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Popkultur

Die besten Zitate von Chris Cornell: Der legendäre Sänger in seinen eigenen Worten

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Foto: Jeff Lipsky

Chris Cornell war einer der charismatischsten Musiker in der Geschichte der Rockmusik; ein unangepasster Künstler, wie es ihn vielleicht nie wieder geben wird. Und er fehlt jeden Tag. Wenn man wahllos in einen Stapel von Chris Cornell-Zitaten greift, findet man dort einen gebildeten und nachdenklichen Mann, der ehrliche und tiefe Einblicke in sein Leben und seine Kunst gibt.

von Tim Peacock

Am bekanntesten ist er wohl als Gesicht der Seattle-Grunge Kultband Soundgarden. Aber Cornell hat auch drei großartige Alben mit der Rock-Supergroup Audioslave aufgenommen und unterhielt parallel dazu noch eine sehr erfolgreiche Solokarriere. All das endete mit seinem tragischen und viel zu frühen Tod im Mai 2017. Dank seines großen Bekanntheitsgrades war er ein gefragter Interviewpartner und in seinen Gesprächen war er immer offen, freundlich und aufmerksam.

Wir haben die besten Chris Cornell-Zitate gesichtet und präsentieren euch hier die einzigartige Karriere eines außergewöhnlichen Singer-Songwriters in seinen eigenen Worten.

Über die Anfänge und seinen Weg zum Sänger

„Ich hatte schon immer ein Talent für Musik. [Als Teenager] kaufte ich ein Schlagzeug für ungefähr 50 Dollar und drei Wochen später war ich in einer Band. Und nicht nur das, die Leute sagten sogar, dass ich echt gut bin. Für jemanden mit einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne, der keine Geduld für irgendwas hat, war das nicht übel. Und ich fand es auch nicht anstrengend. Ich setzte mich einfach hin und legte direkt los. Einen einfachen Rockbeat konnte ich sofort spielen. Dafür brauchte ich keine Geduld und darum habe ich es wahrscheinlich durchgezogen.” (Request, Oktober 1994)

„Am Schlagzeug fing ich dann auch an, Backing Vocals zu singen. Ich dachte mir, wenn ich daran arbeite, dann bin ich irgendwann so gut, dass mich irgendeine tolle Band anrufen wird. Das ist nicht passiert. Zwischen 17 und 21 war ich in verschiedenen Bands, aber dann wurde mir klar, wenn ich Musik spielen wollte, die mir wirklich gefällt, musste ich diese Musik selbst schreiben. Und so entstand Soundgarden. Wir dachten, ‘Okay, wir suchen jetzt einfach noch einen Drummer oder einen Sänger und schauen mal, wer zuerst kommt’. Darum bin ich Sänger.” (Spin, 2006)

Hört hier das Album Higher Truth von Chris Cornell an:

Über Nirvana

„Meine erste Erinnerung an Nirvana ist eine Kassette mit Demos, aus denen irgendwann das Album Bleach entstand. Absolut jeder fand, dass die Band großartig und die Songs genial waren. Und sie zeigten mal wieder, dass im Nordwesten etwas Tolles passierte. Dass ein Trio so klingen konnte, war schon heftig und wenn man dann noch versuchte zu verstehen, wie ein Typ einen Song wie Floyd The Barber schreiben konnte – wo kommt sowas her?” (Rolling Stone, 2014)

Über Seattle und den Aufstieg des Grunge

„Ich habe meinen Schwager mit hochgenommen [nach Seattle]. Er ist Drehbuchautor und nach ein paar Tagen stellte er fest, dass er nicht arbeiten konnte – der düstere Himmel, der ständige Regen und das bedrückende Gefühl. Ich hatte das völlig vergessen. Oder vielleicht hatte ich mich schon daran gewöhnt.” (Classic Rock, 2012)

„Die Szene in Seattle profitierte stark von der MTV-Kultur und wegen der Art, wie Nirvana sich präsentierten und wegen ihres Looks stießen sie weltweit auf Begeisterung. Die Rockszene war hedonistisch geworden: 35-jährige Kerle flogen mit einem Helikopter bis an die Bühne, gingen mit Supermodels aus und taten einfach alles dafür, nichts mit ihrem Publikum zu tun zu haben. Nirvana waren härter, extrem originell und sahen dabei aus wie deine Highschool-Kumpel. Ich glaube, das war das Geheimnis.” (Rolling Stone, 2014)

Credit: Marty Temme

Über Musikindustrie-Awards

„Ich will nicht respektlos sein, aber ich hoffe wirklich, dass keiner denkt, dass der Grammy für mich oder den Rest der Band eine Notwendigkeit war oder dass wir irgendwie unsere Legitimation daraus zogen, denn das war garantiert nicht der Fall. Das war für uns wirklich nicht wichtig. Sowas passt besser zu anderen. Das würde ich nie öffentlich sagen und wenn einem das wirklich gegen den Strich geht, dann bleibt man der Veranstaltung am besten fern.

„In zehn Jahren sehe ich das vielleicht anders und denke ‘Wow, das ist uns passiert – das war schon ungewöhnlich. Nicht jeder bekommt die Chance, einen Grammy mit nach Hause zu nehmen’. Es lenkt halt einfach von dem ab, wofür wir brennen – Musik zu machen, Platten aufzunehmen und an nichts weiter zu denken; ob das jetzt Verkaufszahlen sind oder die Meinung anderer Leute. Für uns ist der Schlüssel zum Erfolg in der Band eigentlich immer, alles außerhalb der Band zu vergessen.” (RockNet, Mai 1996)

Über Soundgardens Meilenstein Superunknown

„Für mich war das eine Zeit, wo ich das Gefühl hatte, dass viel Verantwortung auf mir lastet und viel Druck, uns beweisen zu müssen. Wir wollten zeigen, dass wir eigenständig waren und nicht Teil einer zufällig passenden Gruppe, zu der wir aus geographischen Gründen gehörten. Es hat mich nicht gestört, mit den anderen Bands aus Seattle in einen Topf geworfen zu werden. Ich fand das super. Aber ich fand trotzdem, dass wir alle beweisen mussten, dass wir auch eigenständig existieren und international spielen konnten; dass wir nicht nur Teil eines Trends waren wie die British Invasion oder eine New York Noise-Szene. Superunknown hat das für mich geleistet. Das Album zeigte, dass wir nicht einfach nur der Geschmack des Monats waren. Wir mussten die Gunst der Stunde nutzen und ich denke, das haben wir getan.” (Rolling Stone, 2014)

Über die Entstehung ihres Durchbruch-Hits Black Hole Sun

Black Hole Sun habe ich komplett in meinem Keller geschrieben und aufgenommen – 16 Stunden am Tag. Und dann habe ich ein Band des fertigen Songs der Band vorgelegt, die ihn dann gelernt hat. Das war für einen Moment irgendwie erfrischend und cool, weil wir so noch nicht gearbeitet haben und wir hatten Ideen, uns als Band neu zu erfinden.” (Classic Rock, 2005)

„Ich habe mich gefreut [dass es ein Hit wurde]. Wir hatten so viele verschiedene Songs und es hat mich gefreut, dass dieser Song stilistisch jenseits aller Genregrenzen unterwegs war und man ihn mit nichts vergleichen konnte, was es davor oder danach gegeben hat. Er ist komplett eigenständig. Und er passte absolut zu Soundgarden. Aber ich bilde mir definitiv nicht ein, dass ich mich einfach hinsetzen und einen Hit schreiben kann.” (Rolling Stone, 2014)

Über den Straßenmusiker Artis The Spoonman aus Seattle und wie er seine Solokarriere beeinflusst hat

„Er hat mein Leben insoweit verändert, dass das einzige, was ich neben Soundgarden mache, diese Solo-Akustik-Geschichte ist, mit der ich auf Tour gehe. Er hat mich wahnsinnig inspiriert – dass ein Mensch so etwas reißen konnte. Ich erinnere mich, wie ich mit acht oder zehn Leuten in einem Raum saß und er kam rein mit einer Art Ledermappe, die er immer bei sich trägt, und holte seine Löffel raus. Und uns fiel die Kinnlade runter. Ich dachte, ‘Das ist Wahnsinn. Dieser Typ tritt bei Festivals auf, auf Märkten und an Straßenecken. Der kommt einfach rein und bekommt eine Reaktion.

„Ich fühlte mich plötzlich so klein und irgendwie verlegen. Ich nenne mich einen Sänger und Songwriter, ein Musiker, und ich habe Millionen von Platten verkauft und war weltweit auf Tour, aber das, was er kann, kann ich nicht. Ich kann nicht einfach einen Raum betreten, mir ein Instrument schnappen und alle unterhalten, sodass es ihnen die Sprache verschlägt. Das habe ich nicht mehr aus dem Kopf bekommen und irgendwann habe ich den Gedanken weiter verfolgt. Er war die wichtigste Inspiration dafür.” (Rolling Stone, 2014)

Zeitsprung: Am 20.7.1964 kommt Chris Cornell von Soundgarden zur Welt.

Über Songwriting

„Ich habe immer gesagt, dass meine Alben Tagebücher meines Lebens sind. Ich gehöre nicht zu denen, die aus dem Fenster gucken, etwas beobachten und dann nach Hause rennen und darüber schreiben. Ich beobachte ständig. Ich rede nicht viel. Stattdessen schaue ich und denke nach und erinnere mich an seltsame Dinge. Ich erinnere mich vielleicht nicht an dieselben Dinge, an die du dich erinnern würdest, oder meine Frau, aber ich sehe Dinge, die dann irgendwann später wieder an die Oberfläche kommen. Und dann schreibe ich einen Song und merke währenddessen, dass er sich um eine solche Erinnerung dreht.” (Billboard, 2015)

„Ich schreibe meine Texte nicht, um etwas Bestimmtes zu sagen. Ich liebe es, mit meinen Texten Gemälde zu erschaffen – ausdrucksstarke Bilder.” (Facebookpost, 2013)

„Wenn man seine eigenen Texte schreibt, dann analysiert man manchmal zu viel. Eben noch klang alles super und kurz danach ist es Müll. Und ich möchte persönliche Dinge ausdrücken können, ohne mich dabei wie ein Idiot zu fühlen.

„Ich erinnere mich, wie ich dachte, ‘so schlecht ich mich auch fühle, ich sehe aus wie ein Surfer’. Und so kam ich auf die Zeile: ‘I’m looking California/And feeling Minnesota’ aus dem [Soundgarden-] Song Outshined. Und kaum hatte ich es aufgeschrieben, klang es schon total bescheuert. Aber als wir dann mit dem Album auf Tour waren, sangen alle diese spezielle Zeile mit. Das war ein Schock. Niemand konnte wissen, dass das eine der persönlichsten Zeilen war, die ich je geschrieben habe. Es war nur eine kurze Zeile. Aber ich schätze, gerade weil sie so persönlich war, legte sie diesen Schalter um.” (Details, Dezember 1996)

Über Temple Of The Dog

„Direkt nachdem Andy Wood [von Mother Love Bone] gestorben war, flogen wir [Soundgarden] nach Europa und es war schrecklich, weil ich nicht darüber reden konnte und es war niemand da, der ihn so geliebt hat. Ich habe zwei Songs geschrieben, Reach Down und Say Hello 2 Heaven. So habe ich mich damit auseinandergesetzt. Als wir zurückkamen, habe ich sie sofort aufgenommen. Sie klangen anders, als Soundgarden das üblicherweise tun, aber sie passten zusammen. Sie klangen wie Songs, die ihm gefallen hätten.

„Mir kam die Idee, sie als Single zu veröffentlichen und dass zumindest Stone [Gossard] und Jeff [Ament] oder alle von [Mother] Love Bone darauf spielen sollten. Ich trug die Idee ein paar Tage mit mir rum und entschied dann – mal wieder mit dem typischen mangelnden Selbstbewusstsein des Künstlers –, dass es eine dumme Idee war. Aber irgendwie hörten die Jungs das Band und waren wirklich positiv aufgeregt. Stone und Jeff und unser Drummer Matt hatten an einem Demo gearbeitet, aus dem später Pearl Jam wurde. Also beschlossen wir, eine E.P. oder ein Album zu machen und vielleicht sogar ein paar von Andys Solostücken aufzunehmen.” (Rip Magazine, Oktober 1991)

Über Liveauftritte

„Jedesmal, wenn ich weiß, wir gehen auf Tour, dann gibt es ungefähr drei oder vier Wochen, wo ich richtig Angst habe; wo ich denke: Das bin ich nicht, ich bin nicht Freddie Mercury! Dann gehe ich auf die Bühne und es ist, wie wenn man in die eiskalte Meeresbucht von Puget Sound springt, nachdem man fünf Wochen auf Hawaii verbracht hat – es ist ein absoluter Schock, aber die Angst lässt nach. Man gewöhnt sich daran, was ziemlich cool ist, denn wenn ich nicht mehr auftreten würde, dann könnte ich einfach verschwinden und würde ein schräger Vogel werden, der in Lumpen gekleidet die Straße entlangläuft und dabei Selbstgespräche führt und auf den Boden starrt.” (Details, Dezember 1996)

„Es ist wie Magie – wenn man einen Song singt, zu dem man eine emotionale Bindung hat, dann fühle ich meine Emotionen. Ein aufmerksames Publikum lässt sich davon einfangen. [Sie denken], ich fühle deinen Schmerz nicht, ich weiß nicht, was du erlebt hast, aber dank dir fühle ich jetzt meinen eigenen Schmerz und meine eigenen Emotionen und das ist unbeschreiblich. Das ist das Erstaunliche an Musik. Filme können das auch, Kunst kann das, aber Musik macht es extrem gut.” (Billboard, 2015)

Über Johnny Cash

„Ich habe [Johnny Cash] ein- oder zweimal getroffen und er war so gütig, und ein riesiger Einfluss auf mich als Musiker. Und er hat [Soundgardens] Rusty Cage gecovert. Seitdem denke ich, dass er vielleicht eine noch größere Figur in meinem Leben ist, was Musiker angeht, von denen ich ein Fan bin.” (Rolling Stone, Februar 2017)

„Vor ein paar Jahren dachte ich daran, etwas kürzer zu treten, weil ich irgendwie die ganze Zeit der Meinung war, dass es einen Schlusstrich geben müsste. Ich bin so nicht konstruiert. Ich schaue mir jemanden wie Johnny Cash an und denke, der kennt das überhaupt nicht anders und dann ist das auch nicht wirklich Arbeit. Für mich ist Musik auch nicht wie Arbeit. Abgesehen davon, dass Familienzeit noch weiter oben auf meiner Liste steht.” (Spin, 2006)

Soundgarden: Die 10 wichtigsten Meilensteine der Seattle-Rocker

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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