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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.6.1964 wird Jimmie Nicol für elf Tage einer der Beatles.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.6.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Zu Beginn der Sechziger überwältigt der Erfolg der Beatles sogar die Gruppe selbst. Am 3. Juni 1964 wird Ringo Starr alles zu viel. Bei einem Fototermin bricht der Schlagzeuger zusammen und wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Für den Beginn der anstehenden Tour muss ein Ersatztrommler einspringen. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte, wie Jimmie Nicol für elf Tage ein Beatle wurde.


Musik zur Lektüre: A Hard Day’s Night


Im Sommer 1964 befindet sich die Beatlemania auf ihrem Höhepunkt. John, Paul, George und Ringo können zu jener Zeit wirklich nirgendwo auftreten, ohne ein Kreischkonzert auszulösen. Aber: Was zunächst nach dem Traum eines jeden Rockstars klingt, setzt den Musikern gründlich zu. Nicht nur, dass sie sich während ihrer Shows nicht mehr hören können; die Briten werden von Termin zu Termin gescheucht, Ruhe gönnt man ihnen keine. Am 3. Juni 1964 bahnt sich der Stress seinen Weg, zumindest bei Ringo. Während eines Fototermins fällt er in Ohnmacht, sofort wird er in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose: Mandelentzündung sowie eine Entzündung der Rachenschleimhaut.

Ab dem nächsten Tag sollen die Beatles um die Welt touren, doch in diesem Zustand kann der Schlagzeuger unmöglich weitere Konzerte spielen. Manager Brian Epstein und Produzent George Martin möchten die Tour ungerne absagen und liebäugeln stattdessen mit einem Ersatztrommler. Martin schlägt Jimmie Nicol vor, den er durch eine Aufnahmesession mit Tommy Quickly kennt. Nicol hat bereits diverse Beatles-Coverversionen eingespielt, ist also mit dem Material vertraut. Martin ruft ihn an, der Deal ist schnell besiegelt. John Lennon und Paul McCartney finden die Idee super, George Harrison reagiert typisch und sagt: „Wenn Ringo nicht mitspielt, mache ich das auch nicht. Sucht euch gleich zwei Ersatzleute.“ 


Plötzlich bei den Beatles zu spielen, ist eine ernste Sache: Jimmie Nicol bei einer Pressekonferenz in Amsterdam 1964 – Pic: Harry Pot/Anefo/Wiki Commons


„Sie hätten die Australien-Tour fast nicht gespielt“, erinnert sich Martin später. „George ist ein sehr loyaler Mensch. Brian und ich mussten ihn ziemlich bequatschen, um ihn davon zu überzeugen, dass er alle hängen lassen würde, wenn er abspringt.“ Tony Barrow, zu jener Zeit der Pressesprecher der Beatles, kommentiert den Vorfall folgendermaßen: „Für Brian war ein Ersatzschlagzeuger das kleinere Übel. Auf der einen Seite stand eine abgesagte Tour mit Tausenden von wütenden Fans; auf der anderen Seite die wütenden Beatles.“ Auch Ringo findet die Situation mehr als befremdlich: „Es war sehr komisch, dass sie einfach ohne mich weitermachten. Ich habe befürchtet, dass sie mich nicht mehr gut finden. Sowas ging mir da durch den Kopf.“



Nicol bekommt den gleichen Haarschnitt verpasst wie der Rest der Band, außerdem steckt man ihn in einen von Ringos Anzügen. Am 4. Juni 1964 spielen er und die Beatles in Kopenhagen ihre erste gemeinsame Show. Wenig später verschickt Paul McCartney ein aufmunterndes Telegramm an den eigentlichen Schlagzeuger der „Fab Four“: „Werde bald wieder gesund, Ringo. Jimmy trägt all deine Anzüge auf.“ Nicol selbst räumt später ein, wie sehr es ihn überwältigt habe, über Nacht zu einem Beatle geworden zu sein: „Am Tag vorher haben sich die Frauen kein bisschen für mich interessiert. Einen Tag später, als ich mit diesem Haarschnitt und diesem Anzug mit John und Paul in der Limo saß, wären sie gestorben, um mich berühren zu dürfen.“ Ein Status, den er genau elf Tage lang genießen darf.


Der zweite von links ist nicht Ringo: Die Beatles in Australien, 12. Juni 1964 – Pic: Jeff Hochberg/Getty Images


Am 14. Juni, acht Konzerte später, kommt Ringo Starr zurück. Nicol kann sich noch nicht einmal von der Gruppe verabschieden, als er abreist, denn die Beatles schlafen da noch, und er möchte nicht stören. Am Flughafen wartet Manager Epstein auf ihn — mit einem Scheck über 500 Britische Pfund und einer goldenen Armbanduhr mit der Gravur: „Von den Beatles und Brian Epstein für Jimmy — mit Wertschätzung und Dankbarkeit.“ 



Paul McCartney gibt später zu Protokoll: „Es war nicht einfach für Jimmie, als dieser ganze Ruhm auf ihn einprasselte. Und als es vorbei war, erinnerte sich niemand mehr an ihn.“ Nicol selbst äußert sich erst einige Jahre später dazu: „Für Ringo einzuspringen, war das Schlimmste, was mir je passiert ist. Bis dahin war ich ganz glücklich damit, 30 oder 40 Pfund pro Woche zu verdienen. Als die Schlagzeilen starben, begann auch ich zu sterben.“



Nach seiner kurzen, aber heftigen „Karriere“ mit den Beatles widmet sich Nicol seiner alten Gruppe, den Shubdubs. Kommerzielle Erfolge bleiben aus. Ein Jahr später meldet er Bankrott an, seine Schulden betragen mehr als 4.000 Pfund — in den Sechzigern ein kleines Vermögen. Seit den Siebzigern widmet er sich einer ganz bürgerlichen Tätigkeit und ist an Hausrenovierungen beteiligt. Dennoch: Der Trommler hat Spuren bei den „Fab Four“ hinterlassen und zwar auf deren legendärstem Album. Während seiner elf Tage mit der Gruppe fragen Lennon und McCartney den Ersatzmann immer wieder, wie es ihm geht, worauf Nicol stets antwortet: „Es wird besser.“ Drei Jahre später geht Paul McCartney mit seiner Hündin Martha und Beatles-Biograf Hunter Davies spazieren, als die Sonne rauskommt. McCartney stellt fest: „Das Wetter wird besser.“ Er muss lachen und denkt an seinen alten Weggefährten Jimmie Nicol. Daraus entsteht der Song Getting Better auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967).


(Titelfoto: Jeff Hochberg/Getty Images)

Zeitsprung: Am 25.11.1965 kaufen die Beatles herrlich ungestört Weihnachtsgeschenke.

Popkultur

„Strangeways, Here We Come“: Wie The Smiths vor 35 Jahren an sich selbst zerbrachen

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The Smiths
Foto: Pete Still/Getty Images

Sie sind eine der wichtigsten englischen Rock-Bands der Achtziger und haben mit nur vier Platten Musikgeschichte geschrieben: Vor 35 Jahren erscheint ihr letztes Album Strangeways, Here We Come. Die Band gibt es da schon gar nicht mehr…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Strangeways, Here We Come anhören:

Ach, die Achtziger. Autotune war noch nicht erfunden, Kurt Cobain noch am Leben und Morrissey kein verblendeter Rechter. Good times. England findet sich mit dem Wechsel der Jahrzehnte und den heraufziehenden Achtzigern immer fester in der Umarmung des Synth Pop wieder: The Human League, OMD, Ultravox geben den Ton an, bestimmen die Mode und das popkulturelle Tagesgeschehen.

Das passt nicht allen. Im Mai 1982 taucht Johnny Marr einfach vor Steven Morrisseys Wohnung in Stretford bei Manchester auf, um eine Band mit ihm zu gründen. Die beiden verstehen sich sofort prächtig, mögen dieselben Bands und Schriftsteller*innen und legen los. Sie nennen sich The Smiths, um endlich „ganz gewöhnliche Menschen ins Rampenlicht zu stellen“, wie Morrissey mal sagte.

Ihr Sound ist die Antithese zum wuchernden Synthie-Boom, eine Assemblage aus der harmoniesatten Musik der Sechziger und den desolaten Farben des Post Punk. Sie veröffentlichen drei äußerst erfolgreiche Alben und sind 1986 die wichtigste Rock-Bands Englands. Die erfolgreichste aber eben nicht – sehr zum Verdruss von Morrissey, der sich seinen Frust über die fehlende Mainstream-Anerkennung immer direkter von der Seele schreibt.

Ab in den Knast!

Für ihr viertes Album Strangeways, Here We Come, benannt nach einem notorischen Höllenknast aus viktorianischer Zeit, wollen sie was anderes versuchen. Sie hauen kurz noch die provokante, marxistische Non-Album-Single Shoplifters Of The World Unite und verabschieden sich von ihrem Trademark-Sound. Weniger Jingle-Jangle, weniger klassisches Rock’n’Roll-Besteck. Stattdessen kommen Drum-Maschinen zum Einsatz, synthestisiertes Saxofon und jede Menge Keyboard. Der Opener des Albums, das verwunschene, nostalgische A Rush And The Push And The Land Is Ours, kommt sogar ohne Gitarren aus.

Der eine liest, der andere trinkt

Als Vorbilder zitiert Johnny Marr das weiße Album der Beatles und einige Sachen der Walker Brothers. Die Band steht vor einem Wendepunkt, das ist schon bei den Aufnahmen zu Strangeways, Here We Come klar. In den Wool Hall Studios von Tears For Fears im Süden Englands entsteht unwissentlich der Schwanengesang einer Band. Während sich Morrissey abends nach den Aufnahmen mit Lektüre ins Bett zurückzieht trinkt und feiert der Rest der Band und des Teams regelmäßig bis tief in die Nacht. Die Stimmung ist gut, die Partys im Studio sind in der gesamten Umgebung bekannt und legendär.

Im April 1987 ist das Album im Kasten. Und die Band sehr zufrieden: Marr und Morrissey sind überzeugt davon, das mit Abstand beste The-Smiths-Album aufgenommen zu haben. Sie lassen sich von Oscar Wilde und der US-Girl-Group Reparata And The Delrons beeinflussen, von David Bowier und Nina Simone. Erscheinen soll das Album am 28. September 1987 – und für seine besondere Aura überschwänglich gelobt werden. Doch da gibt es die Band schon gar nicht mehr.

Das Fass läuft über

Die Spannungen zwischen Marr und Morrissey werden stärker und stärker. Es geht um Einfluss und Kontrolle, um verschiedene Visionen und künstlerische Egotrips. Im Juni 1987 verkündet Marr, eine Pause von der Band einzulegen, weil er sich vom Rest der Band zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt fühlt. Ein Artikel im NME erweist sich im Juli dann als Funke im Pulverfass: Marr zufolge steckte Morrissey dem Magazin, dass sich The Smiths auflösen würden, weil sich Morrissey und Marr irreparabel zerstritten hätten. Stimmt zwar nicht, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Johnny Marr steigt endgültig aus, noch vor Veröffentlichung des finalen Albums Strangeways, Here We Come ist eine der wichtigsten und einflussreichsten englischen Bands Geschichte. Für immer: Bis heute haben Johnny Marr und Morrissesy jedes Reunion-Angebot abgelehnt.

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Popkultur

35 Jahre „Music For The Masses“: Der Moment, in dem Depeche Mode Weltstars wurden

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Depeche Mode
Titelfoto: Paul Natkin/Getty Images

In Europa sind Depeche Mode 1987 längst Stars. Dann veröffentlichen sie ihr ahnungsvolles, düsteres Epos Music For The Masses. Der Titel mag bewusst ironisch gewählt sein. Doch das Album schießt die Briten endgültig in die Stratosphäre.

von Björn Springorum

Die Schatten werden länger: Mit ihrem fünften Black Celebration wenden sich Depeche Mode 1986 merklich von ihrem sterilen, kühlen Electro Pop ab. Ihr Sound wird düsterer, ahnungsvoller, melancholischer, Martin Gores Texte merklich pessimistischer und zweifelnder. Die neue atmosphärische Qualität spiegelt sich auch in Anton Corbijns Zusammenarbeit mit der Band wider, die ebenfalls 1986 ihren Anfang nimmt.

Daniel Miller nimmt Abstand

Bald vier Monate ist man mit der schwarzen Feier auf Welttournee – ein Kraftakt, der nicht ohne Risse im Bandgefüge bleibt. Schon bei den Aufnahmen zu Black Celebration stört sich Produzent Daniel Miller an den Spannungen innerhalb der Band und entscheidet für sich, den Nachfolger nicht mehr zu betreuen. „Wir hatten keine freien Tage“, erinnerte sich Miller mal. „Vielleicht war das ein Fehler. Jeder wache Moment wurde in dieses Album gesteckt, mehr gab es für uns nicht.“

Verständlich, dass Depeche Mode beim Nachfolger etwas ändern wollen. Inzwischen sehr erfolgreich, gönnen sich Depeche Mode nach Rücksprache mit ihrem Mentor Miller den Produzenten Dave Bascombe und setzen mit ihm nach Paris über, um an neuen Songs zu arbeiten. Es ist Februar 1987, die Sonne scheint über der Seine und alles riecht nach Neuanfang. Die Motivation innerhalb der Band ist so hoch, dass Alan Wilder im Studio nach und nach die Kontrolle übernimmt. Irgendwie logisch: Je mehr Depeche Mode in Richtung Sampling und moderne Synthesizer gehen, desto mehr ist sein technisches Verständnis gefragt.

Der Aufstieg des Alan Wilder

In den nächsten Monaten wird Bascombe, durchaus eine veritable Koryphäe auf seinem Gebiet, fast schon zum Studiotechniker degradiert, während Alan Wilder mehr und mehr die Kontrolle übernimmt. „Music For The Masses ist der Aufstieg von Alan Wilder“, so sagte Daniel Miller mal. Wilder vergräbt sich mehr denn je in der Technik und in den Details, während die anderen schon durch die Straßen von Paris ziehen. Er hinterlässt deutliche Spuren in Songs wie Little 15 mit ihren fast schon sakral anmutenden Synthesizern, neoklassischen Elementen und Flächen.

Music For The Masses ist das erste Album, das Depeche Mode ohne ihren Entdecker Daniel Miller produzieren. Sie entschieden sich bewusst für mehr Progression und Experimente, vergessen aber natürlich die Hits nicht. Bis heute sind das monumentale, lüsterne, dezent homoerotische Never Let Me Down Again, das hämmernde Behind The Wheel oder das melodramatisch wallende Strangelove Ankerpunkte in ihrem Kanon. Der Rest des Albums ist aber eben genau der Gegenteil seines ironischen Titels: Ziemlich, ziemlich unkommerziell, voller obskurer Samples, sexueller Referenzen und dunkler Abgründe. Zum Titel sagte Andrew Fletcher mal: „Jeder riet uns, kommerziellere Musik zu machen, daher der Titel.“ Gore ergänzte das um: „Das Album ist alles außer Musik für die Massen!“

Triumph in Kalifornien

In England sieht man das vor 35 Jahren ganz ähnlich: Die Platte schafft es gerade so auf Platz zehn in die Charts, die erste Single Strangelove gar nur auf Rang 16. In den USA scheint die Ironie des Titels nicht zu ziehen: Music For The Masses macht Depeche Mode auf der anderen Seite des Atlantiks endgültig zu Superstars, dokumentiert mit dem Konzertfilm 101, der den Weg der Band zur letzten Show der Tour im gigantischen Rose Bowl Stadium in Pasadena, Kalifornien nachzeichnet. Es ist der Juni 1988 und die 101. Show der Music For The Masses-Welttour. 60.000 Fans sind dabei, als die Band das Ende eines weiteren Kapitels feiert.

Wenn sie sich im März 1990 mit Violator zurückmelden, werden sie endgültig zur größten Synth-Pop-Band aller Zeiten. Mit allen Exzessen, Abstürzen und Problemen, die dazugehören.

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40 Jahre Depeche Mode: Wie aus The-Cure-Fans Weltstars wurden

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Popkultur

Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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