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Popkultur

Freddie Mercury: 10 überraschende Wahrheiten über den Queen-Mastermind

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Freddie Mercury
Foto: Peter Röshler © Mercury Songs Ltd

Natürlich weiß jedes Kind, dass Freddie Mercury ein Ausnahmemusiker war. Ein grandioser Songwriter, ein umwerfender Performer, der schillernde Kopf von Queen, einer der größten Bands aller Zeiten. Dabei gibt es auch weniger bekannte Fakten über den Musiker, der am 05. September 1946 in Sansibar-Stadt als Farrokh Bulsara zur Welt kam. Hier sind zehn überraschende Fakten über Mr. Mercury – gewürzt mit Anekdoten und Kommentaren in seinem unverkennbaren Stil…

von Martin Chilton

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Freddie Mercury anhören:

1: Freddie Mercury war ein begnadeter Boxer

Freddie Mercury glänzte, als er in Indien noch zur Schule ging, unter anderem an der Tischtennisplatte. Auch Tennis spielte er gelegentlich, meistens in den Ferien, und verfolgte zudem das Geschehen in Wimbledon. Auch Rugby-Spiele schaute er sich an, konnte mit Fußball und Cricket aber überhaupt gar nichts anfangen.

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„Cricket und Langstreckenlauf habe ich gehasst; ich war auch eine absolute Null in beiden Bereichen. Aber sprinten konnte ich. Und dann war ich ganz gut im Hockey und einfach brillant im Boxring“, sagte er einst.

Zeitsprung: Der große Freddie Mercury stirbt am 24.11.1991 – Rest in peace!

2: Er rettete die Tennisspielerin Billie Jean King

Mercury „liebte“ erklärtermaßen die Nightclubs in New York City, und so landete er irgendwann auch zum ersten Mal in einer Disco in Brooklyn namens The Gilded Grape – obwohl es dort alles andere als ungefährlich sein sollte.

„Ich hatte gehört, wie aufregend der Laden sein sollte, und trotzdem rieten mir alle von einem Besuch ab… oder zumindest sollte ich dort besser mit einem kugelsicheren Auto aufkreuzen“, so Mercury. „Es kamen Warnungen von allen Seiten, was meinen Entschluss, den Laden zu besuchen, natürlich nur festigte. Kurz nach unserer Ankunft brach dann auch schon die erste große Schlägerei aus und schwappte bis zu unserem Tisch herüber: Stühle gingen in die Brüche, die Fäuste flogen, alles war voller Blut. Billie Jean King war wie gelähmt, aber ich fand’s super! Ich sagte ihr, sie müsse sich keine Sorgen machen, und während das Prügeln weiterging, nahm ich sie und ging mit ihr auf die Tanzfläche. Das Ganze war viel lustiger als ein ruhiges Dinner in meinem Hotel.“


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3: Sein Kleidungsstil kam bei den Eltern nicht so gut an

Während seines Studiums am Ealing Art College begann Freddie Mercury damit, mit unterschiedlichen Looks zu experimentieren – was zu Hause alles andere als gut ankam.

„Meine Eltern waren ganz außer sich, als ich ihnen von meinen Plänen erzählte“, erinnert er sich in Freddie Mercury: A Life, In His Own Words (Mercury Songs Ltd). „Ich kam regelmäßig nach Hause und stand dann in diesen ausgefallenen Klamotten vor ihnen, mit schwarz lackierten Fingernägeln… was meine Mutter echt zum Ausrasten brachte. Sie sagten dann immer: ‘Guter Gott, sorg bloß dafür, dass dich die Nachbarn so nicht zu sehen bekommen. Komm schnell zurück ins Haus und geh durch die Hintertür!’“

Foto: Simon Fowler © Mercury Songs Ltd.

4: Besonders viel Schlaf brauchte er nicht…

Auch wenn das Leben als Musiker und die vielen Partys gewiss recht anstrengend und aufreibend waren, sagte Mercury von sich selbst, dass er auch mit sehr wenig Schlaf überleben könnte. „Ich kann lange Phasen ohne Schlaf auskommen, das ist nun mal meine Veranlagung. Zwei oder drei Stunden pro Nacht, das genügt schon. Keine Ahnung, woran das liegt, aber es ist so. Die meisten Leute verstehen auch nicht, wie ich Entspannung finde – indem ich vielleicht 20 Minuten im Flugzeug schlafe. Das reicht. Die Batterien sind dann schon wieder voll.“

5: … aber schlimme Träume verfolgten ihn trotzdem

„Ich habe wirklich oft grausame Albträume, so zum Beispiel in der Nacht vor unserem Konzert im Rainbow Theatre (1974). Wir übernachteten im Holiday Inn, und in meinem Traum ging ich dann raus auf den Balkon und das gesamte Ding brach ab, so dass ich unten in einem Haufen auf dem Bürgersteig lag. Als ich aufwachte, war ich vor Schreck wie gelähmt“, sagte Mercury.

6: Er hat selbst Punkern die Stirn geboten

Als Queen im Jahr 1977 Teile ihres News Of The World-Albums aufnahmen, befanden sich zwei Mitglieder der Sex Pistols im Studio nebenan. „Muss man sich mal vorstellen: wir und diese ganze Punk- und Anti-Establishment-Bewegung unter einem Dach“, kommentierte der Sänger später. „Immerhin gelang es mir, Johnny Rotten und Sid Vicious einen unserer Songs vorzuspielen. Ich machte ihnen das Angebot, auf einem ihrer Songs zu singen, wenn sie bei einem von uns mitmachen würden – und da hättest du mal ihre Gesichter sehen sollen! ‘Wir können doch nicht mit Freddie Mercury singen!’ Dabei darf man nicht vergessen, dass ich damals in Ballerinas rumlief. War eine lustige Begegnung. Ich hab Sid dann ‘Simon Ferocious’ oder so genannt, was gar nicht gut bei ihm ankam. Er hatte so viele Narben, dass ich ihn fragte, ob er sich vor dem Spiegel gekratzt hätte, und er fand es grausam, dass ich so mit ihm redete…“

7: Ihm wurde eine Broadway-Hauptrolle angeboten

Mercury liebte das Theater, Ballett und die Oper – trotzdem hatte er keinerlei Ambitionen in diese Richtung. „So eine Theaterspielzeit könnte ich niemals aushalten“, sagte er einst. „Einmal wurde mir sogar eine Rolle am Broadway angeboten: La Bohème mit Linda Ronstadt! Ihr macht Scherze, dachte ich! Die glaubten wirklich, dass ich so opernhaft singen könnte. Ich dachte nur: So etwas wie eine Nachmittagsvorstellung geht schon mal gar nicht für mich. Und dann könnte ich niemals sechs oder sieben Tage die Woche auf derselben Bühne stehen – ich würde sterben vor Langeweile.“

8: Am liebsten sang er nackt

Freddie Mercury hatte immer wieder mit Stimmbandproblemen zu kämpfen. Ein Gegenmittel, auf das er schließlich stieß, war… das Singen ohne Kleider. „Ich muss meinen Rotweinkonsum einschränken, wegen der Knötchen in meinem Hals. Zum Aufwärmen mache ich immer meine ‘Pseudo-Opernnummer’: Ich bin dabei nackt, was der Sache etwas mehr Würze gibt. Angezogen funktioniert das nicht. Ich war bei vielen Halsspezialisten, wahrscheinlich sogar bei allen, die es gibt, und da bekommt man immer dieselbe Antwort: Pause machen, Tour absagen. Oder halt operieren lassen. Ich hätte das mit der OP auch fast gemacht, aber mir gefiel nicht, wie der Doktor aussah. Und ein bisschen beunruhigend fand ich auch die Idee, dass man mir seltsame Instrumente in den Hals stecken würde.“

Verschlafenes Familienporträt mit Katze – Fotos der letzten Jahre von Freddie Mercury und seinem Partner Jim Hutton

9: Er war ein „teuflisch-guter“ Scrabble-Spieler

Er sei „zufrieden“ mit den Gesangsaufnahmen des Innuendo-Albums (1991), kommentierte Mercury einmal, und fügte hinzu: „Das Wort ‘Innuendo’ benutze ich häufig beim Scrabble – da bin ich ein echtes Tier, teuflisch-gut! Ein perfekter Titel für Queen.“

10: Er hätte beinahe eine Supergroup mit Elton John und Rod Stewart gegründet

„Rod Stewart, Elton John und ich hatten eigentlich mal vor, eine Band namens Hair, Nose And Teeth zu gründen, nachdem wir… nun ja, wir hatten viel Wein getrunken, darüber gesprochen und gesagt, ‘Ja, das machen wir!’ Nur wenn man dann am Tag drauf wieder nüchtern ist und Elton plötzlich sagt, ‘Ich will nicht mit Rod singen’, und Rod sagt, ‘Ich kann nicht mit Freddie singen“, und ich sage, ‘Nun, ich hab keine Lust, mit Elton zu singen!’, dann weiß man auch, dass daraus wohl nie etwas werden wird.“

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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