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Popkultur

„Er konnte dort machen, was er wollte“: Freddie Mercurys München-Jahre

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Freddie Mercury
Foto: Peter Röshler © Mercury Songs Ltd

Ein paar der größten Momente seines Lebens erlebte Freddie Mercury in der bayerischen Landeshauptstadt: In München sollte er sein gefeiertes Soloalbum Mr. Bad Guy aufnehmen. Und hier sollte er, nur wenige Monate nach dem triumphalen Live-Aid-Auftritt von Queen, jene berüchtigte Party zu seinem 39. Geburtstag veranstalten. Die Stadt war für ihn überhaupt ein Ort, an dem er sich lockermachen und viel Zeit mit Freunden verbringen konnte. Er spielte mit ihnen Tischtennis, besuchte die Biergärten, tauchte ein in die deutsche Feierkultur…

von Martin Chilton

Hier könnt ihr Mr. Bad Guy hören:

„Er konnte machen, was er wollte“

Hatte er mit Queen der Stadt München schon in den späten Siebzigern einen ersten Besuch abgestattet, kam er in den Achtzigern allein zurück – um eine Weile in Bayern zu leben. Peter Freestone, besser bekannt als „Phoebe“, war von 1979 bis zum Tod des Sängers im Jahr 1991 persönlicher Assistent an der Seite von Mercury. Er kann dementsprechend viel über die München-Jahre berichten. Eine Zeit, mit der er bis heute viele tolle Erinnerungen verbindet.

„Ich glaube, es gab da ein Gefühl der Freiheit in München, das Freddie in London so einfach nicht finden konnte“, kommentiert der aus Surrey stammende Freestone, den wir telefonisch in seiner neuen Wahlheimat Tschechien erreichen.

„Freddie fühlte wohl, dass er dort machen konnte, was er wollte. Er hatte Freunde in der Stadt, die ihm sehr nahestanden und ihn gewissermaßen abschotteten, so dass er hingehen konnte, wo er wollte; auch konnte er tun, was er wollte, ohne damit gleich im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Ein weiterer Grund, weshalb er so viel Zeit in München verbrachte, war die Renovierung der Garden Lodge, seines Londoner Hauses. Er hatte es 1980 gekauft, und dann dauerte es noch mal fünf Jahre, bis alles zu seiner Zufriedenheit renoviert war. Sich außerhalb von England aufzuhalten bedeutete somit auch: diese ganze Angelegenheit nicht immer im Kopf haben zu müssen. Er bekam stattdessen Berichte über den Stand der Sanierung. Damit konnte er viel besser leben.“

„Seine ‘normale’ Kleidung war dann das Kostüm“

In der süddeutschen Metropole angekommen, ließ Mercury die ausgelassene, dem Feiern bekanntermaßen nicht abgeneigte Art der Münchner schnell auf sich wirken. Auch er war bald Stammgast der großen Biergärten, wo er sich zum Beispiel mit seinem Toningenieur Reinhold Mack traf. Ganz besonders angetan war der Queen-Sänger vom Fasching in München.

„Ja, da kam es vor, dass Freddie am Donnerstagabend loslegte… und dann erst am Dienstagmorgen in der Woche drauf wieder im Bett landete. Er hat sich richtig gut amüsiert“, weiß der heute 64-jährige Freestone zu berichten. „Für alle anderen war die Faschingszeit eine Gelegenheit, sich ein wenig zu verkleiden. Aber Freddie ging ehrlich gesagt in seinen ‘normalen’ Klamotten… und die ganzen Lederhosen und so wurden somit zu einer Verkleidung. Ganz München war auf den Beinen, alle feierten dieses eine Wochenende durch. Am Schluss dieser Feierzeit ging er dann immer auf den Alten Markt, wo es stets rammelvoll war. Die Leute feierten dort nämlich immer noch weiter, an jeder Ecke gab es diese großartigen Snacks, die man nach so einer langen Nacht brauchte.“

„…aber Freddie ging ehrlich gesagt in seinen ‘normalen’ Klamotten, und die ganzen Lederhosen und wurden somit zu einer Verkleidung.“ Foto: Queen Productions Ltd

Die lokalen Spezialitäten waren nichts für Freddie

Es gab jedoch auch lokale Spezialitäten, die Mercury, der bekanntermaßen nie mehr als ein paar Stunden Schlaf brauchte, keineswegs zusagten: „Überhaupt mochte er viele Gerichte nicht“, so Freestone.

„Er war halt ein Mensch, der isst, um leben zu können, anstatt sein Leben dem Essen zu widmen. Er war ungeschlagener Meister darin, einen vor ihn abgestellten Teller so zu bearbeiten, die Speisen so umzugestalten und hin und her zu bewegen, bis es tatsächlich so aussah, als hätte er richtig zugeschlagen. In der bayerischen Küche spielen Schweinefleisch und gebratene Ente eine große Rolle. Und diese Mischung war natürlich viel zu schwere Kost für ihn. Die Knödel betrachtete er eher als Fußbälle, nicht als Nahrungsmittel. Er sagte dann, dass er nie im Leben ‘so einen riesigen Talgball’ essen könne. Er schaute die Knödel dann einfach an, und in seinem Blick lag fast schon so etwas wie Verachtung.“

10 Solo-Songs von Freddie Mercury, die jeder Fan kennen muss

Laut Freestone habe Mercury zwar schon ein paar einfache Begrüßungsformeln draufgehabt, doch sonderlich viel Deutsch habe er während dieser Zeit nicht gelernt. Im Scherz bestätigte der Sänger diese Aussage einmal gegenüber einem Interviewer; er kenne „ja doch nur die Schimpfwörter – wie Arschlecker zum Beispiel.“

„Elton und Freddie waren sehr gute Freunde“

Auf seinen Streifzügen durch München sei Mercury nie allein gewesen, sondern immer in Begleitung von Freunden, wie Freestone weiter berichtet. Doch 1984 ereignete sich ein Unfall während einer Partynacht: Der Queen-Sänger zog sich dabei eine Knieverletzung zu, woraufhin das komplette Bein, vom Schenkel bis zum Knöchel, eingegipst werden musste. Krücken habe Mercury trotzdem nie gebraucht, weil er sich zu der Zeit so oder so überall hinfahren ließ, und die meiste Zeit also liegend auf der Rückbank des Wagens verbrachte.

So fuhren der verletzte Sänger und sein Assistent im Mai des Jahres auch in die Olympiahalle, um sich dort ein Konzert von Elton John anzuschauen. „Elton und Freddie waren sehr gute Freunde, aber sie konnten sich nur sehr selten sehen, weil ihre Konzertpläne das einfach nicht zuließen“, so Freestone. „Freddie nahm gerade Mr. Bad Guy auf, als Elton seinen Auftritt in der Stadt hatte. Also wurde arrangiert, dass Freddie und ich zur Show fahren. Unsere Sitze bekamen wir auf der Seite der Bühne.“

Elton Johns Kosename für Mercury lautete „Melena“ – der Queen-Sänger rief den Rocket Man „Sharon“ –, und Freestone muss lachen, wenn er an Geschehnisse jenes Münchner Konzertabends zurückdenkt. „Es war einfach wundervoll: Elton betrat die Bühne und sagte ‘Dieses Stück ist für Melena, die arme Kuh’. Und dann spielte er eine sehr schwungvolle Version von I’m Still Standing. Freddie beugte sich zu mir rüber und flüsterte nur einen Satz: ‘Ich werde sie dafür umbringen.’“

Freddie lachte für sein Leben gern

Zweifellos vermisst Freestone seinen alten Freund bis heute: „Freddie hatte diesen unglaublich trockenen, englischen Sinn für Humor“, verrät er. „Er konnte nicht besonders viel damit anfangen, wenn sich Leute hinstellten und fünf Minuten ausholen mussten, um dann zu einer 10-Sekunden-Pointe zu kommen. Das wollte er nicht hören, das war nicht sein Humor. Stattdessen konnte er aus so ziemlich jeder erdenklichen Situation etwas Witziges herausholen. Er lachte für sein Leben gern.”

„In Interviews konnte man häufig beobachten, wie er versuchte, seine Zähne mit der Oberlippe zu verstecken,” so Freestone. „Und wenn er richtig lachen musste, nahm er die Hand davor und verdeckte den ganzen Mund. Zu Hause jedoch gab es keinen Grund, sich Gedanken über seine Zähne zu machen: Hier warf er einfach den Kopf in den Nacken und lachte und lachte und lachte. Jedes Mal, wenn jemand den Namen Freddie Mercury in meiner Gegenwart erwähnt, sehe ich dieses Bild: Freddie, wie er zu Hause lacht. Ich hatte wahnsinniges Glück.“

Peter „Phoebe“ Freestone im Backstage-Bereich. Foto: Neal Preston © Queen Productions Ltd

„Das war eine der krassesten Partys, die ich je mitgemacht habe“

Einer der wohl extravagantesten Höhepunkte der München-Jahre war die legendäre Geburtstagsparty, die Mercury am Donnerstag, den 5. September 1985 in der Travestiebar Old Mrs. Henderson feierte. Auf der Einladung hatten die Gäste klare Anweisungen bekommen: „Bitte in schwarz-weißem Drag-Outfit erscheinen“, hieß es da. Tatsächlich gab es reichlich schwarz-weißen Fummel, viele Drogen und sogar Pferdekutschen zu bewundern an diesem Abend der ultimativen Ausschweifungen.

„Ja, manch einer behauptet, ich sei damals auch dabei gewesen“, lacht Freestone. „Alles war schwarz-weiß… und auf der Einladung stand ja zudem, dass man als Transvestit kommen sollte. Freddie kleidete sich als Mann; er trug dasselbe Outfit wie beim Fashion-Aid-Konzert. Er war also kostümiert. Das war ganz klar eine der wildesten und krassesten Partys, die ich je besuchen durfte. Ich glaube auch nicht, dass es danach noch eine vergleichbar exzessive Party gab.“

Obwohl er mit jenem rauschenden Geburtstagsfest postwendend für Schlagzeilen sorgen sollte, wäre es doch falsch, Mercury als reinen Hedonisten zu bezeichnen: „Freddie war das exakte Gegenteil von dem, was man sich unter einem ‘verrückten Rockstar’ vorstellt“, gibt sein Assistent zu bedenken. „Man denke mal an seine Sammlungen, die ganze Kunst, die Antiquitäten. Eine seiner größten Leidenschaften war sein Haus, Garden Lodge in London, und er liebte es, neue Schätze in dieses Haus zu stellen – ganz egal, ob’s nun ein weiteres Kunstwerk oder ein betagtes Möbelstück war. Er liebte die schönen Dinge.“

„In München gab es viel mehr Ablenkungen“

Zwar bestand die Zeit in München nicht bloß aus Partys und nächtlichen Exzessen, doch räumt auch Freestone ein, dass der Gedanke, sich eventuell doch noch ein weiteres Mal mit den Freunden zu amüsieren, manchmal einfach zu verlockend war. „Bis sein Soloalbum Mr. Bad Guy dann endlich im Kasten war, vergingen zwei ganze Jahre… eine der längsten Aufnahmephasen, die ich miterlebt habe“, erinnert er sich.

„So ein Studiotag begann für Freddie um zwei Uhr nachmittags. Einen Sänger vorher ins Studio zu bestellen, ist so oder so sinnlos, weil die Stimmbänder morgens noch nicht richtig warm sind. Bei den Aufnahmen von Queen saß Freddie viel am Klavier und feilte da an den Songideen. Aber in München, wo er so viele Freunde hatte, kamen wir im Studio an und schon um vier ging dann womöglich das Telefon. Irgendein Freund: ‘Oh, Freddie, mir ist so langweilig. Komm schon, lass uns ausgehen.’ Also beendeten wir die Arbeit schnell und zogen wieder los. In München gab es viel mehr Ablenkungen. Dazu kam, dass es bei Queen ja vier Leute zu verantworten hatten, dass die Arbeit erledigt wird… München hingegen war nur Freddie: Er konnte es einfach machen, wenn es gerade reinpasste. Mit dem fertigen Album war er aber absolut happy.“

Keine Lederhosen für den Fashion-Vordenker

Mercurys absoluter Lieblingsort in der Stadt sei laut Freestone „die wunderbare Suite und Wohnung, die er im ‘Stollberg Plaza’ hatte“, gewesen, „die ja genau im Zentrum von München lag. Er hat seine Zeit in Deutschland sehr genossen.“

Ob der Fashion-Vordenker jemals traditionelle Lederhosen anhatte? „Oh nein, Freddie hat sich über genügend Leute lustig gemacht, die damit herumliefen. Aber selbst getragen hat er sie ganz sicher nicht“, sagt Freestone zum Abschluss. „Dabei hat er wohl auch das eine oder andere Bein eines Trägers bewundert.“

Verschlafenes Familienporträt mit Katze – Fotos der letzten Jahre von Freddie Mercury und seinem Partner Jim Hutton

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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Popkultur

Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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