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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.4.2010 spielen Soundgarden eine Reunion-Show.

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Soundgarden
Foto: Barry Brecheisen/WireImage/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.4.2010.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Wer sich so desaströs selbst beendet wie Soundgarden das 1997 mit ihrem Auftritt auf Hawaii tun, lässt eigentlich keinen Silberstreifen am Horizont übrig. Und doch steigen die Jungs nach 13 Jahren am 16. April 2010 in Seattle noch einmal gemeinsam auf die Bühne. Nur ein Blick zurück oder der Anfang eines Comebacks?

Hört euch die Compilation Telephantasm an, die kurz nach dem Konzert erschien:

Spulen wir zum allgemeinen Verständnis kurz zurück auf den 9. Februar 1997. Wir befinden uns in Honolulu, Hawaii, Soundgarden spielen den letzten Boxenstopp auf ihrer Down-On-The-Upside-Tour, die Reiserei schafft sie: „Wir mögen es bis zu einem gewissen Punkt, aber dann wiederholt es sich und wird ermüdend. Das ist der Punkt, an dem wir das Touren hassen“, gibt damals Sänger Chris Cornell zu Protokoll. Dem Unmut macht die Gruppe an diesem Abend auf spektakuläre Weise Luft.

Tour-Blues und Erschöpfung

Bassist Ben Shepherd zeigt dem Publikum den Stinkefinger, tritt in die Scheinwerfer und legt sich zeitweise sogar mit Cornell an. Der Rest der Truppe wirkt nicht gerade motiviert, dem Mann am Viersaiter Einhalt zu gebieten. Nach Blow Up The Outside World schmeißt der passend sein Instrument in die Luft und verlässt die Bühne. So ein bisschen rettet man die Nummer mit einer Solozugabe des Grunge-Sangeswunders Cornell, aber die Band scheint Geschichte.

Spulen wir vor auf 2010. Besagter Sänger lässt sich in der Neujahrsnacht zu einem Tweet hinreißen, der bei den Fans für Kammerflimmern sorgt: „Die zwölfjährige Pause ist vorüber & die Schule geht wieder los. Meldet euch jetzt an. Die Ritter der Soundrunde sind wieder vereint!“, steht da. Man rudert zwar zurück, es gehe nur um den Fanclub, aber die Vorboten sprechen für sich.

Clubshow in der Heimatstadt

Irgendwie taucht im Veranstaltungskalender ihrer Heimatstadt Seattle dann eine kleine Show auf: Viel hört man nicht, nur, dass Soundgarden wohl ein kleines Set im Laden Showbox At The Market spielen wollen. Wo kann man überhaupt Karten kaufen? Gibt es neues Material? Weitere Termine oder Stellungnahmen gibt es keine.

Und warum tut das Quartett sich das überhaupt an? Cornell werkelt mittlerweile nicht nur bei Audioslave, sondern kann auch als Solokünstler im Pop-Rock-Gewand Erfolge verzeichnen. Gitarrist Kim Thayil lässt es locker angehen, scheint den Vorruhestand zu genießen. Schlagzeuger Matt Cameron angelt sich zwischendurch eine lukrative Position bei einer kleinen Band namens Pearl Jam.

Rückkehr zu alter Form

Jeden, der sich diese Frage stellt, bringen Soundgarden am 16. April 2010 zum Verstummen. Unter dem Pseudonym „Nudedragons“ (vielleicht das beste Anagramm der Musikgeschichte) spielen die Vier ein Set aus 18 Stücken, das sich gewaschen hat. Die offenbar versöhnten Kumpel schauen zurück auf eine Karriere, in der sie als Grunge-Pioniere Geschichte schrieben. Sie beenden den Auftritt mit einem Doors-Cover: Waiting For The Sun klingt verdächtig hoffnungsvoll. Da kommt doch noch was…

Nach dem Seattle-Gig beginnen Soundgarden eine Retrospektive, der sie mit Telephantasm eine passende Compilation verpassen. Sie platzieren sich außerdem als Headliner auf dem Lollapalooza und im Videospiel Guitar Hero, was die Coolness-Skala quasi sprengt. Und siehe da: Ein neues Album kündigen sie 2011 an, zwei Jahre später erscheint King Animal. Man schickt sich an, erneut die Weltherrschaft zu übernehmen. Cornells Freitod bereitet den Plänen 2017 ein tragisches Ende.

Für immer Grunge-Giganten

Viel ist nicht bekannt über diese Comeback-Show an einem Freitagabend im April 2010, aber sie markiert die Rückkehr einer der wichtigsten Bands des Rock. Wer den intimen Gig nachfühlen möchte, kann sich ein ähnliches Konzert von 2013 ansehen: Auf Soundgarden: Live From The Artists Den läuft die Gruppe zur vertraulichen Höchstform auf.

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