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Popkultur

Ein kaputtes Fahrrad und fünf weitere Anekdoten aus dem Leben von Ginger Baker

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Foto: Jorgen Angel/Redferns/GettyImages

Der Teufel schert sich nur um seinesgleichen: Jähzornig und stur verpasste der legendäre Schlagzeuger Ginger Baker dem Rock mit Projekten wie Cream, Blind Faith und Ginger Baker’s Airforce einen jazzigen Fußabdruck. Seine Kompromisslosigkeit und sein Genie waren dabei Quelle für unglaubliche Geschichten. Zum Anlass seines Lebensendes haben wir die sechs erstaunlichsten Anekdoten aufgeschrieben.

von Victoria Schaffrath

Hört euch hier die besten Ginger Baker-Songs mit Cream an:

Ein kaputtes Fahrrad ist schuld an Bakers Karriere

Eigentlich will der kleine Peter, Spitzname „Ginger“, Radrennfahrer werden. Geboren 1939 während des Zweiten Weltkrieges, wächst er in einfachen Verhältnissen auf und bewegt sich via Drahtesel fort, wann immer er kann. Doch als er das Rad eines Tages zerlegt, soll Ersatz her, weswegen sich Baker nach Verdienstmöglichkeiten umsieht. Und ein Bekannter, dem die Musikwelt wohl Einiges verdankt, schlägt vor, er solle Schlagzeug spielen.

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Die Idee kommt nicht von ungefähr, denn der schlaksige Londoner geht ständig auf Jazz-Konzerte und trommelt die Rhythmen auf allen möglichen Oberflächen nach. Irgendwer setzt Baker schließlich hinter ein Drumkit: „Verdammte Axt, ich bin ein Drummer!“ Das Fahrrad vergisst er schnell und zimmert sich aus Geldmangel selbst das Set zusammen: „Ich kaufte ein Kinderschlagzeug, schnitt aus einer Zeltplane ein Fell für die Bassdrum und nahm statt Tom-Toms eine Keksdose. Beim Vorspielen sagte ich, ich spielte seit drei Jahren professionell, aber mein normales Schlagzeug sei kaputt.“ Baker macht das Rennen, der Rest ist Geschichte.

Jack Bruce: Was sich liebt, das schlägt sich

Mit Bassist Jack Bruce verbindet ihn Zeit seines Lebens eine leidenschaftliche Hassliebe: Erstmals treffen sie bei Alexis Korner’s Blues Incorporated aufeinander und schon da empfindet Baker das Bassspiel des Kollegen als zu laut. Bei John Mayall & The Bluesbreakers feuert der Drummer den jüngeren Bruce und verleiht der Aussage mit einem Messer Nachdruck. Auf Wunsch Eric Claptons finden die beiden für Cream zunächst wieder zusammen, doch aus verbalen Seitenhieben werden schnell Sabotageaktionen. Bruce stellt teils seine Verstärker so laut ein, dass Baker sich selbst kaum noch hören kann.

Das Projekt beendet man viel zu früh, doch in den Neunzigern versuchen es die beiden bei BBM, kurz für „Bruce Baker Moore“, erneut miteinander. Eine Cream-Reunion Mitte der Zweitausender endet erneut im Streit. Der Legende nach wählt der Schotte 2014 auf dem Sterbebett Bakers Nummer, um Baker wissen zu lassen: „Ich sterbe, Ginger, f*ck dich“, und legt auf. Im Gedenken an den unberechenbaren Schlagzeuger formuliert es Bruces Familie nun etwas milder: „Ginger war für Jack wie ein älterer Bruder, ihre Chemie war wahrhaft spektakulär.“

Ginger Baker schafft den Entzug – ganze 29 Mal

Dass Baker mit Anfang 20 Unterricht bei Jazz-Schlagzeugpionier Phil Seamen nimmt, erweist sich als Fluch und Segen zugleich. Einerseits lernt er beim Virtuosen das nötige Handwerk, andererseits übernimmt er auch dessen Heroinsucht. Während Heroin in den „Swinging Sixties“ eine Modeerscheinung darstellt, entsteht bei Baker eine starke Abhängigkeit, die er wieder und wieder hinter sich zu lassen versucht: „Ich habe da wirklich keine positiven Erinnerungen dran. Wenn du eine Sache machst, nur um dich normal zu fühlen, ist das kein guter Weg.“

In den Siebzigern taucht der Südlondoner immer wieder in Afrika unter, durchquert mit einem Range Rover die Sahara und spielt Jams mit Fela Kuti: „In Afrika habe ich jedes Mal den Absprung geschafft.“ Doch die Abstinenz dauert nie lang an: „Man kommt an einen Punkt, an dem man ‚nein‘ sagen kann. Dann sagt man es wieder. Beim dritten Mal meldet sich etwas im Kopf, ‚ich wünschte, ich hätte es gemacht‘. Und beim vierten Mal sagt man ‚ja‘ und ist wieder drauf. Ich habe das bestimmt 29 Mal mitgemacht.“ 1981 schafft er den endgültigen Entzug, indem er sich in einem kleinen italienischen Dorf dem Olivenanbau widmet: „Harte Arbeit, aber sehr gute Therapie.“

Baker wollte in Hollywood durchstarten

Ein Charaktergesicht kann man ihm durchaus attestieren: Als er in Italien die Aufmerksamkeit der italienischen Mafia auf sich zieht, entscheidet sich Baker kurzerhand, es in Los Angeles als Schauspieler zu versuchen. 1988 geht es über den großen Teich, eine Herausforderung für seine Abstinenz: „In L.A. zu leben war für einen ehemals Heroinsüchtigen ziemlich schwer!“

Einfach gestaltet sich auch die Jobsuche nicht. Schließlich spricht er für einen Film von „Weird Al“ Yankovic als Obdachloser vor, doch wird abgelehnt. Yankovic, wie auch schon Jack Bruce, bescheinigt ihm einen fehlenden Sinn für Humor. Etwas besser läuft es dann bei der Serie Die Ninja Cops, in der er als „Ginger“ auftritt. Nachhaltig beeindruckt er in der Traumfabrik jedoch nicht, also zieht er lieber nach Colorado und spielt dort Polo. Der coolste Eintrag in der Film-Vita bleibt Gonks Go Beat, ein Fantasy-Streifen von 1965, in dem er neben Bruce und anderen Kollegen der Graham Bond Organisation als „Drummer“ mitwirkt.

Er wollte Feuerwehrmann werden – aber nicht als Kind…

Achtung, die nun folgende Anekdote stammt von Ringo Starr, der ja bekanntlich gerne viel erzählt, wenn der Tag lang ist. Ob sie also so stattgefunden hat, lassen wir mal dahingestellt. Möchte man dem Beatle und Trommelkollegen jedoch Glauben schenken, so steht Baker in den Neunzigern einem Cream-Revival im Wege. Es liegt nicht etwa an dem Groll gegen Bruce, denn die beiden spielen wenig später bei BBM erneut zusammen. Viel mehr geht der Schlagzeuger einer neuen Berufung nach: In Colorado, wo er wegen seiner Liebe zum Polo zeitweise lebt, drückt Baker scheinbar die Fahrschulbank.

„Er war ein Feuerwehrmann in Denver und Cream konnte nicht wieder zusammenfinden, weil er dort seine Lizenz zum Fahren eines Feuerwehrautos machte!“, erinnert sich Starr. Den Zeitraum grenzt er nicht näher ein. Aber da es nach dem Eintritt in die Rock And Roll Hall Of Fame 1993 vor Reunion-Gerüchten nur so wimmelt, tippen wir schwer auf die Spanne zwischen Zeremonie und Gründung von BBM. Ob’s stimmt? „Ich bleibe dabei, das wurde mir so erzählt“, beharrt Starr gegenüber dem Rolling Stone. Passen täte es allemal.

Beim Dreh einer Doku über sein Temperament geht’s mit ihm durch

Neben seinem exzellenten und wegweisenden Schlagzeugspiel kennt man Ginger Baker vor allem für seine Stimmungsschwankungen, die im fortschreitenden Alter nicht gerade schwinden. Der amerikanische Schriftsteller und Filmemacher Jay Bulger widmet dem rothaarigen Genie und seinem Temperament 2009 einen wunderbaren Artikel für den Rolling Stone. Nie kann man sich recht entscheiden, ob man Baker nun zum Brüllen komisch oder furchteinflößend findet. Um noch mehr hinter die Fassade zu blicken, verwandelt Bulger den Artikel 2013 in eine Dokumentation.

„Wer mit mir ein Problem hat, soll mir eins auf die Nase geben!“, tönt der Brite schon im Trailer zu Beware Of Mr. Baker, zu deutsch: „Hütet euch vor Mr. Baker“. Während der Dreharbeiten kommt es zwischen Baker und dem Regisseur zu einer Auseinandersetzung, die schnell eskaliert. „Hauen Sie mir damit jetzt wirklich eine über?“, hört man vom entgeisterten Bulger. Baker, der mit erhobenem Gehstock über ihm steht, entgegnet: „Und wie ich das mache! Ich schick dich verdammt noch mal ins Krankenhaus!“ Und dann knallt’s auch schon. Zurück bleiben eine gebrochene (aber gerichtete) Nase und eine ziemlich verdutzte Filmcrew.

Der Teufel schert sich nur um seinesgleichen: Baker auf dem Cover zur erfrischend ehrlichen Doku „Beware Of Mr. Baker“.

Zeitsprung: Am 19.8.1939 kommt Ginger Baker zur Welt.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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