------------

Popkultur

Von Magic Mushrooms und Rockstarqualitäten: Die große Transformation des Harry Styles

Published on

Harry Styles
Foto: Rich Fury/Getty Images for Spotify

Mit Gitarre, Rüschenbluse und verschwitzter Wallemähne: 2020 gibt es kaum einen Popstar, der mehr androgynen Rockstar-Appeal versprüht als Harry Styles. Inspiriert von Musiklegenden wie Mick Jagger und David Bowie fügt er sich optisch nahtlos in die Ära seiner Helden ein. Doch auch musikalisch zeigt das Ex-Boybandmitglied Rockstarqualitäten. Wir gehen dem Phänomen Harry Styles auf den Grund.

von Sina Buchwitz

Hört hier in Harry Styles Erfolgsalbum Fine Line rein:

Am 1. Februar 1994 wird Harry Edward Styles im englischen Redditch geboren. Seine Liebe zur Musik entdeckt er schon in Kindertagen, als sein Großvater ihm eine Karaokemaschine schenkt. Seine ersten Songs? Vor allem die von Opas Liebling Elvis Presley, doch auch Harrys Eltern üben musikalischen Einfluss auf ihren Sohn aus.

In einem Radiointerview erzählt er: „Ich hatte einen guten Mix aus meiner Mutter und meinem Vater. Mein Vater mochte Fleetwood Mac, The Beatles, The Rolling Stones, Pink Floyd und Queen; während meine Mutter Norah Jones und Savage Garden präferierte.“

Per Castingshow in den Popstarhimmel

2010 wird Styles durch seine Teilnahme bei der britischen Castingshow The X Factor in den Pophimmel katapultiert. Zusammen mit Niall Horan, Liam Payne, Louis Tomlinson und Zayn Malik gründet er One Direction. Damals ist er gerade zarte 16 Jahre alt.

Ab da geht es nur noch höher, schneller, weiter: Bis 2015 verzeichnen die Jungs gleich fünf Nummer-eins-Alben, räumen unzählige Preise ab und touren um die Welt. Drei ihrer Alben (Midnight Memories, Four und Made In The A.M.) nimmt die Band sogar an freien Tagen zwischen den Konzerten auf. Dieses Tempo fordert seinen Tribut: Inmitten einer Tour zieht Zayn Malik in Hong Kong 2015 die Reißleine und verlässt die Band, ein paar Monate später geben auch die restlichen Mitglieder bekannt, One Direction mache eine Pause.

View this post on Instagram

I’ve been struggling to put into words how grateful I am for everything that’s happened over the last ten years. I’ve seen things and places that I’d only ever dreamt of when I was growing up. I’ve had the pleasure of meeting and working with some of the most incredible people, and gained friendships that I know I will treasure for the rest of my life. None of this would be possible without the support you’ve given along the way. And for that, I will be forever thankful. I just can’t believe it’s been ten years. Thank you to our crew, our team, and everyone else who helped us along the way. To all the fans, I love you, and I thank you with all my heart. You did it all, and you changed everything. And finally.. to the boys, I love you so much, and I couldn’t be prouder of everything we achieved together. Here’s to ten. H

A post shared by @ harrystyles on

Doch wer jetzt denkt, Harry Styles hätte in George-Michael-Manier seine Lederjacke verbrannt, um den Übergang vom Boyband-Sänger zum Solokünstler möglichst dramatisch zu markieren, der irrt. Es gehört zu Styles Mentalität, positiv auf die Dinge zu blicken. So sagt er im Interview: „Ich weiß, das ist das, was immer passiert. Wenn jemand aus einer Band kommt, heißt es plötzlich: ‘Das war alles nicht ich. Ich wurde zurückgehalten.’ Aber das alles war ich. Ich fühle mich überhaupt nicht so, als wäre ich zurückgehalten worden. Es hat so viel Spaß gemacht. Wenn ich die Zeit nicht genossen hätte, hätte ich das alles gar nicht getan.“

Dieser tolerante und positive Blick aufs Leben ist es, den Styles-Fans schätzen. Er strahlt eine Mühelosigkeit aus, die seine Anhänger*innen dazu einlädt, ebenfalls sie selbst zu sein. Schon zu One-Direction-Zeiten macht er etwa, Boyband-untypisch, aus seiner sexuellen Ambiguität keinen Hehl.

View this post on Instagram

SATURDAY NIGHT LIVE.

A post shared by @ harrystyles on

Auf die typische Interviewfrage: „Wonach suchst du bei einem Date?“ antwortet ein Bandkollege 2014 (sinngemäß) mit: „weiblich“. Harry zuckt daraufhin mit den Schultern, wirft ein simples „Find ich nicht so wichtig“ in die Runde und schockiert den Moderator damit zutiefst. Auf Konzerten schwenkt er stolz die Regenbogenflagge für die LGBTQ-Gemeinschaft.

Styles Style: Eine Ode an die Rockgeschichte

Wie einst Jagger und Bowie lässt auch Styles die Geschlechtergrenzen verschwimmen. Für Saturday Night Live wird er im rosa Tutu abgelichtet, zur Met Gala erscheint er mit Ohrringen, dunklem Nagellack und durchsichtiger Spitzenbluse. Auf der Bühne lässt er den Sex Appeal früherer Rockstars mit gewagten Bühnenoutfits wiederauferstehen.

2017 ist dann auch musikalisch klar, in welche Richtung es geht: Seine erste Solo-Single Sign Of The Times, offensichtlich eine Hommage an Prince, klingt wie eine Rockballade aus vergangener Zeit, die auch Pink Floyd oder Oasis gut gestanden hätten. Das sechsminütige Stück mutet in den ersten Sekunden an wie Robbie Williams’ Angels, um dann Space-Oddity-ähnlich von der Erde abzuheben.

Styles Helden: Stevie Nicks, Van Morrison und Mick Jagger

Die musikalische Neuorientierung kommt nicht von ungefähr. Harrys Liste an Inspirationen ist voller Rockhelden der Siebziger. So nennt er in einem Interview zum Beispiel Van Morrisons Album Astral Weeks als sein „Lieblingsalbum aller Zeiten“, schwärmt von Paul McCartney als Songschreiber und heimst von Mick Jagger sogar selbst Komplimente ein. Der sagt über Styles: „Ja, ich kann meinen Einfluss auf ihn erkennen. Aber ich gebe ihm keine Ratschläge, ich sage ihm nur, dass er gut aussieht. Ich mag ihn. Er ist sehr anständig.“

Mit Rock’n’Roll-Legende Stevie Nicks pflegt Styles eine besondere Beziehung: Sie nennt ihn ihre „kleine Muse“, 2019 geht er auf die Knie, um seiner Heldin während der Hall-Of-Fame-Zeremonie ihren Award zu überreichen. Den Fleetwood-Mac-Song Landslide performten sie in den letzten Jahren mehrfach miteinander.

Im selben Jahr baut er seine Rockqualitäten mit dem Album Fine Line weiter aus. Das Album schlägt ein wie der Blitz: Es verkauft sich in der ersten Woche doppelt so häufig wie Styles Debütalbum und verweilt auch sieben Monate nach der Veröffentlichung noch immer in den Top 10 der Billboard 200 Album Charts. Die Singles Adore You und Watermelon Sugar schaffen es ebenfalls in die Top 10.

Obwohl beide Titel eindeutig dem Pop zuzuordnen sind, ist der Entstehungsprozess dem eines Rockstars durchaus würdig. Styles nimmt während der Aufnahmen Psychedelika ein und erzählt im Interview: „Wir nahmen Magic Mushrooms, legten uns ins Gras und hörten Paul McCartneys Ram in der Sonne.“ Dann zeigt er unvermittelt auf eine Ecke im Raum und sagt: „Hier stand ich, als wir Pilze nahmen und ich mir die Zungenspitze abbiss. Also versuchte ich zu singen, während mir all dieses Blut aus dem Mund sprudelte.“

So entstehen auch Titel wie She, auf dem Gitarrist Mitch Rowland mit einem Gitarrensolo glänzt. „Mitch hatte Pilze genommen, als er hier die Gitarre spielte. Wir alle waren high. Später hatte er keine Ahnung mehr, was er in dieser Nacht gespielt hatte, also musste er alles vom Track neu lernen“, erinnert sich Styles. Das Ergebnis: ein abgedreht-episches Stück, das an Pink Floyds Shine On You Crazy Diamond erinnert.

Für andere Songs wie Canyon Moon nennt Styles Joni Mitchell als Inspiration. Es gelingt ihm sogar, Joellen Lapidus ausfindig zu machen, die Frau, die Joni Mitchell einst ihren Mountain Dulcimer angefertigt hatte. Lapidus höchstpersönlich gibt Styles daraufhin seine ersten Unterrichtsstunden für das Instrument.

Styles holt den Classic Rock in die Gegenwart

So mühelos wie Styles mit seinem Look Geschlechtergrenzen verschwimmen lässt, so verschmilzt er auch Pop und Rock miteinander. Seine liebevolle Hommage an den Rock der Siebziger ist respektvoll und durchdacht, ohne dass er dabei den Blick auf die musikalische Gegenwart verliert. Zusammen mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Sex Appeal könnte Harry Styles so die Zukunft des Rock mitbestimmen.

Ist Rockmusik tot? Nicht wenn ihr richtig hinhört!

Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

Published on

Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

Published on

Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

Continue Reading

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

Published on

Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]