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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.6.1991 hauen Skid Row mit „Slave To The Grind“ einen Hammer raus.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.6.1991."

von Christof Leim

Als Skid Row am 11. Juni 1991 Slave To The Grind veröffentlichen, wundert sich die Headbangerschaft: Statt die erfolgreiche Hair-Metal-und-Balladen-Formel des 1989er-Debüts weiter auszuwalzen, legt der Fünfer aus New Jersey eine Schippe drauf. Gitarrist Dave „Snake“ Sabo blickt für den Zeitsprung zurück.

Hier könnt ihr euch das Machtwerk anhören:

Hatte der eingängig rockende, mehrfach platinveredelte Vorgänger Skid Row noch einigermaßen typisch für 1989 und den haargesprayten Stoff von Headbanger’s Ball geklungen, zeigen sich Skid Row nun rauer, böser und vor allem: größer. Während die Hair-Metal-Blase mit Hilfe von MTV immer weiter überdreht und zusehends dem großen Knall entgegensteuert, wählt die Band, als hätte sie es geahnt, die Gegenrichtung. Komplett aus der Zeit gefallen wirkt Slave To The Grind 1991 zwar nicht, die Platte markiert keinen Bruch im Stil der Band, aber einen deutlichen Schritt – vor allem nach vorne. 

Absichtlich in die Gegenrichtung

So zeigen sich die Kompositionen vielseitiger, die Texte cleverer und die Performance aller Beteiligten voller Energie und Seele. Sänger Sebastian Bach nennt der Rolling Stone sogar „einen Mann, der aussieht und klingt, als sei er gentechnisch zum ultimativen Hard-Rock-Frontmann verändert worden“. Der damals 23-Jährige besitzt mit seinen arschlangen blonden Haaren und dem Engelsgesicht nicht nur das passende Auftreten und eine schier unerschöpfliche Rock’n’Roll-Energie, sondern auch eine Stimme, an die 1991 nicht viele heranreichen können. Nicht zuletzt klingt Slave To The Grind dank der fetten Produktion von Michael Wagener auch heute noch gut.

Skid Row 1991: Bolan, Snake, Affuso, Hill, Bach – Foto: Promo

Gitarrist Dave „Snake“ Sabo, damals 26, erinnert sich im Zeitsprung-Gespräch an die Attitüde und Geisteshaltung seiner Truppe: „Die zwei Jahre zwischen der ersten Platte und Slave To The Grind waren einfach überwältigend. Wir konnten gar nicht glauben, was da alles passiert ist. Allerdings haben sich auch die dunklen Seiten des Musikgeschäftes gezeigt: Wir durften hautnah erleben, dass der Künstler als eine Ware angesehen wird, obwohl alles auf seiner Schöpfung basiert. Auf den Touren haben wir gesehen, was das Business mit Persönlichkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen machen kann. Und je mehr wir von der Welt da draußen erfahren konnten, desto mehr hat das eine andere Seite von Skid Row hervorgebracht. Man lernt unterwegs Dinge, die einem keine Schule oder Universität der Welt beibringen kann. Wir waren uns auch der Tatsache bewusst, dass man, wie es so schön heißt, sein ganzes Leben hat, um die erste Platte zu schreiben, aber nur ein Jahr für die zweite.“ 

„Ihr werdet die Hälfte des Publikums verlieren“

Vor allem aber stört die fünf Musiker Mitte Zwanzig, dass sie in der Szene als eine weitere Achtziger-Glam-Band angesehen werden, mit hübschem Sänger und zwei Balladenhits (18 & Life, I Remember You). „Hinter Skid Row steckte immer schon eine Menge mehr“, findet Snake, „und wir mussten damals daran arbeiten, diese Wahrnehmung zu ändern. Unsere Liveshows kamen ohnehin ganz anders rüber. Deshalb steckte durchaus eine bewusste Entscheidung dahinter, Slave To The Grind härter zu machen. Uns haben einige Leute gesagt, dass wir vermutlich die Hälfte unseres Publikums verlieren würden.“

Los geht die Sause mit Monkey Business: Auf das clean gespielte Intro folgt ein Midtempo-Riff zur Cowbell, das schiebt wie 100 Traktoren. Mit der zweiten Single Slave To The Grind geben Skid Row noch mehr Gas. „Ich wollte unbedingt ein grandioses Intro für die Shows haben“, erklärt Snake, „sowas wie What You Don’t Know von Twisted Sister oder Detroit Rock City von Kiss – theatralisch und episch.“

Das Demo wummst am meisten

Weil die live eingespielte Demoversion des Titelstücks die größte Wucht besitzt, landet sie sogar auf der Platte, wie sich Michael Wagener erinnert: „Die Nummer haben wir in einer Stunde aufgenommen und abgemischt. Daran mussten wir nachher nichts mehr ändern.“ Bei der Plattenfirma scheint der neue Kurs indes noch nicht angekommen zu sein, denn im Video soll ein Bikinimodel mit sich wackeln. Das lehnt die Band rundheraus ab, zumal es im Text um die Freiheit des Individuums, nicht um Sex geht. 

Für die herrliche, aber unkonventionelle Ballade Quicksand Jesus fangen sich Skid Row Schimpfe von religiösen Gruppen wegen angeblicher Gotteslästerei ein. Texter und Bassist Rachel Bolan kommentiert später in den Liner Notes der Best-of 40 Seasons: „Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.“ Bolan steckt auch hinter dem als 3D-Video veröffentlichten Psycho Love, das die Geschichte einer mordenden Prostituierten erzählt. Dass damals Angela Bowie ihren Ex-Mann David in unzähligen Talkshows durch den Dreck zieht, dient dem Bassisten, einem großen Fan des „Thin White Duke“, als Inspiration für Creepshow.

Ernste Themen und Partyalarm

Dass Skid Row nicht nur über ernsthafte Dinge schreiben wollen, zeigt sich im punkigen Rocker Get The Fuck Out über das wilde Partyleben und Groupie-Exzesse. Nach Genuss will man sich entweder die Hände waschen oder noch zwölf Bier trinken. Das Wörtchen „Fuck“ in der mit Rotz und Wumms gebrüllten Titelzeile kommt allerdings nicht überall gut an, so dass der Song auf einer bereinigten Version der Scheibe durch den guten, aber nicht großartigen Japan-Bonustrack Beggar’s Day ersetzt wird.

In A Darkened Room beginnt mit einer schönen Gitarrenmelodie und gipfelt in einem tollen, ausgedehnten Solo von Scotti Hill – hörenswert! Textlich greifen Skid Row hier das Thema Kindesmisshandlung auf, kein einfaches Unterfangen.

Gesangsbrillanz

Zum Schluss wird es dann mit Wasted Time richtig episch, einem Song über Drogen, auf traurige Weise inspiriert von einem alten Kumpel: Guns N’ Roses-Trommler Steven Adler. Die schön orchestrierte zwölfsaitige Akustikgitarre bewegt sich jenseits der üblichen Pfadfinderakkorde anderer Hard-Rock-Balladen und steigert sich zu einem massiven Chorus und dramatischem Outro. Insbesondere hier zeigt Bach, gefühlvoll schmachtend, druckvoll schreiend und jubilierend in den höchsten Lagen, welche Stimme in ihm steckt. Um es deutlich zu sagen: Zum Niederknien gesungen, die Nummer.

Slave To The Grind erscheint am 11. Juni 1991 und rauscht mit Schwung auf Platz eins der US-Charts. Das hat es vorher für Metal-Bands selten bis nie gegeben. Durch das gerade erst eingeführte elektronische Zählsystem für Plattenverkäufe namens SoundScan, das die früher gebräuchliche und ungenauere Schätzung durch die Läden ersetzt, scheinen sich die wirklichen Präferenzen der Kundschaft herauszukristallisieren. In Deutschland landet das Werk auf Platz zwölf und damit zehn Stufen höher als das Debüt.

Raus in die Welt

Gleich sechs Singles und Videos wirft die Platte ab, die nicht ganz unerwartet weniger Radioeinsätze erzielen als beim Debüt. Doch mit Slave To The Grind emanzipieren sich Skid Row von Welt der Hair-Bands mit ihrem quasi eingebauten Verfallsdatum. Stattdessen rücken sie eher in die Nähe von Metallica, die nur einen Monat später ihr monumentales Black Album veröffentlichen. Das Artwork für das Cover stammt übrigens von Sebastian Bachs Vater David Bierk.

Das Artwork von „Slave To The Grind“ in ganzer Breite, gemalt von David Bierk

Nach dem Erscheinen bestreiten Skid Row das Vorprogramm für Guns N’ Roses, die gerade mit Use Your Illusion alle Dimension sprengen. Größer geht es Anfang der Neunziger nicht. Dann gehen sie auf eigene Headliner-Tour mit Pantera und Soundgarden als Support. Größer als diese beiden geht es ein paar Jahre später nicht. Skid Row sind in alle Munde und in allen Medien, sogar B-Side Ourselves, eine EP mit Coverversionen, verkauft sich ein Jahr später noch mehr als eine halbe Million mal. Keine Frage: Mit Slave To The Grind haben Skid Row ihr Meisterstück abgeliefert. Man muss sich nur mal den ersten Song anhören, wenn nach der Cowbell das Riff reinkommt…

Zeitsprung: Am 24.1.1989 schlagen Skid Row mit ihrem Debüt mächtig ein.

Popkultur

10 Songs von Tom Petty, die man kennen sollte

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Tom Petty
Foto: Michael Putland/Getty Images

Während seiner jahrzehntelange Karriere hat Tom Petty mehr großartige Songs komponiert, als man in einem einzigen Text würdigen kann. Diese zehn gefallen uns besonders gut.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Tom Petty anhören:

1. Tom Petty And The Heartbreakers – American Girl (1977)

Als Tom Petty und seine Heartbreakers den Song American Girl auf ihrem Debütalbum veröffentlichen, landen sie damit zunächst nicht den riesigen Erfolg. Doch über die Jahre entwickelt sich das Stück zu einem Klassiker — nicht nur in Pettys Diskografie, sondern auch in der Geschichte der Rockmusik. „She could hear the cars roll by / Out on 441 like waves crashin’ on the beach“, singt Petty in der Nummer. In Conversations With Tom Petty verrät er, wie er auf diesen Text gekommen ist: „Ich habe damals in einem Apartment direkt am Freeway gewohnt. Da sind Autos gefahren. Das war in Encino, in der Nähe von Leon Russells Haus. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, dass die Autos wie der Ozean klingen. Das war mein Ozean. Mein Malibu. Ich habe die Wellen brechen gehört, aber es waren nur die Autos, die vorbeifuhren. Ich denke, dass das die Inspiration für den Text war.“

2. Tom Petty And The Heartbreakers – Refugee (1980)

Bei Refugee handelt es sich um die zweite Single vom dritten Album von Tom Petty And The Heartbreakers. Damn The Torpedoes heißt die Platte und den Durchbruch hat Petty zu jener Zeit längst hinter sich. Mit der Auskopplung Refugee knüpft er nahtlos an seine Erfolge an. Komponiert hat Petty das Stück mit seinem langjährigen Heartbreakers-Weggefährten Mike Campbell, der die Aufnahmesessions in einem Interview von 2003 als ziemlich anstrengend beschreibt: „Das war eine 4-Spur-Aufnahme, die ich bei mir zuhause gemacht habe. Er [Tom Petty] hat den Text über die Musik geschrieben, so wie sie war, ohne Änderungen, aber es hat ewig gedauert, bis wir den Track tatsächlich aufgenommen hatten. Wir hatten einfach Schwierigkeiten, das richtige Feeling hinzubekommen. Wir haben das Ganze bestimmt 100 Mal aufgenommen. Eines Tages war ich so frustriert – ich glaube, das ist das einzige Mal, das sowas getan habe – dass ich einfach das Studio verlassen habe und für zwei Tage aus der Stadt gefahren bin. Ich konnte den Druck einfach nicht mehr aushalten. Aber dann bin ich zurückgekommen, und nachdem wir uns wieder zusammengerauft hatten, haben wir den Song fertiggestellt.“

3. Traveling Wilburys – End Of The Line (1988)

Im Oktober 1988 veröffentlicht Tom Petty sein erstes Album mit den Traveling Wilburys, zu denen außer ihm noch George Harrison, Jeff Lynne, Roy Orbison und Bob Dylan gehören. Auf der Platte befindet sich unter anderem der Song End Of The Line, dessen Strophen Tom Petty im Alleingang singt. Wodurch sich die Traveling Wilburys von vielen anderen Supergroups unterscheiden: Sie sind wirklich super. Das äußert sich auch in dieser Nummer, die zweifellos zu den besten Songs gehört, an denen Petty mitgearbeitet hat.

4. Tom Petty – Free Fallin’ (1989)

Für sein Debüt-Soloalbum Full Moon Fever (1989) verzichtete Tom Petty zum ersten Mal auf seine Heartbreakers. Zumindest fast. So erscheint das Album zwar offiziell nur unter seinem Namen — doch im Hintergrund spannt Petty dann doch wieder fast all seine Bandkollegen ein. Bei der Veröffentlichung kommt es zu einer Verzögerung, weil die Plattenfirma gerade erst das erste Album der Traveling Wilburys rausgebracht hat und noch warten möchte. „Also habe ich weitere Songs geschrieben und mir vorgenommen, alles fertigzustellen und zu veröffentlichen, wenn die Wilburys durch sind“, erinnert sich Petty später in einem Interview. „Ich glaube, dass mein Album durch die zusätzliche Zeit besser geworden ist.“ Besonders sticht der Hit Free Fallin’ hervor, eine Art Ode an Kalifornien und seine Bewohner*innen. „Ich habe jeden Tag diese Autofahrt gehabt“, erzählt Petty in einem Interview mit Billboard von den Aufnahmesessions. „Das Studio lag im Valley und bin jeden Tag von Beverly Hills ins Valley und wieder zurückgefahren. Dabei bin ich immer am Ventura Boulevard vorbeigefahren und habe das Leben dort beobachtet. Und dann habe ich versucht, ein paar dieser Charaktere einzufangen.“

5. Tom Petty And The Heartbreakers – I Won’t Back Down (1989)

Das Stück I Won’t Back Down (ebenfalls von Full Moon Fever) nimmt Petty mit Ex-Beatle und Co-Traveling-Wilbury George Harrison auf. „Ich hatte an dem Tag eine schreckliche Erkältung“, erinnert sich Petty in einem Gespräch mit Mojo. „George ging in einen Laden, kaufte eine Ingwerwurzel, kochte sie und ließ mich meinen Kopf in den Topf stecken, damit der Ingwerdampf meine Nebenhöhlen freimachte. Dann bin ich ins Studio gerannt und wir haben die Aufnahme gemacht.“ Inhaltlich ist das Stück recht unverblümt und handelt davon, sich fremden Kräften zu widersetzen und „keinen Schritt zurück zu machen“. Nicht zuletzt deshalb kam dem Song nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine besondere Bedeutung zu.

6. Tom Petty And The Heartbreakers – Runnin’ Down A Dream (1989)

Auch der Song Runnin’ Down A Dream ist auf Full Moon Fever zu finden und nimmt Bezug auf Tom Pettys musikalische Herkunft. So singt er gleich zu Beginn: „It was a beautiful day, the sun beat down / I had the radio on, I was drivin’ / Trees flew by, me and Del were singin’ little Runaway / I was flyin’“. Mit „Del“ meint Petty den US-amerikanischen Liedermacher Del Shannon und mit „Runaway“ dessen gleichnamigen Song. Wegen der Botschaft in Runnin’ Down A Dream hört man das Stück immer wieder bei Sportveranstaltungen und -übertragungen, zum Beispiel bei den NBA Finals 2006 und 2008. Im Februar 2008 dürfen Tom Petty und seine Heartbreakers den Song im Rahmen der Super Bowl Halftime Show zum Besten geben.

7. Tom Petty And The Heartbreakers – Learning To Fly (1991)

Mit Learning To Fly veröffentlichen Tom Petty And The Heartbreakers am 17. Juni 1991 einen Vorgeschmack auf ihr achtes Album Into The Great Wide Open, das am 2. Juli erscheint. Wir lehnen uns wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass es sich bei dieser Nummer um einen von Pettys größten Erfolgen handelt. Kein Wunder: Nicht nur, dass der Song in musikalischer Hinsicht ein echter Radio-Hit ist. Nein, auch der Text bietet viele Anknüpfungspunkte und es lässt sich beinahe jede Lebenssituation in die Lyrics hineininterpretieren.

8. Tom Petty And The Heartbreakers – Mary Jane’s Last Dance (1993)

In dieser Nummer zeigt sich Tom Petty mindestens zweideutig. So handelt es sich bei Mary Jane zwar einerseits um einen gewöhnlichen Namen. Andererseits steht die Kombination auch für die Droge Marihuana. Heartbreakers-Gitarrist Mike Campbell erklärt dazu im Interview mit songfacts.com: „In den Strophen geht es um ein Mädchen aus Indiana in einer Indiana-Nacht, aber beim Refrain hatte er [Tom Petty] die Geistesgegenwart, dem Ganzen eine tiefere Bedeutung zu geben. Meiner Meinung nach kann man den Song so interpretieren, wie man möchte. Viele Leute denken, dass es sich um eine Anspielung auf Drogen handelt, und wenn man das so möchte, kann das sein, aber es könnte auch einfach ein Liebeslied zum Abschied sein.“ Petty selbst gab im Gespräch mit performingsongwriter.com Folgendes zu Protokoll: „Ich glaube nicht, dass ich den Song über Gras geschrieben habe. Ich glaube, das war einfach der Name von einem Mädchen.“

9. Tom Petty – Wildflowers (1994)

Mit Wildflowers eröffnete Tom Petty im Jahr 1994 sein zweites, gleichnamiges Album ohne die Heartbreakers. Das Songwriting gestaltete sich wohl recht einfach, wie er 2014 in einem Interview mit performingsongwriter.com verrät: „Ich habe einfach tief durchgeatmet und der Song kam heraus. Der ganze Song. Das war ein Bewusstseinsstrom: Worte, Musik, Akkorde. Ich habe es zu Ende gebracht. Ich meine, ich habe ihn einfach in meinen Kassettenrekorder gespielt. Ich habe den ganzen Song durchgespielt und ihn dann nicht mehr wiederholt. Ich habe dreieinhalb Minuten für dieses ganze Lied gebraucht. Danach habe ich das Band tagelang immer wieder abgespielt, weil ich dachte, dass damit etwas nicht stimmen muss, weil es mir einfach zu leicht gefallen ist. Und dann ist mir klar geworden, dass daran wahrscheinlich überhaupt nichts falsch ist.“

1o. Tom Petty – You Don’t Know How It Feels (1994)

Auch You Don’t Know How It Feels ist auf Tom Pettys zweitem Soloalbum Wildflowers zu finden. „You don’t know how it feels to be me“, singt Petty darin. Worum es in der Nummer genau geht, lässt er offen, doch im Allgemeinen scheint der Song davon zu handeln, ein negatives Erlebnis hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Auf Gegenwind stößt die Textzeile „So let’s get to the point, let’s roll another joint“, die große Sendestationen wie MTV dazu veranlasst, den Song nur in einer zensierten Version zu spielen.

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„Into The Great Wide Open“: Als Tom Petty zu den Heartbreakers zurückkehrte

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Popkultur

„Screaming Life“: Als Soundgarden mit ihrer ersten EP den Turbomodus einlegten

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Soundgarden
Foto: Alison S. Braun/CORBIS/Corbis via Getty Images

1987 brodelt der Grunge-Kessel in Seattle bereits gewaltig. Nirvana finden gerade zusammen, genau wie Alice In Chains. Doch eine Gruppe ist ihren Mitstreitern schon einen Schritt voraus. Am 1. Oktober 1987 bringen Soundgarden ihre erste EP Screaming Life raus. Vom Mainstream halten sie sich aber lieber noch ein bisschen fern.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die beiden Soundgarden-EPs Screaming Life und Fopp anhören:

Genau genommen beginnt die Geschichte von Soundgarden bereits 1984. Zu jener Zeit bewegen sich Bassist Hiro Yamamoto und der trommelnde Sänger Chris Cornell unter dem Namen Shemps durch die Musikszene von Seattle. Als Yamamoto aussteigt, kommt Kim Thayil an Bord. Mit ihrem alten Bassisten bleibt die Gruppe trotzdem in Kontakt, was sich später auszahlen soll. Als die Geschichte von Shemps endet, treffen sich Yamamoto und Cornell nämlich wieder zum Jammen. Thayil stößt auch dazu und mit diesem Line-up gründen die drei Musiker eine Band, deren Namen wir alle kennen: Soundgarden.

Die ersten Schritte

Den Bandnamen entleiht das Trio einer Klangskulptur namens A Sound Garden, die auf dem Campus der National Oceanic And Atmospheric Administration in Seattle zu finden ist. Damit sich Cornell voll auf den Gesang konzentrieren kann, holen die Musiker Schlagzeuger Scott Sundquist an Bord. Ab da touren Soundgarden umher und erspielen sich in ihrer Umgebung einen Ruf als hervorragende Live-Band. 1986 nehmen sie für den Sampler Deep Six drei Songs auf: Heretic, Tears To Forget und All Your Lies. Stück Nummer zwei soll für die Gruppe später noch einmal eine Rolle spielen.

Auf der Zusammenstellung befinden sich Soundgarden in bester Gesellschaft. So sind auch Malfunkshun und Melvins auf dem Sampler zu finden. Weil es mit Soundgarden langsam bergauf geht, übernimmt Cornells zukünftige Frau Susan Silver das Management der Gruppe. Sundquist wird der Zeitaufwand zu groß und er möchte wieder mehr bei seiner Familie sein, weshalb er 1986 aussteigt. Auf seinen Hocker setzen Soundgarden den Trommler, der das klassische Line-up der Band vervollständigen soll: Matt Cameron. Wenig später startet die Truppe erst so richtig durch.

Screaming Life: Der Weg zur ersten Soundgarden-EP

Als Soundgarden wieder einmal live spielen, steht auch Radio-DJ Jonathan Poneman im Publikum. Er fasst einen Entschluss: Nicht nur, dass er der Band ihre erste Veröffentlichung sponsern möchte. Nein, er steckt gleich 20.000 US-Dollar in das Label Sub Pop. Betrieben wird die Plattenschmiede von Bruce Pavitt, einem Kumpel von Soundgarden. 1987 erscheint die erste Single Hunted Down; auf der B-Seite gibt es das Stück Nothing To Say zu hören. Außerdem erscheinen beide Nummern auf einer weiteren Compilation.

Der Radiosender KCMU, bei dem Poneman als DJ arbeitet, veröffentlicht zu jener Zeit einen Sampler namens Bands That Will Make Money und verschickt ihn an zahlreiche Plattenfirmen. Die wiederum zeigen brennendes Interesse an Soundgarden. Auf Gegenseitigkeit beruht das nicht: Obwohl die Band jede Menge Angebote bekommt, bleibt sie zunächst ihrem Label Sup Pop treu — und genau dort erscheint am 1. Oktober 1987 Screaming Life, die erste EP der Band. Darauf enthalten: das vorhin bereits erwähnte Stück Tears To Forget, die beiden Songs von der ersten Single sowie drei neue Stücke.

Ein Prediger vom Flohmarkt-Tonband

Eine nette Anekdote verbirgt sich hinter dem letzten Song Hand Of God: Kurz bevor die Aufnahmen für die EP beginnen, findet Produzent Jack Endino auf einem Flohmarkt einige Tonbänder. Darauf zu hören ist ein christlicher Prediger der frühen Fünfziger Jahre. Als Frontmann Chris Cornell das mitbekommt, hat er den Geistesblitz, den Mitschnitt in den Song Hand Of God einzubauen. Wie der Prediger auf der Tonaufnahme heißt, finden Soundgarden und Endino allerdings nicht mehr heraus, weil die Etiketten zu unleserlich sind.

Spätestens nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP Screaming Life öffnen sich für Soundgarden alle Türen. Die Labels stehen Schlange, die Fans sowieso. „Jeder hat die EP geliebt“, verrät Frontmann Cornell 1989 in einem Interview. Doch obwohl sie alle Möglichkeiten der Welt haben, unterschreiben Soundgarden einen Plattenvertrag mit dem relativ kleinen Label SST Records. Dort veröffentlichen sie am 31. Oktober 1988 ihr erstes Album Ultramega OK. Das verläuft nicht unbedingt reibungslos, doch das ist wie so oft eine andere Geschichte.

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Mitglieder von Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden formen neue Band!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.10.1984 erweisen sich die Ramones als „Too Tough To Die“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.10.1984.


von Peter Hesse und Christof Leim

Nach sieben Alben haben die Ramones sich ein bisschen verirrt, deshalb wollen sie mit Too Tough To Die zurück zum Sound der Anfangstage. Der Titel kommt dabei nicht von ungefähr, denn im Vorjahr wäre Johnny beinahe totgeschlagen worden. Am 1. Oktober 1984 erscheint die Platte.

Hier könnt ihr das Album anhören:

Keine Frage, die ersten Alben der Ramones sind legendär, stilprägend und großartig. Aber mit dem Beginn der Achtziger liegen die Nachfolger wie Blei in den Regalen. End Of The Century (1980) und Pleasant Dreams (1981) können weder künstlerisch noch  kommerziell überzeugen. Dabei hatte die Plattenfirma Sire wegen stagnierender Verkaufszahlen, mangelnder Präsenz im Radio und ausbleibender Chartsnotierungen sogar große Namen als Produzenten engagiert, etwa Motown-Legende Phil Spector. Doch damit schoß sich die Band ins eigene Bein: Die Ramones klangen nicht mehr wie sie klingen sollen. Zu glatt, zu poppig, zu verschnörkelt (zumindest, wenn Ramones-Maßstäbe anlegt). Nach Subterranean Jungle (1983) überwirft sich die Gang noch mit ihrem Drummer Marky, weil dessen Sauferei aus dem Ruder läuft. So kann es nicht weiter gehen. Gabba, Gabba, „Hey, was sollen wir jetzt machen?“

Einfacher ist besser

Mit Too Tough To Die wollen die New Yorker sich wieder stärker an ihren Vorbildern orientieren, also an The Who, den Kinks, den Beach Boys, Stooges, MC5 und dem amerikanischen Rock’n’Roll der Fünfziger. Das heißt: Einfache Harmonien und Strukturen sowie das völlige Fehlen von Soli, Intros oder Übergängen. Außerdem darf es darf ruhig wieder schneller und härter klingt. Zum Glück übernimmt das ausgeschiedene Gründungsmitglied Tommy Ramone erneut die Produktion, die er anpackt wie auf dem Debüt von 1976. Im Songwriting orientieren sich die Musiker ebenfalls an ihren Wurzeln.

 

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Die Aufnahmen für die neue Platte gehen trotzdem nicht leicht von der Hand, weil das Quartett in Wirklichkeit wie eine Freakshow agiert. Joey Ramone ist nach wie vor ein hippiehafter und unpünktlicher Träumer mit Zwangsstörungen. (Wenn er etwa in einem Hotel vor einem Aufzug steht, kann er den Etagenknopf nicht drücken – und wartet so lange, bis jemand kommt und das für ihn übernimmt.) Zwar fungiert Dee Dee in Sachen Songwriting weiter als das Kreativgenie, doch um seine Geister zu wecken, liegen nicht selten eimerweise Drogen auf dem Tisch. Und der neue Drummer Richie Ramone ist zwar am Schlagzeug eine saubere Taktmaschine, wird aber im Bandgefüge nicht gleichwertig behandelt. Stattdessen gibt man ihm stets zu verstehen, nur ein kleiner Angestellter im Ramones-Universum zu sein. Über allem schwebt Gitarrist Johnny Ramone, der mit militärischer Strenge, erzkonservativem Weltbild und vielen Kontrollmechanismen dafür sorgt, dass die Band nicht aus dem Ruder läuft. Einfach passiert bei diesem Quartett gar nichts, und so soll die neue Platte entstehen.

Fast verhängnisvolle Schlägerei

Leider steckt auch hinter dem Albumtitel Too Tough To Die eine wahre, leider unschöne Geschichte: In den frühen Morgenstunden des 15. August 1983, gerät Johnny in eine gewalttätige Auseinandersetzung vor seiner Wohnung im New Yorker East Village mit einem anderen Musiker, der mit Johnnys Freundin unterwegs ist. Anscheinend herrscht Uneinigkeit, wie offen die Beziehung zwischen der Dame und dem Gitarristen sein soll. Nach Zeitungsberichten startet Ramone (der eigentlich John Cummings heißt) deshalb einen Kampf – und erleidet einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Es folgen eine Notoperation und eine mehrmonatige Pause.

Das Album erscheint schließlich am 1. Oktober 1984 mit einem markanten Cover, das die Silhouetten der Musiker in blauem Nebel zeigt. Wie der Fotograf George DuBose später berichtet, war das so gar nicht geplant: Schlussendlich erwies sich eine Fehlfunktion seiner Kamera als Glücksfall.

Ziel nicht erreicht

Zu den bekanntesten Liedern der Scheibe gehören Mama’s Boy, Too Tough To Die und Wart Hog, mit Durango 95 gibt es das einzige Ramones-Instrumental, und bei zwei Nummern singt Dee Dee. Amüsant fällt auch das Intro von Danger Zone aus, denn dabei fragt einer der Rocker: „Welchen Song spielen denn?“ 

Insgesamt klingt die Scheibe wieder roher und ursprünglicher. Doch trotz dieser Bemühungen wird sie nicht der große Wurf. Da helfen die schöne Melodie und der knackige Refrain der von Eurythmics-Kopf Dave Stewart produzierten Singleauskopplung Howling at the Moon (Sha-La-La) auch nicht. (Die Keyboards dazu spielt übrigens Benmont Tench von Tom Petty & The Heartbreakers.) Viele Kritiker und Fans vermissen in den Texten vor allem den typisch augenzwinkernden Ramones-Humor, der auf ihren frühen Alben so wichtig und witzig war. Die politisch und gesellschaftskritisch gefärbten Zeilen wie in Danger Zone oder Planet Earth wirken zu unbeholfen, bemüht und wenig glaubhaft. Es soll noch ein paar Jahre dauern, bis die Perlen dieses Albums, zum Beispiel I’m Not Afraid of Life oder Durango 95, für die Ewigkeitslisten entdeckt werden.

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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