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Popkultur

10 Rocksongs aus den 2000ern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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NICKELBACK
Foto: Jeff Kravitz/FilmMagic, Inc/Getty Images

Wir haben euch die Blitzohrwürmer der Sechziger vorgestellt, genau wie die der Siebziger, Achtziger und der Neunziger. Heute fällt unsere Zeitreise etwas kürzer aus: Willkommen zu zehn Rocksongs aus den 2000ern, die man nach den ersten Tönen erkennt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch 10 Rocksongs aus den 2000ern anhören, die man nach wenigen Sekunden erkennt:

1. Papa Roach – Last Resort (2000)

Als die Kalifornier Papa Roach am 7. März 2000 ihre allererste Single Last Resort von ihrem Debütalbum Infest veröffentlichen, ist das neue Jahrtausend noch keine drei Monate alt. Frontmann Jacoby Shaddix verarbeitet darin einen Schock, wie er in einem Interview mit Blabbermouth verrät: „Einer meiner besten Freunde hatte versucht, sich umzubringen, während wir zusammengewohnt haben. Das war ein traumatisches Erlebnis. Ich singe das Lied aber aus der Ich-Perspektive, weil… na ja, so schreibe ich halt.“ Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist ihm dank böser Begrifflichkeiten wie „Suicide“ oder gar „Fuck“ sicher. So durchläuft Last Resort wegen der anstößigen Worte zwar einen umfangreichen Zensierungsprozess, doch das verhilft der Nummer bloß zu noch mehr Berühmtheit. Bis heute, wissen Rockfans aus aller Welt sofort Bescheid, wenn diese beiden Zeilen erklingen: „Cut my life into pieces / This is my last resort“.

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2. The Dandy Warhols – Bohemian Like You (2000)

Was Werbung alles bewirken kann: Als Bohemian Like You von den Dandy Warhols am 11. Juli 2000 in den USA zum ersten Mal erscheint, hält sich die Begeisterung der Musikwelt noch in Grenzen. In Großbritannien schrammen die US-Amerikaner wenig später knapp an den Top 40 vorbei, obwohl sie kurz vor der Single-Veröffentlichung auf dem legendären Glastonbury Festival aufgetreten waren. Als der Telekommunikations-Riese Vodafone den Song im Spätsommer in einen Werbespot einbaut, ändert sich alles: Bohemian Like You erscheint noch einmal, diesmal stürmt die Single in den UK-Singlecharts auf Platz fünf. Im Nachgang taucht der Song in unzähligen Filmen und Serien auf, wie zum Beispiel Buffy — Im Bann der Dämonen. Bis heute erkennen die meisten das Lied nach nur wenigen Sekunden. Für die Dandy Warhols bleibt das Stück allerdings der einzige große Hit.

3. The Hives – Hate To Say I Told You So (2000)

Der Vermerk „aus Schweden“ gilt im Rock’n’Roll als Gütesiegel, doch nur wenigen skandinavischen Rocker*innen gelingen mit ihrer Krachmusik internationale Erfolge. Auch die Hives begeistern mit ihrem Debüt Barely Legal (1997) vor allem europäische Fans, doch als die Gruppe um Frontmann Howlin’ Pelle Almqvist im Jahr 2000 ihr Zweitwerk Veni Vidi Vicious auf die Öffentlichkeit loslässt, brechen die Dämme sogar in Richtung USA. Das liegt nicht zuletzt an der überaus erfolgreichen Single Hate To Say I Told You So, deren markantes Gitarrenriff gleich in den ersten Sekunden klarstellt, was die Hives am besten können: Groove, Punk-Attitüde und Rotzrock höchster Güte.

4. Alien Ant Farm – Smooth Criminal (2001)

Okay, okay, dieser Song stammt zwar nicht aus den 2000ern, denn Michael Jackson hatte Smooth Criminal bereits 1987 auf seinem siebten Album Bad veröffentlicht. Die Pop-Punks von Alien Ant Farm machen sich das Stück durch ihre Interpretation allerdings so sehr zu eigen, dass viele Radiohörer*innen wohl bis heute denken, die Kalifornier hätten die Nummer selbst komponiert. Das liegt nicht nur daran, dass Alien Ant Farm das Stück in einer Rockversion spielen und das Tempo dafür mächtig anziehen, sondern auch am unmittelbaren Einstieg. Während Jackson sich mit dem Intro ein wenig mehr Zeit lässt, legen Alien Ant Farm gleich los und drücken der Musikwelt ihre Version von Smooth Criminal ohne Vorwarnung mitten ins Gesicht.

5. Nickelback – How You Remind Me (2001)

Wenn der Name Nickelback erklingt, drehen sich viele hartgesottene Rockfans angewidert weg. Der Erfolg der Kanadier spricht allerdings eine ganz andere Sprache: Platz eins in den USA, Österreich, Dänemark und Irland; Top 5 in Großbritannien, Australien, Belgien, Deutschland, Neuseeland, Norwegen, Schottland, Schweden und der Schweiz. Mit ihrem Über-Hit How You Remind Me räumen Nickelback 2001 so ziemlich alles ab, was möglich ist. Kein Wunder, denn auch diese Nummer zündet innerhalb weniger Sekunden. „Never made it as a wise man / I couldn’t cut it as a poor man stealing“: Wer nicht nach den ersten zwei Zeilen erkennt, welcher Song gerade läuft, kann von 2001 bis 2010 kein Radio gehört haben. Ob man Nickelback nun mag oder nicht: Man kann der Gruppe nicht absprechen, dass sie mit How You Remind Me einen der größten Rock-Hits des bisherigen 21. Jahrhunderts gelandet hat.

6. Audioslave – Like A Stone (2002)

Was für eine Personalliste! Chris Cornell von Soundgarden am Mikro; Tim Commerford, Brad Wilk und Tom Morello von Rage Against The Machine an Bass, Schlagzeug und Gitarre. Als wäre das noch nicht genug, sitzt Produzenten-Legende Rick Rubin am Mischpult und veredelt das Audioslave-Debüt zu einem Meilenstein der 2000er. Das Artwork entwirft Hipgnosis-Mastermind Storm Thorgerson. Da überrascht es nicht, dass die Supergroup mit ihrem ersten Album in die Rockwelt einschlägt, als habe die Welt auf die Band gewartet. Als zweite Single-Auskopplung erscheint der Song Like A Stone, dessen Inhalt Frontmann Cornell wie folgt beschreibt: „Es geht in dem Song um das Leben nach dem Tod, das man sich wünscht, nicht um den normalen monotheistischen Ansatz: Du arbeitest dein ganzes Leben lang hart, versuchst ein guter Mensch zu sein, eine moralische Person, fair und großzügig — und dann kommst du trotzdem in die Hölle.“ Ein großes Thema, zugänglich verpackt — denn auch Like A Stone erkennt man schon nach dem ersten Gitarrenton.

 

7. The White Stripes – Seven Nation Army (2003)

Kein Fußballstadion der Welt kommt noch ohne diesen Ohrwurm aus. Das überrascht nicht, denn stark euphorisiert und mit 1,5 Promille im Blut funktionieren vor allem die eingängigsten Stücke. In Seven Nation Army benötigen die White Stripes nur wenige Basstöne, um den prägenden Teil ihres Songs vorzustellen, den man wirklich immer mitgrölen kann: Dö, dödö, dö, dö, dööö, dööö. Der Startschuss für den Fußballtrend fällt in Italien und zwar am 22. Oktober 2003. An jenem Tag empfängt der AC Mailand im Rahmen der Champions League den belgischen Verein FC Brügge und Seven Nation Army ertönt lauthals von den belgischen Rängen. Als Italien im Jahr 2006 die Fußballweltmeisterschaft gewinnt, erklingt der Song überall im Land. „Ich fühle mich geehrt, dass die Italiener den Song als ihren eigenen adoptiert haben“, erzählt Komponist Jack White in einem Interview mit dem britischen Musikmagazin NME. „Es gibt in der Musik nichts Schöneres, als Menschen, die eine Melodie annehmen und ihr erlauben in den Pantheon der Volksmusik aufgenommen zu werden.“ Schöne Worte!

8. Linkin Park – Numb (2003)

Ein Nu-Metal-Song, den man schon nach wenigen Sekunden an den ersten Keyboard-Tönen erkennt? Das dürfte Seltenheitswert haben. Genau diese Mischung gelingt Linkin Park allerdings mit ihrer achten Single Numb, einer der erfolgreichsten Veröffentlichungen der Gruppe. „I’ve become so numb / I can’t feel you there / Become so tired / So much more aware“, singt Frontmann Chester Bennington im Refrain. Fast 15 Jahre später erobert das Stück 2017 noch einmal die Charts, allerdings aus einem traurigen Grund: Am 20. Juli 2017 hatte sich Bennington mit gerade einmal 41 Jahren das Leben genommen.

9. Green Day – American Idiot (2004)

In American Idiot rechnen Green Day mit der US-amerikanischen Medienlandschaft ab und suchen sich als Beispiel die Berichterstattung über den Irak-Krieg heraus. Laut Band hätten die US-Medien in ihren Nachrichtensendungen die Grenze von News und Reality-TV überschritten. „Sie hatten all diese Geraldo-mäßigen Journalisten in den Panzern bei den Soldaten, die alles mitbekommen haben“, erzählt Green-Day-Frontmann Billie Joe Armstrong in einem Interview. Die US-Sender hätten brutalstes Bildmaterial gezeigt und dazwischen Werbung gesendet. Mit American Idiot üben die Pop-Punks allerdings nicht nur Medienkritik, sondern erschaffen zudem einen echten Ohrwurm, der weltweit in den Charts landet.

10. Foo Fighters – The Pretender (2007)

Als die Foo Fighters am 21. August 2007 die erste Single von ihrem sechsten Studioalbum Echoes, Silence, Patience & Grace veröffentlichen, haben die US-Rocker schon zahlreiche erfolgreiche Songs im Rücken, von denen viele bereits nach den ersten Sekunden zünden. Da wären zum Beispiel Everlong, Learn To Fly und Best Of You. Doch selbst zwölf Jahre nach ihrem Debütalbum gelingt der Gruppe um Frontmann Dave Grohl noch ein Hit, den Rockfans nach nur wenigen Tönen erkennen. In den USA handelt es sich bisher um den letzten Top-40-Hit der Foo Fighters. Wie es mit der Band weitergeht, ist nach dem Tod von Schlagzeuger Taylor Hawkins am 25. März 2022 noch ungewiss.

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10 Rock- und Metalsongs aus den Neunzigern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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