere Pfade zu erforschen. „Wir wollten ganz bewußt von den längeren, thematischen Songs weg zu etwas Kürzerem“, erinnert sich Alex Lifeson 2006. 

Rock auf dem Land

Schon die ersten Sessions im Juli 1979 zeigen, wohin die Reise geht. Im Studio geht das Trio nach einem in der Regel von Lifeson selbst zubereiteten Frühstück entspannt, aber motiviert an die Arbeit, schnell entstehen die ersten Songs. Zwei davon sind so gut, das sie auf einer zwischengeschobenen Kurztour bereits den staunenden Fans präsentiert werden: The Spirit Of Radio und Free Will. Ein Video von 1979 zeigt, wie die Band beim Soundcheck an einem der Songs arbeitet.

Mit Stammproduzent Terry Brown geht es dann im September 1979 nach Quebec ins Studio, wo Permanent Waves in seine endgültige Form gebracht wird. Das in ländlicher Umgebung gelegene Le Studio inspiriert die Musiker ebenfalls, die Grundspuren speilen sie mit Blick auf die malerische Umgebung zusammen ein. Bei Nature Science wird das natürliche Echo der Umgebung mit aufgenommen, die Effekte am Anfang erzeugt die Band, indem sie mit Rudern in einem zum Anwesen gehörenden See herumplanscht. 

Applaus allerorten

Als Permanent Waves am 14. Januar 1980 veröffentlich wird, zeigen sich Fans wie Kritiker*innen hellauf begeistert. Nicht nur die vergleichsweise kompakten Kompositionen begeistern, auch die Tatsache, dass sich Rush modernen Einflüssen nicht verschließen, sorgt für Begeisterung. Der Reggae-Teil in The Spirit Of Radio beispielsweise lässt sich durchaus als Verbeugung vor den seinerzeit aufstrebenden The Police interpretieren, die genau dieses Element in den Rock einführen. Oder wie Lifeson es beschreibt: „Dieser Part zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht und macht einfach Spaß“.

Spaß haben auch Plattenfirma und Management an eben jenem Song, denn er entpuppt sich schnell als Hit, der im Radio wie in den Verkaufscharts gleichermaßen gut ankommt. Unterm Strich sollte The Spirit Of Radio die erfolgreichste Singleveröffentlichung der Bandkarriere werden. Mit Freewill findet sich ein weiterer Klassiker, auf Jacob’s Ladder spielen Rush mit Elementen, die sich schwer nach Frühachtziger-Wave anhören, verwenden sie doch mit dem Mini Moog und dem Oberheim die stilprägenden Synthesizer jener Ära. Wie zeitlos dieses Album klingt, unterstreicht folgendes kleine, fast vierzig Jahre später aufgenommene „Reaction Video“: 

Sammler, aufgepasst

Einzig das Artwork sorgt für ein paar kleinere Irritationen. Eine bekannte US-Tageszeitung und ein großer Hersteller von Softdrinks sind nicht damit einverstanden, dass sie auf dem Cover referenziert werden, also muss Grafiker Hugh Syme nochmal kleine Änderungen vornehmen. In den verschiedenen Auflagen der folgenden Jahre gibt es immer wieder kleinere Variationen – Sammler*innen also aufgepasst!

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