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Popkultur

Steve Hackett im Interview: „Mein Reichtum liegt in meinen Songs, nicht auf der Bank“

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Steve Hackett

Genesis ist ohne Steve Hackett für viele nicht dasselbe. Für ihn auch nicht. Im Interview spricht der 70-Jährige über seinen ersten Auftritt mit Genesis, die Reunion von Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks und die Urlaubspläne mit seiner Mutter.

von Björn Springorum

Bei der aktuellen Genesis-Reunion ist Steve Hackett ja bekanntlich ebenso wenig dabei wie Peter Gabriel. Das ist aber nicht das einzige, was sie gemeinsam haben: Beide sind im Februar 70 geworden, beide prägten die Frühphase von Genesis maßgeblich. Doch während Gabriel eher seine eigenen musikalischen Visionen verwirklicht, kehrt Hackett oft und gern zu den glanzvollen Anfangszeiten der Genesis-Magie zurück. Auf seinen Alben, aber auch auf der Bühne. Sein neues Live-Album Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall erschien kürzlich in einer neuen Auflage, seine nächste Soloplatte ist schon in Arbeit. Beschäftigt wie immer also, der gute Mister Hackett – und dennoch zu einem schönen Plausch bereit.

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Hört hier Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall:

Steve, du hast im Februar deinen 70. Geburtstag gefeiert. War es ein rauschendes Fest?

Ach was, ganz ruhig war das alles. Ich habe mit Familie und Freunden in einem Londoner Restaurant gefeiert. Meine Mutter feierte kurz darauf ihren 90. Geburtstag, und eigentlich hätte ich sie zu diesem Anlass mit auf den Cruise To The Edge in der Karibik genommen. Du weißt schon, diese Kreuzfahrt, die nach dem Marillion-Album benannt ist und bei der Bands wie Marillion, Yes oder Musiker von King Crimson mitmischen. Und ich. Leider wurde diese Kreuzfahrt aus den bekannten Gründen abgesagt. Das ist schade, denn hatte sich wirklich darauf gefreut.

90 ist ein reifes Alter. Wie geht es deiner Mutter?

Oh, prächtig. Sie wirkt generell eher, als wäre sie in meinem Alter. Und sie benimmt sich, als wäre sie 19! (lacht) Aber na ja, diese Kreuzfahrt holen wir einfach zu ihrem 91. Geburtstag nach. Wenn sich bis dahin alles normalisiert hat, natürlich. Weißt du, ich liebe diese Kreuzfahrten und mache eigentlich alles mit. Von Heavy Metal bis Jazz. Das entspricht meinem musikalischen Ansatz: Ich habe nie in Genres gedacht. Für mich war immer alles eins. Viele haben Angst, dass sie sich dann komplett zum Narren machen, aber das kommt nur auf deine Einstellung an. Selbst Ravi Shankar kann mit Rock-Musiker*innen zusammenspielen, wenn man die Gemeinsamkeiten findet. Dann ist alles möglich. Dann entdeckt man, dass selbst die entferntesten Genres mehr Ähnlichkeiten haben als man dachte.

Genesis: Darum sind Peter Gabriel und Steve Hackett nicht dabei!

Was hast du eigentlich geschenkt bekommen?

Oh, da muss ich überlegen. Sicher gab es Geschenke, aber wie so oft, kann ich mich an die meisten nicht erinnern. Was hängen blieb, ist ein Porträt von mir, das ein guter Freund angefertigt hat. Es ist sehr modern und expressionistisch und es hat etwas, das mir sehr gut gefällt. Es hängt oben in einem Zimmer, direkt neben dem Bild einer Ukulele. Es wirkt so, als würde mein Bildnis diese Ukulele anschauen. Das hat was.

Vielleicht haben wir da ja schon das Artwork deines nächsten Soloalbums?

Ha, das wäre natürlich gut möglich! Ich arbeite gerade an einem Akustikalbum. Es wird sehr orchestral und voller Nylongitarre. Hoffentlich können wir bald wieder wie gewohnt proben. In letzter Zeit kam ich mir vor wie ein einsamer Maler, der seine Gemälde in der Abgeschiedenheit anfertigt.

Dein alter Bankollege Peter Gabriel ist einen Tag später 70 geworden. Habt ihr euch gratuliert?

Oh, wir haben uns natürlich geschrieben. Es ging ein paar Mal hin und her, natürlich gab es auch keine Chance, all die Witze rund um das Älterwerden abzuarbeiten. Wir waren uns beide einig, dass wir uns an diesem späten Punkt unseres Lebens nicht mehr loswerden.

Altern Rockstars anders als wir normalen Menschen?

Das mag gut sein, doch in meinem Fall hat das eher etwas mit meiner merkwürdigen Familie zu tun. Mütterlicherseits habe ich viel jüdische Verwandtschaft, die aus Osteuropa floh und aus irgendeinem Grund steinalt wird. Ich habe eine Tante, die 102 Jahre alt ist, einen Onkel, der 108 wurde, und eine Mutter, die 90 ist. Da würde ich mich natürlich gern einreihen. Und bis es zum Lockdown kam, war ich so aktiv und beschäftigt wie ich es noch nie zuvor war. Und ich habe fest vor, das aufrecht zu erhalten.

Du siehst dich also noch mit 90 als aktiven Musiker?

Ich denke schon, ja. Ich habe zumindest nichts anderes vor. Als ich mit Genesis in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde, wurde mir klar, dass kurz davor Les Paul mit 94 Jahren verstorben war und auch B.B. King fast 90 wurde. Mir zeigte das, dass das Leben vielleicht lang, aber gewiss nicht ewig ist. Man sollte also so lange wie möglich aktiv bleiben.

Am 24. Januar 1971 hast du dein erstes Konzert mit Genesis gespielt – laut Wikipedia an einer Londoner Universität…

Weiß nicht genau, ob das an dem Tag war, aber der Ort müsste stimmen. Weißt du, Wikipedia steckt so voller Unwahrheiten, ich bin nicht gerade begeistert davon. Vielleicht stimmt es, vielleicht nicht. Ich habe ihnen sogar schon mal Korrekturen geschickt, doch sie wurden nicht angenommen! Ist das zu glauben? Der Auftritt war jedenfalls eine absolute Katastrophe für mich. Ich hatte einen vollkommen anderen Verstärker auf der Bühne als den, mit dem ich zuvor geprobt hatte. Beim Soundcheck klang noch alles okay, aber als es losging, hörte ich nur noch summendes Feedback. Ich war überzeugt davon, dass ich es vergeigt hatte, und war extrem überrascht, dass sie weitere Konzerte mit mir spielen wollten. Die wurden dann aber auch besser, sodass unser erstes Konzert so etwas wie eine bezahlte Bandprobe war. (lacht)

„Es kann frustrierend sein, wenn man nicht allein entscheiden kann“

Gute sechs Jahre später war es dann aber auch schon wieder vorbei mit Genesis, dein Ausstieg wurde offiziell am 8. Oktober 1977 bekanntgegeben. Wie lange hast du darüber nachgedacht?

Das müssen so zwei Jahre gewesen sein! Ich trug diese Entscheidung Tag und Nacht mit mir herum, kam aber am Ende zu dem Schluss, dass ich der Musik dienen muss. Und das ging nun mal nur ohne Band. Versteh mich bitte nicht falsch, es ist toll, in einer Band zu spielen, und mit Genesis haben wir wirklich einige unglaubliche Sachen zusammen erschaffen. Aber es kann frustrierend sein, wenn man nicht allein entscheiden kann. Genesis ist ein Teil von mir, aber es ist kein allzu großer.

Ende Juli kommt deine Autobiografie A Genesis In My Bed in die Läden. Der Titel suggeriert, dass dieser nicht allzu große Teil, wie du es selbst nennst, dennoch eine große Rolle spielt.

Natürlich tut er das, es waren ja wichtige Jahre für mich. Das Buch enthüllt eine Menge und geht recht tief. Ich habe viele Fragen beantwortet, auch die, warum ich Genesis verlassen habe.

Damals hieß es, du brauchst mehr Autonomie…

Und das war es auch. Ich wusste damals dennoch nicht, ob ich das Richtige getan hatte. Es war ein gewaltiger Schritt ins Ungewisse. Ich schmiss bei einer Weltklasse hin, die damals gerade anfing, weltweit die Arenen zu füllen. Ich musste mich auf meinen Instinkt verlassen – und habe es nicht bereut.

Fragen, die wir uns nach dem Genesis-Comeback stellen

Diese Entscheidung hast du wirklich nie bereut?

Keine einzige Sekunde. Musik belohnt den Musiker mehr als es Geld jemals könnte. Mein Reichtum liegt in meinen Songs, nicht auf der Bank.

Wie hast du den Schreibprozess erlebt?

Es hat 15 Jahre gedauert, das Buch zu Ende zu schreiben, ganz so einfach war es also wahrscheinlich nicht. (lacht) Es war eine interessante Erfahrung, denn ich merkte, dass einige Perioden noch glasklar vor mir stehen, während ich über andere kaum noch etwas weiß. Ich bin zwar kein Nick Kent, aber es hat mir dennoch viel Spaß gemacht. Dieser Kerl kann besser über Sex, Drugs, Rock’n’Roll schreiben als jeder andere, den ich kenne. Ich dachte mir also: Wie wäre es, wenn mein Buch eben mehr ist als nur Sex, Drugs und Rock’n’Roll? Ich wollte ein bisschen über den Rand hinausschauen. Mir gefällt zumindest der Gedanke, dann mal nicht nur über mich zu schreiben und aufzudröseln, welches Effektgerät ich 1893 gespielt habe. (lacht)

Ist es nicht schwer, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man eine Autobiografie schreibt?

Ist es. Ehrlich UND unterhaltsam, das ist sogar noch schwieriger!

Eine Frage zur Genesis-Reunion muss es jetzt dann aber doch noch sein: Hättest du zugesagt, wenn sie dich gefragt hätten?

Ich weiß es nicht. Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Ich denke, das ist alles noch ein offenes Buch. Wer weiß, was passiert, wenn sie fragen und ein vernünftiges Angebot machen? Meine Tür steht jedenfalls immer offen. Ich liebe die Band immer noch. Doch als ich hörte, dass sie als Trio zurück sind, war mir klar, dass sie die Achtziger priorisieren werden. In dieser Dekade mögen sie ihre meisten Hits gehabt haben, doch für mich geht einfach nichts über die Siebziger. Magischer klangen Genesis nie.

Die musikalische DNA von Genesis

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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