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Popkultur

Vor 50 Jahren sorgt ein Brand für die Mutter aller Hard-Rock-Riffs

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Deep Purple
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 4. Dezember 1971 steigt Rauch auf am Ostufer des Genfers Sees. Der Brand bei einem Frank-Zappa-Konzert inspiriert Deep Purple zum wichtigsten Riff der Hard-Rock-Geschichte.

von Björn Springorum

Es ist die Urmutter, die Ursuppe, der Urknall: Das Riff von Smoke On The Water ist der Nukleus, aus dem in der Folge alles Hard-Rock-Leben entspringt. Mit Deep Purple verlässt die harte Musikwelt das Wasser, um sich neue Lebensräume an Land und in der Luft zu erobern – prähistorisch gesprochen. Alles beginnt vor 50 Jahren, als sich Deep Purple für Albumaufnahmen ins mondäne Kurstädtchen Montreux direkt am Ufer des Genfer Sees zurückziehen.

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Unterwegs mit dem Studio der Stones

Erst Ende Oktober 1971 waren Deep Purple von der kräftezehrenden, exzessiven In Rock World Tour zurückgekehrt, die sie über 15 Monate und mit 157 Shows durch die USA, Europa und Australien geführt hatte. Zwischendrin hatten sie Fireball aufgenommen, ihre fünfte Platte, die im September 1971 erscheint. Um sich für den Nachfolger nicht direkt wieder wochenlang in ein Studio verkriechen zu müssen, klingelt die Band bei den Stones an, borgt sich deren in einem alten Truck untergebrachtes Mobile Studio und setzt nach Montreux am Ostufer des Genfer Sees über.

Dort, im 1881 eröffneten Montreux Casino, wollen sie ihr nächstes Album aufnehmen und gleichzeitig eine Menge Steuern sparen, weil sie im Ausland arbeiten. Sie kommen am 3. Dezember 1971 an, einen Tag vor dem letzten Konzert, bevor sich das Casino in den Winterschlaf begibt und Deep Purple in aller Ruhe die Amps auf 11 stellen können ohne die Jetons von einem der Blackjack-Tische zu fegen. Zum feierlichen Saisonfinale steht Frank Zappa mit seinen Mothers Of Invention auf dem Programm.

„Fire!“

Nach einer guten Stunde spielen die Mothers Of Invention gerade King Kong, als irgendein Vollidiot mit einer Signalpistole gegen die Rattandecke schießt. Zunächst passiert gar nichts, doch irgendwann bricht Feuer aus, Frank Zappa ruft „Fire!“, der Saal wird evakuiert. Dass damals keine Massenpanik ausbricht, ist aus heutiger Sicht ein Wunder. Augenzeugen berichten, dass das Feuer anfangs keineswegs bedrohlich aussah und das Publikum das Casino ohne Hast verlassen kann. Erst wenig später, als der Brand auf weitere Gebäudeteile übergreift und alles wie ein Feuerwerk in die Luft geht, wird die Tragweite des Unglücks deutlich.

Wie durch ein Wunder wird kaum jemand ernstlich verletzt. Dafür brennt das Casino bis auf die Grundmauern ab, verschluckt Zappas gesamtes Equipment und setzt fast noch das rollende Studio der Stones in Brand, das neben dem Casino parkt und auf seinen ersten Einsatz am darauffolgenden Tag wartet.

Pläne gehen in Rauch auf

All das sehen Deep Purple von der Bar ihres Hotels aus. Und sind Augenzeugen, wie ihre geplanten Aufnahmen in Rauch aufgehen. Gleich am nächsten Tag macht sich die Band auf die Suche nach einer neuen Location, wo sie mit ihrem mobilen Studio in aller Ruhe lärmen können. Eine erste Interimswahl, ein Theater namens The Pavillon, wird kurzzeitig ihr neues Zuhause, doch als sich mehr und mehr Nachbarn über den Lärm beschweren und sich die Polizei gewaltsam Zutritt zum Theater verschafft, müssen sie die Zelte auch schon wieder abbrechen. Bezeichnenderweise entsteht hier genau ein Song, der es später auch auf Machine Head schafft: die Urversion von Smoke On The Water.

Mit der Hilfe von Claude Nobs, dem Leiter des Montreux Jazz Festival, findet die Band Zuflucht im Hôtel des Alpes-Grand Hôtel, das bereits die Schotten für den Winter dicht gemacht hat. Dort, in den leeren Fluren und Bankettsälen, finden Deep Purple ein Szenario vor, das sich Stephen King einige Jahre später für The Shining ausdenken wird: Ein riesiges und leeres Hotel, geschlossen für den Winter. Zwei Unterschiede zu Kings Meisterwerk gibt es dann aber doch: Hier entsteht ein Hard-Rock-Klasiker und kein psychotischer Roman. Und die Band verliert während ihres Aufenthalts nicht den Verstand.

The Shining lässt grüßen

Obwohl: Leicht sind die Aufnahmen in dem riesigen Hotel am Rande von Montreux nicht. Um nach einem Take das mobile Studio der Stones zu erreichen, das eingeschneit vor dem Eingang parkt, müssen sie durch diverse Zimmer und über Balkone klettern, weil der Korridor zum Ausgang mit Equipment und klangabschirmenden Matrazen vollgestopft ist. „Sobald wir uns einmal dorthin durchgekämpft und uns den Take angehört hatten, nickten wir es ab, selbst wenn wir wussten, dass es kein perfekter Take war. Niemand von uns wollte sich das alles noch mal antun“, so beschreibt Ritchie Blackmore später die Aufnahmen.

Das führt zu einem rohen, unpolierten Sound, der eher an ihre Live-Shows erinnert als an die Aufnahmen zu In Rock oder Fireball. Ironischerweise bekommt die Band also genau das Resultat, das sie sich von den Aufnahmen im Casino erhofft hat. Aus dem namenlosen Stück, das noch im Theater geschrieben wurde, wird im Hotel nach und nach Smoke On The Water, benannt nach einem Traum von Bassist Roger Glover und daraufhin von Sänger Ian Gillan in eine historische Bestandsaufnahme der Ereignisse des 4. Dezember 1971 verwandelt.

Geklaut bei Beethoven

Das wirklich geniale an dem Song ist aber natürlich die glorreiche Simplizität des Riffs. Wie Ritchie Blackmore unumwunden zugibt, ist es ein Rip-Off von Beethovens Fünfter: „Ich schulde ihm eine Menge Geld“, bemerkte er mal trocken dazu. Eben weil der Song so einfach gestrickt ist (und im erweiterten Freundeskreis der Band nicht mal besonders gut ankam), gesteht ihm die Band keine sonderlich großen kommerziellen Aussichten zu. Erst als dritte Single von Machine Head wird er im Mai 1973 veröffentlicht – über ein Jahr nach dem Album. Und entwickelt sich im Sommer plötzlich zum Übersong, zum Radiohit, zur Hymne, die man ab sofort ganz automatisch mit dieser Band in Verbindung bringt.

Wie so oft bei den ganz großen Erfolgen einer Band gilt auch hier: Smoke On The Water ist nicht der beste Song der Band. Er ist aber wie eine Zeitkapsel, ein historisches Dokument. Und genau deswegen von unschätzbarem Wert.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.1.1984 erscheint das Debüt von Bon Jovi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.1.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Als Jon Bon Jovi 1980 in einem Aufnahmestudio in Manhattan arbeitet, kennt ihn noch kein Mensch. Zwar verschickt der damals 17-jährige bereits fleißig Demobänder, doch Amerikas Plattenfirmen möchten nichts von ihm wissen. Erst als Runaway im Radio gespielt wird, erlangt der junge Rockmusiker lokale Berühmtheit und veröffentlicht wenig später sein erstes Album.

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Hört hier in Bon Jovi rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Einige von uns werden das kennen: Während seiner Jugend findet John Bongiovi deutlich mehr Gefallen an der Musik als an der Schule. So schwänzt er regelmäßig den Unterricht, um in lokalen Bands spielen zu können, zum Beispiel mit seinem Cousin Tony Bongiovi. Der betreibt zu jener Zeit das Aufnahmestudio The Power Station in Manhattan, wo er mit Künstlern wie Aerosmith, den Ramones, Gloria Gaynor, den Talking Heads und früher sogar mit Jimi Hendrix arbeitet.

Im Alter von 16 Jahren beginnt John in den Clubs seiner Heimatstadt New Jersey aufzutreten. Weil er keine zusätzlichen Finanzspritzen aufgrund herausragender schulischer Leistungen zu erwarten hat, heuert er ein Jahr später in der Power Station an. Zunächst wischt er dort die Böden, doch als Produzent Meco 1980 an seinem Star Wars Christmas Album arbeitet, schlägt Tony seinen kleinen Cousin als Sänger für den Song R2-D2 We Wish You A Merry Christmas vor — Bon Jovis erste Aufnahme unter eigenem Namen.



Zeitgleich verschickt der junge Rocker unermüdlich Demoaufnahmen an Plattenfirmen, stößt allerdings überall auf Ablehnung. Für Aufwind sorgt erst sein Stück Runaway, den er gemeinsam mit Songschreiber George Karak verfasst und mit professionellen Studiomusikern aufnimmt. Dazu gehören der heutige Bon Jovi-Bassist Hugh McDonald, Sessiongitarrist Tim Pierce (später unterwegs mit Rick Springfield), Keyboarder Roy Bittan aus Springsteens E Street Band und Drummer Frankie LaRocka. Diesen ersten Erfolge mit Runaway verdankt Jon nicht zuletzt seiner eigenen Initiative. So marschiert der junge Musiker 1982 ohne Ankündigung in die Zentrale des Radiosenders WAPP und überreicht DJ Chip Hobart ein Demo mit dem Stück. Der Titel landet in der Heavy Rotation und öffnet einige Türen.

Das erste Line-up von Bon Jovi: 1983, Baby!

1983 ergattert Bon Jovi so einen Plattenvertrag mit Mercury Records und stellt eine Band zusammen. Zu der gehört anfangs auch Gitarrist Dave „The Snake“ Sabo, der später als Gründer der Hardrocker Skid Row in Erscheinung tritt. Er bleibt nur kurz an Bord, an seine Stelle tritt Richie Sambora, der für die nächsten 30 Jahre ein geniales Songwriting-Duo mit dem Sänger bildet. Keyboarder David Bryan und Schlagzeuger Tico Torres komplettieren das Line-Up und gehören bis heute zur Mannschaft, Bassist Alec John Such bleibt bis 1994. Auf den Bandnamen kommt eine Mitarbeiterin von Manager Doc McGhee, womit der ursprüngliche Plan – Johnny Electric – zu den Akten gelegt wird. Ist vielleicht besser so. Aus John Bongiovi wird spätestens hier dann auch Jon Bon Jovi.



Am 21. Januar 1984 schließlich erscheint das langersehnte Debüt Bon Jovi. Aus der Veröffentlichung gehen mit Runaway, Burning For Love und She Don’t Know Me drei Singles hervor. Bei letzterem handelt es sich um den einzigen Bon Jovi-Studiotrack auf allen offiziellen Alben, der kein Coversong ist und den Jon nicht selbst geschrieben oder mitgeschrieben hat. Die Nummer stammt vom US-amerikanischen Songwriter Mark Avsec und wurde auf Betreiben des Labels aufgenommen.



Runaway schafft es jetzt bis in die Top 40 der Single-Charts, das Album selbst erreicht Rang 43 – kein schlechtes Ergebnis für einen Einstand. Es folgen weltweite Tourneen, zum Beispiel als Vorgruppe für die Scorpions in Nordamerika und für Kiss Europa. Die Verkaufszahlen können sich sehen lassen, doch der ganz große Durchbruch mit dem dritten Album Slippery When Wet lässt noch zwei Jahre auf sich warten. „Wir waren damals nicht gut“, räumt Frontmann Bon Jovi mehr als 20 Jahre später in einem Interview ein. „Das waren wir bis zu unserem dritten Album nicht, aber wir hatten einen Schlagzeuger, der den Takt halten kann. Das sollte man nie als selbstverständlich ansehen. Für einen 22-Jährigen habe ich mich ganz gut geschlagen.“

Die drei Singles: nur eine davon läuft noch im Radio

Den Takt halten Bon Jovi bis heute. Millionen verkaufter Platten, ausverkaufte Stadionkonzerte und Airplay bis zum Abwinken stehen für sich. Zwar hat das Debüt einer der größten Rockgruppen der Welt ein wenig an Reiz verloren, zumindest im Schatten der späteren Megaseller wie New Jersey. Doch mit Bon Jovi haben Bon Jovi den Weg Richtung Rockolymp angetreten.

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Popkultur

Die 10 größten Meat-Loaf-Hymnen

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Meat Loaf
Foto: Sony Music Archive via Getty Images/Terry Lott

Er war ein gewaltiger Rockstar im Wortsinn: Die Musikwelt trauert um den großen Meat Loaf. Wir erinnern uns an den legendären Koloss des Hard Rock und blicken auf seine unvergesslichsten Songs zurück.

 von Björn Springorum

Auch wenn er natürlich viel mehr gemacht hat: Am ehesten bringt man Meat Loaf mit seiner Bat-Out-Of-Hell-Trilogie in Verbindung. Mehr als 65 Millionen Mal haben sich diese drei Alben verkauft, das erste und erfolgreichste geht bis heute rund 200.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Kein Wunder: Das Meisterwerk von 1977 ist ein stellarer Moment des theatralischen Hard Rock, eine Art Broadway-Musical mit harten Gitarren.

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Seine Stimme und das kompositorische Genie seines langjährigen Partners Jim Steinman nehmen eine Ausnahmestellung im Kanon des Rock‘n‘Roll ein. Hier kommen zehn seiner mächtigsten, emotionalsten, größten Songs.

1. I’d Lie For You (And That’s the Truth) (1995)

Meat Loaf hat sich nicht immer auf die Kompositionen von Jim Steinman verlassen. Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Bat Out of Hell II: Back Into Hell kommt Meat Loaf mit Welcome To The Neighborhood um die Ecke, einem Album, das auch ohne Steinman so klingt, als hätte er es geschrieben. Der erfolgreichste Song daraus wurde von Diane Warren komponiert, die zur damaligen Zeit eine unaufhaltsame Hitmaschine war. Die Power-Ballade wird dann auch zu seinem letzten großen Hit.

2. Rock And Roll Dreams Come Through (1993)

So ziemlich jeder Song auf der Fortsetzung von Bat Out Of Hell zeigt, dass weder Meat Loaf noch Jim Steinman die Pause von 16 Jahren geschadet hat. Ursprünglich für Steinmans 1981er Soloalbum aufgenommen, wird es durch Meat Loaf zu einem weiteren großen Epos aus Herzschmerz und einem Refrain, der so heute einfach nicht mehr gemacht wird. Ganz großes Kitschkino.

3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (On A Hot Summer Night) (1977)

Als erster Beitrag seines legendären Gamechangers Bat Out Of Hell steht hier You Took The Words Right Out Of My Mouth, ein wahrgewordener Hard-Rock-Traum mit gotischem Video, grandioser Hook und allem, was den Rock‘n‘Roll der Siebziger so größenwahnsinnig machte. Besser wird‘s auch auf der größten Bühne nicht.

4. Two Out Of Three Ain’t Bad (1977)

Eigentlich könnte hier ja einfach das gesamte Bat Out Of Hell stehen, fertig. Es gibt einfach keinen Filler auf diesem Album. Auch Two Out Of Three Ain’t Bad ist ein echter Killer: Eine große, große Ballade, die Meat Loaf auf einem absoluten Höhepunkt zeigt und zugleich eins der besten Beispiele für Steinmans kompositorisches Genie ist. So was nennt man dann wohl perfekte Chemie.

5. Bat Out Of Hell (1977)

Allen Ernstes, wer sein Debüt mit einem Paukenschlag wie diesem eröffnen kann, der hat schon alles geschafft, ehe er überhaupt so richtig angefangen hat. Fast zehn Minuten nimmt sich der ausladende Opener Zeit und zieht auf dieser Langstrecke gleich mal alle Register: die Ouvertüre zu diesem unfassbaren Musiktheater, ein Start mit Feuerwerk, Kanonen und massiver Produktion. Übrigens: Als musikalische Gäste mischen hier Todd Rundgren sowie Roy Bittan und Max Weinberg von der E Street Band mit. Es heißt schon was, wenn man sagt, dass es die echt nicht gebraucht hätte.

6. Hot Patootie – Bless My Soul (1975)

Natürlich darf die Rocky Horror Picture Show hier nicht fehlen. Meat Loaf gibt in diesem schrägen Stück Rock‘n‘Roll den dusseligen Biker Eddie, der den Laden gehörig aufmischt. Sicherlich nicht seine Sternstunde. Aber allein aus popkultureller Sicht erwähnenswert.

7. Read ’Em And Weep (1981)

Kurioserweise wird nicht alles, was Meat Loaf und Jim Steinman gemeinsam angingen, zu Gold. Dead Ringer, der schwierige Nachfolger zu Bat Out Of Hell, leidet unter dem enormen Erfolg des Vorgängers, hat aber einige Perlen zu bieten. Read ’Em And Weep zum Beispiel, eine stimmungsvolle Ballade, die aber erst zwei Jahre später durch Barry Manilow zu einem gewaltigen Erfolg wird. Muss man manchmal nicht verstehen.

8. Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1993)

Am besten waren Meat Loaf und Jim Steinman immer zusammen. Das zeigt auch Bat Out Of Hell II: Back Into Hell, das Album, das 1993 eine zwölfjährige Funkstille beendet. Da ist sie wieder, diese theatralische, dramatische Magie und diese unfassbare Energie. Wir wiederholen uns, aber: Niemand schreibt solche Refrains!

9. I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (1993)

Sein wahrscheinlich größter Hit stammt ebenfalls vom zweiten Teil seiner definierenden Trilogie: I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) ist eine der größten Rock-Balladen aller Zeiten – obwohl bis heute eigentlich niemand so recht weiß, worum es in der Nummer eigentlich geht. Egal, die Musik ist so unfassbar spektakulär, dass Meat Loaf auch nur summen könnte und die Nummer wäre immer noch unsterblich.

10. Paradise By The Dashboard Light (1977)

Wenn wir uns festlegen müssten, würden wir diesen Song als absolutes Karrierehoch von Meat Loaf wählen. Unterteilt in drei Kapitel und über acht Minuten lang, dennoch als Single veröffentlicht: Für Meat Loaf und Jim Steinman gelten damals andere Regeln. Der Song ist ein Überbleibsel aus Steinmans Neverland-Musical und bringt Meat Loaf mit der Hauptrolle Ellen Foley zusammen. Ziemlich irre ist er auch: Inhaltlich dem Thema Sex im Auto verschrieben, gibt es im Video eine wilde Rummachszene, geschnitten in ein Baseballspiel.

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Popkultur

Stadionhymnen vom Strand: 20 Jahre „Auswärtsspiel“ von den Toten Hosen

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Die Toten Hosen
Foto: Danny Gohlke/Bongarts/Getty Images

Als Die Toten Hosen 2002 ihr neuntes Album Auswärtsspiel veröffentlichen, hat die Band bereits 20 Jahre auf dem Buckel. Diese Erfahrung hört man den Düsseldorfern an: Mindestens vier Songs von der Platte zählen heute zu den „Greatest Hits“.

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von Timon Menge

2001 haben sich Die Toten Hosen längst an der Spitze der deutschsprachigen Musikbundesliga etabliert. Stadionkonzerte in ganz Deutschland, Europa und sogar auf Kuba begeistern das Publikum; im Sommer steht die Band hierzulande als Vorgruppe von den mächtigen AC/DC auf den größten Bühnen. Vier Nummer-eins-Alben haben die Hosen zu der Zeit bereits im Rücken, 2002 soll das fünfte folgen: Auswärtsspiel.

Die Toten Hosen Auswärtsspiel Album Cover

Für das Cover lassen sich Die Toten Hosen während ihres Kuba-Aufenthalts in einem Meerwasserfreibad in Havanna ablichten. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt die Musiker, wie sie in der südamerikanischen Abenddämmerung einen Steg auf dem Meer entlanglaufen. Nicht die schlechteste Kulisse. Im Booklet gibt es viele weitere Fotos aus der Zeit der Hosen in Kuba.

Songwriting im Sonnenschein

Anschließend mieten die Hosen ein Haus auf Ibiza, um sich ganz auf ihre neue Platte konzentrieren zu können. Die Sonne Spaniens scheint die Kreativität zu beflügeln, denn während der Auswärtsspiel-Entstehungsphase schreiben Campino und Co. mehr als 75 Songs. Das ist Stoff für gut fünf Alben, doch die Band wählt die 15 besten Stücke aus und begibt sich für die Aufnahmen nach Avinyonet de Puigventós in Katalonien.

20 Jahre Tote Hosen

Als das Album am 21. Januar 2002 erscheint, haben Die Toten Hosen gleich zwei Dinge zu feiern: Zum einen die Veröffentlichung der Platte, zum anderen ihr 20-jähriges Jubiläum, denn der Startschuss für die Gruppe fiel 1982. Auf die Frage, wie es ihm damit geht, antwortet Sänger Campino 2002 in der Viva-Sendung Interaktiv: „Ich hab kaum was gemerkt in der Zeit. Die Hälfte habe ich vergessen, weil ich früher sowieso immer benebelt war. Dann waren es nur noch zehn Jahre.“

Nicht schlimm, zehn Jahre kann man auch gut feiern, und die Fans feiern mit: Auswärtsspiel steigt auf Platz eins der deutschen Albumcharts ein, später kassieren die Hosen drei goldene Schallplatten und einmal Platin.

Auch die Hit-Dichte dürfte zum Erfolg des Albums beigetragen haben: Mit Was zählt, Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)!, Nur zu Besuch und Steh auf, wenn du am Boden bist enthält Auswärtsspiel mindestens vier Songs, die es bei vielen Hosen-Konzerten zu hören gibt, auch wenn keine der Singles die Top Ten erreicht.

Generell überraschend: Den Hosen gelingen im Verlauf ihrer Karriere bloß zwei deutsche Nummer-eins-Hits: Zehn kleine Jägermeister (1996) und Tage wie diese (2012).

Fußball als Martyrium?

Im Titeltrack von Auswärtsspiel geht es um das nicht immer einfache Dasein als Fußball-Fan, wie Campino zu jener Zeit in einem Interview mit dem Münchner FHM Magazin berichtet: „Du entscheidest dich einmal in deinem Leben für ein Team, und das ist es dann in der Regel auch. Wenn du erst einmal Fan von einem Team geworden bist, dann kannst du, egal wie schlecht es spielt, nicht einfach mit einer Mannschaft Schluss machen, wie du es vielleicht mit deiner Freundin tun würdest, nur weil sie dir auf die Nerven geht.“ Soso.

Wieder auf Tour

Ihre eigenen Auswärtsspiele bewältigen die Hosen nach der Albumveröffentlichung: Mehr als siebzig Konzerte geben die Musiker, die meisten davon in ausverkauften Hallen. Auch bei Festivals in ganz Europa und in Buenos Aires legen die Düsseldorfer einen Halt ein. Mehr als eine halbe Millionen Zuschauer*innen sehen die Band im Laufe des Jahres. Genug haben die Hosen natürlich noch lange nicht: Mit ihrer anschließenden Platte Zurück zum Glück legen Punkrocker nochmal eine kräftige Schippe drauf.

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Die Toten Hosen verkünden Tourdaten für 2022!

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