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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.7.2000 spielen Metallica ohne James Hetfield. Also müssen andere singen.

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John Shearer/WireImage

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.7.2000.

von Christof Leim

Selbst den mächtigen „Papa Het“ erwischt es mal: Im Sommer 2000 muss Metallica-Frontmann James Hetfield verletzungsbedingt bei drei Shows aussetzen. Doch die Konzerte finden trotzdem statt: Jason Newsted, Korn, Kid Rock und System Of A Down helfen mit Brüllerei und Rhythmusgitarre.

Hört euch hier das damals aktuelle Reload an:

Ein neues Album gibt es Mitte 2000 nicht, als Metallica sich auf Summer Sanitarium-Tour begeben. Im Vorjahr erschien die Orchesterkollaboration S&M (1999), die letzte „richtige“ Studioplatte heißt Reload (1997). Wenige Monate vorher hatte es den Streit um Napster gegeben (heute wissen wir: Lars hatte völlig Recht), der große interne Knall – Stichworte: Jason raus , Streit, Entzug, St. Anger und Some Kind Of Monster – steht noch bevor. Also rollt die Metal-Maschine fröhlich durch die Welt, denn live sind Metallica immer eine Macht – und vor allem ein Zuschauermagnet. Die auf 20 Shows angelegte Konzertreise führt durch riesige Stadien in den USA, als Begleitung sind angesagte Künstler der Jahrtausendwende dabei: System Of A Down, Korn, Powerman 5000 und Lars Ulrichs Kumpel Kid Rock.

Los geht es am 23. Juni 2000 in Seattle, doch während der kurzen Pause nach der fünften Show in Baltimore am 4. Juli verletzt sich Hetfield bei einem Unfall mit einem Jetski. Das Ergebnis: Bandscheibenvorfall. Damit ist der 36-Jährige für ein paar Tage raus. Nur: Die Show muss weitergehen. Sommer, Sonne, Thrash Metal, das war der Plan! Deshalb laden Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted die anderen Musiker der Tour auf die Bühne ein und erlauben sich großzügig ein paar Freiheiten mit der Setlist. Dafür halten die drei erstmal eine kleine Ansprache, bei der Newsted erklärt: “Hetfield ist der härteste Motherfucker, den ich kenne. Er sagt eine Show nur ab, wenn es wirklich nicht anders geht.”

Vor allem Jason zeigt, dass seine Brüllmonster-Backingvocals in der Not auch für die erste Stimme taugen, und singt gleich zu Anfang Creeping Death, For Whom The Bell Tolls und Seek And Destroy. Dabei helfen ihm Gitarrist Kenny Olson und Rapper Joe C. aus der Truppe von Kid Rock. Die Instrumente gehen dann an Korn, die das Cheech & Chong-Cover Earache My Eyes sowie ihr eigenes Counting zum Besten geben.

Mit Herrn Rock spielen Metallica dann Sad But True, das in sein American Bad Ass übergeht – ist ja der gleiche Song. Der Mann singt gleich noch Nothing Else Matters, das Creedence-Clearwater-Revial-Cover Fortunate Son und eine Nummer aus dem eigenen Katalog (Somebody‘s Gotta Feel This/Fist Of Rage). Damit sind schon mal zehn Songs durch. 

Jason übernimmt für Fuel, bei Turn The Page hilft ihm schon wieder Kid Rock. Bei Mastertarium (yep, ein Medley aus den beiden Hits von Master Of Puppets) mischen Gitarrist Daron Malakian und Sänger Serj Tankian von System Of A Down mit, für den Abschluss mit – natürlich – Enter Sandman – stehen dann mehr oder minder alle auf der Bühne. Fotos von der Sause gibt es hier, natürlich geistern jede Menge Bootlegs durch die Welt.

Damit haben die 44.000 Fans (95% ausverkauft) in Atlanta, Georgia eine ziemlich einmalige Show gesehen, Metallica konnten den Termin retten – und spielen am 5. und 6. August sogar noch zwei Wiedergutmachungskonzerte in der Stadt für alle, die ihr Ticket behalten haben. Auf ihrer Website schreibt die Band: „Make-up show featuring Special Guest James Hetfield“. Die nächsten beiden Juli-Termine in Sparta, Kentucky (8.7.) und Dallas, Texas (9.7.) muss der Frontmann übrigens ebenfalls aussetzen. Aber so langsam gewöhnen sich die Ersatzleute an den Job, die Setlist wird länger: Jonathan Davis singt noch bei One, Jason brüllt sich durch Whiplash. Auch in Texas und Kentucky gibt es später je zwei Nachholgigs.

Damit hat Lars die besten Fehlquote bei Metallica, denn er muss (Stand Juli 2019) nur ein einziges Mal aussetzen, nämlich am 6. Juni 2004. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

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