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Popkultur

Die besten letzten Platten aller Zeiten

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Viele Bands fangen stark an und hören schwach auf. Es gibt sie aber, die Musiker, die ihre Karriere mit einem Knall beendeten – freiwillig oder nicht. Ein Blick auf einige der besten letzten Alben der Musikgeschichte.

von Björn Springorum

Für ein Debüt hat man meist deutlich mehr Zeit als für alle nachfolgenden Alben. Das nutzten viele legendäre Formationen der Musikwelt clever für sich, um die Bühne mit einem wahrhaftigen Urknall zu betreten. Wenige verlassen sie aber auch mit einer solchen Eruption, versinken in Bedeutungslosigkeit oder treten ihren mühsam aufgebauten Ruhm mit Lederstiefeln. Diese Künstler hier nicht.

The Beatles – Abbey Road

Grillt uns nicht: Wir wissen, dass Let It Be technisch das letzte jemals erschienene Beatles-Album ist. Abbey Road ist aber eben das letzte, das die Band gemeinsam im Studio aufgenommen hat. Ein angemessener Schwanengesang für die beispielloseste Karriere der Musikgeschichte, aufgenommen im Sommer 1969 und versehen mit einem Albumcover, das zur Top-Sehenswürdigkeit in London wurde: Wer mit so einem Meisterwerk einen Schlussstrich unter sein eigenes Werk ziehen kann, kann im Grunde nicht vollkommen menschlich sein.

Johnny Cash – American IV: The Man Comes Around

Seine zerrüttet-melancholische Version von Nine Inch Nails‘ Hurt machte den Man in Black zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer breiten Audienz bekannt. American IV: The Man Comes Around war das letzte vor seinem Tod 2003 erschienene Album – und ein ebenso tiefer wie dunkler Blick in die Seele des vom Leben gezeichneten Country-Giganten. Aufgenommen in intimer Isolation mit Rick Rubin, ließen es sich auch Fiona Apple, Nick Cave und Don Henley nicht nehmen, den Meister mit ihrem Gesang zu unterstützen. Das Ergebnis ist ein essentielles Werk der Musikgeschichte – und das nach fast 50 Jahren und über 80 aufgenommenen Platten!

The Smiths – Strangeways, Here We Come

Hier wollen wir uns ausnahmsweise mal nicht über Morrissey aufregen und stattdessen die unerreichte Genialität der Smiths feiern. Strangeways, Here We Come, ihr viertes Werk von 1987, war zugleich ihr letztes und erschien nach ihrer Trennung von Rough Trade Records. Ihr reifstes und nach Ansicht vieler bestes Werk war zugleich ihr anspruchsvollstes: Eher White Album als Post-Punk-Gebirge, eher ausproduziert als bewusst roh gehalten: ein äußerst eleganter und würdevoller Abgang eben.

The Birthday Party – Junkyard

Was für ein Brett: Auf ihrem dritten und letzten Album Junkyard (1983) zeigten Nick Caves The Birthday Party dem Rest der Musikwelt, wo der Post-Punk-Hammer hängt: Schroff, wild, dämonisch, knietief durch Southern-Gothic-Topoi watend und von dissonanter Tollwut ist dieser Abschied, der schon sehr von den Inhalten und gesanglichen Exorzismen vorgab, die Nick Cave bei seinen bald nach der Auflösung von The Birthday Party gegründeten Bad Seeds aufgreifen sollte. Bis heute entströmt der Platte eine ungezähmte, unheimliche Kraft und Energie. Wahnsinn, wenn man direkt danach Ghosteen hört…

Nirvana – In Utero

Nachdem Nirvana vom Nevermind-Erfolg eher erschlagen denn euphorisiert worden waren, versuchten sie verzweifelt und vergeblich, das unfreiwillige Rockstar-Image wieder loszuwerden. Sie engagierten Produzent Steve Albini und prügelten In Utero binnen zweier fiebriger Wochen im Pachyderm Studio (Minnesota) ein. Das Ergebnis war zunächst mal ein tiefe Wunden schlagender, roher und Gift spritzender Sound, der nicht mehr viel mit der relativ glattproduzierten Nevermind-Produktion aus den Händen Butch Vigs zu tun hatte. Dem Label war die Chose aber zu ruppig, weshalb Scott Litt (R.E.M.) an Bord gebracht werden musste. Dem grandiosen Album hat es glücklicherweise nicht geschadet: In Utero zeigte Nirvana als Band, die zu mehr in der Lage war als dem Wiederholen der eigenen Erfolgsformel. Ihr Image als Posterboys des Grunge wurden sie dennoch nicht los: In Utero verkaufte sich schlanke 15 Millionen Mal.

Jimi Hendrix Experience – Electric Ladyland

Von den ersten dumpfen Trommeln und verzerrten Worten bis zu den singenden Funk-Gitarren im abschließenden Voodoo Child (Slight Return) atmet dieses Album mit jeder Note das Wort „Klassiker“. Das dritte und finale Album von Jimi Hendrix Experience ist mit über 70 Minuten nicht nur überlang; es ist das einzige, das auch von Hendrix produziert wurde. Ursprünglich nicht sonderlich geliebt, wird das Doppelalbum mittlerweile als eines der definitiven Werke der Rock-Musik und als Gipfel im Schaffen des Jimi Hendrix bezeichntet. Seine Kreuzung aus Psychedelic Rock und Blues bleibt bis heute grandios. Ebenso wie sein Cover von All Along The Watchtower, dem vorletzten Song dieses Geniestreichs.<

David Bowie – Blackstar

Nach 25 Studioalben noch mal ein überragendes Werk zu veröffentlichen, dazu sind nicht viele Künstler*innen in der Lage. David Bowie schon. Und nicht nur das: Sein Tod zwei Tage nach der Veröffentlichung von Blackstar 2016 legte offen, dass Bowie dieses Werk ganz bewusst als Schwanengesang und Abschiedsbrief konzipiert hatte. Durchzogen von debattierbaren Hinweisen auf seinen nahenden Tod, ist sein Abschied ein großes, ein erhabenes Werk, das sich ebenso jedweder Kategorisierung entzieht wie sein Schöpfer selbst.

T.Rex – Dandy In The Underworld

Wenige Monate nach der Veröffentlichung des zwölften T.Rex-Albums Dandy In The Underworld 1977 kam Frontmann Marc Bolan bei einem Autounfall ums Leben. Die Tragik dieser Ereignisse wird aus musikhistorischer Sicht noch erschwert, weil T.Rex nach zwei eher schwächeren Platten gerade wieder dabei waren, die Kurve zu kriegen. So bleibt Dandy In The Underworld als unfreiwilliger Abschied einer großen Glam-Rock-Band, die ganz offensichtlich noch einiges in petto gehabt hätte.

Leonard Cohen – You Want It Darker

Noch so ein Album, das durch seine Hintergründe eine fast schon gruselige Intensität entfaltet: Leonard Cohens You Want It Darker ist eines der düstersten Alben der Pop-Geschichte. Ein rabenschwarzer Dialog zwischen dem damals 82-jährigen Crooner und seinem vermeintlichen Schöpfer. Gerade noch rechtzeitig, wie es scheint: Das Album erschien wenige Tage vor seinem Tod. Dem zynischen und bis zuletzt humorvollen Cohen dürfte das irgendwie gefallen haben.

Nick Drake – Pink Moon

Gerade mal 28 Minuten dauert Nick Drakes letztes Album Pink Moon von 1972. Die vergisst man aber nicht allzu schnell: Spärlich und karg instrumentiert, begegnen wir einem 24-jährigen Nick Drake, der Atlas gleich die Bürde der Welt auf seinen Schultern trägt und tief melancholisch, introvertiert und von der Welt abgekehrt über seine Depression singt. All das mit seiner unvergleichlich sanften Stimme und ebenso einfachen wie sublimen Akkorden. Zwei Jahre später nahm er sich das Leben.

Anmerkung: Natürlich ist auch Joy Divisions Closer ein mehr als grandioses und wegweisendes letztes Album. Es war aber eben erst ihr zweites, weshalb es in dieser (unvollständigen) Auflistung ebenso fehlt wie das Anarchie-Manifest Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols, bekanntlich zugleich Debüt und letztes Album.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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