------------

Popkultur

Das Album ist nicht tot. Lang lebe der Longplayer!

Published on

Fast täglich versichert uns irgendjemand, dass der Longplayer nur noch ein Relikt ist. Eine Kunstform, die sich hartnäckig weigert, ihren eigenen Verfall anzuerkennen, obwohl sie auf der Leiter der Evolution schon lange von der Single überholt wurde und seit Anfang des neuen Jahrtausends dem Tode geweiht ist. Wer in dieser popfixierten, fragmentierten Zeit würde denn ernsthaft behaupten, dass das Album nicht tot ist? Dass es sogar die ideale Ausdrucksform des 21. und nicht nur des 20. Jahrhunderts ist? Das wäre doch geradezu technikfeindlich, oder nicht?

von Chris Willam

Und doch – auch wenn sie immer wieder ihre kalten Messer in seinen Körper stecken – das Biest will einfach nicht sterben. Vielleicht sollten wir statt den Eagles lieber die Pointer Sisters zitieren: ‘we want a lover – and an artist – with a slow hand’. Hört auf Anita: Nicht alles, was das Leben schön macht, ist in vier Minuten vorbei.

Ist das Album tot?

Für viele ist das Schicksal des Albums eng verknüpft mit dem des Rock’n’Roll. Wenn einer taumelt, so tut es der andere auch. Dieser Zusammenhang ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Wenn wir an die größten Alben denken, dann fällt den meisten Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles und Exile On Main St von den Rolling Stones ein; Alben die alle eine Art von rotem Faden hatten, und war er auch noch so lose geknüpft, der diese 10 bis 16 Tracks miteinander verband und damit einen fantastischen Snobbismus nach außen trug, der den meisten Fender-schwenkenden Herrschaften recht vertraut sein dürfte. Aber auf die können wir uns nicht komplett verlassen, wenn es darum geht, das Album über das Jahr 2020 hinaus gesund und munter zu erhalten. Erfunden hat das Album, so wie wir es heute kennen, ein nachdenklicher Popsänger namens Frank Sinatra, darum ist es nur angemessen, dass nachdenkliche Pop-Singer/Songwriter wie Taylor Swift es ins 21. Jahrhundert retten.

Vor ein paar Jahren, kurz nach der Veröffentlichung von 1989, fragte der Autor Taylor Swift, warum sie weiterhin so am Album festhielt, wenn viele ihrer Zeitgenossen das sicherlich als nicht zeitgemäß ansahen. “Das ist eine persönliche Entscheidung für jeden Künstler”, sagte sie mir. “Ich möchte lieber einen Roman schreiben als eine Reihe von Kurzgeschichten. An mich soll man sich lieber als eine Künstlerin erinnern, die Sammlungen von Songs veröffentlicht hat, die zusammen gehören und zusammen atmen. Das sind Kapitel meines Lebens, die immer zwei Jahre umfassen. Und ich versuche wirklich mein Bestes, damit diese Kapitel gut genug sind, um auch auf die Zweijahresabschnitte im Leben anderer Menschen übertragbar zu sein. Meine Kindheit wurde durch Alben geprägt, und auch mein Leben. Und ich hoffe wirklich, dass sie auch in Zukunft diese Wirkung auf die Menschen haben werden.”



Sam Smith äußerte sich ähnlich, als er gerade zwischen seinem Debüt und dem zweiten Album stand. Er erklärte dem Autor, dass er versuchte, Alben zu schreiben, die einen Bogen spannen und ihm trotzdem die Möglichkeit geben, tiefer in Songs einzutauchen, die einfach nur für sich sprechen sollten.

“Ein zusammenhängende Werk”

“Als ich mein [Debüt-]Album schrieb, hatte ich Angst: Vielleicht wollen sie nur Hits? Ich schickte ihnen Songs, die definitiv keine Hits waren, aber textlich einige meiner persönlichsten Songs – und letztendlich waren das die Lieblingssongs [der Labelchefs]. Sie wollten auch ein richtiges Album machen und dafür habe ich mich wirklich glücklich geschätzt, denn es gibt nicht mehr viele, die darauf Wert legen – auf zusammenhängende Alben, mit einer Geschichte.”

Er fuhr fort: “So hat es Beyoncé gemacht und so macht es Adele. Und ich glaube, was wir uns wünschen ist, dass die Leute sich [ganze] Alben anhören, ein zusammenhängendes Werk. Ich möchte, dass die Leute sich mit meinem Leben auseinandersetzen, nicht nur einer Facette davon.”



Die gängige Meinung ist, dass nur alternde Rocker an der Idee des Albums festhalten, die doch eigentlich eine Bürde ist. Aber oftmals ist das Gegenteil der Fall. Vor einigen Jahren sprach ich mit Stevie Nicks über Fleetwood Macs erste Tour seit Jahren und über die traditionelle Erwartung, dass es zu der Tour ein Album geben würde. Sie hatte sich von diesem Modell bereits verabschiedet: Die Band hatte zwei neue Songs aufgenommen, die sie digital veröffentlichen wollten und das war’s. Warum sollte man sich die Mühe machen, fand sie?

Der beste Bogenspanner

“Weißt Du, heutzutage sitzt doch niemand mehr zu Hause und wartet auf irgendein Album”, erklärte mir Nicks. “Und das ist traurig. Es ist nicht so, dass wir uns das so wünschen. Wenn wir das Gefühl gehabt hätten, dass es Sinn macht, für acht Monate ein Haus zu mieten und ein Album zu schreiben, dann hätten wir das gemacht. Wenn ich nochmal ein Soloalbum mache, dann werden da keine 14 Songs drauf sein. Wahrscheinlich werden acht Songs drauf sein, denn es sieht nicht so aus, dass die Welt im Moment 14 Songs will.”

“Es sieht sogar vielmehr danach aus, dass die Welt nur zwei oder drei Songs will. Und wir haben uns dem angepasst, was das Musikbusiness sich wünscht, nicht weil wir das so wollen. Wenn die Welt anders wäre, würden wir jetzt an einem Album arbeiten. Und wir wünschten, die Welt wäre so, das können Sie mir glauben. Ganz ehrlich. Es tut uns leid für die Menschen, die das nie erleben und verstehen und sich nie in dieser Welt verlieben werden.”

Stevie Nicks, selbsternannte Meisterin der Tracklist, hat das Konzept des Albums auf ihre Liveshows übertragen

Nicks fügt hinzu, dass sie die Hoffnung für das Ideal des “Longplayers” noch nicht aufgegeben habe. Sie habe dieses Konzept nun auf das Livekonzert übertragen. So erzählte sie stolz, dass sie mehr Wert darauf legt, den richtigen Spannungsbogen über den Abend zu spannen und dass sie auch besonders gut darin sei. “Ich mache die besten Tracklistem, auch wenn die anderen das nicht gerne zugeben”, sagte sie. Und fügte als Beleg hinzu: “Ich habe die Trackliste für Rumours festgelegt.”

Ein Anfang, eine Mitte und ein Ende

Ich verrate Euch ein Geheimnis: Wenn Ihr Euch mal mit einem richtig guten Künstler auf einer tiefgründigen und nerdigen Ebene unterhalten wollt, dann fragt sie, wie sie die Reihenfolge der Songs auf ihrem Album festgelegt haben. Da kommt selten ein brauchbarer O-Ton für die Allgemeinheit raus, aber Künstler verbringen oft viel zu viel Zeit (d.h. genau so viel Zeit wie nötig) damit, sich für einen perfekten Anfang, eine Mitte und ein Ende zu entscheiden.

Die Platzierung der Songs ist besonders spannend für alle, die gerne im Gehirn des Künstlers und seinen Mysterien auf Erkundungstour gehen wollen. Warum wählte er genau diesen Closing Track als finales Statement des Albums? War es Nachlässigkeit, zwei klangvolle Balladen direkt hintereinander zu platzieren oder vielmehr ein Geniestreich, um die Stimmung zu halten? Wenn der offensichtliche Hit mitten in der Tracklist versteckt ist – ist das Aufschneiderei? Der Versuch, eine Zäsur zu setzen? Oder lässt es darauf schließen, dass sie selbst gar nicht an den Erfolg des Songs glaubten?

Kontext ist wichtig

Aber es gibt jemanden, der immer noch meint, dass Alben wichtig sind. Und das heißt, dass Kontext wichtig ist. Über Sgt Pepper müssen wir gar nicht reden. Dieses Album hat wahrscheinlich eine der besten Tracklists mit der besten Reihenfolge aller Zeiten. Aber The White Album steht mit seinen vielen unterschiedlichen und verstreuten Themen eigentlich in dem Ruf, das genaue Gegenteil eines Konzeptalbums zu sein. Allerdings könnte man sagen, dass Revolution 9 und Goodnight noch stärker wirken, weil sich ihre extremen Gegensätze aus Avantgarde und Wiegenlied am Ende des Albums direkt gegenüberstehen.



Die Anfänge des Albums als künstlerisches Statement gehen auf den Wunsch zurück, eine bestimmte Stimmung oder ein Thema zu halten, und man kann diese Anfänge zurückverfolgen bis zu Frances Albert Sinatra. Die neue Reissue von Frank Sinatra Sings For Only the Lonely erinnert daran, was für ein innovativer Künstler der “Chairman” in seinen Mittfünfzigern war: Das LP-Format war gerade erst geboren, da widmete er schon ganze Platten dem Thema Herzschmerz, und zwar nicht nur auf seinem sehr orchesterlastigen Klassiker, sondern auch mit dem sparsam instrumentierten In The Wee Small Hours Of The Morning.

Natürlich hat Frank Sinatra das größte musikalische Vermächtnis der 50er Jahre (neben Elvis) nicht nur darauf aufgebaut, dass er die kreischenden Mädchen mit trauriger Musik ruhigstellen wollte. Es gab auch Konzeptalben mit optimistischerer Atmosphäre: Come Fly With Me (Songs über das Reisen), Songs For Young Lovers (Songs über, nun, junge Liebe eben), Come Dance With Me (Ihr versteht schon). Und später versuchte er sich mit Watertown und Trilogy an ausgedehnten, fast progrockartigen konzeptionellen Großprojekten. Wenn jemand ein Problem damit hat, Alben als das beste künstlerische Medium der Musik anzuerkennen, würde Franks Geist das bestimmt gerne in der Gasse hinter dem Sands Casino klären.

Das Konzept des Konzeptalbums

Aber Sinatra war nicht der erste Künstler, der Songs thematisch bündelte. Viele verweisen da auf Woody Guthries Dust Bowl Ballads. Und wenn ihr denkt, dass die LP 1940 ja noch gar nicht erfunden war, dann solltet Ihr wissen, dass diese Sammlung in zwei Sets aus je drei 78rpm-Platten erschien. Das Wort “Album” ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit 12”/33 1/3-Vinyl. Künstler, die wir als Folk oder Easy Listening kategorisieren würden, haben schon lange vor Tommy Konzeptalben geschrieben, auch wenn sie nicht für Ken Russell- oder Broadway-Adaptionen geeignet waren.

Aber aus irgendeinem Grund verbindet man die Idee des Albums oft mit Überheblichkeit und ich habe gemischte Gefühle in Bezug auf den Höhepunkt der Arroganz des Konzeptalbums, der Mitte der 70er erreicht war. Manche sind bestimmt der Meinung, dass Rick Wakeman mit seiner ein komplettes Album umfassenden Adaption von Jules Vernes Journey To The Centre Of The Earth  vor allem sich selbst gefiel, aber dann müsste man es auch vielen Fans mit Gewalt aus den toten, kalten Händen reißen.

Wenn man es mal anders betrachtet, dann ist The Whos Album Quadrophenia die Apotheose von Rockarroganz, die tatsächlich rockt. Aber vielleicht war das der Anfang vom Ende der Idee, dass Konzeptalben das Non plus ultra sind, besonders seit Pink Floyd 1981 ihr damaliges Best-Of A Collection Of Great Dance Songs nannten und sich damit selbst auf den Arm nahmen.

Das Album ist nicht tot

Sam Smith sagte, dass seinem Gefühl nach fast jedes gute Album ein Konzeptalbum ist, sogar wenn es sich dabei um eine Sammlung großartiger Dance Songs handelt. Ob sie jetzt eine Geschichte erzählen wollen oder nicht, Musiker haben immer das Bedürfnis nach einem roten Faden, der sich durch ihre Arbeit ziehen soll. Sie sind bessere Kuratoren für ihre eigene Musik als wir, auch wenn jetzt dank Streaming jeder der beste Geschmackstester ist. Es gibt immer noch genug von uns, die gerne eine ganze Mahlzeit einnehmen und nun ist es an den Swifts, Smiths und Beyoncés dieser Welt (und vielleicht ein paar ehrgeizigen Oldschool-Rockern) den langsamen und den hastigen Essern gerecht zu werden.


Das könnte euch auch gefallen:

“Frank”: Das mutige, bittersüße und unerschrockene Debütalbum von Amy Winehouse

Ist Rockmusik tot? Nicht wenn ihr richtig hinhört!

The Show Must Go On: Freddie Mercurys Lieblingsfilme

Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

Continue Reading

Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

Published on

Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]