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Popkultur

Mythos Spätwerk: 7 unvergessliche Platten aus dem Karriereherbst

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Johnny Cash American Recordings III: Solitary Man Cover

Sturm und Drang und jugendlicher Übermut sind das eine. Diese sieben besonderen Werke unterstreichen aber, dass man auch noch in betagtem Alter den einen oder anderen Meilenstein in sich trägt – angereichert mit Erfahrungen, geprägt von hohen Höhen und tiefen Tiefen.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Time Out Of Mind (1997)

Natürlich könnte man es sich einfach machen und hier einfach Dylans letzte Platte Rough And Rowdy Ways anführen. Es wird sich aber erst zeigen müssen, wie gut dieses Album altert. Besser kann man da schon Time Out Of Mind von 1997 beurteilen – zumal es nach einer langen unsteten Phase erscheint, die nach Blood On The Tracks (1975) begann. Dann erscheint aber plötzlich dieses Album. Und gibt uns endlich den rohen, unpolierten, verhallten Dylan zurück, den wir schon an die Achtziger verloren glaubten. Mit jenseitiger Stimme, fiebriger Orgel und singender Gitarre widmet sich Dylan dem Folk, dem Blues und dem Abseitigen, als hätte er diese Dinge gerade erst für sich entdeckt. Und irgendwie hat er das ja auch nach den quälend langen Achtzigern.

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2. Johnny Cash – American III: Solitary Man (2000)

Im Lexikon müsste neben dem Eintrag zu „Spätwerk“ eigentlich das Cover dieses Albums stehen: Nach Jahrzehnten im Musikbusiness ist der Country-Heilsbringer aufs Abstellgleis verfrachtet worden, seine Stimme und seine Gesundheit ebenso angekratzt wie seine Reputation. In diesem Zustand trifft ihn Rick Rubin und holt mit den American Recordings schon 1994 einen ganz neuen Cash aus den Schatten. Verletzter, intensiver, gepeinigter und spiritueller als auf American III: Solitary Man klang Cash allerdings nie, weswegen dieses Album hier das Rennen macht. Dunkelheit und Licht stehen eng zusammen, wenn Cash Nick Cave And The Bad Seeds’ The Mercy Seat oder Bonnie „Prince“ Billys I See A Darkness covert. Unfassbar, einfach unfassbar.

3. David Bowie – The Next Day (2013)

Sicher ist Blackstar allein wegen seiner Veröffentlichung kurz vor David Bowies Tod ein Mythos für sich. Doch schon The Next Day zeigt die ungebrochene Qualität und Kreativität des größten Chamäleons der Popgeschichte. Zunächst mal ist The Next Day ein ziemlich hart rockendes, geradliniges, angezerrtes Album, dessen Gitarren durchaus nach Scary Monsters klingen und dessen Inhalte mal wieder unmissverständlich klarmachen, wer eigentlich der Godfather Of Goth ist. Der dreckige Jazz von Dirty Boys, die Erhabenheit von The Stars (Are Out Tonight) oder das spektakuläre, metallische (You Will) Set The World On Fire zeigen aber: Eigentlich hätte diese Platte auch 40 Jahre früher erscheinen können. Nur eben ohne die überwältigende Selbstsicherheit, mit der Bowie hier seine kosmische Musik evoziert.

4. Leonard Cohen – You Want It Darker (2016)

Keine Liste über Spätwerke ohne diesen Todesgospel. You Want It Darker erscheint 17 Tage vor Leonard Cohens Tod und enthält das finsterste, rituellste, spirituellste Material, das der Crooner jemals aufgenommen hat. Seine Stimme preist den nahenden Tod, die Stimmung hat etwas Sakral-Festliches. I’m ready, my Lord singt er im Titeltrack. Und meint es so: Das Album ist sein Abschiedsbrief, ist ein Fanal seines eigenen Endes.

5. Kate Bush – 50 Words For Snow (2011)

Die unglaublichen Karriereanfänge von Kate Bush kennen wir alle. Sie schreibt Songs seit sie elf Jahre alt ist, komponiert Wuthering Heights mit 18 binnen weniger Stunden, krempelt die komplette Musikindustrie mit Unabhängigkeit und Selbstbestimmung um, als sie gerade mal 20 ist. 1993 verschwindet sie aus der Öffentlichkeit, kehrt erst 2005 mit dem ambitionierten, fordernden Doppelalbum Aerial zurück. Noch fesselnder ist 50 Words For Snow, mit dem sie 2011 auf besonders fragile, ätherische, verwunschene Weise betört. Ihr bislang letztes Album hat keine Hymne wie Wuthering Heights, legt sich dafür wie eine Decke aus perlender Melancholie um unsere Schultern, überwiegend konzentriert auf geisterhaftes Piano und ihren Zaubergesang – in Snowed In At Wheeler Street unterstützt von Elton John.

6. B. B. King – One Kind Favour (2008)

Es ist schon unfassbar: Da veröffentlicht B. B. King in seiner langen und stellaren Karriere die stolze Zahl von 41 Studioalben. Und legt mit seinem letzten und 42., One Kind Favor, ein echtes Karrierehighlight vor. Völlig zurecht mit dem Grammy für das beste traditionelle Blues-Album ausgezeichnet, setzt der Blues-Gigant ein letztes großes Ausrufezeichen hinter seinen Platz im Pantheon der Musik. Reduzierte Arrangements, eine unfassbare Sidekick-Band, sein rohes Gitarrenspiel und diese durchdringende Stimme. I am large, I contain multitudes heißt es bei Walt Whitman. Für B. B. King gilt das in besonderem Maße.

7. Alice In Chains – The Devil Put Dinosaurs Here (2013) 

Das zweite Reunion-Album nach Layne Staleys Tod ist sogar noch besser als Black Gives Way To Blue von 2009. Auf The Devil Put Dinosaurs Here befreien sich Alice In Chains endgültig von der Last und der Trauer und föhnen alles und jeden mit einem düsteren, drückenden Sludge-Sound um, der wunderbar von der mantraesken Stimme des neuen Sängers William Duvall getragen wird. Das Harte und das Leichte, das Finstere und das Trostspendende finden wie von selbst zueinander. Songs wie der grandiose Opener Hollow oder Phantom Limb zeigen so deutlich wie lange nicht, dass diese Band eigentlich im Heavy Metal verwurzelt war, ehe sie als Grunge-Kings für Furore sorgen konnten.

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