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Popkultur

Freddie Mercury in Bildern: Sein Leben und seine wichtigsten Looks

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Freddie Mercury
Foto: Queen Productions Ltd

Bekannt für seine extravaganten Looks und seine eindrucksvolle Bühnenpräsenz, gilt Freddie Mercury längst als einer der größten Entertainer des 20. Jahrhunderts. Die folgende Bildergalerie zeichnet chronologisch nach, wie aus dem eher schüchternen Teenager die ultimative Rock-Ikone werden konnte: Ein Superstar, in dessen Garderobe man ein paar der legendärsten Bühnenoutfits aller Zeiten finden konnte…

von Martin Chilton

Hier könnt ihr euch die besten Songs von Freddie Mercury anhören:

Der schüchterne Youngster

Auch wenn sich der eher introvertierte Junge namens Farrokh Bulsara schließlich in den globalen Superstar Freddie Mercury verwandeln sollte, vergaß der Sänger nie sein früheres, eher zurückhaltendes Ich, das sich während des Heranwachsens mit den üblichen Unsicherheiten herumgeschlagen hatte. „Unter alldem bin ich ja immer noch ziemlich schüchtern“, gestand er einmal. „Kaum jemand weiß, wie ich in Wirklichkeit bin. Ich mag auch nicht, wie meine Zähne vorstehen.“

Photo courtesy of Kashmira Bulsara

Der Klavierschüler

Während der Internatszeit wurde die Musik zu einem wichtigen Ventil für Mercury – was schließlich sein ganzes Leben verändern sollte. „Ich hatte Klavierstunden in der Schule, und mir machte das richtig Spaß. Dabei war’s ehrlich gesagt die Idee meiner Mutter gewesen“, so Mercury. „Sie sorgte dafür, dass ich weitermachte und es bis zum vierten Prüfungsgrad in Praxis und Theorie schaffte. Anfangs machte ich tatsächlich nur weiter, weil es ihr so wichtig war, aber dann fing ich selbst Feuer, mir gefiel das Spielen immer besser. Eigentlich spiele ich immer nach Gehör, weil ich gar nicht vom Blatt spielen kann. Singen mochte ich schon immer. Früher habe ich viele Sachen mitgesungen, und so entwickelte sich das alles…“

Photo courtesy of Kashmira Bulsara

Die Kunsthochschule

Auch wenn Freddie Mercury schon kurz nach seinem Abschluss am Ealing Art College wusste, dass eine Karriere als Grafikdesigner nicht der richtige Weg für ihn war, sollte sich der künstlerische Background später als vorteilhaft für seine Musikerlaufbahn entpuppen. „Auf der Kunsthochschule lernt man unter anderem, wie wichtig es ist, modebewusst zu sein. Immer einen Schritt voraus zu sein“, so Mercury, der immer wieder betont hat, wie wichtig das Erscheinungsbild und ihr Look waren, als er zusammen mit Brian May, Roger Taylor und John Deacon in den frühen Siebzigern Queen gründete. „Das Kernkonzept der Band bestand darin, majestätisch und imposant aufzutreten. Glamour war ein Teil von uns, und wir wollten uns wie Dandys geben. Wir wollten die Leute schockieren, etwas Haarsträubendes machen.“

Photo courtesy of Kashmira Bulsara

Der weiße „Hochzeitskleid-Umhang“

Mercury sagte klipp und klar, dass „Queen nie andere imitiert haben“, was ihre Looks anging, und auch ihr Hang zum Glam-Rock war von Anfang an kaum zu übersehen. Der Sänger hatte zuvor mit seiner Freundin Mary Austin einen kleinen Mode-Shop im Kensington Market betrieben, und so war sein Modegeschmack nicht nur sehr ausgeprägt, sondern auch klar definiert. 1974 traf er sich dann mit der Designerin Zandra Rhodes, deren Entwürfe ihn zu der Zeit faszinierten: Allen voran ein Umhang aus schwerer elfenbeinfarbener Seide, der mit einem bestickten Leibchen und überdimensionalen Ärmeln ausgestattet war. „Eigentlich war’s das Oberteil von einem Hochzeitskleid, das ich entworfen hatte“, kommentierte Rhodes später. Darauf basierend schuf sie das weiße Satin-Bühnenoutfit, das Mercury in jenem Jahr tragen sollte. Fast ein halbes Jahrhundert später schuf Rhodes ein zweites Exemplar von diesem Outfit: Für den Kinofilm Bohemian Rhapsody, in dem Rami Malek das außergewöhnliche Stück tragen durfte.

Foto: Queen Productions Ltd

Fernöstliche Looks

„Ich habe es jedes Mal geliebt, in Japan auf Tour zu sein – besonders die ganzen Geisha-Mädels da… und die Geisha-Jungs. Ich liebe es dort einfach: Die Lebensweise, die Menschen, die Kunst“, sagte Mercury. Als Queen 1976 im Nippon Budokan in Tokio auftraten, präsentierte sich der Frontmann in einem traditionellen Kimono.

Foto: Queen Productions Ltd

Der Kurze-Hosen-Look

Freddie Mercury war nie der Typ, der sich selbst zu ernst genommen hätte. Erkennbar unter anderem in einem Look von 1976: rotweiß gestreifte, hautenge Shorts, die von passenden Hosenträgern gehalten wurden. „Wenn es eine Sache gibt, die mich immer weitermachen lässt, dann folgendes: Dass ich mich gerne über mich selbst lustig mache. Wären wir hingegen eine Band, die politische Ansagen macht, würde ich anders damit umgehen. Aber so kann ich lächerliche Shorts auf der Bühne tragen und das alles ruhig ein bisschen übertreiben“, so Mercury.

Foto: Queen Productions Ltd

Der Pailletten-Jumpsuit

Der Ganzkörper-Bodysuit wurde in den Siebzigern gewissermaßen zum Markenzeichen des Sängers – inklusive einem Modell im schwarzweißen Harlekin-Look, das dermaßen weit ausgeschnitten war, dass man seine gesamte Brust sehen konnte. Noch bekannter ist nur der ärmellose Bodysuit aus silbernen Pailletten. Der langärmlige Turnanzug tauchte erstmals während der Europatournee im Mai 1977 auf, während die rote Kurzbein-Variante im April des Folgejahres auf weiteren europäischen Bühnen zu sehen war. Doch gerade der silberne Paillettenanzug (in Kombination mit einer Maske) zeigte, wie ausgeprägt Mercurys Hang zur Theatralik war – was die Fans auch Abend für Abend live auf der Bühne erleben konnten. 1979 übernahm er daher auch die Hauptrolle in einer Zusammenarbeit mit dem Royal Ballet.

Lady Gaga, die bekanntermaßen auch selbst gerne in paillettenbesetzten Jumpsuits auftritt, zählt Queen ganz klar zu ihren größten Vorbildern: Sie habe diese Band „absolut verehrt“, sagte sie einst. Auch mit den ikonischen Looks von Mr. Mercury habe sie sich intensiv befasst. Einmal sagte Gaga sogar, sie hoffe, „dass Freddie Mercury mich toll gefunden hätte“.

Foto: Queen Productions Ltd

Der gestreifte Ballettanzug

Ein ähnlich großer Fan von Queen ist auch Justin Hawkins von The Darkness: Er ließ sich sogar die Gesichter der Bandmitglieder auf seine Hände tätowieren. Um sich vor den legendären Looks seines Vorbilds zu verneigen, ist auch Hawkins schon mal in einem Outfit aufgetreten, das man, wenn auch noch enger anliegend, ganz ähnlich von Mercury kennt: den gestreiften, hautengen Ballettanzug. „Was ihr hier zu sehen bekommt, ist auch eigentlich gar kein Konzert“, sagte Mercury einmal über die Shows von Queen. „Es ist eine Fashion-Show.“

Foto: Queen Productions Ltd

Die Lederphase

In den späten Siebzigern trug Mercury dann häufig Leder, beispielsweise rote Lederhosen. Sein wohl berühmtestes Lederoutfit stammt aus einem Video, mit dem seine Band die britische TV-Serie Coronation Street parodierte. Als Frau verkleidet – schwarzer Lederminirock, Netzstrümpfe, pinkfarbene Ohrringe, schwarze Kurzhaarperücke, dazu ein Strickoberteil (pink) und Heels –, konnte man dem schnauzbärtigen Mercury beim Staubsaugen zusehen. Im Jahr 1984 waren derartige Bilder, mit denen Queen ihre Single I Want To Break Free präsentierten, locker ausreichend, um eine kontroverse Diskussion auszulösen. „Das Image, das ich da rüberbringe, ist keineswegs geplant oder so; es ist einfach etwas, das sich mit den Jahren so entwickelt hat“, sagte Mercury. „So bin, so lebe ich nun mal. Es ist echt, also kein bisschen gewollt. Für mich fühlt es sich wie ein ganz natürlicher Teil meines Lebens an. Ich lege es nicht drauf an, etwas Kontroverses zu machen, überhaupt nicht! Aber was viele Menschen ungeheuerlich finden, ist für mich ehrlich gesagt ziemlich normal.“

Foto: Queen Productions Ltd

Fast schon casual beim Live Aid-Konzert

Als Mercury schließlich die ganze Welt mit seiner Performance beim Live Aid-Konzert verblüffte, sah er wiederum ganz anders aus: Die langen Haare, die man aus den Siebzigern kannte, waren längst Geschichte. Jetzt war es das trägerlose weiße Shirt – dazu weiße Jeans, ein besetzter Gürtel, ein metallischer Armreif. Das war der neue Style, mit dem er das alte Wembley-Stadion binnen weniger Minuten zum Kochen brachte.

Foto: Queen Productions Ltd

Die gelbe Militärjacke

Das grelle Gelb seiner im Stil einer Militäruniform gehaltenen Jacke, ausgestattet mit reichlich goldenen Schnallen, Ösen und Zierstreifen, war erstmals während der Magic Tour im Jahr 1986 zu bewundern, in deren Rahmen Queen abermals im Wembley-Stadion vorbeischauten. Verantwortlich für das gute Stück war die befreundete Kostümdesignerin Diana Moseley, die sich wiederum von Opernkostümen aus Spanien hatte inspirieren lassen. Freddie Mercury trug dazu weiße Hosen mit zwei roten Streifen, zwischen denen noch ein goldenes Band verlief. „Ich donnere mich schon richtig auf, aber mit Stil“, so Freddie.

Foto: Queen Productions Ltd

Ohne Bart: The Great Pretender

In den späteren Achtzigern wurde Mercury auch als Solokünstler aktiv. Während er mit Mr. Bad Guy ein musikalisches Zeichen im Alleingang setzte, bewies der Sänger obendrein, dass er nach wie vor am liebsten über sich selbst lachte: Im Video zur Single The Great Pretender – zu Deutsch etwa: Der große Heuchler – parodierte er 1987 gleich eine ganze Reihe von Looks und Styles aus den unterschiedlichen Phasen mit Queen. Die Regie führte David Mallet, und auffällig war auch: Mercury war hier ausnahmsweise glattrasiert.

Foto: Mercury Songs Ltd

Freddie ganz formal

In den letzten Jahren vor seinem Tod floss seine ganze kreative Energie in musikalische Neuerungen – zu hören unter anderem im grandiosen Duett mit der erst 2018 verstorbenen Opernlegende Montserrat Caballé. Während der Arbeit mit der spanischen Sängerin zeigte Mercury sich in einem stylischen Smoking, inklusive schwarzer Fliege. Für ihn sei es überhaupt das erste Mal, dass er in derart formaler Kleidung auftrete, so Mercury. Tatsächlich hatte er sich damit ganz schön weit entfernt von den engen Shorts, den Lederhosen und Jumpsuits aus den Anfangstagen seiner Karriere.

Foto: Mercury Songs Ltd

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„Ich fühlte mich Freddie wirklich verbunden“: Künstler Jack Coulter über die Arbeit an seinem „Mr. Bad Guy“-Gemälde

Popkultur

Zeitsprung: Am 2.12.1969 nehmen die Rolling Stones drei Klassiker auf.

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Foto: Stroud/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.12.1969.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 02. Dezember 1969 verschlägt es die Rolling Stones auf ihrer US-Tour in die Muscle Shoals Sound Studios nach Alabama. Die drei Songs, die sie dort in nur drei Tagen aufnehmen, fangen nicht nur perfekt den Country-, Blues- und Roots-Vibe des amerikanischen Südens ein, sondern bilden auch den ersten Grundstock an künftigen Klassikern für das im April 1971 veröffentlichte Album Sticky Fingers

Hier könnt ihr euch Sticky Fingers anhören:

Dass die Stones ein ausgemachtes Faible für die musikalische Ursuppe der USA hegen und somit eine große Liebe zu (Rhythm and) Blues, Country und Soul verspüren, hatten sie bereits auf Platten wie Beggars Banquet  (1968) und Let It Bleed (1969) mit ihrer Adaption des Ami-Sounds eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb wäre es unverzeihlich gewesen, ein paar freie Tage während der US-Tour Ende 1969 nicht zu nutzen, um in den heiligen Hallen des Muscle Shoals Sound Studios Station zu machen.

Der Sound des Südens

Der Mythos des Örtchens Muscle Shoals geht bereits auf die frühen Sechziger zurück, als in den programmatisch benannten FAME Studios Stars wie Wilson Pickett, Percy Sledge, Etta James oder Aretha Franklin etliche Hits einspielen. Begleitet werden sie bei diesen Sessions von einer höchst patenten Backing-Band, der Muscle Shoals Rhythm Section, bestehend aus Keyboarder Barry Beckett (Keyboards), Schlagzeuger Roger Hawkins, Gitarrist Jimmy Johnson und Bassist David Hood (Vater des Drive-By Truckers-Bandleaders Patterson Hood). Diese Koryphäen sollten später auch als die Swampers bekannt und in Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama mit den schönen Zeilen „Now Muscle Shoals has got the Swampers/And they’ve been known to pick a song or two“ bewundernd besungen werden. 1969 hatten sie just beschlossen, sich selbstständig zu machen und ihr eigenes Tonstudio zu gründen: die Muscle Shoals Sound Studios

Tradition verpflichtet

Als die Stones dort am 2. Dezember aufschlagen, fehlt von Produzent Jimmy Miller jede Spur, weshalb man kurzerhand Swamper Jimmy Johnson als Tontechniker vor Ort verpflichtet. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, geht es ans Eingemachte: You Gotta Move, das Cover eines alten Spirituals, welches erst 1965 vom Blueser Mississippi Fred McDowell gecovert wurde, ist in dieser Umgebung natürlich Pflicht.

An den zwei darauffolgenden Tagen schließt sich die Kür an, zunächst in Form des kompositorisch hauptsächlich Mick Jagger zuzuschreibenden Brown Sugar, eine verschmitzt verschwitzte, funkige Ode an Heroin und die holde Weiblichkeit gleichermaßen. Für den finalen Abend der Aufnahmen glänzt Keith Richards mit einem weiteren künftigen Klassiker im Stones-Katalog – dem akustischen Wild Horses

Bis heute eine Reise wert

Während Wild Horses von Keith-Kumpel und Country-Rock-Vorreiter Gram Parsons und dessen Band, den Flying Burrito Brothers, bereits auf deren Album Burrito Deluxe (1970) unorthodoxerweise –  als bis dato unveröffentlichter Stones-Song gecovert wird, soll es noch bis zum April 1971 dauern, bis alle drei Stücke der Südstaaten-Session der Stones in voller Muscle-Shoals-Pracht auf dem Album Sticky Fingers erstrahlen. Nach den Stones machen in den Folgejahren unter anderen noch Rod Stewart, Bob Seger, Lynyrd Skynyrd und die Black Keys in den Studios halt. Und auch nach den Restaurationsarbeiten und der Wiedereröffnung 2017 nehmen in der Hausnummer 3614 Jackson Highway, die tagsüber zur Touristenattraktion und nachts abermals zum Tonstudio mutiert, heute wieder junge Rockhoffnungsträger wie jüngst die Rival Sons oder die Allman Betts Band auf.

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

Komplex, überraschend, mitreißend: „Octopus“ der Prog-Legenden Gentle Giant wird 50!

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Gentle Giant
Foto: Jorgen Angel/Getty Images

Am 1.12.1972 veröffentlichten Gentle Giant ihr Album „Octopus“ — ein grandioses Werk zwischen Komplexität, Überraschung und Eingängigkeit.

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch Octopus anhören:

Es gibt Alben, die schwere Geburten sind. Und es gibt Alben, bei denen von Anfang an alles rundzulaufen scheint — die Ideen, der Vibe, die Stimmung im Studio. Als Gentle Giant am 24. Juli 1972 ins Tonstudio gingen, um ihr viertes Album aufzunehmen, war zweiteres der Fall. „Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich sicher fühlten, als wir dieses Album aufnahmen”, erinnert sich  Gitarrist Gary Green in den Liner Notes der Neuauflage des Albums. „Wir hatten einen guten Haufen Melodien und unsere Studiotechnik (besonders die von Ray) wurde mit jeder Platte besser. Wir experimentierten weiter mit Instrumentenkombinationen, Sounds und Effekten und tauschten unsere Ideen mit dem Tontechniker Martin Rushent aus, der unsere verrückten Ideen voll und ganz unterstützte“.

Großes Selbstvertrauen, große Inspiration

Die Inspiration war so groß wie das Selbstvertrauen, die Band brauchte nicht lange, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollte: Am 5. August 1972 waren die Aufnahmesessions schon wieder zu Ende. Herausgekommen ist in diesen wenigen, höchst kreativen Tagen dabei eines der komplexesten, vielschichtigsten und bemerkenswertesten Alben der Prog-Geschichte. Wohin die Reise auf Octopus gehen würde, macht bereits der Opener The Advent Of Purge klar. Extrem vielschichtig, vertrackt, überbordend vor Ideen und Richtungen. Octopus geht seinen eigensinnigen Weg zwischen Prog, Jazz und Klassik. Manchmal meint man auch, etwas Folk-Einflüsse durchzusehen. Es setzt auf Gesangsschichtungen, Kontrapunkte und überraschende  Wendungen, auf das Spiel mit Dissonanzen und Brüchen — nur um wenige Sekunden später wieder plötzlich völlig eingängig daherzukommen.

Literarische und philosophische Inspirationen

Natürlich musste das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Anspruch und einen roten Faden haben. So ließ man sich von literarischen und philosophischen Werken inspirieren — unter anderem von den französischen Schriftsteller François Rabelais und Albert Camus. Die Band selbst war zufrieden mit dem Ergebnis. „Octopus war wahrscheinlich unser bestes Album, mit Ausnahme von Acquiring the Taste vielleicht“, erklärte Gründungsmitglied und Multiinstrumentalist Ray Shulman einmal.

Zur Genese des Albums erzählt er: „Wir begannen mit der Idee, einen Song über jedes Mitglied der Band zu schreiben. Ein Konzept im Kopf zu haben, war ein guter Ausgangspunkt für das Schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber trotz des Einflusses von The Who’s Tommy und Quadrophenia wurden Konzeptalben fast über Nacht plötzlich als langweilig und prätentiös empfunden.“ Dass die Platte Octopus heißt, soll der Ehefrau von Shulmans Bruder und Bandkollegen Phil Shulman geschuldet sein. Die brachte Octopus als Anspielung auf die Zahl acht (die Anzahl der Tracks) und das Wort Opus ins Spiel.

Ein geniales gut gealtertes Werk

Oft ist es bei Alben, die zu jener Zeit als avantgardistisch gelten ja so, dass man Jahrzehnte später bemerkt, dass sie irgendwie schlechter gealtert sind oder anachronistisch klingen. Bei Octopus ist dies nicht der Fall — das kreative Wagnis von Garry Green, Kerry Minnear, Derek, Ray und Phil Shulman sowie John Weathers klingt heute sogar noch überraschend frisch. Octopus quillt nur so über voller musikalischer Abenteuerlust — und klingt bei aller Raffinesse und allem Intellekt nie verkopft. Im Gegenteil: Manchmal, wie in „Dog’s Life“ geht es textlich geradezu leichtfüßig zur Sache.

2015 hat sich Prog-Superstar Steven Wilson der Platte angenommen und den Mix überarbeitet — so erstrahlte Octopus in Wilsons Remix/Remaster noch besserer Soundqualität. Aber in welcher Version auch immer: Octopus ist ein mitreißendes Abenteuer, das im Plattenregal jedes Prog-Fans stehen sollte. Octopus zeigt auch den besonderen Status, den Gentle Giant in der Proggeschichte haben. Sie wurden keine Superstars wie andere ihrer Kollegen und Kolleginnen — leider! — aber gelten als wichtiger Einfluss für viele Bands, die danach kamen.

Eine großartige Platte und eine unbedingte Empfehlung!

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Popkultur

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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John Lennon und Yoko Ono

„And so this is Christmas“: Man könnte mit dem Zitieren des Textes hier aufhören und hätte seinem Gegenüber bereits einen Ohrwurm verpasst. Längst ist der Song aus der Feder von John Lennon und Yoko Ono ein Klassiker in Sachen Weihnachts- und Protestsong – normalerweise nicht unbedingt miteinander verwandte Genres.

von Markus Brandstetter

Dabei sah es zumindest bei der Erstveröffentlichung in den USA zunächst nicht danach aus, als hätte man es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun. Denn als Happy Xmas (War Is Over) am 1. Dezember 1971 in den Vereinigten Staaten erschien, schaffte der Song zunächst nur mäßige Chartplatzierungen. Gut, der Platz drei bei den Billboard Christmas Singles Chart mal ausgenommen. Das hatte einerseits damit zu tun, dass man Weihnachtssongs, zumindest damals, für gewöhnlich mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf veröffentlichen sollte, andererseits schien auch die PR-Abteilung nur wenig motiviert.

Erfolg in Großbritannien

In Lennons Heimat Großbritannien sah das schon besser aus. Allerdings dauerte es bis zum Release dort eine ganze Weile. Aufgrund von einem Streit um Publishing-Rechte mit Northern Songs erschien der Song dort erst am 24. November 1972. Happy Xmas (War Is Over)  schaffte es bis auf Platz vier der Single-Charts, die Platte musste bald nachgepresst werden. Zunächst erschien der Song nur als Single, auf einem Album landete er erst 1975 – auf der Compilation Shaved Fish.

Ewiger Klassiker

Aber was macht Happy Xmas (War Is Over) so bemerkenswert und erinnerungswürdig? Den Slogan ansich hatten Lennon und Ono nicht erfunden, der tauchte bereits in anderen Stücken auf – bei The Doors und John Ochs. Lennon und Ono waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannte Aktivist*innen, hatten mit den Bed-Ins, bei denen sie im Bett vor Medienvertreter*innen für den Weltfrieden demonstrierten, bereits für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Lennon und Ono ließen in zwölf großen Städten Plakate mit den Worten „WAR IS OVER! If You Want It – Happy Christmas from John & Yoko“ errichten.

Bei dem Stück trifft eine eingängige, durchaus weihnachtstaugliche Melodie auf Sozialkritik. Diese kommt aber nicht von oben herab, sondern eher mit besorgt-freundlichem, sanft optimistischen Ton. Lennon wollte Kitsch vermeiden, aber die soziale Message in etwas Eingängiges packen. Es war Lennons und Onos Statement gegen den Vietnamkrieg, der noch bis 1975 wütete und viele Opfer fordern sollte. Man könnte sagen, der Song setzte dort an, wo Give Peace A Chance 1969 aufgehört hatte. „And so happy Christmas / For black and for white / For yellow and red ones / Let’s stop all the fights / A very merry Christmas / And a happy New Year / Let’s hope it’s a good one / Without any fears“ heißt es darin. Unterstützt werden Lennon und Ono gesanglich vom Harlem Community Choir, den Lennon für die Aufnahmen leitete.

Eigenleben

Happy Xmas (War Is Over), produziert von Phil Spector, nahm über die Jahre ein Eigenleben an. Es kam immer wieder in die Charts – die höchste Platzierung erfuhr es nach der Ermordung Lennons 1980 mit Platz zwei der britischen Single-Charts (Platz eins ging damals an Imagine). Er wurde tausende Male gecovert – von Celine Dion und Neil Diamond, von Carly Simon und REO Speedwagon, von Laura Pausini und Miley Cyrus, von Jimmy Buffett, John Legend und Jessica Simpson.

Längst gehört Happy Xmas (War Is Over) in den Kanon der Weihnachtsklassiker – und jener der Protestsongs. Man kann den Fokus beim Hören legen wie man möchte. Happy Xmas (War Is Over) funktioniert als nachdenklicher, altruistischer Weihnachtssong, als Statement gegen Krieg – und als ewig gültige und stets nötige Hoffnung, dass sich die Welt vielleicht doch ein Stück bessert.

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„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

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