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Popkultur

Von „Let It Be“ bis „Chinese Democracy“: Die desaströsesten Aufnahmen der Musikgeschichte

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Beach Boys
Mike Love und Al Jardine von den Beach Boys bei den Aufnahmen zum nie veröffentlichten Album „Smile“ (Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images)

Für jeden Welthit gibt es irgendwo eine*n Produzent*in, der von ihm fast ins Grab gebracht wurde. Für jeden Klassiker in Albumlänge eine*n Psychotherapeut*in, der*die auf Jahre mit Arbeit versorgt ist. Denn so locker leicht, so bewegend, so mitreißend einige der besten und wichtigsten Alben aller Zeiten auch klingen: Ihre Genese ist bisweilen eine apokalyptische Tour de force, die nicht jede*r Künstler*in heil übersteht.

von Björn Springorum

Natürlich sind oft die Drogen schuld. Als in den späten Sechzigern LSD um sich greift, dicht gefolgt von Heroin und Kokain und sowieso schon ständig umnebelt von Alkohol, werden aus vielen Musiker*innen Junkies. Sie kommen leicht an das Zeug ran, sie sind ständig unterwegs, sie haben den Lebensstil, der eine Drogenabhängigkeit erleichtert, wenn nicht gar voraussetzt. Dennoch haben selbst die Größten der Großen immer noch einen Job zu erledigen. Und der beinhaltet zumindest alle paar Jahre mal, seinen Hintern ins Studio zu bewegen, um das nächste Meisterwerk einzuspielen. Das geht manchmal gut, ist manchmal schwere Arbeit. Hin und wieder mutiert der Studioaufenthalt einer Band aber auch zu einer Szene aus Dantes Inferno. Dies sind sieben Geschichten aus dem innersten Höllenkreis.

1. Beach Boys – Smile

Mit Pet Sounds macht Brian Wilson seine Beach Boys 1966 endlich zu der Band, die es mit den Beatles aufnehmen kann. Für ihn ist das erst der Anfang eines großen Umwälzungsprozesses, in dessen Zentrum neben seinen visionären Ideen für das nächste Album Smile vor allem Marihuana und Haschisch stehen. Große Mengen Marihuana und Haschisch: Er kauft für die Aufnahmen Stoff im Wert von 2.000 US-Dollar (heute ungefähr 12.000 Euro) und verschanzt sich im April 1966 mit dem Multiinstrumentalisten Van Dyke Parks einen ganzen kalifornischen Sommer lang in seinem Haus, um an den Songs zu arbeiten. Er lässt sich sein Piano in einen riesigen Sandkasten stellen, um seine nackten Füße beim Spielen in den Sand stecken zu können. Außerdem stellt er ein geschlossenes Zelt mitten im Raum auf, in dem fleißig gekifft wird – hotboxing in Reinform.

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Smile sollte eine Teenage symphony to God werden, beeinflusst von Spiritualität, Esoterik, Okkultismus und Hermann Hesse. Dann wird zehn Monate lang wie besessen aufgenommen. 50 Sessions, von denen 17 allein für Good Vibrations draufgehen. Wilson pendelt mit seinem Rolls Royce zwischen drei Studios, wird immer besessener, immer paranoider. Beim Instrumental Mrs. O’Leary’s Cow, gewidmet dem Element Feuer, müssen seine Musiker Feuerwehrhelme aufsetzen. Später ist er überzeugt davon, dass das Stück tatsächlich Brände in der Umgebung verursacht hat. Am Ende scheitert Wilson. Er wird von dem größenwahnsinnigen Projekt, das beste Pop-Album aller Zeiten zu schreiben, in den Wahnsinn getrieben. Und hat Smile nie vollendet.

2. Guns N’Roses – Chinese Democracy

Nicht immer verlieren Musiker*innen den Verstand, wenn sie sich besonders heftig in ihre Aufnahmen verbeißen. Manchmal auch nur eine große Menge Kohle. Und ihr Gesicht. Axl Rose zum Beispiel. Der will Chinese Democracy schon 1999 veröffentlichen, letztendlich erscheint es übereilt und seltsam unfertig 2008. Es wurde in 15 Studios aufgenommen, mehrfach komplett verworfen und kostet schließlich 13 Millionen US-Dollar. So viel wie kein Rock-Album vor ihm. Es sagt viel über Rose und den Aufnahmeprozess, wenn man weiß, dass auch Brian May Gitarren für das Album eingespielt hat, die nie verwendet wurden. So ist das eben, wenn man erst Use Your Illusion eins und zwei abfeuert, merkt, dass man eigentlich alles gesagt hat und danach vollkommen die Bodenhaftung verliert.

3. John Lennon – Rock N Roll

Es kann ja auch so schon schon schlimm genug sein in einem Studio. Musiker*innen-Egos, Zeitdruck, wenig Tageslicht, noch weniger Schlaf. Da möchte man nicht unbedingt auch noch mit einer Waffe bedroht werden. Während John Lennons notorischem lost weekend ist das aber wahrscheinlich nur eine Randnotiz, die mildes Interesse hervorruft. 1973 will Lennon sein durchwachsenes Rock’n’Roll-Coveralbum in Los Angeles aufnehmen und engagiert Phil Spector als Produzent. Der kommt immer erst extrem spät ins Studio, high von irgendwelchem Aufputschmitteln und verkleidet als Chirurg. Immer dabei: Seine Knarre, die er einmal auch im Studio nah an Lennons Ohr abfeuert. „Phil, wenn du mich umbringen willst, dann bring mich um“, soll Lennon geschrien haben. „Aber lass bloß meine Ohren in Ruhe, die sind mir wichtig!“ Obwohl sich Spector dann auch noch mit den Master-Tapes des Albums aus dem Staub macht, fühlt sich Lennon ihm weiterhin freundschaftlich verbunden.

4. The Beatles – Let It Be

Let It Be ist ein Meisterwerk, ein Schwanengesang, der bis heute nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Es ist aber auch das schwerste Album, das die Beatles jemals aufgenommen haben. Als sich die Vier 1969 zu den Aufnahmen im Abbey Road Studio einfinden, sind sie weit entfernt von den Jungspunden, die Mitte der Sechziger mit Charme und frechem Witz die Welt erobern. McCartney will die Chemie retten, indem er einen simpleren Rock’n’Roll-Ansatz verfolgt, der an die unbeschwerten Anfangstage erinnern soll, doch das hilft nur bedingt. Es ist Januar 1969, feucht und kalt, die Stimmung bisweilen so schlecht, dass der stille George Harrison die Beatles sogar kurzzeitig verlässt. Die Geschichte, dass Harrison die Band erbost verlässt, weil Yoko Ono ihm seinen Keks weggefuttert hat, lässt sich derweil leider nicht belegen.

Natürlich kommt er zurück, natürlich rauft sich die Band zusammen und vollendet das Album. Es ist wohl als Beweis ihrer irgendwie doch noch bestehenden tiefen Bindung zu sehen, dass sie nicht aufgeben. Und ein letztes Mal zu viert ihre Magie wirken lassen, ehe sie auf ein Hochhausdach klettern und das allerletzte Beatles-Konzert spielen. Es ranken sich viele Legenden um die Entstehungszeit von Let It Be, viele Standpunkte treffen aufeinander – und angeblich soll die neue Doku Get Back von Peter Jackson im Herbst das gängige Bild gehörig aufwirbeln.

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5. Foo Fighters – The Colour And The Shape

Manchmal sorgt ein katastrophaler Aufnahmeprozess aber auch für das genaue Gegenteil: Für Zuversicht, für Motivation und für das gute Gefühl, alles schaffen zu können. Eine solche Geschichte hat – natürlich – Dave Grohl zu erzählen. Als der das zweite Foo-Fighters-Album The Colour And The Shape aufnimmt, hat er keine Wohnung und schläft mit einem Schlafsack im Hinterzimmer der Wohnung eines Freundes. „Jede Nacht hat mir der Hund auf den Schlafsack gemacht“, erinnert sich Grohl, „es war ein absoluter Albtraum, das reinste Chaos.“ Das Album bringt seiner Band 1997 vollkommen überraschend den Durchbruch – und Grohl die Erkenntnis, dass er jetzt wirklich alles schaffen kann.

6. The Rolling Stones – Exile On Main St.

Ein guter Freund namens Heroin ist maßgeblich an der Entstehung von Exile On Main St. verantwortlich. Während das Album von 1972 weithin als bestes Werk der Rolling Stones angesehen wird, sind die Aufnahmen die schlimmsten, toxischsten und unberechenbarsten. Schon 1969 wird mit den Aufnahmen begonnen, richtig los geht es aber erst im berauschten Sommer 1971 in einer von Keith Richards gemieteten Villa in Nellcôte. Wie Mick Jagger flieht auch er aus England, um der Steuer zu entgehen und macht praktisch wochenlang nichts anderes als Heroin zu nehmen. Der Rest der Band arbeitete oft ohne ihn, manchmal tauchte er tagelang nicht im Kellerstudio des Hauses auf. Klar, wenn John Lennon oder William S. Burroughs zu Besuch kommen, gibt es schließlich Wichtigeres zu tun. Wie auch immer daraus ein epochales Werk wie dieses entstehen konnte: Nachahmung wird explizit nicht empfohlen!

7. Captain Beefheart And His Magic Band – Trout Mask Replica

Und dann gibt es da noch die sonderbaren Captain Beefheart And His Magic Band. Als die ihr obskures drittes Album Trout Mask Replica aufnehmen, gehen sie mehr als nur einen Schritt zu weit: Produziert von Frank Zappa in Los Angeles, wendet Beefheart persönlich psychische und physische Gewalt an, um seine Musiker zu brechen und sie zum Nervenzusammenbruch zu bringen. Manche dürfen das Haus, in dem die Aufnahmen stattfinden, wochenlang nicht verlassen. Zeitzeug*innen beschreiben die Stimmung in der Kommune als sektengleich und ziehen Charles Manson als Vergleich heran. Klingt nach einer echt miesen Type, die aber eben doch irgendwie ein Meisterwerk verantwortet hat.

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Zeitsprung: Am 29.11.1974 wird es ungewöhnlich ernst auf „Slade In Flame“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1974.


von Timon Menge und Christof Leim

Als Slade die Arbeit an ihrem fünften Album aufnehmen, gehört ihnen die Welt. Na gut, Großbritannien. Gleich zwei Nummer-eins-Platten haben die Glam-Rocker dort hinter sich. Nun möchten sie vom Thron aus neue Wege einschlagen und beginnen mit der Arbeit an einem Film inklusive Soundtrack. Doch mit dem Ergebnis Slade In Flame stoßen sie ihre Fans gehörig vor den Kopf.

Hier könnt ihr euch Slade In Flame anhören: 

1974 befinden sich Slade auf dem Zenit ihrer Karriere. Mit Slayed? (1972) und Old New Borrowed And Blue (1974) haben die britischen Glam-Rocker zwei mehr als starke Alben im Rücken, nun soll nachgelegt werden. Wiederholen möchte sich die Gruppe nicht, sondern lieber etwas neues ausprobieren. Und genau deshalb entsteht das ambitionierte Film- und Soundtrackprojekt Slade In Flame.

Schluss mit Lustigsein

Der Vorschlag, sich mal an einem Film zu versuchen, kommt von Manager Chas Chandler. Slade finden die Idee super, möchten sich aber von ihrem fröhlichen Image entfernen. Stattdessen portraitieren die Musiker im Film den Aufstieg und Fall einer Gruppe namens „Flame“. Der Clou: Das Drehbuch basiert auf wahren Begebenheiten, die entweder Slade selbst oder Bands aus ihrem Umfeld in den Wirren des Musikgeschäfts tatsächlich passiert sind.

Slade 1974 von links nach rechts: Noddy Holder, Dave Hill, Don Powell und Jim Lea – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images.

Um den Streifen entsprechend zu untermalen, setzen sich die beiden Hauptsongschreiber Noddy Holder (Gesang) und Jim Lea (Bass) direkt an den entsprechenden Soundtrack. Dafür wagen sie sich an neue Stile und orientieren sich stärker an den Sechzigern als üblich. Das passt, denn in jenem Jahrzehnt spielt auch der Film. Obwohl Slade auf Slade In Flame nicht unbedingt klingen wie sie selbst, erscheint der Soundtrack zunächst als fünftes Album der Gruppe.

Ist das jetzt zu düster?

Bereits die erste Single Far Far Away landet auf Platz zwei der UK-Charts. Mit dem Album gelingt anschließend Platz sechs. Kaum zu glauben, doch für Slade bedeutet das zu jener Zeit einen Misserfolg: Mit Slayed? und Old New Borrowed And Blue schaffte die Gruppe den Sprung auf die Pole Position der Hitparade.

Im Januar 1975 flimmert dann auch der dazugehörige Film über die britischen Leinwände. Der stößt damals auf gemischte Gefühle. Mit so viel Ernsthaftigkeit hatte niemand gerechnet, denn während der düsteren britischen Siebziger gelten Slade eher als Spaßmacher der Nation. Den Blick in tiefe Abgründe erwartet man von Noddy Holder und Co. nun wirklich nicht.

Nach Veröffentlichung des Films sinken die Verkaufszahlen der Glam-Rocker in den Keller. Der britische Komponist, Produzent, Jazzpianist und Autor Chris Ingham bringt es in den Liner-Notes zu Slade In Flame auf den Punkt: „Großbritanniens Liebesaffäre mit Slade endete mit Flame.“ Alben veröffentlicht die Gruppe zwar weiterhin, doch die großen Erfolge bleiben ab Mitte der Siebziger aus.

Zeitsprung: Am 15.2.1974 erscheint „Old New Borrowed And Blue“.

 

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Matt Cameron wird 60: 10 Dinge, die du über die Grunge-Legende noch nicht wusstest

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Matt Cameron
Foto: Lloyd Bishop/NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Matt Cameron als Grunge-Legende zu bezeichnen, wäre einerseits eine Untertreibung, würde den wandlungsfähigen Musiker aber auch zu sehr auf ein Genre festnageln. Liest man aber die Namen jener Bands, bei denen er Mitglied ist oder war, stellt man schnell fest: Mehr Seattle-Legendenstatus geht schwer… und das, obwohl er gar nicht aus Seattle kommt. Er spielte bei Soundgarden, er war bei Temple Of The Dog und er ist immer noch Mitglied bei Pearl Jam. Cameron ist nicht nur Drummer, sondern auch Songschreiber und Multiinstrumentalist. Zu seinem 60. Geburtstag werfen wir einen Blick auf 10 Fakten aus seinem Leben.

von Markus Brandstetter

1. Er spielte in der 1978 erschienenen Horrorkomödie Attack of the Killer Tomatoes (deutscher Titel: Angriff der Killertomaten mit).

Im Film sang er sogar einen Song — und zwar das Stück Puberty Love. Cameron war damals 16 Jahre alt.

2. Er spielte als Teenager in einer KISS-Coverband.

Die hieß ebenfalls Kiss (kleingedruckt stand unter dem Namen „imitation“). Das Management der echten KISS fand das weniger lustig — und drohte der Gruppe mit einer Klage. Die Band löste sich daraufhin auf.

3. Sein Spitzname war Foo.

Das hat aber nichts mit den Foo Fighters zu tun — sondern mit seinem Bruder Pete, der seinen Namen Matthew als „Ma Foo“ aussprach. So nannte sich der Drummer früher Foo Cameron.

4. Er war zur selben Zeit aktives Mitglied bei Soundgarden und Pearl Jam.

Nämlich, als Soundgarden 2010 eine Reunion feierten. Bei Soundgarden spielte er übrigens ab 1986 und ist auf allen Alben der Band zu hören. Zu Pearl Jam stieß er 1998, als diese einen Satz für Schlagzeuger Jack Irons suchte. Im Jahr davor hatten sich Soundgarden aufgelöst. „Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von Mr. Ed Ved, Stoney und Kelly (Curtis, Pearl Jam’s Manager). Ich wurde überfallen. Es war wirklich sehr kurzfristig. Er rief an und fragte: ‚Hey, was machst du diesen Sommer?’“. Kurze Zeit später wurde Cameron fixes Mitglied von Pearl Jam.

5. Er gehörte zur ersten Live-Besetzung von Queen Of The Stone Age.

Als sich die legendären Wüstenrocker Kyuss auflösten, gründete Bandchef Josh Homme 1996 die Band Queens Of The Stone Age. Weil der ursprüngliche Drummer Victor Indrizzo nur ein Jahr dabei blieb, brauchte die Band für ihre ersten Konzerte einen Drummer. Wer’s wurde, könnt ihr euch denken: Cameron trat 1997 mit ihnen auf.

6. Eddie Vedder bezeichnet ihn als besten Schlagzeuger der Welt.

Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder spricht in höchsten Tönen über Matt. „Matt Cameron schreibt Songs, und wir rennen los, um Tritthocker zu finden, um sein Niveau zu erreichen, … was für ihn selbstverständlich ist, lässt uns mit gesenktem Kopf zurück, wie die verwirrten Hunde, die wir sind, … bis wir es schließlich verstehen. Haben wir schon erwähnt, dass er der beste Schlagzeuger der Welt ist?“, schreibt Eddie Vedder in den Linder Notes zu Lost Dogs.

7. Er schrieb zahlreiche Songs für Pearl Jam und Soundgarden. 

Bei vielen Songs ist er als Co-Autor gelistet, einige Stücke stammen zur Gänze aus seiner Feder. Die Liste ist lang, einige Beispiele sind aber Jesus Christ Pose und New Damage vom Soundgarden-Album Badmotorfinger, das er mitschrieb — oder Drawing Flies vom selben Longplayer, bei dem die Musik zur Gänze von ihm stammte. Auch bei Pearl Jam gehen manche Songs auf sein Konto — etwa Get Right von Riot Act oder Into The Moonlight von Lost Dogs, bei denen er sowohl die Musik als auch den Text schrieb.

8. Er mag auch Jazz und Prog.

Das zeigt sich in Camerons Nebenprojekten, wie der (längst wieder aufgelösten) Gruppe Tone Dogs. Anspieltipp: deren Album Ankety Low Day aus dem Jahr 1990.

9. Er arbeitete mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger

Ihr erinnert euch sicher noch an den Song Hero von Nickelback-Chef Chad Kroeger und Ex-Saliva-Frontmann Josie Scott — den Soundtrack des 2002 erschienenen Films Spider-Man. Am Schlagzeug: unser Geburtstagskind. 

10. Seinen größten Hit nahm er gleich doppelt auf.

Er spielte zwölf Jahre nach der Veröffentlichung des Soundgarden-Hits Black Hole Sun noch einmal ein — für Rocklegende Peter Frampton und dessen Album Fingerprints im Jahr 2006… und zwar als Instrumentalversion.

Ihr wollt mehr über Matt Cameron erfahren?

Sein wahrscheinlich bestes Interview gab er vor kurzem übrigens YouTuber Rick Beato. Das knapp 55-minütige Video bietet großartige Anekdoten über Camerons Karriere und geht musikalisch ziemlich ins Detail.

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10 Grunge-Empfehlungen für den Einstieg

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Zeitsprung: Am 28.11.1978 veröffentlichen die Blues Brothers ihr Debütalbum.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.11.1978.

von Max Röbel und Christof Leim

Es ist eines dieser Alben, die man auch dann kennt, wenn man sie noch nie richtig gehört hat. Am 28. November 1978 erscheint das Debütalbum der Blues Brothers und wird aus dem Stand zum Klassiker. Als Jake und Elwood Blues landen die Comedians Dan Aykroyd und John Belushi mit Briefcase Full Of Blues einen Welthit.

Hier könnt ihr euch Briefcase Full Of Blues anhören:

Wie aus Bienen Brüder werden: 1976 hatten sich Aykroyd und Belushi in New York am Set der noch jungen Comedy-Show Saturday Night Live (damals noch unter dem Namen NBC’s Saturday Night) kennengelernt. Als Geburtsstunde der Blues Brothers gilt ein SNL-Sketch aus diesem Jahr, in dem die späteren Weltstars im Bienenkostüm den Slim-Harpo-Klassiker I’m A King Bee darbieten. Wenn man sich die alte Aufzeichnung anschaut, wird trotz alberner Aufmachung schnell klar, dass es dem Komikerduo mitnichten bloß um müde Witze geht. Ganz im Gegenteil: Die Bluesbrüder machen ernst. Ein schweißbenetzter John Belushi schreit sich am Mikrofon die Seele aus dem Leib, während Dan im Hintergrund wie besessen die Harp bearbeitet – zwar nicht virtuos, aber mit Innbrunst.

John Belushi und Dan Aykroyd 1976 als Blues-Bienen bei „Saturday Night Live“

Entfachte Liebe zum Blues

Wie in der schreibenden Zunft üblich, trifft sich die Belegschaft im Anschluss an die Aufzeichnungen regelmäßig in einer einschlägigen Kneipe ein paar Blocks weiter. Die mit R&B-Klassikern beladene Jukebox des von Aykroyd angemieteten Etablissements zeigt Wirkung, ebenso die eilig angeschaffte Grundausstattung an Verstärkern und Instrumenten. Als Belushi, der spätere “Jake Blues”, 1977 bei Dreharbeiten auch noch den Soulsänger und Mundharmonikaspieler Curtis Salgado kennenlernt und der ihm einen Stapel Bluesplatten leiht, ist es endgültig um ihn geschehen. O-Ton: „Das hat mein Leben verändert. Als weißer Junge aus der Vorstadt ging man einfach nicht in die Viertel, wo der Blues war. Disco mochte ich nicht, und Rock wurde mir langweilig. Wie viele Rod-Stewart-Alben kann schon man kaufen?” SNL-Bandleader Howard Shore (richtig gelesen, der von Herr der Ringe) schlägt kurzerhand vor, die beiden Nachwuchsmusiker mögen sich doch einfach “The Blues Brothers” nennen –  und so kommt es dann auch.

Mit der Hilfe von SNL-Pianist Paul Shaffer stellen Aykroyd und Belushi eine Allstar-Truppe zusammen, die sich gewaschen hat. Neben Lou Marini und Tom Malone, die damals ebenfalls zur Hausband von Saturday Night Live gehören, engagieren die Blues Brothers mit Gitarrist Steve Cropper, Bassist Donald Dunn und Drummer Willie Hall drei Stax-Records-Veteranen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Booker T., Elvis, Isaac Hayes und Otis Redding zusammengearbeitet hatten. An der Leadgitarre gewinnt das Allstar-Projekt mit Matt “Guitar” Murphy (Howlin’ Wolf, Etta James, Buddy Guy) ein echtes Mississippi-Original. Komplettiert wird das Line-up von Saxofonist Tom Scott und Trompeter Alan Rubin.

Auf die Bühne

Die nunmehr unter den Namen Jake und Elwood Blues firmierenden Frontmänner der Truppe tragen fortan Wayfarer-Sonnenbrillen (wie der immercoole John Lee Hooker) und gehen ausschließlich im Cab-Calloway-Gedächtnisanzug auf die Bühne. Zunächst probiert sich die Band weiterhin bei Saturday Night Live aus, zum ersten Mal am 22. April 1978. Bald gehört das Projekt zum festen Repertoire der Sendung und erfreut sich größter Beliebtheit erfreut. Am 9. September 1978 spielen die Blues Brothers dann eine Show als Opener für Steve Martin im Universal Amphitheater in Los Angeles. Bei diesem Konzert wird Briefcase Full Of Blues mitgeschnitten.

Anfänglich begegnen die Medien der aufstrebenden Supergroup noch mit Skepsis. Vielerorts fragt man sich, wie ernst es die beiden Komiker mit der Musik wirklich meinen. Manch einer fühlt sich von der Band mit der erfundenen Biografie und den Akrobatikeinlagen sogar auf den Arm genommen. Doch zunehmend lösen sich die Zweifel in Luft auf. Wie es scheint, lieben Aykroyd, Belushi und Co. einfach ihren Job. Hinzukommt, dass die Truppe durchweg aus Spitzenmusikern besteht. “Am Ende war es eine der besten Ansammlungen von Bluesmusikern, die ich je gesehen habe”, resümiert Gitarrist Steve Cropper 2014.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Auch an persönlichem Engagement mangelt es den Blues Brothers nicht. Als der Vorschuss des Labels aufgebraucht ist, steuern Belushi und Aykroyd 50.000 US-Dollar aus eigener Kasse bei, um die Produktionskosten des Albums zu decken. Der Einsatz zahlt sich aus: Briefcase Full Of Blues landet unglaublicherweise auf Platz eins der Billboard Charts und knackt sogar zweimal die Platinmarke. Prompt greift in den USA das Blues-Brothers-Fieber um sich. 

Die Blues Brothers live 1978 – Pic: Richard McCaffrey/ Michael Ochs Archive/ Getty Images

Zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Albumdebüts erscheint der gleichnamige Kultfilm, in dem Jake und Elwood “die Band wieder zusammenbringen müssen”, um mithilfe eines Benefizkonzert das nötige Kleingeld für die Grundsteuerrechnung ihres ehemaligen Waisenheims zu erspielen. Neben einem immensen Budget für demolierte Polizeiwagen, antifaschistischem Widerstand im Straßenverkehr und der ikonischen Fahrstuhlszene glänzt der Film mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Musiker und Musikerinnen, etwa Aretha Franklin, Ray Charles und Cab Calloway).

Gerechte Lizenzen

Daran, dass die Blues Brothers faktisch eine Coverband sind, scheint sich kaum jemand zu stören. Im Gegenteil: Mit ihrem sprudeligen Livesound setzt das Projekt einen willkommenen Kontrastpunkt zu den zunehmend synthlastigen Pop-Releases der späten Siebziger. Doch es gibt eine weitere Gruppe, die von dem Phänomen Blues Brothers profitiert. Vor der Veröffentlichung von Briefcase Full Of Blues, schlägt die Plattenfirma Atlantic zunächst vor, den ursprünglichen Songschreibern fünfzig Prozent der Lizenzeinnahmen anzubieten. John Belushi und Aykroyd bestehen jedoch darauf, die Tantiemen in Gänze an die Urheber gehen zu lassen. Lediglich die Abgaben für ihre Live-Auftritte behalten sich die Blues Brothers vor. “Uns hätte ein Anteil an der Musik gehören können, aber wir haben keinen genommen. Das gehört sich nicht”, kommentiert Dan Aykroyd später im Interview.

Die Geste kommt an. Dank des Erfolgs der Neuauflagen erhalten Bluesveteranen wie Floyd Dixon, von dem Hey, Bartender stammt, auf einmal Schecks in bisher ungekannter Höhe. Einige Jahre nach John Belushis Tod an einer Überdosis 1982 trifft Harp-Spieler und Blues-Brothers-Inspiration Curtis Salgado den Songwriter beim Chicago Blues Festival. Man unterhält sich über die Band und kommt auf den unverhofften Geldsegen zu sprechen . Auf die Frage, was er mit dem Geld angestellt habe, antwortet Dixon: “Ich habe alles auf Pferderennen verwettet. Ich hatte eine wundervolle Zeit, Mann.“

Zeitsprung: Am 22.4.1978 treten die Blues Brothers zum ersten Mal auf.

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