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Popkultur

Die musikalische DNA von Tina Turner

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Manche sind gut, aber Tina Turner ist einfach die Beste – besser als all der Rest. Sagt beziehungsweise singt sie selbst, stimmt aber eben auch. Gerade weil sie sich mit „simply the best“ nicht selbst ansprach. Bescheidenheit ist schließlich auch eine Tugend. Seit 1958 ist die Sängerin im Geschäft und seitdem hat sich viel geändert, nicht nur im Musikbusiness oder der Weltgeschichte. Aus Anna Mae Bullock wurde Tina Turner, aus der Backgroundsängerin ein Weltstar, aus der Baptistin eine Buddhistin und aus der US-Amerikanerin schließlich eine Schweizerin. Eins aber ist sie geblieben, nachdem ihr dieser Titel das erste Mal verliehen wurde: die unbestrittene Queen of Rock’n’Roll und nebenbei ein grundsympathischer Mensch.

Hört hier in die Greatest Hits von Tina Turner rein:

Im Laufe ihrer Karriere sah sich Turner vielen Widrigkeiten ausgesetzt. Als schwarze Frau stand sie in den segregierten USA in der gesellschaftlichen Hackordnung ganz unten und fand mit Ike Turner einen Partner, der sich bald als herrischer Gewalttäter entpuppte. Das alles floss in ihre Musik ein und es hat sie zum Glück nur stärker gemacht. Ihrem Schicksal trat sie mit viel Talent und Willenskraft entgegen. Der Kampf sollte sich auszahlen: Kaum eine renommierte Würdigung, die ihr nicht zuteilwurde und mehr verkaufte Tonträger als die meisten anderen. Selbst ein stocksteifer konservativer Politiker wie George W. Bush lobte ihr „natürliches Können, die Energie und Sinnlichkeit“ ihrer Auftritte, konnte sich aber einen Kommentar über ihre Beine – „die berühmtesten im Show-Biz“ – nicht verkneifen.

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Doch bleiben wir beim Wesentlichen: Was macht Tina Turners Musik, die sich im Laufe von über 60 Jahren bisweilen entschieden verändert hat, so besonders? Diese Frage beantwortet uns ein Blick auf ihre musikalische DNA, die musikalische und bisweilen sogar übernatürliche Einflüsse in sich vereint.

1. Rev. Louis Overstreet – Walk With Me Lord

Tina Turner wurde im November 1939 geboren. Der Zweite Weltkrieg war auf dem europäischen Festland bereits im Gange und in den USA herrschten noch die Rassengesetze. Der schwarzen Bevölkerung war die gesellschaftliche, kulturelle und rechtliche Teilhabe an der Gesellschaft weitestgehend untersagt. Das betraf auch die Bildung. Wie viele ihrer Generation kam Anna Mae deswegen vor allem durch die Kirche an Musik heran und sang als Teil des Chors der Spring Hill Baptist Church in Nutbush, Tennessee ihre ersten Lieder.

Zu ihren Wurzeln kehrte Turner im Jahr 1974 zurück, als sie gemeinsam mit Ike das Album The Gospel According to Ike and Tina aufnahm. Darauf fanden sich viele klassische spirituelle Lieder, wie sie die Sängerin zum ersten Mal sonntags nach der Predigt zum Besten gegeben hatte, darunter auch Walk With Me (I Need You Lord to Be My Friend) beziehungsweise Walk With Me Lord, wie das Stück in anderen Adaptionen von unter anderem Reverend Louis Overstreet heißt. Die Nähe zum Blues-Sound, aus dem sich in den fünfziger Jahren der Rock’n‘Roll entwickelte, ist in seiner Version unüberhörbar.

2. Deva Premal & Miten with Manose – Nam Myoho Renge Kyo

Dass The Gospel According to Ike and Tina 1974 erschien, ist eigentlich eine Ironie der Musikgeschichte. Ein Jahr vorher nämlich noch begann sich Turner erstmals für die Lehren des Nichiren-Buddhismus zu interessieren. Denen zufolge ist die Erleuchtung übrigens schon im Diesseits und nicht wie in anderen Formen des Buddhismus oder im Falle der Erlösung im Christentum erst im Nachleben möglich. Eine kleine Abkürzung Richtung Seelenheil also? Vielleicht. Wer aber hätte es ihr verübeln können?

Mitte der siebziger Jahre verfiel Ike immer weiter dem Kokain und zeigte darüber mehr und mehr seine gewalttätige Seite. Es waren schwere Zeiten für Tina und das buddhistische Mantra Nam Myoho Renge Kyo, das typisch für den Nichiren-Buddhismus ist, half ihr beim Überstehen dieser Widrigkeiten. „Nam Myoho Renge Kyo ist wie ein Song. In der Soka Gakkai-Tradition wird uns gelehrt, wie er zu singen ist. Es ist ein Klang und ein Rhythmus, der dein Innerstes berührt. Dieser Ort, den wir zu erreichen versuchen, ist das Unbewusste. Ich denke, das ist der höchste Ort“, sagte Turner über die Bedeutung, welches das Stück für sie hat.

3. The Trojans – As Long As I Have You

Egal, was wir vom Nichiren-Buddhismus und seinem Mantra halten: Es war gut, dass Turner darin Kraft fand. Denn ausgerechnet der Mann, der ihrem Ruhm den Weg geebnet hatte, entpuppte sich als große Bedrohung für sie. Dabei hatte doch alles ganz anders angefangen. Mit 17 sah Turner zum ersten Mal die Kings of Rhythm mit ihrem Bandleader Ike. Ihren Beschreibungen zufolge versetzte sie die treibende Musik des Kollektivs geradezu in Trance. Als ihr der Drummer während einer Pause das Mikrofon reichte, zögerte sie deshalb nicht lange und wurde glatt zur Gastsängerin des Abends.

Der Rest ist Geschichte. Zuerst heuerte sie unter dem Namen Little Ann als Backgroundsängerin bei Ike an und übernahm im Studio das Mikro, als der The Trojans-Sänger Art Lassiter partout nicht auftauchen wollte. So sang sie an seiner Stelle A Fool in Love ein. Ein schicksalhaftes Fernbleiben, denn A Fool in Love machte den Labelbetreiber Juggy Murray auf die junge Künstlerin aufmerksam. Er überzeugte Ike, ihr mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Der erfand für sie die Fantasiefigur Tina, eine Rolle, die notfalls auch andere Sängerinnen spielen konnten. Seitdem aber gab es aber nur die eine Tina Turner und eine andere wird es nie geben. Der 1994 verstorbene Lassiter verhalf so Turner auf Umwegen zu ihrer Karriere und arbeitete noch manches Mal mit ihr. Wenn er es denn ins Studio schaffte, heißt das.

4. The Ronettes – Be My Baby

Neben den Trojans versammelte Lassiter noch eine andere Vokalgruppe um sich: Robbie Montgomery, Frances Hodges und Sandra Harding waren damals als The Artettes bekannt. Sie nahmen später unter Ikes Führung den Namen The Ikettes an – eine Gruppe, der Tina vorangestellt wurde. Damals gingen sie gemeinsam mit den Kings of Rhythm auf Tour und sorgten für eine Show, die manche mit denen von James Brown verglichen! Davon zeigte sich auch der Produzent Phil Spector angetan, der Ike und Tina 1965 in Los Angeles live sah und sie ins Studio einlud.

Unter den scharfen Ohren des „wall of sound“-Erfinders Spector nahm das Duo die Single River Deep – Mountain High auf, welche Spector bis heute zu einer seiner besten Produktionen zählt. Das Miteinander von Turners charismatischer Stimme und dem sinfonischen Sound des Stücks sorgte für den maximalen Effekt. Und genau um den ging es Spector! Vorgemacht hatte er das allerdings selbst mit Songs wie Be My Baby für die Ronettes, die inoffiziellen Namensgeberinnen für die Artettes beziehungsweise Ikettes. Mehr Bombast auf einer Aufnahme war damals nicht möglich. Spector blieb den Turners übrigens weiter treu: 1991 vertrat er sie sogar während der Zeremonie zu ihrer Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame.

5. Otis Redding – I’ve Been Loving You Too Long

Während Ike sich immer weiter in den Hintergrund verziehen musste, blühte Tina ab Ende der sechziger Jahre immer weiter auf. Nicht nur ein Nerd wie Spector, sondern auch die breite Masse begann langsam aber sicher, sich für sie zu begeistern. Als 1968 das Blues-infizierte Album Outta Season erschien, glänzte sie darauf mit Coverversionen von Albert Kings titelgebendem Stück und einer Otis Redding-Ballade.

Heute wirkt es nahezu ironisch, dass Turner damals die Worte I’ve Been Loving You Too Long in den Mund nahm. Denn das bahnbrechende Soul-Stück, das den Sound des Stax-Labels maßgeblich prägen sollte, wird aus der Perspektive eines Mannes gesungen. Dessen Geliebte ist seiner überdrüssig geworden und sehnt sich nach Freiheit. Nach ihrer Scheidung von Ike sagte Turner: „Mir gefiel meine Freiheit sehr, nachdem ich da raus war…“ She’d been loving im too long!

6. The Rolling Stones – Gimme Shelter

Das Redding-Stück wurde allerdings schon vor Turners Cover-Version neu aufgenommen und zwar von einer Band, die zu dieser Zeit für gehörigen Wirbel sorgte. Kaum war das Original 1965 erschienen, lieferten die Rolling Stones ihre eigene Interpretation des Stücks nach, drei Jahre vor den Turners. Da die Stones jedoch von ihrer Spector-Produktion River Deep – Mountain High begeistert waren, luden sie die Turner-Revue 1968 auf ihre England-Tour ein. Die schaute im Gegenzug vorbei, als die Stones 1969 durch die Staaten reisten.

Im legendären Konzertfilm Gimme Shelter aus dem Jahr 1970 ist auch tatsächlich eine Einstellung zu sehen, in der Ike & Tina I’ve Been Loving You Too Long aufführen. Seit dieser Zeit näherten sich die beiden auch immer weiter dem dominierenden Rock-Sound der Ära an. Nur wenig Jahre später spielte Tina sogar in der Verfilmung von The Whos Tommy mit, als drogensüchtige Sexarbeiterin, die den Protagonisten verführen möchte und den Song The Acid Queen singt. Das im Übrigen war auch der Titel ihres zweiten Solo-Albums, das wie der Film im Jahr 1975 erschien.

7. Elton John – The Bitch Is Back

Die Rolling Stones und The Who: Tina Turner umgab sich gerne mal mit den Größten ihres Fachs. Und warum auch nicht? Sie war eine erfahrene Performerin mit einer unverwechselbaren Stimme, die viele der rüpelhaften Kerls aus dem Rock-Zirkus jederzeit in die Tasche gesteckt hätte. Denn Turner hat seit jeher etwas an sich, das kein Rocker einfach so erlernen kann: Charisma und Präsenz. Die mitreißende Theatralik ihrer Live-Auftritte allerdings hat sie auf Ochsentouren quer durch die Welt – bis zu 90 Shows spielte die Turner-Revue bisweilen pro Jahr! – und zahlreichen TV-Auftritten verfeinert. Turner ist eine dieser seltenen Ausnahmefiguren: gleichzeitig Vollblutkünstlerin und Entertainerin.

Deswegen verwundert es kaum, dass Turner nach der Trennung von Ike in Las Vegas mit einer Kabarett-Show reüssierte und später den glamourösen Disco-Sound der Ära aufnahm. Als sie zwischendurch im Jahr 1978 ein Cover von Elton Johns parodistischem Song The Bitch Is Back aufnahm, kam zusammen, was zusammen gehörte: Der exzentrische Sänger war schließlich so eine Art britisches Gegenstück zu Turner. Immer wieder standen die beiden auf der Bühne und spielten das Stück sogar gelegentlich zusammen. Als sie 1999 beide gemeinsam mit Cher den Song Proud Mary bei den Divas Live ‘99 spielten, erlaubte sie sich allerdings einen Schnitzer: „Ich habe einen Fehler begangen, als ich ihm zeigen musste, wie Proud Mary gespielt wird“, gab sie in einem Interview zu. „Der Fehler war, dass du Elton John nicht erklärst, wie er sein Klavier zu spielen hat!“

8. James Brown & The Famous Flames – Please, Please, Please

John stürmte entrüstet von der Bühne und eine geplante gemeinsame Tour war damit vereitelt. „Er ist nicht wie Jagger oder andere Leute, die professionell genug sind, um einfach weiterzumachen“, erklärte Turner. „Er ist einfach sehr sensibel. Sehr. So sensibel.“ Aber Turner wäre nicht Turner, wenn sie mit cholerischen Paradiesvögeln nicht klar käme. Nicht umsonst wurde sie häufig als weibliches Pendant zu James Brown bezeichnet. Der nämlich mag zwar ebenso hitzköpfig gewesen sein – und teilte nebenbei mit Ike den Hang zur Gewalt – galt aber nicht ohne Grund als „the hardest working man in showbiz“.

Mit dem Werk Browns und seinen Bandleader-Qualitäten war Turner bestens vertraut. Ein aus dem Jahr 1964 erhaltenes Video zeigt sie gemeinsam mit Ike mit einem Cover von Please, Please, Please glänzen. Da bleibt nicht wenigen die Spucke weg und das überwiegend weibliche Publikum schreit noch lauter, als es bei einem durchschnittlichen Brown-Konzert der Fall war. Meisterhaft ist auch, wie Turner für einen kurzen Moment die Musik unterbricht: „Ich will euch etwas bitten“, sagt sie. „Falls hier jemand unter den Anwesenden mal verletzt wurde, soll er oder sie jetzt ‚I!‘ rufen.“ Der Rest geht in brüllendem Lärm unter. Vielleicht ist sie eben nicht nur die Queen of Rock’n‘Roll, sondern zugleich die Soul Sister Number One!

9. U2 – I Still Haven’t Found What I’m Looking For

Obwohl natürlich das Herz Turners nach wie vor für den Rock schlägt. Neben Abstechern in die Disco-Welt und einige Fettknäpfchen im Pop-Bereich – wir erinnern uns an das Duett mit Eros Ramazzoti! – suchte sie immer wieder die Nähe zu Rock-Bands. Nachdem sie am Film What’s Love Got to Do With It mitgearbeitet und auf eine längere US-Tour gegangen war, zog sich Turner ab 1993 wieder für eine Weile zurück und meldete erst zwei Jahre ihre Rückkehr auf fulminante Weise an: Sie durfte den Titelsong für den James Bond-Film GoldenEye singen, eines der ikonischsten Stücke der gesamten Bond-Geschichte.

Dafür arbeitete sie mit U2 zusammen, eine zuerst ungewöhnliche Kombination. Doch wusstet ihr, dass die irische Band schon mal Turners Private Dancer auf ihren Konzerten gecovert hat? Der Einfluss der Queen of Rock’n‘Roll lässt sich eben überall nachweisen. Umgekehrt konnte Turner einiges von Bono und seinen Kollegen mitnehmen und nicht zuletzt schrieb The Edge ihr den GoldenEye-Theme direkt auf den Leib. Doch lehnte diese zuerst ab. Erst ein handgeschriebener Brief von Bono und ein Besuch des Sängers gemeinsam mit The Edge bei ihr zuhause in der Schweiz konnten sie umstimmen. Zum Glück. Nicht nur Phil Spector, sondern auch die Iren wussten genau, wie sie Turner im Studio perfekt inszenieren konnten.

10. Beyoncé – Flawless

Eine musikalische DNA versammelt nie allein nur die reinen Einflüsse von bestimmten Bands und Artists, sondern nimmt zum Schluss auch immer in den Blick (oder: ins Ohr), wie deren Musik selbst stilprägend geworden ist. Keine leichte Aufgabe bei einer Ausnahmefigur wie Turner. Viel eher ließe sich nämlich aufzählen, wen sie mit ihrer abwechslungsreichen Musik nicht inspiriert hat. Ein wenig eingrenzen können wir es zumindest. Von Oprah Winfrey über Whitney Houston hin zu Kelis wurde sie vor allem von schwarzen Künstlerinnen als Idol genannt. Nur verständlich, hatte sie doch viel dazu beigetragen, dass schwarze Frauen im männerdominierten Rock-Zirkus mittlerweile ernst genommen werden.

Das Selbstvertrauen, mit der Turner vor allem in ihrer Anfangszeit die Bühnen regierte, ist nicht als selbstverständlich anzunehmen. Denn Turner hat hart für jedes Bisschen Respekt gekämpft und damit die Welt für sich gewonnen. Dass der vielleicht größte Pop-Star unserer Zeit sie zu ihren Vorbildern zählt, versteht sich da wie von selbst. Klar, wir reden von Beyoncé! Beide wuchsen in den Südstaaten auf, in denen Alltagsrassismus noch immer an der Tagesordnung stand, und schafften es mit viel Ellbogenfett an die Spitze der Musikwelt. Ein Song wie Flawless von Beyoncés selbstbetitelten Album, der dank seines Chimamanda Ngozi Adichie-Samples zugleich ein feministisches Manifest ist, steht eindeutig in der Tradition einer Tina Turner!

Zeitsprung: Am 26.11.1939 wird Tina Turner geboren

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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