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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.4.1984 erscheint „Slide It In“ von Whitesnake.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.4.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit Slide It In ebnen die englischen Hardrocker Whitesnake 1984 den Weg für ihren internationalen Durchbruch. Das liegt auch daran, dass die Platte in zwei verschiedenen Versionen erscheint. In unserer heutigen Geschichte erfahrt ihr, wo genau die Unterschiede liegen und was die Besetzungswechsel während des Aufnahmeprozesses damit zu tun haben.


Hört hier in Slide It In rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nachdem Whitesnake 1982 mit Saints & Sinners den ersten Schritt Richtung Durchbruch unternommen haben, wittert Gründer David Coverdale die große Chance und verfrachtet seine Musiker nach einer erfolgreichen Tour schnellstmöglich in die Musicland Studios in München, um dort die Arbeit am sechsten Album der Gruppe aufzunehmen. Zunächst sitzt Produzent Eddie Kramer am Mischpult, wird aber bald durch Martin Birch ausgetauscht, der Slide It In mit Whitesnake produziert. Die Platte, eingespielt von David Coverdale am Gesang, Mel Galley und Micky Moody an der Gitarre, Colin Hodgkinson am Bass, Jon Lord am Keyboard und Cozy Powell am Schlagzeug, soll die Karriere der Gruppe bis heute in zwei Teile spalten: die Bluesrock-Phase von 1978 bis Ende 1983 und den Hard-Rock-Abschnitt von 1984 bis heute. So erfinden sich die Briten während und nach der Veröffentlichung in vielerlei Hinsicht neu. Dominierte bis dato der Sound der Siebziger, orientieren sich die Musiker nun am neuen Jahrzehnt. Auch ihr klassisches Schlangenlogo verwenden Coverdale und Co. 1984 zum letzten Mal, bevor sie 1987 umsatteln.

Hinter den Kulissen kriselt es zu jener Zeit, vor allem Gitarrist Moody ist unzufrieden. Für die Albumaufnahmen und ein paar Auftritte bleibt er noch an Bord, greift dann aber seinen Hut. Später gibt er zu Protokoll, dass sich Coverdales Persönlichkeit im Vergleich zu 1976 stark verändert habe. In einem Interview erzählt er 1997: „David und ich waren keine Freunde und keine gemeinsamen Songschreiber mehr. Er hat nicht mehr mit mir gesprochen und mich nicht mehr wahrgenommen. Fünf oder sechs Jahre zuvor war er noch mein bester Freund.“ Die finale Entscheidung, Whitesnake tatsächlich zu verlassen, fällt Moody, als Coverdale ihn bei einem Festival-Gig in Deutschland in Gegenwart des Thin-Lizzy-Gitarristen John Sykes demütigt. „Ich saß ganz ruhig da. Auf einmal zeigt David auf mich und ruft: ‚Dreh dem Publikum nie wieder den Rücken zu! Das ist unprofessionell!’ Er wollte, dass ich mich in Johns Gegenwart klein fühle und ich dachte: ‚Das war’s.‘ Ich hätte fast zu ihm gesagt: ‚Hol ihn doch in die Band’, denn sogar ich hatte inzwischen verstanden, dass David auf der Suche nach jemandem wie Sykes war. Er sah gut aus und spielte hervorragend Gitarre. Nach der Tour bin ich dann ausgestiegen.“ Tatsächlich übernimmt Sykes den Job postwendend und wird in der Presse als neuer Whitesnake-Gitarrist angekündigt. Nur wenig später muss auch Bassist Hodgkinson gehen, weil Coverdale nicht findet, dass sein Spiel zur neuen Ausrichtung der Band passt. Stattdessen holt er Gründungsmitglied Neil Murray zurück an Bord.

Übernimmt 1984 die sechs Saiten für Whitesnake: John Sykes (Tygers Of Pan Tang, Thin Lizzy) – Pic: Dana Wullenwaber/Wiki Commons

Am 30. Januar 1984 erscheint Slide It In in Großbritannien und klettert in den Charts bis auf Platz neun. Besonders empfindliche Beobachter kritisieren Coverdales doppeldeutig-eindeutige Texte. Dazu muss man wissen: Wenn der Mann von „Love“ singt, dann meint er meistens Sex. Schon den Albumtitel Slide It In kann eigentlich nicht missverstehen, und Songs wie Love Ain’t No Stranger, Hungry For Love oder Guilty Of Love bilden eine gewisse thematische Monokultur. Der Sound der Scheibe wird an manchen Stellen ebenfalls bemängelt, er klinge zu flachbrüstig. Zumindest das ändert sich, als sich Coverdale mit dem Produzenten Keith Olsen zusammensetzt, um das Album noch einmal abzumischen — diesmal für die Veröffentlichung in den USA. Die Änderungen kann man gut oder schlecht finden; in den Staaten funktionieren sie. So lassen Coverdale und Olsen die Keyboards von Jon Lord beinahe verschwinden, löschen die Bassspuren von Colin Hodgkinson, um sie mit Neil Murray noch einmal einzuspielen und ersetzen einen Großteil von Moodys Gitarrenarbeit durch neue Aufnahmen von John Sykes. Auch als Leadgitarrist darf Sykes einiges der Songs um seine Magie bereichern, zum Beispiel Slow An’ Easy, den Titeltrack oder Spit It Out. Bei Give Me More Time und Standing In The Shadow lohnt ebenfalls ein Blick auf die Gitarrenarbeit.



Die Powerballade Love Ain’t No Stranger beginnt mit Jon Lords gefühlvollem Keyboardspiel, obwohl die Passage ursprünglich für die Gitarre gedacht war. Auch Frontmann Coverdale schlägt zunächst ruhige Töne an, bevor das Stück kurz vor Ende der ersten Minute zu einem waschechten Hardrocker mutiert. Beim Publikum kommt die Mischung hervorragend an, jahrelang müssen Whitesnake die Nummer live spielen. Trommler Cozy Powell spricht gar davon, dass dies der beste Song sei, für den er je das Schlagzeug eingespielt habe. Musikvideos gibt es 1984 natürlich auch schon, also wird auch Love Ain’t No Stranger in bewegter Bildform verewigt. Der Clip zeigt eine Kombination aus nachgestellten Konzertszenen sowie Coverdale, wie er einer unbekannten Frau hinterherrennt.



Bei Slow An’ Easy handelt es sich um das letzte Stück, an das Gitarrist Micky Moody für Whitesnake Hand anlegt. Zu jener Zeit sind er und Coverdale die einzigen verbleibenden Gründungsmitglieder, was sich an dieser Kooperation hervorragend ablesen lässt. So orientiert sich der Song eher am Bluesrock der vergangenen Scheiben, als am Hard Rock auf Slide It In. Wie ein Relikt aus der Vergangenheit mogelt er sich zwischen das neue Material, feiert als Promo-Single allerdings großen Erfolg im Radio. In der Slide It In-Version zum 25-jährigen Jubiläum des Albums verrät Coverdale in den Liner Notes: „Slow An’ Easy haben wir um vier Uhr morgens nach einer harten Partynacht in München aufgenommen. Den Text habe ich mir auf die Schnelle ausgedacht, um die Band bei der Aufnahme zu inspirieren. Später habe ich damit herumgespielt, um ihm irgendeinen Sinn zu entlocken.“



Der flotte Rocker Guilty Of Love besticht durch seine doppelte Gitarrenspitze aus Mel Galley und John Sykes (bzw. Mel Galley und Micky Moody in der UK-Version). Im Gegensatz zu den anderen Songs auf Slide It In erscheint das Stück bereits im August 1983. Der Hintergrund: Whitesnake wollten ihr sechstes Album zu jener Zeit bereits im Kasten haben, brauchen aber zu lange. Am 20. August 1983 steht allerdings ein Auftritt beim Monsters Of Rock Festival in England auf dem Zettel. Um dem Publikum neues Material anbieten zu können, kommt der Song also vorab als Single. Für Hardcore-Fans nicht uninteressant: Die Produktion des Schnellschusses übernimmt noch Eddie Kramer, also kann man hier hören, wie das Album unter seiner Federführung geklungen haben könnte.

Um Slide It In zu bewerben legen Whitesnake unter anderem einen Zwischenstopp in Offenbach ein

Kurz nach der europäischen Veröffentlichung von Slide It In im Januar 1984 folgt eine Europatour, die bis zum April andauert. Das Publikum flippt aus, nicht zuletzt deshalb, weil Whitesnake eine Art Greatest-Hits-Programm zum Besten geben — zum ersten Mal in ihrer Karriere haben sie genug Material dafür beisammen. Auf der Bühne fährt die Gruppe eine beeindruckende Show auf. So spielt Drummer Powell bei jedem Set ein fulminantes Solo, für das die gesamte Bühne in dichten Nebel gehüllt wird — eine gemeinsame Idee von Coverdale und Powell selbst. Gegen Ende der Tour schleichen sich allerdings mehr oder minder große Schwierigkeiten ein. Coverdales Stimme versagt, sodass eine Show in Ludwigshafen abgesagt werden muss. Galley verletzt sich am Arm, wodurch Nerven beschädigt werden. Er muss die Gitarre für immer an den Nagel hängen und wird folglich entlassen. Wenig später feiern Deep Purple ihre Wiedervereinigung, also quittiert auch Jon Lord seinen Dienst. Coverdale und Co. nehmen all das relativ sportlich und machen kurzerhand im abgespeckten Vierer-Line-Up weiter.



Am 16. April 1984 erscheint die US-Version von Slide It In und katapultiert Whitesnake in den Staaten schon ansatzweise durch die Decke, ob in den Charts, im Radio oder bei MTV. Als Coverdale, Sykes, Murray und Schlagzeuger Powell auch noch mit Quiet Riot und Dio durch das Land touren, stehen den Europäern auch auf der anderen Seite des großen Teichs alle Türen offen. 1987 bringt die Gruppe ihr siebtes Album auf den Markt, das schlicht Whitesnake heißt und den endgültigen Durchbruch der Briten markiert — was Coverdale nicht davon abhält, das Line-Up noch einmal vollständig auszutauschen und erneut bei A anzufangen. Doch diese Geschichte erzählen wir in einem anderen Zeitsprung.

Zeitsprung: Am 7.12.1988 feuern Whitesnake ihren Gitarristen Vivian Campbell.

Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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Ein Schal für Freddie Mercury: Lisa Marie Presley wäre 55 Jahre alt geworden

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Lisa Marie Presley
Foto: Christopher Polk/Getty Images for Wonderwall

Am 1. Februar 2023 hätte Lisa Marie Presley ihren 55. Geburtstag gefeiert. Der Schock, dass sie das niemals tun wird, sitzt immer noch tief: Die Tochter von Elvis und Priscilla Presley starb am 25. Januar 2023 völlig überraschend.

 von Markus Brandstetter

Ein Leben im Scheinwerferlicht, das war für die einzige Tochter des King of Rock’n’Roll vorprogrammiert. Genau neun Monate nach der Hochzeit von Elvis und Priscilla wurde Lisa Marie Presley in Memphis im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee geboren. Sie war sechs Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie zog mit ihrer Mutter nach Los Angeles, besuchte Elvis aber oft in Graceland.

Gute Beziehung zu Elvis

„Er war sehr beschützend, sehr fürsorglich und sehr wachsam. Ich wusste, dass ich geliebt wurde, daran bestand kein Zweifel“, erzählte sie einmal in einem Interview über ihren Vater. Lisa Marie war neun Jahre alt, als ihr Vater starb. Gemeinsam mit ihrer Großmutter Minnie Mae und ihrem Großvater Vernon Presley wurde sie zur Erbin des Elvis-Nachlasses erkoren; als die beiden 1979 und 1980 starben, wurde sie zur Alleinerbin. Als sie 25 Jahre alt war, bekam sie das Elvis Estate, damals 100 Millionen Dollar wert. Gut gewirtschaftet wurde mit dem Geld aber wohl nicht: 2018 erklärte sie vor Gericht, dass sie nur noch 14.000 Dollar habe und dies ihrem ehemaligen Businessmanager Barry Siegel zu verdanken sei.

Lisa Marie Presley zog es selbst zur Musik hin — ihr erstes Konzerterlebnis hatte sie ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters. Da sah sie die britischen Rocklegenden Queen — und schenkte Freddie Mercury nach dem Konzert ein Accessoire ihres Vaters. „Ich erinnere mich, dass ich Freddie Mercury einen Schal meines Vaters mitbrachte und ihn ihm nach der Show schenkte. Ich liebte es. Ich liebte die Theatralik. Ich liebte Freddie. Ich fand Queen großartig“, erzählte sie einmal. Das erste Mal selbst in Erscheinung trat sie erst 1997 — mit einem virtuellen Duett mit ihrem Vater. Elvis hatte vor seinem Tod einige Aufnahmen und Gesangsspuren hinterlassen — aus einem wurde das Duett Don’t Cry Daddy.

„Ihre eigene Rock-Queen“: Presleys erstes Soloalbum

2003 veröffentlichte Lisa Marie Presley ihr erstes Soloalbum — und alle Augen waren natürlich auf sie gerichtet. Auf To Whom It May Concern arbeitete sie mit bekannten Songwritern und Produzenten (unter anderem Glen Ballard) zusammen. Die Lyrics stammen alle von ihr (mit Ausnahme des Stücks The Road Between, das sie gemeinsam mit Gus Black verfasste), bei der Musik war sie an allen Songs als Co-Autorin beteiligt. „Presleys überraschend kraftvolle Stimme schwingt von einem tiefen Ton bis zu einem bluesgetränkten Heulen und übertrumpft die glänzende Produktion von Eric Rosse und Andrew Slater“, schrieb der US-amerikanische Rolling Stone damals. Die Kritiken waren wohlwollend: „Nichtsdestotrotz zeigt To Whom It May Concern eine Menge Herzenswärme. Wenn sie das hier gezeigte Potenzial ausschöpft, hat die Tochter des King of Rock die Chance, ihre eigene Rock-Queen zu werden.“ Noch überzeugter zeigte sich der Kritiker Robert Hilburn, der die Kompromisslosigkeit des Albums lobte und attestierte: „Presleys mutige, bluesige Stimme hat ein unverwechselbares Flair.“ Das Album schaffte es auf Nummer 5 der US-amerikanischen Billboard Charts und wurde mit Gold ausgezeichnet.

2005 legte Presley mit dem Album Now What nach — mit eher durchwachsenen Kritiken. Wie auch der Vorgänger war die Platte eher im Pop-Rock angesiedelt. Ihr wohl bestes Werk war ihr letztes: Auf Storm & Grace widmete sich Presley Country, Folk und Blues (das alles immer noch mit jeder Menge Pop-Appeal), arbeitete dafür mit dem renommierten Musiker und Produzenten T Bone Burnett zusammen.

Nicht wegen Musik im Scheinwerferlicht

Allerdings war Lisa Marie Presley mehr wegen ihres Privatlebens als ihres musikalischen Schaffens im Rampenlicht. Klar, wenn die Tochter des King of Rock’n’Roll den King of Pop — wir sprechen hier natürlich von Michael Jackson — heiratet, ist das schon spektakulär. Die Ehe — es war nicht ihre erste – hielt zwei Jahre. Insgesamt war Presley viermal verheiratet, mit Danny Keough (sie hatte ihn bei Scientology kennengelernt) hatte sie zwei Kinder. Sechs Jahre nach der Ehe mit Jackson heiratete sie den Hollywood-Schauspieler Nicholas Cage, die Ehe ging nach drei Monaten in die Brüche. Von 2006 bis 2008 war sie mit dem Musiker Michael Lockwood verheiratet, mit dem sie 2021 Zwillingstöchter bekam. Den größten Schicksalsschlag ihres Lebens erlitt Lisa Marie Presley im Juli 2020, als ihr Sohn Benjamin Keough sich das Leben nahm.

Kurz vor ihrem Tod zeigte sich Lisa Marie Presley noch gemeinsam mit Mutter Priscilla auf dem roten Teppich der Premiere des Elvis-Biopics. Kurz danach kam die Meldung, sie habe einen Herzstillstand erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Wenig später kam die traurige Gewissheit, dass Lisa Marie Presley im Alter von nur 54 Jahren verstorben war. Über ihren Gesundheitszustand, ihre letzten Monate und zuletzt auch ihr Testament wird immer noch viel spekuliert und berichtet, dies soll an dieser Stelle ausgespart werden. Über ihre eigenen Kämpfe berichtete sie im Laufe der Jahre selbst immer wieder — erzählte von Süchten, zerbrochenen Ehen und ihrer Einsamkeit als Teenager.

Lisa Marie Presley wurde in Graceland beigesetzt — neben ihrem Vater Elvis und ihrem Sohn Benjamin.

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Axl Rose: „November Rain“-Soloauftritt bei Lisa Marie Presleys Trauerfeier

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