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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.5.1945 wird der kanadische Songwriter Bruce Cockburn geboren.

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Foto: Scott Gries/ImageDirect/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.5.1945.

von Tom Küppers und Christof Leim

Die reine Erwähnung des Namens Bruce Cockburn lässt vielleicht nicht sofort den Groschen fallen. Doch wenn man ein paar Takte von If I Had A Rocket Launcher oder Pacing The Cage hört, denkt man sich: „Verdammt, den Song kenn ich doch“. Anlässlich seines 75. Geburtstages widmen wir dem kanadischen Songwriter einen Rückblick auf sein künstlerisches Leben. 

Die größten Hits von Bruce Cockburn:

Zugegeben, auf den ersten Blick mag die Liste wichtiger kanadischer Rock- und Pop-Größen vergleichsweise übersichtlich wirken. Dass Bryan Adams von dort stammt, vergisst man gerne mal, genau wie Neil Young, Leonard Cohen oder Alanis Morissette. Doch der am 27. Mai 1945 in Ottawa geborene Bruce Douglas Cockburn zählt heutzutage zu den Großen in der Songwriter-Zunft. 

Von der Schule auf die Strasse

Seine Jugend verläuft ziemlich normal, zumindest bis zu dem Moment, als er 1959 auf dem Dachboden der Großmutter eine Gitarre findet und auf dieser zu den zeitgenössischen Hits des Radios in die Saiten haut. Insbesondere der Jazz hat es Bruce angetan, weshalb er sich vom Organisten der örtlichen Kirche die Grundlagen der Musiktheorie sowie das Klavier nahebringen lässt. 1964, also mit knapp 19 Jahren, weiß Cockburn genau, wie sein Leben aussehen soll. Schon im Jahrbuch einer High School verkündet er, dass er gerne Musiker werden möchte. Deine damaliger Musiklehrer Ronald E.J. Milne erinnert sich 1988 schmunzelnd daran, dass er den jungen Bruce zwar regelmässig habe Gitarre spielen sehen, aber ihn leider nie in seinem Unterricht hätte begrüßen dürfen. 

Der Soloeinstand von 1970 öffnet Cockburn viele Türen.

Nach seinem Abschluss verschlägt es ihn auf eine Reise nach Europa, wo sich Cockburn in Paris als Straßenmusiker durchschlägt. Nach seiner Rückkehr schreibt er sich dann an der renommierten Berklee School Of Music in Boston ein, doch nach wenigen Semestern entscheidet er sich für eine Karriere als Popmusiker. Mit der Band Olivus reicht es dann sogar für Auftritte im Vorprogramm von Jimi Hendrix und Cream, doch gleichzeitig spürt Bruce den Drang, sich als Solokünstler einen Namen zu machen. Schon 1967 spielt er alleine auf dem Mariposa Folk Festival, zwei Jahre später ist er bereits  einer der Headliner. Sein schlicht Bruce Cockburn betiteltes Solodebüt schlägt ein wie eine Bombe und legt den Grundstein zu einer langen Karriere. Zumindest in seiner Heimat geht es jetzt los, in den benachbarten USA dauert es bis 1979, bis er mit der Single Wondering Where The Lions Are aus dem Album Dancing In The Dragon’s Jaws auch dort seinen Durchbruch schafft, der ihn schlussendlich im Rest der Welt bekannt machen wird. 

Musikalische und menschliche Entwicklung

Im Verlauf der Achtziger finden sich immer mehr politisch und soziokulturell angehauchte Themen in seinen Liedern. Als er ein Flüchtlingscamp in Mexico besucht und dabei unter Beschuss gerät, inspiriert ihn das zu If I Had A Rocket Launcher, welches ihm trotz ernsthafter Botschaft prompt seinen zweiten US-Hit beschert. 

Musikalisch erweitert er seien Horizont stetig und findet frische Inspirationen unter anderem im Reggae und der lateinamerikanischen Musik. In den Neunzigern kollaboriert Cockburn dann mit dem ehemaligen Bob-Dylan-Gitarristen T Bone Burnett für zwei herausragende Werke namens Nothing But A Burning Light (1991) und Dart To The Heart (1994), die zeigen, welche Handwerkskunst hinter seinen Kompositionen steckt. Im neuen Jahrtausend lädt sich Bruce für Album Nummer 21 namens You’ve Never Seen Everything (2003) eine illustre Gästeschar ein, darunter Jackson Browne und Emmylou Harris. 

Oft gecovert

Natürlich haben etliche andere Künstler und Künstlerinnen Songs von Cockburn neu interpretiert. Die Laufbahn der Landsleute von den Barenaked Ladies nimmt erst mit einem Cover von Lovers In A Dangerous Time echte Fahrt auf, Jimmy Buffet bedient sich gleich mehrfach, selbst ein Jerry Garcia von Grateful Dead kommt solo nicht um Waiting For A Miracle herum. Für sein humanitäres Engagement wird der bekennende Christ gleich mehrfach geehrt, schon früh in seiner Karriere setzt er sich für Organisationen wie Oxfam ein und engagiert sich gegen den Einsatz von Landminen. 2011 heiratet er seine langjährige Freundin M.J. Harnett, nachdem er mit 66 Jahren nochmal Vater wird. Die Familie lebt in San Francisco.

Außerdem wird Bruce Cockburn noch eine große Rolle bei der Veränderung der akustischen Gitarre zu geschrieben: Im Vergleich zu einer E-Gitarre sind die höheren Lagen aufgrund der typischen Bauart bei ihrem stromlosen Pendant schwerer zu erreichen. Cockburns Wunsch, in eben jenen tonalen Regionen spielen zu können, führt dazu, dass der Hersteller Larrivée bei seiner C-Serie eine Ausfräsung (Fachbegriff: Cutaway) hinzufügt, was in der konservativen Gitarrenbauerszene einem kleinen Skandal gleich kommt. Heute zählt diese Variante bei allen Herstellern zum Standard. 

Seinen Geburtstag verbringt Cockburn vermutlich im Kreise seiner Lieben in seine Wahlheimat San Francisco. Wir verbeugen uns ehrfürchtig vor einem tollen Songwriter. Happy Birthday.

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