------------

Popkultur

Die besten letzten Platten aller Zeiten

Published on

Viele Bands fangen stark an und hören schwach auf. Es gibt sie aber, die Musiker, die ihre Karriere mit einem Knall beendeten – freiwillig oder nicht. Ein Blick auf einige der besten letzten Alben der Musikgeschichte.

von Björn Springorum

Für ein Debüt hat man meist deutlich mehr Zeit als für alle nachfolgenden Alben. Das nutzten viele legendäre Formationen der Musikwelt clever für sich, um die Bühne mit einem wahrhaftigen Urknall zu betreten. Wenige verlassen sie aber auch mit einer solchen Eruption, versinken in Bedeutungslosigkeit oder treten ihren mühsam aufgebauten Ruhm mit Lederstiefeln. Diese Künstler hier nicht.

The Beatles – Abbey Road

Grillt uns nicht: Wir wissen, dass Let It Be technisch das letzte jemals erschienene Beatles-Album ist. Abbey Road ist aber eben das letzte, das die Band gemeinsam im Studio aufgenommen hat. Ein angemessener Schwanengesang für die beispielloseste Karriere der Musikgeschichte, aufgenommen im Sommer 1969 und versehen mit einem Albumcover, das zur Top-Sehenswürdigkeit in London wurde: Wer mit so einem Meisterwerk einen Schlussstrich unter sein eigenes Werk ziehen kann, kann im Grunde nicht vollkommen menschlich sein.

Johnny Cash – American IV: The Man Comes Around

Seine zerrüttet-melancholische Version von Nine Inch Nails‘ Hurt machte den Man in Black zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer breiten Audienz bekannt. American IV: The Man Comes Around war das letzte vor seinem Tod 2003 erschienene Album – und ein ebenso tiefer wie dunkler Blick in die Seele des vom Leben gezeichneten Country-Giganten. Aufgenommen in intimer Isolation mit Rick Rubin, ließen es sich auch Fiona Apple, Nick Cave und Don Henley nicht nehmen, den Meister mit ihrem Gesang zu unterstützen. Das Ergebnis ist ein essentielles Werk der Musikgeschichte – und das nach fast 50 Jahren und über 80 aufgenommenen Platten!

The Smiths – Strangeways, Here We Come

Hier wollen wir uns ausnahmsweise mal nicht über Morrissey aufregen und stattdessen die unerreichte Genialität der Smiths feiern. Strangeways, Here We Come, ihr viertes Werk von 1987, war zugleich ihr letztes und erschien nach ihrer Trennung von Rough Trade Records. Ihr reifstes und nach Ansicht vieler bestes Werk war zugleich ihr anspruchsvollstes: Eher White Album als Post-Punk-Gebirge, eher ausproduziert als bewusst roh gehalten: ein äußerst eleganter und würdevoller Abgang eben.

The Birthday Party – Junkyard

Was für ein Brett: Auf ihrem dritten und letzten Album Junkyard (1983) zeigten Nick Caves The Birthday Party dem Rest der Musikwelt, wo der Post-Punk-Hammer hängt: Schroff, wild, dämonisch, knietief durch Southern-Gothic-Topoi watend und von dissonanter Tollwut ist dieser Abschied, der schon sehr von den Inhalten und gesanglichen Exorzismen vorgab, die Nick Cave bei seinen bald nach der Auflösung von The Birthday Party gegründeten Bad Seeds aufgreifen sollte. Bis heute entströmt der Platte eine ungezähmte, unheimliche Kraft und Energie. Wahnsinn, wenn man direkt danach Ghosteen hört…

Nirvana – In Utero

Nachdem Nirvana vom Nevermind-Erfolg eher erschlagen denn euphorisiert worden waren, versuchten sie verzweifelt und vergeblich, das unfreiwillige Rockstar-Image wieder loszuwerden. Sie engagierten Produzent Steve Albini und prügelten In Utero binnen zweier fiebriger Wochen im Pachyderm Studio (Minnesota) ein. Das Ergebnis war zunächst mal ein tiefe Wunden schlagender, roher und Gift spritzender Sound, der nicht mehr viel mit der relativ glattproduzierten Nevermind-Produktion aus den Händen Butch Vigs zu tun hatte. Dem Label war die Chose aber zu ruppig, weshalb Scott Litt (R.E.M.) an Bord gebracht werden musste. Dem grandiosen Album hat es glücklicherweise nicht geschadet: In Utero zeigte Nirvana als Band, die zu mehr in der Lage war als dem Wiederholen der eigenen Erfolgsformel. Ihr Image als Posterboys des Grunge wurden sie dennoch nicht los: In Utero verkaufte sich schlanke 15 Millionen Mal.

Jimi Hendrix Experience – Electric Ladyland

Von den ersten dumpfen Trommeln und verzerrten Worten bis zu den singenden Funk-Gitarren im abschließenden Voodoo Child (Slight Return) atmet dieses Album mit jeder Note das Wort „Klassiker“. Das dritte und finale Album von Jimi Hendrix Experience ist mit über 70 Minuten nicht nur überlang; es ist das einzige, das auch von Hendrix produziert wurde. Ursprünglich nicht sonderlich geliebt, wird das Doppelalbum mittlerweile als eines der definitiven Werke der Rock-Musik und als Gipfel im Schaffen des Jimi Hendrix bezeichntet. Seine Kreuzung aus Psychedelic Rock und Blues bleibt bis heute grandios. Ebenso wie sein Cover von All Along The Watchtower, dem vorletzten Song dieses Geniestreichs.<

David Bowie – Blackstar

Nach 25 Studioalben noch mal ein überragendes Werk zu veröffentlichen, dazu sind nicht viele Künstler*innen in der Lage. David Bowie schon. Und nicht nur das: Sein Tod zwei Tage nach der Veröffentlichung von Blackstar 2016 legte offen, dass Bowie dieses Werk ganz bewusst als Schwanengesang und Abschiedsbrief konzipiert hatte. Durchzogen von debattierbaren Hinweisen auf seinen nahenden Tod, ist sein Abschied ein großes, ein erhabenes Werk, das sich ebenso jedweder Kategorisierung entzieht wie sein Schöpfer selbst.

T.Rex – Dandy In The Underworld

Wenige Monate nach der Veröffentlichung des zwölften T.Rex-Albums Dandy In The Underworld 1977 kam Frontmann Marc Bolan bei einem Autounfall ums Leben. Die Tragik dieser Ereignisse wird aus musikhistorischer Sicht noch erschwert, weil T.Rex nach zwei eher schwächeren Platten gerade wieder dabei waren, die Kurve zu kriegen. So bleibt Dandy In The Underworld als unfreiwilliger Abschied einer großen Glam-Rock-Band, die ganz offensichtlich noch einiges in petto gehabt hätte.

Leonard Cohen – You Want It Darker

Noch so ein Album, das durch seine Hintergründe eine fast schon gruselige Intensität entfaltet: Leonard Cohens You Want It Darker ist eines der düstersten Alben der Pop-Geschichte. Ein rabenschwarzer Dialog zwischen dem damals 82-jährigen Crooner und seinem vermeintlichen Schöpfer. Gerade noch rechtzeitig, wie es scheint: Das Album erschien wenige Tage vor seinem Tod. Dem zynischen und bis zuletzt humorvollen Cohen dürfte das irgendwie gefallen haben.

Nick Drake – Pink Moon

Gerade mal 28 Minuten dauert Nick Drakes letztes Album Pink Moon von 1972. Die vergisst man aber nicht allzu schnell: Spärlich und karg instrumentiert, begegnen wir einem 24-jährigen Nick Drake, der Atlas gleich die Bürde der Welt auf seinen Schultern trägt und tief melancholisch, introvertiert und von der Welt abgekehrt über seine Depression singt. All das mit seiner unvergleichlich sanften Stimme und ebenso einfachen wie sublimen Akkorden. Zwei Jahre später nahm er sich das Leben.

Anmerkung: Natürlich ist auch Joy Divisions Closer ein mehr als grandioses und wegweisendes letztes Album. Es war aber eben erst ihr zweites, weshalb es in dieser (unvollständigen) Auflistung ebenso fehlt wie das Anarchie-Manifest Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols, bekanntlich zugleich Debüt und letztes Album.

15 der besten Gitarrenriffs aller Zeiten

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

Published on

The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Kate Bush: 10 der wichtigsten Stücke der großartigen Sängerin und Songschreiberin

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

Published on

Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

Continue Reading

Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

Published on

Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss