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Popkultur

Die wichtigsten Sidemen der Rockgeschichte: 10 Musiker, die viel zu oft im Schatten standen

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Ronnie Wood und Mick Jagger von den Rolling Stones
Foto: Andrew Putler/Redferns/Getty Images

Während Background-Sänger*innen etwa fünf Meter vom Superstar-Dasein entfernt sind, sind es im Fall der besten Sidemen manchmal nur Zentimeter, denn diese wichtigen Gastmusiker gehen unmittelbar auf Tuchfühlung mit den Größten.

von Wyoming Reynolds

Zwar mag so ein*e charismatische*r Sänger*in oder Gitarrist*in mit schillernden Bühnenqualitäten wichtig sein fürs Image einer Band, fürs klangliche Fundament verantwortlich waren dabei häufig jene Mitstreiter von der Außenflanke: Sie sind Nebendarsteller, aber sehr viel mehr als irgendwelche anonymen Studiomusiker. Wie ein Leitstern halten sie das ganze Unterfangen auf Kurs, bestimmen die Richtung mit ihrer Arbeit am Fundament, auf dem die Sänger*innen glänzen können.

Weil sie viel zu selten namentlich erwähnt und gefeiert werden, haben wir hier ein paar der besten und wichtigsten Sidemen der Rockgeschichte ausgewählt und ihnen gehuldigt.

1. Sid Vicious

Die tragischen Umstände seines Todes überschatten leider viel zu häufig, was für eine zentrale Rolle Sid Vicious bei den Sex Pistols innehatte: Streng genommen kein richtiger Sideman, weil offizielles Bandmitglied – ein Sideman ist per Definition Stammgast, also mehr als ein beliebiger Studio- oder Tourmusiker, aber eben auch kein festes Kernmitglied –, war er auf dem Papier zwar nur der Bassist, doch verkörperte er den rebellischen Punk-Spirit mindestens so sehr wie Johnny Rotten. Tatsächlich sollte er Rotten und dem Gitarristen Steve Jones immer wieder die Show stehlen, was Sid Vicious zum ultimativen Sideman der Punk-Ära macht.

2. James Burton

Schon als Teenager in den Fünfzigern gut im Geschäft, hat James Burton in den letzten Jahrzehnten mit zahllosen Ikonen gespielt – u.a. mit Elvis Presley, Ricky Nelson, Emmylou Harris, John Denver, Johnny Cash, Merle Haggard und Elvis Costello. 2001 war es Keith Richards, der Mr. Burton für dessen Anpassungsfähigkeit mit der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame belohnte – aber was genau macht den Gitarristen so einzigartig? Vermutlich diese Mühelosigkeit: Selbst die kompliziertesten Gitarrenparts wirkten bei ihm so, als könne man sie auch im Schlaf einspielen. Sogar sehr viel berühmtere Gitarrist*innen aus den Bereichen Country, Rock oder Blues haben es nie geschafft, die Sache dermaßen locker, ja, wie ein Kinderspiel aussehen zu lassen.

3. James Jamerson

Eine Legende als Sideman und Studiomusiker, die zwar eher außerhalb der Rockwelt für Furore sorgte, aber eigentlich ein wichtiger Einfluss für die ganze Musikwelt war: Jamerson zählt bis heute zu den größten Bassisten der Geschichte. Obwohl sage und schreibe 30 Erstplatzierungen in den Billboard-Singlecharts auf das Konto von Jamerson und seiner Band The Funk Brothers gingen, tauchten ihre Namen offiziell erst ab 1971 auf den Veröffentlichungen von Motown auf – mehr Understatement geht nicht. Während die Motown-Meilensteine aus jenen Tagen bis heute unvergessen sind, sollte sein melodischer Style und das besondere Zusammenspiel mit dem Schlagzeug prägend für viele spätere Pop-Hits sein. Als das Label dann schließlich an die Westküste zog, arbeitete er unter anderem mit Robert Palmer und dem Beach Boy Dennis Wilson.

4. Clarence Clemons

Eine Liste wie diese wäre komplett wertlos ohne The Big Man: Clarence Clemons. Als Kernmitglied von Bruce Springsteens E Street Band dürfte er für viele sogar die größte Nebenfigur des Rock sein. Er war ein zurückhaltender Riese, also gewissermaßen der Gegenpol zum Boss – wie zu sehen auf dem Cover des Born-To-Run-Albums. Wenn er sein Tenorsaxofon rausholte, konnte das nur zwei Dinge bedeuten: Entweder sollte der Song eine komplett neue Richtung nehmen – oder es gab eine von diesen Soloeinlagen zu hören, die regelmäßig zur Gehirnschmelze führten. Für den Sound der E Street Band war er so prägend wie Mr. Springsteen, und seine Bühnenpräsenz war manchmal dermaßen groß, dass er den Rest der Truppe aus der zweiten Reihe doch noch in den Schatten stellte.

5. Steven Van Zandt

Bleiben wir bei Bruce Springsteen, denn Steven Van Zandt war gewissermaßen der Consigliere zum Boss – und das seit der ersten Begegnung der beiden in den späten Sechzigern. Auf der Bühne ein Keyplayer und offiziell erst ab 1975 Mitglied der Band, prägte Van Zandt auch im Studio die frühen Meilensteine von Born To Run bis Born In The U.S.A. Manch einer glaubt sogar, dass Stücke wie Two Hearts oder auch Bobby Jean genau genommen von „Little Steven“ handeln könnten. Was die E Street Band angeht, war mit der nach Van Zandts Abgang im Jahr 1984 nicht mehr viel anzufangen; erst nach der Reunion im Jahr 1999 fühlte sich die Gruppe wieder vollständig an. Dazwischen startete Van Zandt seine Solokarriere und spielte später mit Southside Johnny And The Asbury Jukes. Und während er immer noch mit Springsteens Band auftritt, veröffentlicht der Sopranos-Schauspieler auch immer noch neue Soloalben.

6. Waddy Wachtel

Es gibt Sidemen, die sich eher im Studio zu Hause fühlen – und es gibt andere, die besonders auf der Bühne zu Bestform auflaufen: Waddy Wachtel ist beides. Der Gitarrist, Produzent und Profi-Sideman wurde erstmals in der Live-Band der Everly Brothers aktiv, nachdem Warren Zevon ihn ins Boot geholt hatte; 1972 spielte er dann auch auf dem Album Stories We Could Tell mit. In den Jahren danach arbeitete er mit dem kompletten Who-Is-Who der Singer/Songwriter-Szene: Linda Ronstadt, Randy Newman, James Taylor. Alle wollten den Wachtel-Sound, bevor dieser auch auf dem ersten Album von Lindsey Buckingham und Stevie Nicks zu hören war – und schließlich auf dem gleichnamigen Erstling von Fleetwood Mac. Auch danach wurden die Namen nicht wirklich kleiner: The Rolling Stones, Keith Richards, Bob Dylan, Iggy Pop… weshalb man seinen Namen dann doch schon häufiger gehört hat. Eine fast unerhörte Leistung für einen Sideman.

7. Earl Slick

Earl Slick war tatsächlich erst 22 und noch vollkommen unbekannt, als er 1974 in David Bowies Band aufgenommen wurde und dort den Platz von Mick Ronson einnahm. Seinen Platz in den Annalen des Rock sicherte er sich dann schon mit denjenigen Gitarrenparts, die auf Station To Station zu hören waren. Der unglaublich talentierte und vielseitige Gitarrist verpasste jeder Komposition dieses gewisse Etwas – ob es sich nun um John Lennons I’m Losing You, Yoko Onos Kiss Kiss Kiss oder Ian Hunters Wild And Free handelte. Nach der Jahrtausendwende war er dann sogar wieder mit Bowie unterwegs – zu hören auf Heathen, Reality und der vorletzten LP The Next Day. Ein Denkmal setzte er sich und seinen Sideman-Kollegen mit dem Dokumentarfilm Rock’n’Roll Guns For Hire: The Story Of The Sideman.

8. Mike Campbell

Auf jener Tournee, die sich als seine letzte herausstellen sollte, ließ Tom Petty gerne die eine oder andere Anekdote vom Stapel – und er verneigte sich dabei auch immer wieder vor seiner rechten Hand, dem Leadgitarristen der Heartbreakers: Mike Campbell. Die beiden hatten schon als Teenager zusammen in der Band Mudcrutch in Florida gespielt, und nachdem sie dann nach L.A. gegangen waren, begann die Ära von Tom Petty And The Heartbreakers. Campbell war nicht nur Co-Autor von großen Hits wie Refugee, Runnin’ Down A Dream oder You Got Lucky, sondern auch Pettys wichtigster Berater. Abgesehen davon schrieb der Gitarrist auch Don Henleys Achtziger-Hit The Boys Of Summer mit, und erst kürzlich war sein Name bei Fleetwood Mac im Gespräch, als Ersatz für Lindsey Buckingham. Sich perfekt anpassen konnte Campbell schon immer, ganz gleich, ob neben ihm nun ein Don Henley stand, ein Bob Dylan, Johnny Cash oder George Harrison.

9. Ronnie Wood

Der britische Rhythmusgitarrist darf als Inbegriff eines Sideman gelten: Ausgebildet in Bands wie den Faces, der Jeff Beck Group und schließlich Teil der Rolling Stones, ist er einfach der perfekte Teamplayer – und das seit einem halben Jahrhundert. Keiner kann Wood das Wasser reichen, was Lässigkeit und Skills angeht, und vor allem hat er auch kein Problem damit, seine Licks im Hintergrund zu präsentieren. Von seinen vielen Solowerken ist das programmatisch betitelte I’ve Got My Own Album To Do, auf dem auch George Harrison, Ian McLagan und Bandkollege Keith Richards zu hören waren, der vermutlich beste Beweis dafür, dass er auch im Rampenlicht glänzen konnte. Seine Lieblingsposition ist trotzdem die zweite Reihe.

10. Mick Ronson

Auch der Gitarrist Mick Ronson hat eine lange Geschichte als Sideman – und sie würde sicher noch viel länger sein, wenn er nicht so früh gestorben wäre. Wer sonst kann von sich behaupten, mit David Bowie, Bob Dylan, Ian Hunter, Van Morrison, Lou Reed, Elton John und Morrissey gespielt zu haben? Ronson fühlte sich im Schatten und unterm Radar ganz wohl, und sein Style machte ihn sowohl live als auch im Studio zu einem extrem gefragten Musiker. Gewiss wäre er auch heute noch unterwegs, wäre da nicht die Krebserkrankung gewesen, die ihm schon mit 46 einen Strich durch die Rechnung machen sollte. Seine Aufnahmen leben weiter, und erst kürzlich wurde sein Werk sogar mit einem Dokumentarfilm geehrt: Beside Bowie – The Mick Ronson Story.


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