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Popkultur

Die musikalische DNA von John Lennon

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Wir können über die Spinner*innen und Träumer*innen dieser Welt so lange lachen, wie wir wollen: Wir sind bitter auf sie angewiesen, wenn die Aussichten nicht erfreulich sind. John Lennon war ein Spinner, ein Träumer, ein Fantast und ein Hans-Guck-in-die-Luft. Außerdem war er eine der wichtigsten Figuren, welche die Pop-Welt jemals hervor gebracht hat. Ob mit den Beatles, gemeinsam mit Yoko Ono oder solo: Seine Songs ließen und lassen die Menschheit träumen. Von einer besseren Welt, von einem Mit- statt einem Gegeneinander.

Hör dir hier die musikalische DNA von John Lennon als Playlist an während du weiter liest:


Bevor sich Lennon aber als Rädelsführer einer neuen Friedensbewegung profilierte, begann er seine Karriere als Rebell. Seine Tante wollte um jeden Preis verhindern, dass der Neffe sich mit Musik die Zeit vertrieb. Seine Mutter starb, als Lennon gerade 17 Jahre alt war und hinterließ eine Lücke in seinem Leben, die niemals jemand schließen konnte. Der Teenager wurde aufrührerisch und respektlos gegenüber allen Autoritätsfiguren, wie er sich auch später als Musiker über alle Konventionen hinwegsetzen sollte.

Stellt Euch eine Welt ohne John Lennons „Imagine“ vor

John Lennon mag ein Träumer gewesen sein, der Preis dafür aber war hoch und nicht selten mussten ihn andere bezahlen: seine erste Frau Cynthia und ihr gemeinsamer Sohn Julian genauso wie die Mitglieder seiner ehemaligen Band, allem voran Paul McCartney. Aber Lennon wurde einiges verziehen. Kein Wunder, drehte sich bei ihm doch alles um Vergebung, Verständnis und Güte, soll heißen: Frieden für alle! Was ihn zu einem der außergewöhnlichsten und vielleicht sogar – wie nicht wenige meinen – dem zweifelsohne besten Songwriter aller Zeiten machte, das erfahren wir mit Blick auf seine musikalische DNA.

1. Fats Domino – Ain’t That A Shame

„Das Christentum wird irgendwann nicht mehr sein. Es wird verschwinden und schrumpfen… Wir sind zurzeit bekannter als Jesus – ich weiß nicht, ob der Rock’n’Roll oder das Christentum zuerst an ihr Ende kommen.“ Diese legendäre Interviewaussage hat dem damals jungen Lennon einigen Ärger eingehandelt. Blasphemie hin oder her: In ihr offenbart sich sein Glaube an die Kraft des Rock’n’Roll, wie sie zuerst in Gestalt von Fats Domino und dem King des Genres, Elvis Presley, zu ihm kam.

Der Rock’n’Roll wurde John von seiner geliebten Mutter fast buchstäblich in die Wiege gelegt. Während seine Tante Mimi ihn mit Literatur versorgte, spielte ihm Julia Lennon die Platten des Kings vor und brachte ihm die ersten Kniffe auf dem Banjo bei. Einer der Songs, die er zuerst lernte, war Ain’t That A Shame von Fats Domino. 1975 besann er sich auf seinem sechsten Solo-Album auf seine musikalischen Wurzeln und spielte für die Platte unter anderem eine Interpretation des Domino-Stücks ein, das ihn solange begleitet hatte. Wie die LP hieß? Na klar, Rock’n’Roll!

2. George Formby – George Formby Medley Parts 1 and 2

Nicht allein die Musik, sondern auch das Kino und die zahlreichen Varieté-Shows der fünfziger Jahre faszinierten den jungen Lennon. Gemeinsam mit Cousin Stanley Parkes und Cousine Leila Harvey reiste er von der Liverpooler Vorstadt Woolton häufig in die Küstenstadt Blackpool, um dort im Tower Circus das Programm zu genießen. Besonders angetan hatte es ihm George Formby, dem vielleicht legendärsten Comedian, Sänger und Music Hall-Entertainer seiner Zeit. Dass ausgerechnet Formby dem jungen Lennon gefiel, mag wohl auch an der Wahl seines Instruments gelegen haben: „Meine Mutter kann genauso gut Banjo und Ukulele spielen wie der“, protzte der junge John angeblich, als er nach einem Formby-Film das Kino verließ.

Formby, der einen vielleicht noch größeren Fan im Beatles-Kollegen George Harrison finden sollte, wird Lennon neben seinen musikalischen Tricks und einigen Lektionen in Sachen Bühnenpräsenz auch viel über Humor beigebracht haben. Lennons Wortspielereien sind heute noch legendär. Ein Denkmal setzte der dem Jugendidol mehr oder minder unbewusst im Song Free As A Bird, den er allerdings vor seiner Ermordung nicht mehr vollenden konnte. Nicht nur ist im dazugehörigen Video ein Formby-Lookalike zu sehen, sondern die erstmals 1995 von wiedervereinten Beatles auf ihrer Anthology 1 veröffentlichte Komposition endet auch auf einem enigmatischen Sprachsample. Es sind die rückwärts eingespielten Worte „it’s turned out nice again“, einem Trademark-Ausspruch Formbys.

3. Bill Justis – Raunchy

Damit ist Free As A Bird, das Lennon 1977 als Skizze auf eine Audiokassette einspielte und welches McCartney, Starr und Harrison erst 1994 vollenden sollten, eine Art doppelte Widmung an den stilprägenden Formby einerseits und den ermordeten Beatle andererseits. Aus ihrer Bewunderung gegenüber Lennon haben seine drei Kollegen nie einen Hehl gemacht. Einfach hatten sie es allerdings nun wirklich nicht mit dem Querkopf!

Zuerst musste das George Harrison am eigenen Leib erfahren. Als McCartney den jungen Gitarristen an Lennon empfahl, war der zuerst skeptisch. Harrison schien ihm mit seinen frischen 15 Jahren schlicht zu jung für die Skiffle-Band, die sich gerade in der Formation befand. Beweisen musste sich Harrison unter erschwerten Bedingungen: Nachdem er bei einer Probe die damals noch unter dem Namen Quarrymen firmierende Band nicht überzeugen konnte, spielte er ihnen auf dem Oberdeck eines fahrenden Liverpooler Busses seine Version von Bill Justis’ Raunchy vor. Gut, dass sich Lennon davon breitschlagen ließ…

4. Buddy Holly – Peggy Sue

Dass aus den Quarrymen die Beatles wurden, ist bekannt. Die Inspiration dafür lieferte Buddy Holly, der seine Band die Crickets genannt hatte. Das clevere Wortspiel der Pilzköpfe war gleichzeitig eine Hommage an ihn, wie es ihre Musik charakterisierte. Das indes ist bei weitem nicht das Einzige, was der tragischer Weise so jung verstorbene Holly den Fab Four mit auf den Weg gab. Schließlich wurde sein Song That’ll Be The Day aus dem Jahr 1957 für das Gespann Lennon-McCartney so wegweisend, dass sie ihn als ihren ersten Song überhaupt mit ins Aufnahmestudio nahmen.


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Auf seinem Rock’n’Roll-Album widmete Lennon dem US-amerikanischen Blues-Musiker ein weiteres Cover: Seine Version von Peggy Sue erweiterte die minimalistische Komposition um eine opulente Instrumentierung und psychedelische Stimmeffekte. Eine schöne Widmung an den Musiker, der neben anderen Helden wie Little Richard die Motivation für zwei Liverpooler Knirpse lieferte, sich an eigenen Songs zu versuchen, statt nur die Hits der Stunde zu covern. Seine Songs interpretierten die Beatles als Band wie auch Lennon solo jedoch immer wieder. Ehre, wem Ehre gebührt!

5. Chuck Berry – Sweet Little Sixteen

So vollmundig Lennon auch immer wieder sein eigenes Können anpries: Noch wärmere Worte fand er stets für seine Helden. „Wenn du Rock’n’Roll einen anderen Namen geben müsstest, dann könnte der nur ‚Chuck Berry‘ lauten“, sagte er einst. Wie weit der Einfluss der Rock-Legende reichte, lässt sich auf Come Together von den Beatles nachhören. Vergleicht den Song mal mit Berrys You Can’t Catch Me

Wir verbuchen das mal unter Jugendsünde und stellen ansonsten fest, dass Lennon dem älteren Kollegen ansonsten immer seinen verdienten Credit zugesprochen hat. Einige Berry-Stücke fanden sich in seinem Repertoire: Rock and Roll Music und Sweet Little Sixteen beispielsweise. Auch sein Sweet Little Sixteen-Cover war auf der LP zu hören, mit denen sich Lennon vor seinen frühen Helden verbeugte: Rock’n’Roll. Warum er das Album aber nicht schlicht Chuck Berry genannt hat…?

6. Bob Dylan – My Back Pages

Aber Spaß beiseite. Seine Inspiration fand John Lennon nicht nur in den Rock-Helden der fünfziger Jahre, denen er mit seiner LP ein Denkmal setzte, sondern auch in der Gegenwart. Bob Dylan wirkte aktiv an der Bewusstseinserweiterung des Beatles mit – und das meinen wir ganz wortwörtlich! Dass sich die Beatles schon zu Hamburger Zeiten einiges reingepfiffen hatten, um die anstrengenden Bühnenabende zu überstehen, ist weitreichend bekannt. Wusstet ihr aber, dass sie damals ziemlich unbeeindruckt von den grünen Räucherwaren waren, die ihnen im Rotlichtbezirk zugesteckt wurden?

Das änderte sich mit Bob Dylan, der seinen eigenen Slogan „Everybody must get stoned“ aus dem Song Rainy Day Women #12 & #35 mehr als wörtlich nahm und die Pilzköpfe zum Qualmen animierte. Den nasal gesungenen Folk-Einschlag des US-Amerikaners arbeitete Lennon schon zu Zeiten von Help! in die Musik der Fab Four ein. Der Song You’ve Got To Hide Your Love Away klingt stark nach Dylan, im Titelstück selbst zitiert Lennon den Kollegen sogar indirekt. “I was so much older then / I’m younger than that now”, heißt es Dylans My Back Pages. Klingt doch vertraut, oder?

7. John Cage – Fontana Mix

Wie viele seiner Zeitgenossen wurde Dylan als Freund der Band auch in Lennons Privatleben zu einer einflussreichen Persönlichkeit. Mehr noch lässt sich das von einer anderen Person sagen, die sein Leben von Grund auf änderte: Yoko Ono. Derweil sich alle Welt sicher zu sein scheint, dass die Japanerin am Ende der Band schuldig ist, weiß niemand so genau, wie Ono und Lennon aufeinander trafen. Eine Legende besagt, dass Lennon die Künstlerin bei einer ihrer Ausstellungen kennen lernte. Einer anderen zufolge brachte die Musik John Cages die beiden einander näher: Angeblich hatte sie ihn nach Manuskripten des Avantgarde-Komponisten gefragt.

Mit Cage verstanden sich die beiden prächtig, wie beispielsweise ein Videoausschnitt aus der Dokumentation John Cage: Journeys In Sound beweist. Nicht nur diskutieren die drei lebhaft über die Eigenarten der menschlichen Stimme und wie sie sich in sozialen Kontexten verändern, nein, Cage singt den beiden sogar ein ganz besonderes Ständchen. Lennons Interesse an den experimentellen Kompositionen und Produktionstechniken des verschrobenen Genies lebte er noch zu Beatles-Zeiten im Studio aus: Revolution 9 beispielsweise war direkt von Cage und dessen deutschem Kollegen Karlheinz Stockhausen inspiriert. Und was Lennon und Ono selbst auf den drei LPs Unfinished Music No. 1: Two Virgins, Unfinished Music No. 2: Life with the Lions und dem Wedding Album anstellten, entstand auch unter dem Eindruck von Cages elektronischen Klangcollagen.

8. Paul and Linda McCartney – Too Many People

Im Laufe seiner Karriere, so sagte Lennon einmal, habe er nur mit zwei Menschen gezielt zusammengearbeitet: Yoko Ono und Paul McCartney. „Keine schlechte Wahl“, meinte er ebenso großspurig wie wahrheitsgetreu. Mit beiden stand es aber nicht immer zum Besten. Denn Ono und Lennon lebten eine Zeit lang getrennt voneinander. Und den Beatles-Kollegen bezeichnete Lennon mal als „zerstrittenen Verlobten“. Nach dem Ende der Beatles nämlich sah es zwischen den beiden Genies alles andere als rosig aus.

Der Song How Do You Sleep? von Johns Imagine-LP antwortete mit bitterbösen Worten auf die Sticheleien von Too Many People auf Pauls Album RAM, welches er gemeinsam mit seiner Frau Linda aufgenommen hatte: „That was your first mistake / You took your lucky break and broke it in two / Now what can be done for you? / You broke it in two“. McCartney erinnerte sich viel später in einem Interview an den Song: „Ich schrieb ‚Too many people preaching practices‘, glaube ich. Ich nehme mal an, dass das ein kleiner Hieb in Richtung John und Yoko war.“ Das sahen die beiden offenkundig genauso! Im Laufe der Jahre aber besserte sich das Verhältnis zwischen John und Paul zum Glück, wenngleich sie aber ihre musikalische Partnerschaft nie wieder aufnahmen.

9. Elton John – Lucy In The Sky With Diamonds

Übrigens: Nicht allein mit Ono und McCartney ging Lennon eine produktive Zusammenarbeit ein! Nicht immer wurden Johns Solo-Alben von der Kritik gut aufgenommen und auch der kommerzielle Erfolg blieb im stellenweise verwehrt. Erfolgreicher war in den siebziger Jahren Elton John, den sich Lennon für die Aufnahme von Whatever Gets You thru the Night ins Studio holte – seiner einzigen Nummer-Eins-Single in den USA! Neben Gastauftritten bei Ringo Starr und sogar David Bowie war die Zusammenarbeit mit dem exzentrischen Rocket Man-Sänger seine wohl erfolgreichste.

Zeitsprung: Am 28.9.2009 stirbt die echte „Lucy In The Sky With Diamonds“ viel zu früh.

Als John den Kollegen Lennon nach einer verlorenen Wette im November 1974 auf die Bühne des Madison Square Gardens bewegen konnte, winkte der gegenüber den wartenden Journalisten mit den Worten „Das hat echt Spaß gemacht, ich würde damit ungern meinen Lebensunterhalt bestreiten wollen“ ab. Eine prophetische Aussage, denn es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt bleiben. 1975 noch half er selbst an der Gitarre im Studio aus, als Elton John ein Cover des Beatles-Klassikers Lucy In The Sky With Diamonds einspielte. Auch die Nummer sollte ein voller Erfolg werden und die Charts stürmen. Eine traurige Ironie des Schicksals.

10. Soulfly – Son Song (feat. Sean Lennon)

John Lennon hinterließ der Welt nicht nur einfühlsame Balladen, spritzige Rock-Songs und denkwürdige musikalische Experimente, sondern auch zwei talentierte Kinder. Sein Sohn aus erster Ehe, Julian, hatte den Songwriter mit einer Zeichnung zum Stück Lucy In The Sky With Diamonds inspiriert. McCartney gab zudem an, Hey Jude zuerst unter dem Namen Hey Jules für den jungen Knirps verfasst zu haben. Auf einer Lennon-Platte ist Julian sogar zu hören: Im Alter von elf spielte er auf dem Album Walls and Bridges Schlagzeug auf dem Lee Dorsey-Cover Ya Ya.

Auch mit Yoko Ono hatte Lennon einen Sohn, Sean. Während er Julian zu Zeiten der Beatlemania mehr oder minder vernachlässigt hatte, bekam Sean von seinem Vater alle nur erdenkliche Aufmerksamkeit. Wie Julian trat er ebenfalls eine musikalische Karriere an und arbeitete mit einer Vielzahl von Artists zusammen. Gemeinsam mit der brasilianischen Metal-Band Soulfly nahm er 2000 ein Stück namens Son Song auf. „Look at the sun, / look at the sky / Another day, another sign / And every moment is precious / And everything will turn to dust”, singt er im Refrain. Bewegende Abschiedsworte an einen Vater, der viel zu früh aus dieser Welt schied.

Popkultur

„White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

Sie dudeln im Radio auf und ab, beschallen Weihnachtsmärkte und Cafés: Hättet ihr diese Dinge über Evergreens wie Last Christmas, All I Want For Christmas Is You oder White Christmas gewusst?

von Björn Springorum

Auf wenige Dinge ist so sehr Verlass wie das pünktliche Aufschlagen von Last Christmas und All I Want For Christmas Is You deutlich vor dem ersten Advent. Weihnachtssongs sind Fluch und Segen zugleich, Boten einer schönen Zeit für die einen und Geißel des schlechten Geschmacks für die anderen – Stichwort #whamageddon. Zu welchem Lager man auch zählt: Vorbei kommt dieser Tage niemand an ihnen. Da lohnt mal ein Blick auf die erstaunlichen Geschichten hinter fünf der erfolgreichsten Weihnachtssongs aller Zeiten.

1. All I Want For Christmas Is You (1994)

Eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten ist in gerade mal 15 Minuten entstanden. So kurz sollen Mariah Carey und Walter Afanasieff für das Songwriting dieser Nummer gebraucht haben. Bewusst angelehnt an den Ronettes-Sound der Sechziger, braucht All I Want For Christmas Is You kommerziell gesehen deutlich mehr Zeit als für seine Entstehung. Der Grund: Der Song wurde anfangs nicht offiziell als reguläre Single ausgekoppelt und konnte deswegen auch nicht in den Charts notieren. Das ändert sich, als 1998 die Regularien angepasst werden. Damals beginnt die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Songs: Am 21. Dezember 2019 – 25 Jahre nach Veröffentlichung – steht der Song erstmals ganz oben in den US-Charts. 16 Millionen Exemplare sind mittlerweile verkauft, unzählige Streaming-Rekorde gebrochen. Geschätzte 60 Millionen gibt es an Royalties allein für diesen Song, Mariah Carey allein verdient grob geschätzt 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahr mit All I Want For Christmas Is You. Nicht übel – dafür, dass sie den Songs anfangs gar nicht aufnehmen wollte.

2. Santa Claus Is Comin’ To Town (1934)

Auch dieser Song gehört zu Weihnachten wie schlechter Glühwein: Erstmals 1934 von einem Banjo-Spieler namens Harry Reser aufgeführt, hat sich Santa Claus Is Comin’ To Town zum weihnachtlichen Pflichtprogramm entwickelt. Liegt natürlich auch an seiner erstaunlichen Haltbarkeit und Attraktivität für andere Künstler: In den letzten knapp 80 Jahren haben sich über 200 Künstler*innen an diesem Klassiker von J. Fred Coots und Haven Gillespie versucht – und nicht unbedingt unbekannte, um es mal so zu sagen: Unter anderem gibt es Versionen von Bing Crosby, Mariah Carey, Neil Diamond, Bruce Springsteen, Frank Sinatra, Bill Evans, Chris Isaak, The Temptations, The Carpenters, Michael Bublé und den Jackson 5. Am ehesten denkt man bei Santa Claus Is Comin’ To Town aber wahrscheinlich an den Boss und seine unvergleichliche Version. Die entstand gemeinsam mit der E Street Band am 12. Dezember 1975, wurde aber erst 1982 auf dem Sesamstraße-Album In Harmony 2 veröffentlicht und steigt seit 2002 regelmäßig hoch in die Charts ein. Springsteen-Konzerte im November und Dezember kommen ebenfalls nie ohne diese Nummer aus.

3. Last Christmas (1984)

Irgendwann im Sommer 1984 wird George Michael plötzlich vom Geist der Weihnacht heimgesucht. Er und sein Wham!-Kollege Ridgeley sind gerade bei Michaels Eltern zu Besuch, als ihn die winterliche Muse küsst: Er rauscht in sein altes Kinderzimmer und schreibt dort mal so eben einen der größten, wenn auch polarisierendsten Weihnachtshits aller Zeiten. Die Nummer wird zum Erfolg und schnell auch zum unverzichtbaren Weihnachtslied. Nur die Nummer Eins in den britischen Charts bleibt Last Christmas vergönnt – bis 2021, mehr als 36 Jahre nach der Veröffentlichung. Den Gesamterlös des Songs spendet Wham! vorbildlich dem Kampf gegen die verheerende Hungerkrise in Äthiopien. Bei über sechs Millionen verkauften Singles kommt da einiges zusammen.

4. Do They Know It’s Christmas (1984)

Das ist die Nummer, die Last Christmas 1984 davon abhält, die Spitze der britischen Charts zu erklimmen: Do They Know It’s Christmas von Bob Geldorf und Midge Ure ist eine der bekanntesten Benefiz-Singles aller Zeiten. Und ein echter Allstar-Coup: Aufgenommen an nur einem einzigen Tag am 24. November 1984 im Londoner Stadtteil Notting Hill, kommt die als Band Aid bezeichnete Supergroup an diesem Tag erstmals hinterm Mikro zusammen: Unter anderem singen Bono, Siobhan Fahey, Phil Collins, Boy George, Paul Weller. Sting und wieder George Michael (der damit auf Platz eins und zwei der britischen Single-Charts thront) gegen den Hunger in Äthiopien. Und sammeln ordentlich Geld ein: Die Single verkauft sich knapp zwölf Millionen Mal. Aus den von Geldorf erhofften 70.000 Pfund werden innerhalb eines Jahres acht Millionen. Kritik gibt es dennoch: Der Text spiele mit westlichen Vorurteilen und Afrikaklischees und würde die Vielfalt Afrikas unter den Teppich kehren.

5. White Christmas (1942)

1940 setzt sich Irving Berlin hin und schreibt einen Song über eine nostalgische, romantisierte Vorstellung von Weihnachten. Ja, das hat man auch schon 1942 gemacht. Sie kommt in den Soundtrack zum Film Holiday Inn und bekommt prompt den Oscar für den besten Filmsong. „Es ist nicht nur der beste Song, den ich je geschrieben habe, sondern auch der beste Song, den irgendjemand anders je geschrieben hat“, soll er seiner Sekretärin gesagt haben. Nicht gerade beschieden, aber irgendwie auch nicht ganz falsch. Zumindest hinsichtlich seines Erfolgs: Am 29. Mai 1942 nimmt Bing Crosby den Song in schlanken 18 Minuten auf, hält aber nicht viel davon. 80 Jahre später wissen wir: Er unterschätzt die Nostalgie der Menschen. White Christmas ist die erfolgreichste Single aller Zeiten! Zwar sprechen wir heute meist von der 1947-er Neuaufnahme (das Original wurde zu oft gespielt und beschädigt), aber das ist nebensächlich: Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren steht White Christmas ganz oben an der Spitze. Über 500 verschiedene Versionen in zahlreichen Sprachen sind mittlerweile entstanden. Und weil er damals schon nostalgisch war, wirkt er auch mit seinen 80 Jahren alterslos.

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„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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Die 15 besten Weihnachtsgeschenke für Rockfans

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Weihnachtsgeschenk
Foto: Getty Images

Weihnachten nähert sich in großen Schritten. Du weißt immer noch nicht so recht, was du deinen rock-affinen Liebsten schenken sollst? Kein Problem — wir haben da ein paar Ideen!

1. Bono — Surrender: 40 Songs, One Story

U2-Frontmann Bono veröffentlichte im November 2022 seine Memoiren — und darin erzählt einer der größten Frontmänner der Rockgeschichte, wie Paul aus Dublin zu Rockstar und Weltbürger/Weltretter Bono wurde. Ein spannendes Buch, das nicht nur die Anfänge U2s beleuchtet, sondern Bono auch als selbstironischen, reflektierten Zeitgenossen zeigt.

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 2. Guns N’ Roses — Use Your Illusion Super Deluxe 12-LP Box

Use Your Illusion

Was für einen Nachfolger macht man nach einem Mega-Debüt wie Appetite For Destruction? Am bestengleich zwei neue Longplayer! Use Your Illusion I + II, das sind zwei Alben, die nur so überquellen. Opulent, rockig, dreckig, hochglanzproduziert, bluesy, überladen, rotzig — alles zugleich, alles auf Maximum. Im November 2022 öffneten Axl, Slash & Co. das Bandarchiv und veröffentlichten ein Boxset, das Fans der Gunners das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. 97 Tracks auf 12 LPs, davon 63 unveröffentlicht — mit Blu-ray, Buch, Lithografien und jeder Menge Goodies… und das alles natürlich im stylischen Boxset. Das mega ausführliche Boxset gibt es bei uns im uDiscover Store — übrigens auch als günstigere 7-CD-Box.

(Hier für 498,99€)

3. BAP — Bap Vinyl Box Vol. 3 (2001-2011)

Wolfgang Niedecken lud in letzter Zeit vermehrt zur Vinyl-Retrospektive und widmete jedem Jahrzehnt von BAP eine Vinyl-Box. Zuletzt erschien mit Volume 3 eine Rückschau auf die 2000er-Jahre. Fünf Alben auf je zwei 180-Gramm-LPs, dazu schöne Artworks, Prints, Texte und Faksimiles. Für Fans von BAP ein Muss!

(Hier für 173,99 Euro)

4. 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten von Christof Leim

Warum wollte Axl Rose einst David Bowie verhauen? Was verbindet AC/DC mit einem Serienkiller? Und was haben Faith No More mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? — Diesen (und etlichen weiteren Fragen) geht uDiscover-Autor Christof Leim in seinem Buch 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten nach. Der Musiker und Musikjournalist gräbt tief in der Schatzkiste der Rock’n’Roll-Geschichten — und sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. 

(Hier für 14 Euro)

 5. Peter Frampton — Do You Feel Like I Do? A Memoir

Vor wenigen Wochen sagte die US-amerikanische Rock-Ikone Peter Frampton seinen deutschen Fans mit den letzten Deutschlandkonzerten seiner Abschiedstournee Lebewohl. Wie bewegt seine Karriere war, lässt sich in seinen Memoiren nachlesen, die Ende 2021 erschienen sind.

(Hier für 15,59 Euro)

6. Heavy Metal Ukulele

UkuleleHeavy Metal funktioniert auch auf der Ukulele — das beweist dieses Prachtstück in Flying-V-Form. Wieso nicht mal Thunderstruck, Raining Blood und Enter Sandman auf der Uke zum Besten geben — unter dem Weihnachtsbaum, wo sonst?

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7. Slayer-Wein

Slayer-Fan, aber zugleich auch Reben-Feinspitz? Bekennende Weinliebhaber*innen kommen mit dem Slayer Reign In Blood Red auf ihre Kosten. Der Cabernet Sauvignon stammt, wie Araya & Co., aus Kalifornien — und passt hervorragend zum musikalischen Oeuvre der Herren.

(Hier für 9,59 Euro)

8. Rolling-Stones-Baumwollbeutel

Wie soll man eigentlich die ganzen Weihnachtsgeschenke nach Hause tragen? Am besten stilecht im Rolling-Stones-Baumwollbeutel mit dem ikonischen Zungen-Logo. Hier findet von exklusiven CDs und LPs bis zu T-Shirts und anderen Goodies so einiges Platz!

(Hier für 9,99 Euro)

9. Marshall Bluetooth Lautsprecher

Marshall LautsprecherKeine richtige Stereoanlage da? Kein Problem, mit der richtigen Bluetooth-Lautsprecherbox lässt sich auch ganz unkompliziert via Bluetooth gut Musik hören. Wer dabei nicht auf den klassischen Retro-Rocklook verzichten möchte, findet einige tolle Modelle von Marshall, zum Beispiel wie den Acton II. Der überzeugt mit druckvollem Sound und edlem Look!

(Hier für 199,99 Euro)

10. AKG Kopfhörer

Gute Kopfhörer sind für jeden Musikfan ein absolutes Muss — denn so lässt sich auch ohne sündteure Boxen Musik im hochwertigen Klang genießen. Die Auswahl an guten Kopfhörern ist groß, wir entscheiden uns an dieser Stelle für die AKG K-612, einfach weil sie gute Allrounder sind und auch fürs Studio taugen!

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11. Inhaler — It Won’t Always Be Like This (LP)

Im Februar 2022 veröffentlichen Inhaler ihr neues Studioalbum Cuts & Bruises. Die Wartezeit kann man aber auch mit ihrem Debüt It Won’t Always Be Like This überbrücken, das es im uDiscover Store als LP-Version gibt.

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12. Schallplatten-Reinigungsset

Natürlich muss die eigene Plattensammlung auch gepflegt werden. Um dem edlen Vinyl die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient, empfehlen wir ein Vinyl-Reinigungsset.

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13. Squier Jazzmaster Gitarre

Squier JazzmasterWer gerne E-Gitarre lernen möchte, muss keineswegs gleich zu teuren Marken greifen. Fender etwa hat mit seiner kostengünstigen Tochterfirma Squier einige fabelhafte Modelle im Sortiment, die sich wahrlich nicht vor deutlich teureren Gitarren nicht verstecken müssen. Etwa die 40th Anniversary Jazzmaster, die nicht nur toll aussieht, sondern auch exzellent klingt.

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14. Kreator-T-Shirt

Mal unter dem Weihnachtsbaum mit ein paar Metal-Motiven bei Oma und Opa anecken? Wir hätten da ein paar Ideen — beispielsweise dieses Shirt der deutschen Metallegenden Kreator.

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Großer Sale im uDiscover-Store: Die Empfehlungen der Redaktion

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Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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