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Popkultur

Steve Hackett im Interview: „Mein Reichtum liegt in meinen Songs, nicht auf der Bank“

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Steve Hackett

Genesis ist ohne Steve Hackett für viele nicht dasselbe. Für ihn auch nicht. Im Interview spricht der 70-Jährige über seinen ersten Auftritt mit Genesis, die Reunion von Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks und die Urlaubspläne mit seiner Mutter.

von Björn Springorum

Bei der aktuellen Genesis-Reunion ist Steve Hackett ja bekanntlich ebenso wenig dabei wie Peter Gabriel. Das ist aber nicht das einzige, was sie gemeinsam haben: Beide sind im Februar 70 geworden, beide prägten die Frühphase von Genesis maßgeblich. Doch während Gabriel eher seine eigenen musikalischen Visionen verwirklicht, kehrt Hackett oft und gern zu den glanzvollen Anfangszeiten der Genesis-Magie zurück. Auf seinen Alben, aber auch auf der Bühne. Sein neues Live-Album Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall erschien kürzlich in einer neuen Auflage, seine nächste Soloplatte ist schon in Arbeit. Beschäftigt wie immer also, der gute Mister Hackett – und dennoch zu einem schönen Plausch bereit.

Hört hier Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall:

Steve, du hast im Februar deinen 70. Geburtstag gefeiert. War es ein rauschendes Fest?

Ach was, ganz ruhig war das alles. Ich habe mit Familie und Freunden in einem Londoner Restaurant gefeiert. Meine Mutter feierte kurz darauf ihren 90. Geburtstag, und eigentlich hätte ich sie zu diesem Anlass mit auf den Cruise To The Edge in der Karibik genommen. Du weißt schon, diese Kreuzfahrt, die nach dem Marillion-Album benannt ist und bei der Bands wie Marillion, Yes oder Musiker von King Crimson mitmischen. Und ich. Leider wurde diese Kreuzfahrt aus den bekannten Gründen abgesagt. Das ist schade, denn hatte sich wirklich darauf gefreut.

90 ist ein reifes Alter. Wie geht es deiner Mutter?

Oh, prächtig. Sie wirkt generell eher, als wäre sie in meinem Alter. Und sie benimmt sich, als wäre sie 19! (lacht) Aber na ja, diese Kreuzfahrt holen wir einfach zu ihrem 91. Geburtstag nach. Wenn sich bis dahin alles normalisiert hat, natürlich. Weißt du, ich liebe diese Kreuzfahrten und mache eigentlich alles mit. Von Heavy Metal bis Jazz. Das entspricht meinem musikalischen Ansatz: Ich habe nie in Genres gedacht. Für mich war immer alles eins. Viele haben Angst, dass sie sich dann komplett zum Narren machen, aber das kommt nur auf deine Einstellung an. Selbst Ravi Shankar kann mit Rock-Musiker*innen zusammenspielen, wenn man die Gemeinsamkeiten findet. Dann ist alles möglich. Dann entdeckt man, dass selbst die entferntesten Genres mehr Ähnlichkeiten haben als man dachte.

Genesis: Darum sind Peter Gabriel und Steve Hackett nicht dabei!

Was hast du eigentlich geschenkt bekommen?

Oh, da muss ich überlegen. Sicher gab es Geschenke, aber wie so oft, kann ich mich an die meisten nicht erinnern. Was hängen blieb, ist ein Porträt von mir, das ein guter Freund angefertigt hat. Es ist sehr modern und expressionistisch und es hat etwas, das mir sehr gut gefällt. Es hängt oben in einem Zimmer, direkt neben dem Bild einer Ukulele. Es wirkt so, als würde mein Bildnis diese Ukulele anschauen. Das hat was.

Vielleicht haben wir da ja schon das Artwork deines nächsten Soloalbums?

Ha, das wäre natürlich gut möglich! Ich arbeite gerade an einem Akustikalbum. Es wird sehr orchestral und voller Nylongitarre. Hoffentlich können wir bald wieder wie gewohnt proben. In letzter Zeit kam ich mir vor wie ein einsamer Maler, der seine Gemälde in der Abgeschiedenheit anfertigt.

Dein alter Bankollege Peter Gabriel ist einen Tag später 70 geworden. Habt ihr euch gratuliert?

Oh, wir haben uns natürlich geschrieben. Es ging ein paar Mal hin und her, natürlich gab es auch keine Chance, all die Witze rund um das Älterwerden abzuarbeiten. Wir waren uns beide einig, dass wir uns an diesem späten Punkt unseres Lebens nicht mehr loswerden.

Altern Rockstars anders als wir normalen Menschen?

Das mag gut sein, doch in meinem Fall hat das eher etwas mit meiner merkwürdigen Familie zu tun. Mütterlicherseits habe ich viel jüdische Verwandtschaft, die aus Osteuropa floh und aus irgendeinem Grund steinalt wird. Ich habe eine Tante, die 102 Jahre alt ist, einen Onkel, der 108 wurde, und eine Mutter, die 90 ist. Da würde ich mich natürlich gern einreihen. Und bis es zum Lockdown kam, war ich so aktiv und beschäftigt wie ich es noch nie zuvor war. Und ich habe fest vor, das aufrecht zu erhalten.

Du siehst dich also noch mit 90 als aktiven Musiker?

Ich denke schon, ja. Ich habe zumindest nichts anderes vor. Als ich mit Genesis in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde, wurde mir klar, dass kurz davor Les Paul mit 94 Jahren verstorben war und auch B.B. King fast 90 wurde. Mir zeigte das, dass das Leben vielleicht lang, aber gewiss nicht ewig ist. Man sollte also so lange wie möglich aktiv bleiben.

Am 24. Januar 1971 hast du dein erstes Konzert mit Genesis gespielt – laut Wikipedia an einer Londoner Universität…

Weiß nicht genau, ob das an dem Tag war, aber der Ort müsste stimmen. Weißt du, Wikipedia steckt so voller Unwahrheiten, ich bin nicht gerade begeistert davon. Vielleicht stimmt es, vielleicht nicht. Ich habe ihnen sogar schon mal Korrekturen geschickt, doch sie wurden nicht angenommen! Ist das zu glauben? Der Auftritt war jedenfalls eine absolute Katastrophe für mich. Ich hatte einen vollkommen anderen Verstärker auf der Bühne als den, mit dem ich zuvor geprobt hatte. Beim Soundcheck klang noch alles okay, aber als es losging, hörte ich nur noch summendes Feedback. Ich war überzeugt davon, dass ich es vergeigt hatte, und war extrem überrascht, dass sie weitere Konzerte mit mir spielen wollten. Die wurden dann aber auch besser, sodass unser erstes Konzert so etwas wie eine bezahlte Bandprobe war. (lacht)

„Es kann frustrierend sein, wenn man nicht allein entscheiden kann“

Gute sechs Jahre später war es dann aber auch schon wieder vorbei mit Genesis, dein Ausstieg wurde offiziell am 8. Oktober 1977 bekanntgegeben. Wie lange hast du darüber nachgedacht?

Das müssen so zwei Jahre gewesen sein! Ich trug diese Entscheidung Tag und Nacht mit mir herum, kam aber am Ende zu dem Schluss, dass ich der Musik dienen muss. Und das ging nun mal nur ohne Band. Versteh mich bitte nicht falsch, es ist toll, in einer Band zu spielen, und mit Genesis haben wir wirklich einige unglaubliche Sachen zusammen erschaffen. Aber es kann frustrierend sein, wenn man nicht allein entscheiden kann. Genesis ist ein Teil von mir, aber es ist kein allzu großer.

Ende Juli kommt deine Autobiografie A Genesis In My Bed in die Läden. Der Titel suggeriert, dass dieser nicht allzu große Teil, wie du es selbst nennst, dennoch eine große Rolle spielt.

Natürlich tut er das, es waren ja wichtige Jahre für mich. Das Buch enthüllt eine Menge und geht recht tief. Ich habe viele Fragen beantwortet, auch die, warum ich Genesis verlassen habe.

Damals hieß es, du brauchst mehr Autonomie…

Und das war es auch. Ich wusste damals dennoch nicht, ob ich das Richtige getan hatte. Es war ein gewaltiger Schritt ins Ungewisse. Ich schmiss bei einer Weltklasse hin, die damals gerade anfing, weltweit die Arenen zu füllen. Ich musste mich auf meinen Instinkt verlassen – und habe es nicht bereut.

Fragen, die wir uns nach dem Genesis-Comeback stellen

Diese Entscheidung hast du wirklich nie bereut?

Keine einzige Sekunde. Musik belohnt den Musiker mehr als es Geld jemals könnte. Mein Reichtum liegt in meinen Songs, nicht auf der Bank.

Wie hast du den Schreibprozess erlebt?

Es hat 15 Jahre gedauert, das Buch zu Ende zu schreiben, ganz so einfach war es also wahrscheinlich nicht. (lacht) Es war eine interessante Erfahrung, denn ich merkte, dass einige Perioden noch glasklar vor mir stehen, während ich über andere kaum noch etwas weiß. Ich bin zwar kein Nick Kent, aber es hat mir dennoch viel Spaß gemacht. Dieser Kerl kann besser über Sex, Drugs, Rock’n’Roll schreiben als jeder andere, den ich kenne. Ich dachte mir also: Wie wäre es, wenn mein Buch eben mehr ist als nur Sex, Drugs und Rock’n’Roll? Ich wollte ein bisschen über den Rand hinausschauen. Mir gefällt zumindest der Gedanke, dann mal nicht nur über mich zu schreiben und aufzudröseln, welches Effektgerät ich 1893 gespielt habe. (lacht)

Ist es nicht schwer, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man eine Autobiografie schreibt?

Ist es. Ehrlich UND unterhaltsam, das ist sogar noch schwieriger!

Eine Frage zur Genesis-Reunion muss es jetzt dann aber doch noch sein: Hättest du zugesagt, wenn sie dich gefragt hätten?

Ich weiß es nicht. Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Ich denke, das ist alles noch ein offenes Buch. Wer weiß, was passiert, wenn sie fragen und ein vernünftiges Angebot machen? Meine Tür steht jedenfalls immer offen. Ich liebe die Band immer noch. Doch als ich hörte, dass sie als Trio zurück sind, war mir klar, dass sie die Achtziger priorisieren werden. In dieser Dekade mögen sie ihre meisten Hits gehabt haben, doch für mich geht einfach nichts über die Siebziger. Magischer klangen Genesis nie.

Die musikalische DNA von Genesis

Popkultur

Interview mit In Flames: „Sobald man ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln“

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In Flames

Mit Foregone liefern In Flames das Album, auf das alle seit Reroute To Remain gewartet haben: Ein großes Melodic-Death-Metal-Album, das mehr als nur ein bisschen auf die legendären Neunziger schielt. Warum das nichts mit Nostalgie zu tun hat, wie die Schweden Fortschritt dosieren und was er gern an seinem 50. Geburtstag machen würde, verrät uns Sänger und Kappenträger Anders Fridén im Interview.

von Björn Springorum

Ihr habt schon vor Veröffentlichung des neuen Albums eine lange Europatournee gespielt. Was man so gehört hat, kam die ja wahnsinnig gut an. Wie war es, wieder unterwegs zu sein?

Ich weiß nicht, was, aber wir scheinen gerade irgendwas richtig zu machen. (lacht) Der Band geht es sehr gut und wir alle haben es genossen, endlich mal wieder eine richtige Tour zu spielen. Es war viel zu lang her.

Die Stimmung in In Flames ist derzeit also bestens?

Unsere Band verteilt sich ja mittlerweile auf Schweden und die USA, also waren wir wegen der Pandemie ewig nicht zusammen im selben Raum. Das war nicht einfach, hat unserer Beziehung aber gut getan. Wir konnten alle mal einen Schritt zurücktreten und in aller Ruhe betrachten, was wir uns da eigentlich aufgebaut haben. Als Band machst du ja nie Pause, du machst einfach immer so weiter, bis du ein wenig aus den Augen verlierst, was für ein gewaltiges Privileg das alles ist. Alle sind jetzt wieder so dermaßen hungrig auf die Band, alle ziehen an einem Strang. Außerdem sind alle in absoluter Topform. So eine hohe Qualität hatten wir bei In Flames noch nie.

Wie hast du die Pandemie überstanden?

Habe ich das? (lacht) Ja, wahrscheinlich schon. Es ging. Ich fühlte mich merkwürdig ruhig, als alles losging. Erstmals in meinem Leben gab es da ein Ereignis, das alle auf der Welt im gleichen Maße betraf. Ich fühlte mich allen anderen Menschen verbunden, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Das änderte sich dann auch bei mir irgendwann in Richtung Frustration, aber zumindest die erste Phase war durchaus inspirierend.

„Ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten“

Deine Texte waren ja immer sehr introspektiv und persönlich. Hat die Pandemie sie universaler gemacht?

Die Texte sind persönlich wie immer, richtig. Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann sind sie tatsächlich mehr nach außen gerichtet. Ich beobachte mein Umfeld mehr.

Foregone sprüht nicht gerade vor Optimismus und Zuversicht. Wo findest du noch Hoffnung?

In meinem ersten Kaffee am Morgen? (grinst) Ansonsten ist es schwierig, das gebe ich zu. Ich sollte wahrscheinlich einfach aufhören, die Nachrichten zu lesen. Sicher, Hoffnung gibt es irgendwie immer, aber manchmal scheint es alles immer nur noch schlimmer zu werden. Es ist nicht einfach und sagt sich so leicht, aber ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten. Für unser eigenes Seelenheil.

Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren“

Auf der letzten Tour habt ihr die Songs der neuen Platte direkt mit sehr alten Songs gepaart. Zufall?

Ich finde, dass die neuen Songs sehr gut zu den eher älteren Sachen aus unserem Kanon passen. Irgendwas an ihnen transportiert diese Stimmung der Neunziger.

Hat das mit Nostalgie zu tun?

Ich weiß schon, dass einige der neuen Songs nach unseren ganz frühen Alben klingen, aber wir sehen das anders. Ich bin kein nostalgischer Mensch, ich schaue eigentlich nie zurück. Diese Elemente waren immer da und kommen jetzt einfach wieder ein wenig mehr zum Vorschein, denke ich. Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren, diese beiden abgefuckten letzten Jahre sind in dieses Album geflossen.

„Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist“

Dann war es also keine bewusste Wurzelkunde?

Nein. Mit In Flames haben wir im Grunde nur ein Ziel: Wir wollen besser werden. Bessere Songwriter, bessere Musiker, bessere Menschen. Es ist ja nun mal so: Wir schreiben Songs, mit denen wir für immer leben müssen. Also haben wir keine andere Wahl als alles zu geben. Wer uns nicht mehr mag, kann einfach aufhören, uns zu hören, aber ich muss hinter diesen Songs stehen und sie Nacht für Nacht spielen.

Es kommt also nicht vor, dass ihr im Proberaum mal sagt: „Cooles Riff, klingt aber zu sehr nach Cloud Connected“?

Wir haben unseren Sound, von dem können und wollen wir uns auch gar nicht lösen. Manchmal klingt ein Riff also nach The Jester Race, manchmal nach Reroute To Remain. Man könnte natürlich auch sagen: Manchmal klingen In Flames nach In Flames (lacht). Wir versuchen, uns nicht zu wiederholen, aber auch unsere Gitarren haben nur diese Anzahl an Noten…

Und wie dosiert ihr dann Fortschritt?

Gute Frage. Es ist uns wichtig, uns immer weiterzuentwickeln. Aber wir wollen nie so weit gehen, dass man uns nicht mehr erkennt. Ich denke, das haben wir geschafft. Sicher gab es Änderungen und eine Menge Evolution, aber man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile sehr viele Jahre, sehr viele Tourneen und sehr viele Biere hinter uns haben. Doch unser Sound ist sofort erkennbar. Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist. Das liegt sicherlich an meiner Stimme, aber auch an der Art und Weise, wie wir Songs schreiben. Das können nur wir so.

„Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung“

Wie ist Foregone entstanden?

Wir schreiben weder, wenn wir auf Tour sind, noch alleine für uns. Björn [Gelotte] und ich müssen im selben Raum sein, sonst gibt es keine Magie. Wir zehren voneinander, beflügeln uns gegenseitig. Was sich nie ändern wird: Wir schreiben Alben, keine Singles. Da werden wir für immer alte Schule bleiben.

Du wirst im März 50. Was macht das Älterwerden mit dir?

Es bringt mehr Ruhe. Privat wie musikalisch. Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung. Und das ist ja auch das Schöne daran. Deswegen fand ich mein Zuhause in der Heavy-Metal-Szene: Es gab keine Regeln. Doch sobald man dann ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln. Fremde sagen dir, was du tun darfst und was nicht und du wirst plötzlich unsicher und weißt nicht mehr, wo du stehst. Das ändert sich mit dem Älterwerden zum Glück wieder. Du wirst dein eigener Kompass und hörst auf deine innere Stimme. Ich mache das seit 1989, da bleibt schon bisschen was hängen.

Was darf man als Band nie verlieren?

Die Leidenschaft. Ich will auf die Bühne geben und das Gefühl haben, dass es auf der ganzen Welt nichts Besseres gibt. Wenn das mal nicht mehr da ist, höre ich auf. Warum sollte ich das sonst auf mich nehmen? Ich war 2022 fast pausenlos auf der ganzen Welt unterwegs…

Was wünschst du dir zum 50. Geburtstag?

Ein Urlaub auf einer einsamen Insel mit meiner Familie, weit weg von euch allen. (lacht)

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Zeitsprung: Am 3.9.2002 wagen In Flames etwas mit „Reroute To Remain“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.2.2013 verliert Axl Rose den Prozess gegen „Guitar Hero III“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.2.2013.

von Christof Leim

2010 verklagte W. Axl Rose die Firma Activision, die das Computerspiel Guitar Hero III auf den Markt gebracht hatte, in dem auch Guns N’ Roses vorkommen. Der Sänger störte sich vor allem daran, dass beim Song Welcome To The Jungle Gitarrist Slash als spielbare Figur auftaucht. Nicht nur das: Sein alter Kollege ziert sogar die Verpackung. Mit seiner Beschwerde kommt Axl allerdings nicht durch…

Hört euch hier die Klassiker von Guns N’ Roses an und lest weiter:

Den Deal damals hatte Axl als Herrscher über das Guns-N’-Roses-Imperium abgesegnet. Dabei vereinbarte er mit der Firma, dass auf keinen Fall sein (damals) ungeliebter Ex-Kollege Slash zu sehen sein darf. Dass zudem einige Songs von dessen neuer Combo Velvet Revolver in der Bonussektion gespielt werden können, störte den Rotschopf ebenso. Nach Meinung von Axl habe die Firma ihn trotz entsprechender Versprechen damit schlicht hintergangen und sei vertragsbrüchig. Als Schadenersatzsumme warf seine anwaltliche Vertretung eine praktische runde Summe in den Ring: 20 Millionen Dollar.

Tauchen beide in Guitar Hero III auf: W. Axl Rose und Slash. Das geht gegen die Abmachung, fand Axl. Credit Foto rechts: Stefan Brending / via Wikimedia Commons.

Die Klage wird abgewiesen

Doch daraus wird nichts: Am 8. Februar 2013, wird die Klage mit Schwung abgewiesen. Hauptgrund: Das Spiel war schon 2007 erschienen, aber Team Axl hat sich drei Jahre Zeit mit der Klageerhebung gelassen – zu lange. Und das, obwohl der Agent des Künstlers schon viel früher eine Beschwerdemail an Activision geschrieben hatte. Rose hatte aber einen guten Grund zu warten, denn die Firma hatte ihm ein eigenes Spiel angeboten. Da wartet man doch gerne. Über die juristischen Details streiten sich in der Folge diverse Anwaltskanzleien.

Ganz schön viel Theater um Daddelei und Rockbands, könnte man meinen. Allerdings geht es um viel Geld und, vielleicht wichtiger, Außenwirkung. Immerhin ist Axl Rose damals mit einer ganz neuen Gunners-Besetzung unterwegs. Glücklicherweise hat sich das aber erledigt: Heute sind er und Slash wieder Freunde und touren höchst erfolgreich um die Welt. Ist auch besser so.

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Zeitsprung: Am 21.7.1985 spielen Guns N’ Roses auf einer Universitätsparty.

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Popkultur

Prince, Madonna und die Rolling Stones: Die besten Super-Bowl-Halbzeitshows aller Zeiten

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Prince
Foto: Jonathan Daniel/Getty Images

Ein Auftritt im Rahmen der Super-Bowl-Halbzeitshow gleicht einem popkulturellen Ritterschlag, nirgendwo ist das TV-Publikum größer. Vielen Sternchen wurde diese Ehre in den vergangenen Jahrzehnten bereits zuteil. Von U2 bis hin zu den Rolling Stones: Diese zehn Halbzeitshows finden wir besonders gelungen.

von Timon Menge

10. The Blues Brothers, ZZ Top, James Brown (1997)

Wenn der Super Bowl in einer Blues-Metropole wie New Orleans stattfindet, muss natürlich auch eine Blues-orientierte Halbzeitshow her. Mit Everybody Needs Somebody To Love und Soul Man gaben die Blues Brothers am 26. Januar 1997 zwar vor allem Soul-Klassiker zum Besten, genau wie James Brown im Anschluss; doch spätestens ZZ Top versorgten das Publikum mit reichlich Bluesrock. Eine coole Sonnenbrillen-Party zwischen zwei Halbzeiten!

9. U2 (2002)

Den Iren U2 wurde am 3. Februar 2002 eine ganz besondere Verantwortung zuteil. Die Terroranschläge von 11. September 2001 lagen noch kein halbes Jahr zurück, da sollten Bono und Co. bei der größten Unterhaltungsveranstaltung der Welt auftreten – übrigens erneut in New Orleans. Doch U2 wurden ihrem Auftrag gerecht, lieferten ein hervorragendes Set ab und gedachten auf einer riesigen Leinwand all jenen, die am 11. September ums Leben gekommen waren.

8. The Rolling Stones (2006)

Auf eine große Bombast-Show verzichteten die Rolling Stones bei ihrem Auftritt am 5. Februar 2006 in Detroit. Doch ganz ehrlich: Wenn Mick Jagger und seine jahrzehntelangen Weggefährten eine Bühne betreten, braucht es keine Schnörkel und kein Chichi. In wenigen Minuten rockten sich die Stones durch große Hits wie Start Me Up und (I Cant Get No) Satisfaction. Einen Luxus gönnten sich die Briten dann allerdings doch: eine Bühne in Form einer riesigen roten Zunge.

7. Katy Perry (2015)

Zugegeben, für hartgesottene Rocker*innen klingt der Sound von Katy Perry etwas ungewohnt. Doch mindestens zwei Dinge kann ihr keiner nehmen: hervorragende Popsongs und einen mehr als nur gelungenen Auftritt am 1. Februar 2015. In Sachen Show macht den größten Pop-Sternchen einfach niemand etwas vor, wie wir auch im weiteren Verlauf unserer Liste feststellen werden. Als Gäste durfte Perry Hip-Hop-Legende Missy Elliott und Gitarrengott Lenny Kravitz begrüßen.

6. Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar & 50 Cent (2022)

Diese Halbzeitshow ist noch nicht lange her, setzte am 13. Februar 2022 aber völlig neue Standards. Zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowl durfte sich die Hip-Hop-Welt nach Herzenslust präsentieren. Das Line-up des Abends liest sich wie ein Who‘s who: Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar … Sie alle waren dabei und setzten dem Sprechgesang ein etwa 15-minütiges Popkultur-Denkmal. Als Gaststars tauchten 50 Cent und Anderson .Paak auf.

5. Madonna (2012)

Wenn die „Queen Of Pop“ eine Halbzeitshow gestaltet, darf man einiges erwarten. Und wie so oft wurde Madonna den Erwartungen am 5. Februar 2012 vollständig gerecht. Als griechische Göttin verkleidet, ließ sie sich von ihren Spartaner-Tänzern über die Bühne tragen und manifestierte ihren Status als größte Popkünstlerin aller Zeiten. Unterstützung erhielt sie unter anderem von Cee Lo Green, Nicki Minaj, M.I.A. und LMFAO. Den Abschluss der Show markierte ein Gospelchor, mit dem Madonna Like A Prayer zum Beten … äh … zum Besten gab.

4. Lady Gaga (2017)

Als die Verantwortlichen der NFL den Vertrag mit Lady Gaga unterzeichneten, dürften ihnen durchaus ein paar Schweißperlen auf der Stirn gestanden haben. Schließlich kann man bei der exzentrischen Künstlerin nie so genau wissen, mit welchen Show-Einlagen sie ihr Publikum überrascht. (Wir erinnern uns an das Rindfleischkleid von 2010.) Bei der Super-Bowl-Halbzeitshow am 5. Februar 2017 ging die Musikerin allerdings auf Nummer sicher und legte einen unfassbaren Auftritt hin. Die Performance ihrer LGBTQ-Hymne Born This Way ließ sich Gaga trotzdem nicht nehmen.

3. Michael Jackson (1993)

Zu den Eigenheiten der Super-Bowl-Halbzeitshow zählt unter anderem der enge Zeitplan. Selten stehen für die Performance mehr als 15 Minuten zur Verfügung; meist wird jede Sekunde davon genutzt. Michael Jackson ging das Ganze im Januar 1993 ein wenig anders an. Länger als eine Minute blieb er vor seiner fulminanten Show still auf der Bühne stehen, als sei er eine Statue – und wurde dafür auch noch bejubelt. Das sagt einiges über seinen damaligen Stand des „King Of Pop“ aus.

2. Beyoncé & Destiny’s Child (2013)

Die Super-Bowl-Halbzeitshow 2013 war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, dass mit Beyoncé eine der hochkarätigsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts das Programm gestaltete. Nein, es kam auch zur lange erwarteten Reunion von Destiny’s Child, denn Kelly Rowland und Michelle Williams waren ebenfalls mit von der Partie. An jenem Abend dürften Beyoncé und ihre Kolleginnen viele Frauen und Mädchen sehr glücklich gemacht haben. Im Anschluss an ihren Auftritt fiel allerdings für mehr als eine halbe Stunde der Strom aus.

1. Prince (2007)

Der Auftritt von Prince im Rahmen der 41. Super-Bowl-Halbzeitshow ist nichts anderes als eine Lehrstunde in Sachen Rockstar-Perfektion. Scheinbar mühelos fegte der gerade einmal 1,57 Meter große Musiker am 4. Februar 2007 über die Bühne in Form seines Logos. Keine Sekunde verging, ohne dass er das Publikum fest im Griff hatte. Prince und eine Blaskapelle? Oh ja. Prince spielt Purple Rain im Regen? Absolut. Ein Abend für die Geschichtsbücher!

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„California Love“: Die musikalischen Höhepunkte der Super-Bowl-Halbzeitshow

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