------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 23.7.1965 kommt Gitarrengott Slash von Guns N‘ Roses zur Welt.

Published on

Slash und seine Gitarren-Sammlung. Foto: Marc S Canter/Michael Ochs Archives/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 23.7.1965.

von Frank Thießies und Christof Leim

Zylinder, Les Paul und verdammt fähige Finger: Slash ist ein Gott der Gitarre, keine Frage. Am 23. Juli feiert er seinen Geburtstag. Dass er so weit kommt, hätte er selbst wohl nicht gedacht. Blicken wir zurück auf das Leben des gebürtigen Saul Hudson abseits von Guns N’ Roses…

Hier könnt ihr euch Slashs Solosachen live anhören:

Auf die Welt kommt der zukünftige Rockstar in Hampstead, London als Sohn der Kostümdesignerin Ola Hudson und des britischen Covergrafikers Anthony Hudson. Die ersten Lebensjahre verbringt er im britischen Stoke-on-Trent. Seine prägende Jugend erlebt er jedoch etwas später auf den Straßen von Los Angeles, wo seine Mutter inzwischen arbeitet. Ungeachtet der späteren Trennung von Papa Anthony bleibt Slash zumindest dessen vererbtes grafisches Talent erhalten: Für Guns N’ Roses, Snakepit und Velvet Revolver wird der leidenschaftliche Zeichner, der nur ausgewählte wie selbstentworfene Tattoo-Motive auf seiner Haut trägt, später noch diverse Bandlogos und Cover gestalten.

Der Classic-Rocker

An der Fairfax Music School lernt der inzwischen mit dem Spitznamen „Slash“ bedachte junge Mann jedenfalls die Grundlagen des Gitarrenspiels, eine Leidenschaft, die im Alter von 14 Jahren in ihm entflammt und bis heute anhält. Da stört es auch nicht, dass sein erstes Instrument, die Flamenco-Gitarre seiner Oma, nur eine Saite hat. Seine stilistische Prägung erhält er von Aerosmith, Queen, Van Halen, Cheap Trick und AC/DC, gleichzeitig entwickelt er einen seelenvoll bluesigen Stil, der mehr von Hendrix, Jeff Beck und Jimmy Page hat als von den in den Achtzigern angesagten hochtechnischen „Shreddern“.

Ladies & gentlemen… Guns N’ Roses – Foto: Universal

Im Juni 1985 schließlich findet der spätere Les-Paul-Spieler nach diversen erfolglosen Bandprojekten endlich die richtigen Mitstreiter für seine musikalischen Vorstellungen: sein alter Freund und Schlagzuger Steven Adler, der Bassisten Duff McKagan, Sänger Axl Rose sowie Gitarrist Izzy Stradlin. Es ist die Geburt von Guns N’ Roses, deren Aufstieg, Fall und späteres Comeback nahezu beispiellos in der Rockgeschichte ist.

Chapeau

Neben seiner Musik entwickelt Slash schnell auch optische Markenzeichen: Zylinder auf dem Kopf, Lockenmähne und irgendwo ein Zigarette im Mundwinkel. Lange Zeit scheint auch die Flasche Jack Daniel’s unmittelbar mit seiner Hand verwachsen zu sein. Die Drogenkarriere des Gitarristen umfasst sämtliche berauschende Substanzen, und er kultiviert sie bis ins Alter von 35 Jahren. Dann folgt im Zuge einer ernsthaften Herzmuskelerkrankung das böse Erwachen im Krankenhaus. Doch Herzschrittmacher, Alkoholentzug und Reha bringen Slash wieder auf die Beine; fortan lebt er nicht nur komplett clean, sondern seit 2008 auch rauchfrei. 

Zurück zur Musik: Schon mit Appetite For Destruction, dem sagenhaften Debüt von Guns N’ Roses von 1987, etabliert sich Slash als Ausnahmegitarrist – und wird gern als Gast für Songs und Platten anderer Leute geladen. So ist er auf dem Iggy-Pop-Comeback-Album Brick By Brick (1990) genauso zu hören wie auf Michael Jacksons Give In To Me (1993). Daneben steuert er Parts zu Hey Stoopid von Alice Cooper (1991) und Mama Said von Lenny Kravitz (1991) bei oder glänzt mit einem grazilen Gastsolo als Teil des Rock’n’Roll-Dreigestirns um Lemmy und Ozzy auf I Ainʼt No Nice Guy (1992) von Motörhead.

Nebenjobs

Nachdem Guns N‘ Roses mit den beiden Use Your Illusion-Alben und dem begleitenden Tourmarathon Anfang der Neunziger in absolute Superstardimensionen vorgedrungen sind, stoßen Slashs Songideen bei Sänger Axl irgendwie nicht mehr auf offene Ohren.  Entsprechend sucht sich der Schlangenfreund Mitte der Neunziger mit der Soloband Slash’s Snakepit ein anderes Ventil. Es ist der Anfang vom Ende: Im Oktober 1996 steigt Slash schließlich bei Guns N‘ Roses aus.

Um Arbeitslosigkeit muss er sich dennoch keine Sorgen machen. Neben Soundtracks findet Slash musikalischen Zeitvertreib bei der Blues-Coverband Slash’s Blues Ball und gründet auch eine neue Version von Slash’s Snakepit, die 2000 das Album Ain’t Life Grand einspielt. All diese Unterfangen sind jedoch weniger von Erfolg gekrönt sind als sein weiter oben vorweggenommener Entzug. Nachdem Slash in zweiter Ehe Perla Ferrar, die künftige Mutter seiner beiden Kinder London Emilio (geboren 2002) und Cash Anthony (geboren 2004) vor den Altar geschleppt hat, geht es für ihn auch in musikalischer Hinsicht wieder aufwärts. Ein Wiedersehen mit Duff und Matt Sorum fungiert als Initialzündung für eine neue Band, welche mit Stone-Temple-Pilots-Sänger Scott Weiland letztlich in der Supergroup Velvet Revolver mündet. Ist deren Debüt Contraband (2004) mit über vier Millionen verkaufter Exemplare noch ein veritabler Erfolg, kriselt es kommerziell, künstlerisch und auf menschlicher Ebene bereits beim Nachfolger Libertad (2007), womit auch das baldige Ende von Velvet Revolver vorhersehbar ist.

Slasher-Fan

Für Mr. Hudson kein Grund Trübsal zu blasen: So lädt sich der Gitarrist für jeden Song seines überfälligen Solodebüts Slash (2010) einen Gastsänger plus unterschiedliche Mucker ins Studio. Für die anschließende Tour jedoch rekrutiert er unter anderem mit Sänger Myles Kennedy (Alter Bridge) eine feste Live-Mannschaft, die so gut miteinander harmoniert, dass daraus eine neue Band entsteht. Als Slash Featuring Myles Kennedy & The Conspirators bringt das Team sukzessive die Alben Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018) auf den Markt. 

Auch seinem zweiten großem Steckenpferd, dem Horrorfilm, kann Slash inzwischen aktiv frönen. Mit der von ihm gegründeten Produktionsfirma Slasher Films entwickelt der Gitarrist und Film-Fan (zu dessen erklärten Lieblingsstreifen Spätsechziger/Siebziger-Schocker wie Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes, Das Omen und Rosemaries Baby zählen) als ausführender Produzent Horrorfilme wie den 2013 erschienen Nothing Left To Fear (deutsch: Das Tor Zur Hölle). Wobei Hölle ein gutes Stichwort ist: Denn in Anlehnung an das berühmte Don Henley-Zitat bezüglich einer Eagles-Reunion („erst wenn die Hölle zufriert“) geschehen 2016 auch im Lager von Guns N‘ Roses Zeichen und Wunder. In der Besetzung mit Rose, McKagan und Slash findet man wieder als Guns N‘ Roses zusammen und begibt sich fortan auf die süffisant Not in This Lifetime betitelte Tour.

Optimistisch

„Kautabak und Sex sind die einzigen Laster, die übrig geblieben sind. Und Gitarre spielen“, hatte der einstige Schwerenöter Slash schon kurz vor seinem Fünfzigsten konstatiert. „Ich mache mir keinen Kopf über das Alter. Je älter ich werde, desto weiser werde ich und desto größer meine Erfahrung. Ich habe immer von sich selber gedacht, dass ich nicht mal die 21 schaffe. Insofern habe ich keine Angst vorm Älterwerden, sondern bin eher überrascht, es überhaupt soweit geschafft zu haben.“ Womit nur noch eins zu sagen wäre: Herzlichen Glückwunsch, Herr Hudson!

Zeitsprung: Am 6.6.1985 spielen erstmals die klassischen Guns N’ Roses & gehen auf „Hell Tour“.

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

Published on

The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Kate Bush: 10 der wichtigsten Stücke der großartigen Sängerin und Songschreiberin

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

Published on

Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

Continue Reading

Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

Published on

Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss