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Popkultur

Zeitsprung: Am 23.7.1965 kommt Gitarrengott Slash von Guns N‘ Roses zur Welt.

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Slash und seine Gitarren-Sammlung. Foto: Marc S Canter/Michael Ochs Archives/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 23.7.1965.

von Frank Thießies und Christof Leim

Zylinder, Les Paul und verdammt fähige Finger: Slash ist ein Gott der Gitarre, keine Frage. Am 23. Juli feiert er seinen Geburtstag. Dass er so weit kommt, hätte er selbst wohl nicht gedacht. Blicken wir zurück auf das Leben des gebürtigen Saul Hudson abseits von Guns N’ Roses…

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Hier könnt ihr euch Slashs Solosachen live anhören:

Auf die Welt kommt der zukünftige Rockstar in Hampstead, London als Sohn der Kostümdesignerin Ola Hudson und des britischen Covergrafikers Anthony Hudson. Die ersten Lebensjahre verbringt er im britischen Stoke-on-Trent. Seine prägende Jugend erlebt er jedoch etwas später auf den Straßen von Los Angeles, wo seine Mutter inzwischen arbeitet. Ungeachtet der späteren Trennung von Papa Anthony bleibt Slash zumindest dessen vererbtes grafisches Talent erhalten: Für Guns N’ Roses, Snakepit und Velvet Revolver wird der leidenschaftliche Zeichner, der nur ausgewählte wie selbstentworfene Tattoo-Motive auf seiner Haut trägt, später noch diverse Bandlogos und Cover gestalten.

Der Classic-Rocker

An der Fairfax Music School lernt der inzwischen mit dem Spitznamen „Slash“ bedachte junge Mann jedenfalls die Grundlagen des Gitarrenspiels, eine Leidenschaft, die im Alter von 14 Jahren in ihm entflammt und bis heute anhält. Da stört es auch nicht, dass sein erstes Instrument, die Flamenco-Gitarre seiner Oma, nur eine Saite hat. Seine stilistische Prägung erhält er von Aerosmith, Queen, Van Halen, Cheap Trick und AC/DC, gleichzeitig entwickelt er einen seelenvoll bluesigen Stil, der mehr von Hendrix, Jeff Beck und Jimmy Page hat als von den in den Achtzigern angesagten hochtechnischen „Shreddern“.

Ladies & gentlemen… Guns N’ Roses – Foto: Universal

Im Juni 1985 schließlich findet der spätere Les-Paul-Spieler nach diversen erfolglosen Bandprojekten endlich die richtigen Mitstreiter für seine musikalischen Vorstellungen: sein alter Freund und Schlagzuger Steven Adler, der Bassisten Duff McKagan, Sänger Axl Rose sowie Gitarrist Izzy Stradlin. Es ist die Geburt von Guns N’ Roses, deren Aufstieg, Fall und späteres Comeback nahezu beispiellos in der Rockgeschichte ist.

Chapeau

Neben seiner Musik entwickelt Slash schnell auch optische Markenzeichen: Zylinder auf dem Kopf, Lockenmähne und irgendwo ein Zigarette im Mundwinkel. Lange Zeit scheint auch die Flasche Jack Daniel’s unmittelbar mit seiner Hand verwachsen zu sein. Die Drogenkarriere des Gitarristen umfasst sämtliche berauschende Substanzen, und er kultiviert sie bis ins Alter von 35 Jahren. Dann folgt im Zuge einer ernsthaften Herzmuskelerkrankung das böse Erwachen im Krankenhaus. Doch Herzschrittmacher, Alkoholentzug und Reha bringen Slash wieder auf die Beine; fortan lebt er nicht nur komplett clean, sondern seit 2008 auch rauchfrei. 

Zurück zur Musik: Schon mit Appetite For Destruction, dem sagenhaften Debüt von Guns N’ Roses von 1987, etabliert sich Slash als Ausnahmegitarrist – und wird gern als Gast für Songs und Platten anderer Leute geladen. So ist er auf dem Iggy-Pop-Comeback-Album Brick By Brick (1990) genauso zu hören wie auf Michael Jacksons Give In To Me (1993). Daneben steuert er Parts zu Hey Stoopid von Alice Cooper (1991) und Mama Said von Lenny Kravitz (1991) bei oder glänzt mit einem grazilen Gastsolo als Teil des Rock’n’Roll-Dreigestirns um Lemmy und Ozzy auf I Ainʼt No Nice Guy (1992) von Motörhead.

Nebenjobs

Nachdem Guns N‘ Roses mit den beiden Use Your Illusion-Alben und dem begleitenden Tourmarathon Anfang der Neunziger in absolute Superstardimensionen vorgedrungen sind, stoßen Slashs Songideen bei Sänger Axl irgendwie nicht mehr auf offene Ohren.  Entsprechend sucht sich der Schlangenfreund Mitte der Neunziger mit der Soloband Slash’s Snakepit ein anderes Ventil. Es ist der Anfang vom Ende: Im Oktober 1996 steigt Slash schließlich bei Guns N‘ Roses aus.

Um Arbeitslosigkeit muss er sich dennoch keine Sorgen machen. Neben Soundtracks findet Slash musikalischen Zeitvertreib bei der Blues-Coverband Slash’s Blues Ball und gründet auch eine neue Version von Slash’s Snakepit, die 2000 das Album Ain’t Life Grand einspielt. All diese Unterfangen sind jedoch weniger von Erfolg gekrönt sind als sein weiter oben vorweggenommener Entzug. Nachdem Slash in zweiter Ehe Perla Ferrar, die künftige Mutter seiner beiden Kinder London Emilio (geboren 2002) und Cash Anthony (geboren 2004) vor den Altar geschleppt hat, geht es für ihn auch in musikalischer Hinsicht wieder aufwärts. Ein Wiedersehen mit Duff und Matt Sorum fungiert als Initialzündung für eine neue Band, welche mit Stone-Temple-Pilots-Sänger Scott Weiland letztlich in der Supergroup Velvet Revolver mündet. Ist deren Debüt Contraband (2004) mit über vier Millionen verkaufter Exemplare noch ein veritabler Erfolg, kriselt es kommerziell, künstlerisch und auf menschlicher Ebene bereits beim Nachfolger Libertad (2007), womit auch das baldige Ende von Velvet Revolver vorhersehbar ist.

Slasher-Fan

Für Mr. Hudson kein Grund Trübsal zu blasen: So lädt sich der Gitarrist für jeden Song seines überfälligen Solodebüts Slash (2010) einen Gastsänger plus unterschiedliche Mucker ins Studio. Für die anschließende Tour jedoch rekrutiert er unter anderem mit Sänger Myles Kennedy (Alter Bridge) eine feste Live-Mannschaft, die so gut miteinander harmoniert, dass daraus eine neue Band entsteht. Als Slash Featuring Myles Kennedy & The Conspirators bringt das Team sukzessive die Alben Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018) auf den Markt. 

Auch seinem zweiten großem Steckenpferd, dem Horrorfilm, kann Slash inzwischen aktiv frönen. Mit der von ihm gegründeten Produktionsfirma Slasher Films entwickelt der Gitarrist und Film-Fan (zu dessen erklärten Lieblingsstreifen Spätsechziger/Siebziger-Schocker wie Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes, Das Omen und Rosemaries Baby zählen) als ausführender Produzent Horrorfilme wie den 2013 erschienen Nothing Left To Fear (deutsch: Das Tor Zur Hölle). Wobei Hölle ein gutes Stichwort ist: Denn in Anlehnung an das berühmte Don Henley-Zitat bezüglich einer Eagles-Reunion („erst wenn die Hölle zufriert“) geschehen 2016 auch im Lager von Guns N‘ Roses Zeichen und Wunder. In der Besetzung mit Rose, McKagan und Slash findet man wieder als Guns N‘ Roses zusammen und begibt sich fortan auf die süffisant Not in This Lifetime betitelte Tour.

Optimistisch

„Kautabak und Sex sind die einzigen Laster, die übrig geblieben sind. Und Gitarre spielen“, hatte der einstige Schwerenöter Slash schon kurz vor seinem Fünfzigsten konstatiert. „Ich mache mir keinen Kopf über das Alter. Je älter ich werde, desto weiser werde ich und desto größer meine Erfahrung. Ich habe immer von sich selber gedacht, dass ich nicht mal die 21 schaffe. Insofern habe ich keine Angst vorm Älterwerden, sondern bin eher überrascht, es überhaupt soweit geschafft zu haben.“ Womit nur noch eins zu sagen wäre: Herzlichen Glückwunsch, Herr Hudson!

Zeitsprung: Am 6.6.1985 spielen erstmals die klassischen Guns N’ Roses & gehen auf „Hell Tour“.

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Popkultur

Ohrfeigen, Improvisation & die Hells Angels: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Janis Joplin stammen können

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Janis Joplin

Janis Joplin stach schon von Anfang an heraus: Ihre verklemmte texanische Heimatstadt ließ sie mit 17 hinter sich, um in Los Angeles in Kneipen und Bars aufzutreten. Ihre monströse Reibeisenstimme machte aus jedem simpel gestrickten Blues-Stück einen ikonischen Soundtrack der Flower-Power-Zeit und ihr ungebremst hemmungsloses Leben erzählt legendäre Geschichten – bis zum tragischen, viel zu frühen Ende.

von Timo Diers

Nicht alle dieser Geschichten sind groß oder besonders lang. Aber so verrückt, dass sie nur von ihr stammen können. Sechs solcher typischen Janis-Joplin-Momente haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Hört hier in die Greatest Hits von Janis Joplin rein:

1. Sie schlug Jim Morrison eine Whiskeyflasche über den Kopf.

Joplins Vorliebe für Southern Comfort sollte hinlänglich bekannt sein – davon könnte wahrscheinlich auch Jim Morrison berichten, der die junge Sängerin bei einer Party in Hidden Hills, Kalifornien kennenlernte. Wie für Morrison üblich, betrank er sich und verwandelte sich von einem charmanten jungen Mann in einen ungehobelten Raufbold. Die beiden verstanden sich zunächst gut. Doch irgendwann war Joplin von Morrisons Art so dermaßen genervt, dass sie die Party frühzeitig verlassen wollte. Aber der Doors-Sänger war hartnäckig und wollte sie am Wegfahren hindern – da zog sie ihm kurzerhand eine Whiskeyflasche über den Kopf.

2. Sie sprang bei Tina Turner auf die Bühne und gab ein Impromptu-Duett.

Als Janis Joplin in der Dick Cavett Show nach ihren Lieblingskünstlern gefragt wurde, war die Antwort eindeutig: „Tina Turner – die beste Braut aller Zeiten!“ Und das war noch bevor Tina Turner auch nur in die Nähe des Popstar-Daseins kam. Als Ike & Tina Turner 1969 für die Rolling Stones im Madison Square Garden eröffneten, stand Joplin zunächst am Bühnenrand und beobachtete die Show. Sie war flammender Fan von Tina. Als dann Land Of 1000 Dances angestimmt wurde, sprang sie für ein spontanes Duett auf die Bühne. Leider gibt es von dem Auftritt nur einige wenige Fotos.

3. Sie gab Jerry Lee Lewis eine saftige Ohrfeige.

Das letzte Mal, dass Laura Joplin ihre große Schwester sah, war 1970. Damals kam Janis zurück nach Texas, um bei ihrem 10-jährigen High-School-Jubiläum dabei zu sein. In derselben Nacht nahm sie ihre Schwester mit zu einem Jerry-Lee-Lewis-Konzert. Als sie ihn später Backstage trafen, sagte er zu Laura: „Du würdest gar nicht mal so schlecht aussehen, wenn du nicht versuchen würdest, wie deine Schwester zu sein.“ Janis konterte nicht, sondern scheuerte ihm direkt eine.

4. Sie improvisierte einen ihrer größten Hits.

„Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Ihre Stimme ist rau, ganz nah am Mikrofon, kein anderes Instrument begleitet sie. Mercedes Benz geht keine zwei Minuten – ist eigentlich das genaue Gegenteil eines Rock-Hits. Und doch ist es einer ihrer bekanntesten Songs. Co-Writer Bob Neuwirth erinnert sich:

„Früher haben wir auf diesen fetten 16-Zoll-Bandmaschinen aufgenommen. Aber Paul Rothchild, der Produzent, ließ immer eine kleine Zwei-Spur-Bandmaschine mitlaufen, falls jemand eine gute Idee hatte und etwas improvisiert. An einem Tag sind die großen Bandmaschinen kaputtgegangen und wir mussten warten, bis wir mit den Aufnahmen weitermachen konnten. Um die Stimmung etwas zu entspannen, sagte Janis ‚Habt ihr schon meinen neuen Hit gehört?’ und improvisierte einfach Mercedes Benz.“

So wurde einer ihrer größten Songs auf einer kleinen Zwei-Spur-Bandmaschine aufgenommen. An dem Tag bekam Neuwirth einen Einblick in Janis’ einzigartige Persönlichkeit: „Diese pure Kraft und das Charisma machen den Song so besonders – dieses Kichern am Ende. Das ist so Janis!“

5. Sie brachte die Hells Angels dazu, für sie einkaufen zu gehen.

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, aber Janis Joplin war gut mit den Hells Angels befreundet. Sie stand zeitweise sogar unter persönlichem Schutz der Rockergang. Eines Nachts wurden Joplin und ihr Freund David Niehaus von Geräuschen im Wohnzimmer ihres Hauses in Marine County wach. Einbrecher? So ungefähr. Fünf Hells Angels waren grade dabei, Joplins Kühlschrank nach etwas Essbaren zu durchwühlen. Und als der schmächtige Niehaus nicht so recht wusste, wie er den bewaffneten Rockern beibringen sollte, doch bitte wieder zu gehen, nahm Joplin die Sache selbst in die Hand. Sie machte die Fünf so dermaßen zur Schnecke, dass sie ein paar Nächte später wiederkamen – dieses Mal beladen mit Einkäufen, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

6. Sie schmiss selbst postum noch eine Party für ihre Freunde.

Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 von ihrem Road Manager John Cooke tot aufgefunden wurde, stand die Musikwelt unter Schock. Sie war erst 27 Jahre alt, doch einen letzten Willen hatte sie schon verfasst. Darin war auch vermerkt, dass 2500 Dollar aus ihrem Vermögen für eine Party mit ihren Freunden eingesetzt werden sollen – als „ein letztes Zeichen der Wertschätzung und des Abschieds“. Also organisierte John Cooke eben diese Party als Totenwache im The Lion’s Share, einem Musikclub in San Anselmo, Kalifornien. Auf der Einladung hieß es, die Getränke gingen auf Pearl. So wurde Joplin von ihren Freunden genannt.

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Zeitsprung: Am 4.10.1970 stirbt Hippie-Ikone Janis Joplin.

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Zeitsprung: Am 19.1.1949 kommt Robert Palmer zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Robert Palmer gehört zu den unterschätzten Personen der Rockgeschichte. Von 1974 bis 2003 veröffentlicht er (mehr oder weniger) starke Alben, beweist ein besonderes Gespür für Coversongs und gewinnt zahlreiche Preise, unter anderem einen Grammy. Hits wie Bad Case Of Loving You und Addicted To Love kennt jeder. Am 19. Januar hätte der 2003 verstorbene Musiker seinen Geburtstag gefeiert.

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Hört hier in die besten Songs von Robert Palmer rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Stücke.

Kindheit und Jugend

Robert Palmer kommt 19. Januar 1949 in Batley zur Welt. Noch im selben Jahr zieht die Familie nach Scarborough, sein Vater arbeitet als britischer Offizier in Malta. Die Musik entdeckt Palmer bereits in jungen Jahren, er hört unter anderem Blues, Jazz und Soul im American Forces Radio — Einflüsse, die ihn sein Leben lang begleiten. Schnell greift er selbst zur Gitarre, außerdem trommelt er die ersten Takte auf dem Schlagzeug. Mit 15 tritt der junge Musiker The Mandrakes bei, im Alter von 20 Jahren kündigt er seinen Job als Grafikdesigner und zieht mit Sack und Pack nach London, um die dortige Künstlerszene zu erobern.




Die Siebziger

Nach kurzen Mitgliedschaften in den Jazzgruppen The Alan Bown Set und Dada gründet Palmer im Jahr 1971 die Band Vinegar Joe, mit der er drei Alben einspielt. 1974 gehen die Musiker getrennte Wege, Palmer orientiert sich in Richtung Solokarriere. Sein Debüt Sneakin’ Sally Thru The Alley erscheint noch im selben Jahr, doch der Brite trifft nicht den richtigen Nerv: Das Blues-/Funk-Album erregt keine große Aufmerksamkeit und bleibt in den meisten Plattenregalen liegen.



Er beschließt, nach New York zu ziehen, doch sein zweites Soloalbum Pressure Drop (1975) floppt ebenfalls. Mit Album Nummer drei, Some People Can Do What They Like (1976), stellen sich erste kleine Erfolge ein. Erneut siedelt Palmer um, diesmal auf die Bahamas. Keine schlechte Wahl, offensichtlich auch in musikalischer Hinsicht: Nach einem Umweg über die Veröffentlichung der Soul- und Disco-beeinflussten Rockplatte Double Fun (1978) landet er 1979 seinen ersten Hit mit dem Moon Martin-Cover Bad Case Of Loving You. Zu finden ist der Song auf dem Album Secrets (1979), für das Palmer erstmals eine eigene Band zusammenstellt. Die Scheibe markiert seinen Durchbruch in den USA.



Die Achtziger

Das Jahr 1980 verschafft ihm auch den europäischen Durchbruch, zeitgleich entdeckt Palmer die New Wave. Das verstärkt mit Synthesizern arbeitende Clues stürmt die Top Ten in Frankreich und Deutschland; in Schweden reicht es sogar zu Platz eins. Der Song Looking For Clues erklimmt Platz drei der deutschen Charts, die spätere EP-Veröffentlichung seiner Coverversion von Some Guys Have All The Luck funktioniert ebenfalls. Seine nächste Platte Pride (1983) orientiert sich an ähnlichen Einflüssen, lässt qualitativ aber ein wenig nach.



1984 gründet er die Supergroup The Power Station gemeinsam mit John und Andy Taylor von Duran Duran sowie Tony Thompson von Chic. Seine Solokarriere hängt Palmer vorerst an den Nagel, aber schon eine erfolgreiche Veröffentlichung und eine gemeinsame TV-Performance später verlässt er die Band wieder und bringt mit Riptide (1985) sein erfolgreichstes Album auf den Markt, das zudem einen seiner größten Hits enthält. So belegt Addicted To Love drei Wochen lang Platz eins der US-Charts und verschafft ihm sogar eine Grammy-Nominierung. 1988 landet auch Rockröhre Tina Turner einen Treffer mit dem Song.



1987 verschlägt es den Briten nach Lugano (Schweiz), wo er sich ein eigenes Tonstudio aufbaut. Er schreibt die Filmmusik für Sweet Lies (1988), zusätzlich nimmt er die Arbeit an seinem etwas härteren Erfolgsalbum Heavy Nova (1988) auf. Der Hit Simply Irresistible verschafft ihm erneut eine Grammy-Nominierung, diesmal erhält er auch die Auszeichnung.


Die Neunziger

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts singt Palmer seinen nächsten Langspieler Don’t Explain (1990) ein, das auch den Song I’ll Be Your Baby Tonight enthält, eine Kollaboration mit der Reggae-Gruppe UB 40. 1992 veröffentlicht er Ridin’ High und lässt eine Menge Jazz in seine Musik einfließen — leider nicht zur Freude seiner Anhänger. Generell gestaltet sich das Verhältnis zwischen Palmer und seinen Fans in den kommenden Jahren schwierig. Er weigert sich, im Rahmen seiner Konzerte ältere Songs zu spielen und stößt seine Anhänger damit vor den Kopf. Seine nächste Veröffentlichung Honey (1994) verkauft sich nicht unterirdisch, kann aber bei weitem nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.



1996 reanimiert er die Gruppe The Power Station, mit Living In Fear veröffentlicht die Band ohne großen Erfolg ein Reunionalbum. Gegen Ende des Jahrzehnts wird es ruhig um den britischen Musiker. Sein vorletztes Werk Rhythm & Blues (1998) kommt schlechter an als beinahe alle seine Veröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte.



Sein letztes Album

Am 12. Mai 2003 erscheint mit Drive der letzte Eintrag in der Diskografie von Robert Palmer. Statt eigenes Material zu schreiben, covert er Songs von J. B. Lenoir, Keb’ Mo’, ZZ Top und Elvis Presley. Die Platte verschafft ihm gute Rezensionen und ein wenig Aufwind, verkauft sich allerdings erneut eher schlecht als recht. Am 26. September desselben Jahres stirbt Palmer in Paris überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 54 Jahre alt. Von 1970 bis 1993 war er mit seiner Frau Sue verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.


Zeitsprung: Am 24.10.2013 gibt Tina Turner ihren US-Pass ab.

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Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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