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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.1.1964 öffnet das „Whisky a Go Go“ auf dem Sunset Strip.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.1.1964.

von Christof Leim

Alle haben sie da schon gespielt, von den Doors über Mötley Crüe bis Guns N’ Roses. Das Whisky a Go Go in Los Angeles gehört zu den legendären Orten der Rock’n’Roll-Geschichte. Am 16. Januar 1954 ging es los mit Go-Go-Dancing und DJs in Deckenkäfigen, dann kamen die Rocker, die Punks, die Straßenunruhen – und natürlich jede Menge Hair Metal.

Auf dem Sunset Strip in West Hollywood findet man vermutlich mehr historisch wichtige Krachmusikläden auf einer Straße als anderswo: Hier befindet sich zum Beispiel das legendäre Rainbow, in Fußweite davon noch Key Club, Viper Room und Roxy. Los ging die Herrschaft des Rock’n’Roll auf diesem „Rock Block“ aber mit dem Whisky-A-Go-Go. Das steht seit jeher an der Adresse 8901 Sunset Boulevard an einer wenig glamourösen Ecke zur North Clark Street. Eröffnet wurde der Club am 16. Januar 1964 von einem ehemaligen Chicagoer Polizisten namens Elmer Valentine und drei Kompagnons.

Weil die städtischen Vorschriften damals nicht erlaubten, Vergnügungsetablissements nach Alkohol zu benennen, lassen sie einfach das „e“ in „Whiskey“ im Namen ihres neuen Ladens weg. Später müssen sie sogar zeitweilig „The Whisk“ über die Tür schreiben. Ursprünglich wird der Club zwar als Diskothek angepriesen, was Musik aus der Konserve impliziert, doch vom ersten Tag an finden Konzerte statt. Am Eröffnungsabend spielt Johnny Rivers, der über die Jahre mehrere Liveplatten im Whiskey aufzeichnet. Damit weitergefeiert werden kann, legen zwischen den Sets DJs auf. Weil es für die aber keinen Platz gibt, wird ihr Arbeitsplatz kurzerhand in eine Art gläserne Kanzel unter die Decke verlegt. Am Plattenteller steht in der Anfangszeit eine Dame namens Joanie Labine, die die Menge gleichzeitig durch angeregtes Tanzen unterhält. So wird die Idee der „Go-Go-Dancer“ geboren, für die sich ein Outfit aus kurzem Fransenrock und weißen Stiefeln etabliert. Dieser Trend breitet sich in kurzer Zeit über sämtliche Diskos und Nachtclubs der USA aus.



Das kommt an: Das Whisky ist durchgehend hervorragend gebucht, in abgetrennten Tischnischen amüsieren sich Stars wie Cary Grant, Johnny Carson und die Beatles. Das Hauptaugenmerk des Programms liegt weiter auf der Livemusik. Man könnte behaupten: Hier findet die Rock’n’Roll-Szene von Los Angeles ihren Anfang. Lou Adler, einer der Mitbegründer, erzählt später in Vanity Fair: „Als es im Whisky losging, passierte auch etwas auf dem Sunset Boulevard. Damit kam das Musikgeschäft in L.A. ins Rollen. Die ganze Sache ist explodiert.“

Die Sechziger: Counter Culture & Classic Rock

In der Tat spielt der Laden eine wichtige Rolle in der Entwicklung vieler Bands, insbesondere von Gruppen aus Südkalifornien wie Buffalo Springfield, Love und The Byrds. Daneben machen viele Touren Halt im Whisky, was die heißen Bands der Stunde auf den Strip bringt: Led Zeppelin, Cream, The Who und die Jimi Hendrix Experience zum Beispiel.

Die Doors finden in dem Laden sogar eine Art Heimat: Am 23. Mai 1966 spielen sie ihre erste Show und werden zur Hausband. Sie eröffnen für jeden durchreisenden Headliner, erspielen sich einen guten Namen und entwickeln dabei ihren eigenen Stil. Die Eskapaden der Musiker bei den Whiskey-Shows, insbesondere natürlich von Jim Morrison, werden dabei zum vieldiskutierten Thema in Fankreisen. Als der Sänger Ende August 1966 den „Ödipus-Part“ von The End improvisiert, werden die Doors gefeuert.



Der Szene kommt sehr zugute, dass Elmer Valentine grundsätzlich lokale Bands als Support auftreten lässt. So erhalten Frank Zappa und seine Mothers Of Invention ihren Plattenvertrag nach einem besonders gelungen Auftritt (und Zappa selbst heiratet später Gail Sloatman, eine Sekretärin des Clubs). Auch afroamerikanische Künstler vor allem aus dem R&B-Bereich gehören schon 1967 regelmäßig zum Programm, was in anderen Teilen des Landes keinesfalls die Regel ist.

Weil ein gut besuchtes Etablissement natürlich viel Getümmel und Verkehr vor der Tür bedeutet, kommt es 1966 zu den „Sunset Strip Police Riots“: Nach Beschwerden der Nachbarschaft setzen die Behörden eine strikte Sperrstunde von 1 Uhr morgens fest, was zu Protesten und Zusammenstößen zwischen Polizei und jungen Partygängern führt – ein erstes Auftauchen der so genannten „Counter Culture“ der Sixties.



Die Siebziger: Punks & Ladenschluss

Irgendwann verliert das Whisky a Go Go seinen Status als Dreh- und Angelpunkt für neue vielsprechende Musik, 1974 macht der Laden sogar für eine Weile dicht. Zwei Jahre später geht es  aber weiter: Jetzt tummeln sich die Punks auf dem Strip, im Kalender stehen Shows von The Go-Go’s, The Germs, X und The Screamers. 1980 hat sich sich die Punkszene allerdings auch wieder erledigt.

Die Achtziger: Metal & Haare

Am 27. März 1982 spielt eine kleine Kapelle namens Metallica ihr zweites Konzert im Whisky als Einheizer für die britischen Legenden Saxon, zum Set gehören schon drei eigene Songs namens Hit The Lights, Jump In The Fire und Metal Militia. Die Geschichte, dass Lars Ulrich und James Hetfield ihren zukünftigen Starbassisten Cliff Burton im Whisky a Go Go kennenlernen, stimmt allerdings nicht. (Sein Vorgänger Ron McGovney und Metallica-Intimus Brian Slagel nennen das nahegelegene Troubadour.)

1982 schließt der Club erneut seine Pforten und öffnet erst vier Jahre später, als Hard Rock und Hair Metal das Land regieren. MTV und Headbanger’s Ball sind das Gesetz der Stunde. Damit gehören testosterongetriebene Krachkapellen wie Guns N’ Roses, Mötley Crüe und Poison quasi zur Inneneinrichtung, Haarspray zur Standardausstattung und Party-Rock’n’Roll zum Pflichtprogramm. Die Chaoten von Mötley wohnen der Einfachheit halber nur ein paar Blocks entfernt in einem abgerockten Appartement. Als sie das Whisky dreimal hintereinander ausverkaufen, empfinden sie das als einen frühen Höhepunkt ihrer Karriere.



Natürlich kommen auch die Partys nicht zu kurz. Bassist Nikki Sixx wird auf der Website des Clubs zitiert mit folgender Erinnerung: „Habe ich euch erzählt, wie ich mal ein Mädel in der Toilette des Whisky mit Mick Mars’ Gitarrenkabel gefesselt habe und dann zu Tommy gelaufen bin, um mehr Koks zu schnorren? Ich habe die Frau komplett da drin vergessen!“ Goldene Zeiten also, deren sich die Band auch noch erinnert, als sie die Tour zum Nummer-eins-Album Dr. Feelgood am 5. Oktober 1989 mit einem Geheimkonzert im Whisky starten – unter dem wie immer geschmackssicheren Namen The Foreskins. Dabei entsteht das Video zum Kracher Kickstart My Heart.



Die Kollegen von Guns N’ Roses treten in ihren frühen Jahren ebenfalls regelmäßig im Whiskey auf, ihre Megahits Sweet Child O’ Mine und Mr. Brownstone erleben am 23. August 1986 hier ihre Livepremiere. Jahre später kehrt die Band für ein Überraschungskonzert zurück. Ab 1990 kommen natürlich auch die großen Grunge-Kapellen wie Alice In Chains immer wieder zu Besuch.

Die Lieder

Die Liste der Songs über das und Liveplatten aus dem Whisky a Go Go ist lang: So singen Status Quo 1978 in Long Legged Linda die Zeilen “Well, if you’re ever in Los Angeles and you’ve got time to spare / Take a stroll up Sunset Boulevard, you’ll find the Whisky there.“ Mötley Crüe blicken 2008 in Down At The Whisky auf die alten Zeiten zurück, Zappa behauptet in Bwana Dik „girls from all over the world flock to write my name on the toilet walls of the Whisky A-Go-Go“. Konzerte wurden im Laufe der Jahrzehnte unzählige mitgeschnitten, etwa von den Stooges, Soundgarden, Racer X, Stryper, Vince Neil, Sebastian Bach, The 69 Eyes, Otis Redding und Kansas.



Und heute?

Das Whisky a Go Go gibt es weiterhin, immer noch weht der Geist vor allem des Rock’n’Roll der Achtziger durch den 500 Gäste fassenden Club. 2006 wird das Club sogar als erste Konzerthalle in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Nur fliegende DJ-Käfige mit Go-Go-Tänzern gibt es nicht mehr.

Das Whisky a Go Go 2015 – Pic: Ken Lund/Wikimedia Commons

Zeitsprung: Am 16.4.1972 eröffnet das Rainbow Bar & Grill in Hollywood.

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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