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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.4.1984 erscheint „Slide It In“ von Whitesnake.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.4.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit Slide It In ebnen die englischen Hardrocker Whitesnake 1984 den Weg für ihren internationalen Durchbruch. Das liegt auch daran, dass die Platte in zwei verschiedenen Versionen erscheint. In unserer heutigen Geschichte erfahrt ihr, wo genau die Unterschiede liegen und was die Besetzungswechsel während des Aufnahmeprozesses damit zu tun haben.

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Hört hier in Slide It In rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nachdem Whitesnake 1982 mit Saints & Sinners den ersten Schritt Richtung Durchbruch unternommen haben, wittert Gründer David Coverdale die große Chance und verfrachtet seine Musiker nach einer erfolgreichen Tour schnellstmöglich in die Musicland Studios in München, um dort die Arbeit am sechsten Album der Gruppe aufzunehmen. Zunächst sitzt Produzent Eddie Kramer am Mischpult, wird aber bald durch Martin Birch ausgetauscht, der Slide It In mit Whitesnake produziert. Die Platte, eingespielt von David Coverdale am Gesang, Mel Galley und Micky Moody an der Gitarre, Colin Hodgkinson am Bass, Jon Lord am Keyboard und Cozy Powell am Schlagzeug, soll die Karriere der Gruppe bis heute in zwei Teile spalten: die Bluesrock-Phase von 1978 bis Ende 1983 und den Hard-Rock-Abschnitt von 1984 bis heute. So erfinden sich die Briten während und nach der Veröffentlichung in vielerlei Hinsicht neu. Dominierte bis dato der Sound der Siebziger, orientieren sich die Musiker nun am neuen Jahrzehnt. Auch ihr klassisches Schlangenlogo verwenden Coverdale und Co. 1984 zum letzten Mal, bevor sie 1987 umsatteln.

Hinter den Kulissen kriselt es zu jener Zeit, vor allem Gitarrist Moody ist unzufrieden. Für die Albumaufnahmen und ein paar Auftritte bleibt er noch an Bord, greift dann aber seinen Hut. Später gibt er zu Protokoll, dass sich Coverdales Persönlichkeit im Vergleich zu 1976 stark verändert habe. In einem Interview erzählt er 1997: „David und ich waren keine Freunde und keine gemeinsamen Songschreiber mehr. Er hat nicht mehr mit mir gesprochen und mich nicht mehr wahrgenommen. Fünf oder sechs Jahre zuvor war er noch mein bester Freund.“ Die finale Entscheidung, Whitesnake tatsächlich zu verlassen, fällt Moody, als Coverdale ihn bei einem Festival-Gig in Deutschland in Gegenwart des Thin-Lizzy-Gitarristen John Sykes demütigt. „Ich saß ganz ruhig da. Auf einmal zeigt David auf mich und ruft: ‚Dreh dem Publikum nie wieder den Rücken zu! Das ist unprofessionell!’ Er wollte, dass ich mich in Johns Gegenwart klein fühle und ich dachte: ‚Das war’s.‘ Ich hätte fast zu ihm gesagt: ‚Hol ihn doch in die Band’, denn sogar ich hatte inzwischen verstanden, dass David auf der Suche nach jemandem wie Sykes war. Er sah gut aus und spielte hervorragend Gitarre. Nach der Tour bin ich dann ausgestiegen.“ Tatsächlich übernimmt Sykes den Job postwendend und wird in der Presse als neuer Whitesnake-Gitarrist angekündigt. Nur wenig später muss auch Bassist Hodgkinson gehen, weil Coverdale nicht findet, dass sein Spiel zur neuen Ausrichtung der Band passt. Stattdessen holt er Gründungsmitglied Neil Murray zurück an Bord.

Übernimmt 1984 die sechs Saiten für Whitesnake: John Sykes (Tygers Of Pan Tang, Thin Lizzy) – Pic: Dana Wullenwaber/Wiki Commons

Am 30. Januar 1984 erscheint Slide It In in Großbritannien und klettert in den Charts bis auf Platz neun. Besonders empfindliche Beobachter kritisieren Coverdales doppeldeutig-eindeutige Texte. Dazu muss man wissen: Wenn der Mann von „Love“ singt, dann meint er meistens Sex. Schon den Albumtitel Slide It In kann eigentlich nicht missverstehen, und Songs wie Love Ain’t No Stranger, Hungry For Love oder Guilty Of Love bilden eine gewisse thematische Monokultur. Der Sound der Scheibe wird an manchen Stellen ebenfalls bemängelt, er klinge zu flachbrüstig. Zumindest das ändert sich, als sich Coverdale mit dem Produzenten Keith Olsen zusammensetzt, um das Album noch einmal abzumischen — diesmal für die Veröffentlichung in den USA. Die Änderungen kann man gut oder schlecht finden; in den Staaten funktionieren sie. So lassen Coverdale und Olsen die Keyboards von Jon Lord beinahe verschwinden, löschen die Bassspuren von Colin Hodgkinson, um sie mit Neil Murray noch einmal einzuspielen und ersetzen einen Großteil von Moodys Gitarrenarbeit durch neue Aufnahmen von John Sykes. Auch als Leadgitarrist darf Sykes einiges der Songs um seine Magie bereichern, zum Beispiel Slow An’ Easy, den Titeltrack oder Spit It Out. Bei Give Me More Time und Standing In The Shadow lohnt ebenfalls ein Blick auf die Gitarrenarbeit.



Die Powerballade Love Ain’t No Stranger beginnt mit Jon Lords gefühlvollem Keyboardspiel, obwohl die Passage ursprünglich für die Gitarre gedacht war. Auch Frontmann Coverdale schlägt zunächst ruhige Töne an, bevor das Stück kurz vor Ende der ersten Minute zu einem waschechten Hardrocker mutiert. Beim Publikum kommt die Mischung hervorragend an, jahrelang müssen Whitesnake die Nummer live spielen. Trommler Cozy Powell spricht gar davon, dass dies der beste Song sei, für den er je das Schlagzeug eingespielt habe. Musikvideos gibt es 1984 natürlich auch schon, also wird auch Love Ain’t No Stranger in bewegter Bildform verewigt. Der Clip zeigt eine Kombination aus nachgestellten Konzertszenen sowie Coverdale, wie er einer unbekannten Frau hinterherrennt.



Bei Slow An’ Easy handelt es sich um das letzte Stück, an das Gitarrist Micky Moody für Whitesnake Hand anlegt. Zu jener Zeit sind er und Coverdale die einzigen verbleibenden Gründungsmitglieder, was sich an dieser Kooperation hervorragend ablesen lässt. So orientiert sich der Song eher am Bluesrock der vergangenen Scheiben, als am Hard Rock auf Slide It In. Wie ein Relikt aus der Vergangenheit mogelt er sich zwischen das neue Material, feiert als Promo-Single allerdings großen Erfolg im Radio. In der Slide It In-Version zum 25-jährigen Jubiläum des Albums verrät Coverdale in den Liner Notes: „Slow An’ Easy haben wir um vier Uhr morgens nach einer harten Partynacht in München aufgenommen. Den Text habe ich mir auf die Schnelle ausgedacht, um die Band bei der Aufnahme zu inspirieren. Später habe ich damit herumgespielt, um ihm irgendeinen Sinn zu entlocken.“



Der flotte Rocker Guilty Of Love besticht durch seine doppelte Gitarrenspitze aus Mel Galley und John Sykes (bzw. Mel Galley und Micky Moody in der UK-Version). Im Gegensatz zu den anderen Songs auf Slide It In erscheint das Stück bereits im August 1983. Der Hintergrund: Whitesnake wollten ihr sechstes Album zu jener Zeit bereits im Kasten haben, brauchen aber zu lange. Am 20. August 1983 steht allerdings ein Auftritt beim Monsters Of Rock Festival in England auf dem Zettel. Um dem Publikum neues Material anbieten zu können, kommt der Song also vorab als Single. Für Hardcore-Fans nicht uninteressant: Die Produktion des Schnellschusses übernimmt noch Eddie Kramer, also kann man hier hören, wie das Album unter seiner Federführung geklungen haben könnte.

Um Slide It In zu bewerben legen Whitesnake unter anderem einen Zwischenstopp in Offenbach ein

Kurz nach der europäischen Veröffentlichung von Slide It In im Januar 1984 folgt eine Europatour, die bis zum April andauert. Das Publikum flippt aus, nicht zuletzt deshalb, weil Whitesnake eine Art Greatest-Hits-Programm zum Besten geben — zum ersten Mal in ihrer Karriere haben sie genug Material dafür beisammen. Auf der Bühne fährt die Gruppe eine beeindruckende Show auf. So spielt Drummer Powell bei jedem Set ein fulminantes Solo, für das die gesamte Bühne in dichten Nebel gehüllt wird — eine gemeinsame Idee von Coverdale und Powell selbst. Gegen Ende der Tour schleichen sich allerdings mehr oder minder große Schwierigkeiten ein. Coverdales Stimme versagt, sodass eine Show in Ludwigshafen abgesagt werden muss. Galley verletzt sich am Arm, wodurch Nerven beschädigt werden. Er muss die Gitarre für immer an den Nagel hängen und wird folglich entlassen. Wenig später feiern Deep Purple ihre Wiedervereinigung, also quittiert auch Jon Lord seinen Dienst. Coverdale und Co. nehmen all das relativ sportlich und machen kurzerhand im abgespeckten Vierer-Line-Up weiter.



Am 16. April 1984 erscheint die US-Version von Slide It In und katapultiert Whitesnake in den Staaten schon ansatzweise durch die Decke, ob in den Charts, im Radio oder bei MTV. Als Coverdale, Sykes, Murray und Schlagzeuger Powell auch noch mit Quiet Riot und Dio durch das Land touren, stehen den Europäern auch auf der anderen Seite des großen Teichs alle Türen offen. 1987 bringt die Gruppe ihr siebtes Album auf den Markt, das schlicht Whitesnake heißt und den endgültigen Durchbruch der Briten markiert — was Coverdale nicht davon abhält, das Line-Up noch einmal vollständig auszutauschen und erneut bei A anzufangen. Doch diese Geschichte erzählen wir in einem anderen Zeitsprung.

Zeitsprung: Am 7.12.1988 feuern Whitesnake ihren Gitarristen Vivian Campbell.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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