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Popkultur

Von „Let It Be“ bis „Chinese Democracy“: Die desaströsesten Aufnahmen der Musikgeschichte

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Beach Boys
Mike Love und Al Jardine von den Beach Boys bei den Aufnahmen zum nie veröffentlichten Album „Smile“ (Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images)

Für jeden Welthit gibt es irgendwo eine*n Produzent*in, der von ihm fast ins Grab gebracht wurde. Für jeden Klassiker in Albumlänge eine*n Psychotherapeut*in, der*die auf Jahre mit Arbeit versorgt ist. Denn so locker leicht, so bewegend, so mitreißend einige der besten und wichtigsten Alben aller Zeiten auch klingen: Ihre Genese ist bisweilen eine apokalyptische Tour de force, die nicht jede*r Künstler*in heil übersteht.

von Björn Springorum

Natürlich sind oft die Drogen schuld. Als in den späten Sechzigern LSD um sich greift, dicht gefolgt von Heroin und Kokain und sowieso schon ständig umnebelt von Alkohol, werden aus vielen Musiker*innen Junkies. Sie kommen leicht an das Zeug ran, sie sind ständig unterwegs, sie haben den Lebensstil, der eine Drogenabhängigkeit erleichtert, wenn nicht gar voraussetzt. Dennoch haben selbst die Größten der Großen immer noch einen Job zu erledigen. Und der beinhaltet zumindest alle paar Jahre mal, seinen Hintern ins Studio zu bewegen, um das nächste Meisterwerk einzuspielen. Das geht manchmal gut, ist manchmal schwere Arbeit. Hin und wieder mutiert der Studioaufenthalt einer Band aber auch zu einer Szene aus Dantes Inferno. Dies sind sieben Geschichten aus dem innersten Höllenkreis.

1. Beach Boys – Smile

Mit Pet Sounds macht Brian Wilson seine Beach Boys 1966 endlich zu der Band, die es mit den Beatles aufnehmen kann. Für ihn ist das erst der Anfang eines großen Umwälzungsprozesses, in dessen Zentrum neben seinen visionären Ideen für das nächste Album Smile vor allem Marihuana und Haschisch stehen. Große Mengen Marihuana und Haschisch: Er kauft für die Aufnahmen Stoff im Wert von 2.000 US-Dollar (heute ungefähr 12.000 Euro) und verschanzt sich im April 1966 mit dem Multiinstrumentalisten Van Dyke Parks einen ganzen kalifornischen Sommer lang in seinem Haus, um an den Songs zu arbeiten. Er lässt sich sein Piano in einen riesigen Sandkasten stellen, um seine nackten Füße beim Spielen in den Sand stecken zu können. Außerdem stellt er ein geschlossenes Zelt mitten im Raum auf, in dem fleißig gekifft wird – hotboxing in Reinform.

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Smile sollte eine Teenage symphony to God werden, beeinflusst von Spiritualität, Esoterik, Okkultismus und Hermann Hesse. Dann wird zehn Monate lang wie besessen aufgenommen. 50 Sessions, von denen 17 allein für Good Vibrations draufgehen. Wilson pendelt mit seinem Rolls Royce zwischen drei Studios, wird immer besessener, immer paranoider. Beim Instrumental Mrs. O’Leary’s Cow, gewidmet dem Element Feuer, müssen seine Musiker Feuerwehrhelme aufsetzen. Später ist er überzeugt davon, dass das Stück tatsächlich Brände in der Umgebung verursacht hat. Am Ende scheitert Wilson. Er wird von dem größenwahnsinnigen Projekt, das beste Pop-Album aller Zeiten zu schreiben, in den Wahnsinn getrieben. Und hat Smile nie vollendet.

2. Guns N’Roses – Chinese Democracy

Nicht immer verlieren Musiker*innen den Verstand, wenn sie sich besonders heftig in ihre Aufnahmen verbeißen. Manchmal auch nur eine große Menge Kohle. Und ihr Gesicht. Axl Rose zum Beispiel. Der will Chinese Democracy schon 1999 veröffentlichen, letztendlich erscheint es übereilt und seltsam unfertig 2008. Es wurde in 15 Studios aufgenommen, mehrfach komplett verworfen und kostet schließlich 13 Millionen US-Dollar. So viel wie kein Rock-Album vor ihm. Es sagt viel über Rose und den Aufnahmeprozess, wenn man weiß, dass auch Brian May Gitarren für das Album eingespielt hat, die nie verwendet wurden. So ist das eben, wenn man erst Use Your Illusion eins und zwei abfeuert, merkt, dass man eigentlich alles gesagt hat und danach vollkommen die Bodenhaftung verliert.

3. John Lennon – Rock N Roll

Es kann ja auch so schon schon schlimm genug sein in einem Studio. Musiker*innen-Egos, Zeitdruck, wenig Tageslicht, noch weniger Schlaf. Da möchte man nicht unbedingt auch noch mit einer Waffe bedroht werden. Während John Lennons notorischem lost weekend ist das aber wahrscheinlich nur eine Randnotiz, die mildes Interesse hervorruft. 1973 will Lennon sein durchwachsenes Rock’n’Roll-Coveralbum in Los Angeles aufnehmen und engagiert Phil Spector als Produzent. Der kommt immer erst extrem spät ins Studio, high von irgendwelchem Aufputschmitteln und verkleidet als Chirurg. Immer dabei: Seine Knarre, die er einmal auch im Studio nah an Lennons Ohr abfeuert. „Phil, wenn du mich umbringen willst, dann bring mich um“, soll Lennon geschrien haben. „Aber lass bloß meine Ohren in Ruhe, die sind mir wichtig!“ Obwohl sich Spector dann auch noch mit den Master-Tapes des Albums aus dem Staub macht, fühlt sich Lennon ihm weiterhin freundschaftlich verbunden.

4. The Beatles – Let It Be

Let It Be ist ein Meisterwerk, ein Schwanengesang, der bis heute nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Es ist aber auch das schwerste Album, das die Beatles jemals aufgenommen haben. Als sich die Vier 1969 zu den Aufnahmen im Abbey Road Studio einfinden, sind sie weit entfernt von den Jungspunden, die Mitte der Sechziger mit Charme und frechem Witz die Welt erobern. McCartney will die Chemie retten, indem er einen simpleren Rock’n’Roll-Ansatz verfolgt, der an die unbeschwerten Anfangstage erinnern soll, doch das hilft nur bedingt. Es ist Januar 1969, feucht und kalt, die Stimmung bisweilen so schlecht, dass der stille George Harrison die Beatles sogar kurzzeitig verlässt. Die Geschichte, dass Harrison die Band erbost verlässt, weil Yoko Ono ihm seinen Keks weggefuttert hat, lässt sich derweil leider nicht belegen.

Natürlich kommt er zurück, natürlich rauft sich die Band zusammen und vollendet das Album. Es ist wohl als Beweis ihrer irgendwie doch noch bestehenden tiefen Bindung zu sehen, dass sie nicht aufgeben. Und ein letztes Mal zu viert ihre Magie wirken lassen, ehe sie auf ein Hochhausdach klettern und das allerletzte Beatles-Konzert spielen. Es ranken sich viele Legenden um die Entstehungszeit von Let It Be, viele Standpunkte treffen aufeinander – und angeblich soll die neue Doku Get Back von Peter Jackson im Herbst das gängige Bild gehörig aufwirbeln.

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5. Foo Fighters – The Colour And The Shape

Manchmal sorgt ein katastrophaler Aufnahmeprozess aber auch für das genaue Gegenteil: Für Zuversicht, für Motivation und für das gute Gefühl, alles schaffen zu können. Eine solche Geschichte hat – natürlich – Dave Grohl zu erzählen. Als der das zweite Foo-Fighters-Album The Colour And The Shape aufnimmt, hat er keine Wohnung und schläft mit einem Schlafsack im Hinterzimmer der Wohnung eines Freundes. „Jede Nacht hat mir der Hund auf den Schlafsack gemacht“, erinnert sich Grohl, „es war ein absoluter Albtraum, das reinste Chaos.“ Das Album bringt seiner Band 1997 vollkommen überraschend den Durchbruch – und Grohl die Erkenntnis, dass er jetzt wirklich alles schaffen kann.

6. The Rolling Stones – Exile On Main St.

Ein guter Freund namens Heroin ist maßgeblich an der Entstehung von Exile On Main St. verantwortlich. Während das Album von 1972 weithin als bestes Werk der Rolling Stones angesehen wird, sind die Aufnahmen die schlimmsten, toxischsten und unberechenbarsten. Schon 1969 wird mit den Aufnahmen begonnen, richtig los geht es aber erst im berauschten Sommer 1971 in einer von Keith Richards gemieteten Villa in Nellcôte. Wie Mick Jagger flieht auch er aus England, um der Steuer zu entgehen und macht praktisch wochenlang nichts anderes als Heroin zu nehmen. Der Rest der Band arbeitete oft ohne ihn, manchmal tauchte er tagelang nicht im Kellerstudio des Hauses auf. Klar, wenn John Lennon oder William S. Burroughs zu Besuch kommen, gibt es schließlich Wichtigeres zu tun. Wie auch immer daraus ein epochales Werk wie dieses entstehen konnte: Nachahmung wird explizit nicht empfohlen!

7. Captain Beefheart And His Magic Band – Trout Mask Replica

Und dann gibt es da noch die sonderbaren Captain Beefheart And His Magic Band. Als die ihr obskures drittes Album Trout Mask Replica aufnehmen, gehen sie mehr als nur einen Schritt zu weit: Produziert von Frank Zappa in Los Angeles, wendet Beefheart persönlich psychische und physische Gewalt an, um seine Musiker zu brechen und sie zum Nervenzusammenbruch zu bringen. Manche dürfen das Haus, in dem die Aufnahmen stattfinden, wochenlang nicht verlassen. Zeitzeug*innen beschreiben die Stimmung in der Kommune als sektengleich und ziehen Charles Manson als Vergleich heran. Klingt nach einer echt miesen Type, die aber eben doch irgendwie ein Meisterwerk verantwortet hat.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.8.2004 ist bei der Dave Matthews Band die K**ke am Dampfen.

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WMG

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.8.2004.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Sommer 2004 tourt die Dave Matthews Band durch die USA. Als die Gruppe in Chicago gastiert, schicken die Musiker ihren Fahrer Stefan Wohl alleine Richtung Hotel. Der kommt auf die Idee, das Busklo über dem Chicago River zu entleeren. Nur fährt unter der Brücke gerade ein Ausflugsschiff…

Hier könnt ihr euch Busted Stuff von der Dave Matthews Band anhören: 

Die Polizei von Chicago staunt nicht schlecht, als sie es am 8. August 2004 mit dem Tourbus der Dave Matthews Band zu tun bekommt. Schlagen sich die Gesetzeshüter im Bezug auf Rockbands üblicherweise mit den typischen „Berufskrankheiten“ wie Drogendelikten oder leichter Körperverletzung herum, hat sich der Fahrer der amerikanischen Jam-Rocker an jenem Tag einen ganz besonderen Fauxpas geleistet, der mehr als 100 Leuten einen echt beschissenen Tag beschert. Leider im Wortsinn… 

Zur Tatzeit befinden sich Dave Matthews und seine Musiker nicht im Bus, Fahrer Stefan Wohl ist alleine unterwegs. Als er sich dazu entscheidet, das Busklo über dem Fluss zu leeren, hat er nicht im Blick, dass gerade das Ausflugsschiff Chicago’s Little Lady unter der Kinzie Street Bridge entlangfährt. Mit voller Wucht erwischt die Ladung die über 100 Touristen.

Für die Betroffenen gibt es auf dem engen Gefährt keine Möglichkeit, dem Sturzbach aus 400 Kilo Fäkalien auszuweichen. Später beschreiben die Passagiere die Masse als „Regen aus faulig riechendem, braungelbem Schlamm“. Als Folge erkranken einige von ihnen, andere müssen mindestens ihre Kleidung entsorgen. „Keiner der Touristen leidet an irgendwelchen Folgeschäden“, stellt Staatsanwalt Robert Egan 2005 im Tribune klar.

Dave Matthews selbst zeigt sich umgehend engagiert und spendet jeweils 50.000 US-Dollar an die Friends Of The Chicago River und den Chicago Park District. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen, um all unsere Fragen bezüglich des Zwischenfalls zu beantworten“, erklärt die Band in einem Statement. „Wir möchten jetzt nur, dass der Heilungsprozess beginnen kann.“

Fahrer Stefan Wohl streitet seine Tat zunächst ab. Erst als er mit den Aufnahme einer Überwachungskamera konfrontiert wird, räumt er ein, die Ladung von der Brücke abgeworfen zu haben. Anschließend wird er zu 18 Monaten Bewährung verurteilt, muss 150 Sozialstunden leisten und eine Strafe von 10.000 US-Dollar zahlen. Die Stadt behält den Vorfall als „Poopgate“ in Erinnerung. 

Zeitsprung: Am 4.6.1997 treibt der Leichnam von Jeff Buckley im Mississippi.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.8.1954 heiraten Johnny Cash und Vivian Liberto.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.8.1954.

von Timon Menge und Christof Leim

Üblicherweise denkt man in Bezug auf das Liebesleben von Johnny Cash an seine Ehefrau June Carter Cash. Doch der „Man in black“ war bereits vorher einmal verheiratet – mit Vivian Liberto. Zunächst tauschen die beiden mehrere hundert Seiten Liebesbriefe aus. Cash leistet zu jener Zeit seinen Wehrdienst in Deutschland. Am 7. August 1954, also direkt nach seiner Entlassung, heiratet das Paar. Die Ehe hält zwölf Jahre, doch 1966 reicht Liberto die Scheidung ein.

Hier könnt ihr euch die wichtigsten Songs von Johnny Cash anhören: 

Der Startschuss für die Liebesbeziehung zwischen Vivian und Johnny fällt am 18. Juli 1951, als Cash sich gerade in einem Trainingsprogramm der Air Force befindet. Auf einer Rollschuhbahn in San Antonio lernt er die 17-jährige Vivian Liberto kennen. Drei Wochen lang treffen sich die beiden — doch dann wird Cash von der Armee für drei Jahre nach Deutschland geschickt, um sowjetische Botschaften zu entschlüsseln. Damals soll er sogar die Geheimnachricht von Tod Stalins aufgespürt haben.

Während seiner Abwesenheit schickt sich das Paar mehrere hundert Seiten Liebesbriefe. Im Juli 1954 feiert Cash seine Entlassung, nur einen Monat später heiratet er seine Vivian, ebenfalls in San Antonio. In den Jahren danach bekommen die beiden vier Kinder: Rosanne, Kathy, Cindy und Tara. Später zieht das frisch verheiratete Paar nach Memphis, wo Cash seine zukünftigen Kollegen Luther Perkins (Gitarre) und Marshall Grant (Bass) kennenlernt. Gemeinsam spielen die Musiker erste Aufnahmen für Sun Records ein, das Label, das auch Elvis Presley zu Bekanntheit verhalf. So ergeht es auch Cash, seine Karriere geht durch die Decke. Leider macht ihm der zunehmende Ruhm auch zu schaffen, er greift zu Alkohol und Pillen. Vivian sorgt sich um ihren Mann. Der schreibt zu ihrer Beruhigung den Song I Walk The Line.

1961 siedelt die Familie nach Kalifornien um, wo Cash den Johnny Cash Trailer Park betreibt. Aber: Sein Alkoholismus bringt ihn wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Am 4. Oktober 1965 erreichen die Eskapaden einen ihrer traurigen Höhepunkte, als der Musiker an der Grenze von New Mexico verhaftet wird — mit unglaublichen Mengen an Aufputsch- und Beruhigungsmitteln in einem Gitarrenkoffer. Noch in der selben Nacht landet er im Gefängnis und wird zwei Monate später schuldig gesprochen. Er kommt allerdings mit einem verzögerten Urteil und einer Strafe von 1.000 US-Dollar davon.

Startet zuerst bei Sun Records durch, genau wie Elvis Presley: Johnny Cash

Doch die Verhaftung zieht noch ganz andere Probleme nach sich. Einen Tag nach der Gerichtsverhandlung landet ein Foto von Cash und seiner Vivian in sämtlichen Zeitungen — und viele Leser denken, dass die italienischstämmige Frau an Cashs Seite schwarz ist. In den Monaten danach erhält der Musiker nicht nur Hassbriefe, sondern auch Morddrohungen, vor allem aus dem Süden der USA. Die Auswüchse dieses Alltagsrassismus sind erschreckend.

In der Ehe läuft es davon abgesehen leider auch nicht gut: 1966 reicht Liberto die Scheidung ein und gibt als Grund den Drogen- und Alkoholmissbrauch ihres Mannes an. Außerdem sei er immer unterwegs gewesen, habe sie mehrfach betrogen und bereits während der Ehe eine enge Beziehung zu June Carter gepflegt. 

Einer von Vivian Libertos Gründen, sich von Johnny Cash scheiden zu lassen: seine Beziehung zu June Carter

June Carter lernt Johnny Cash auf Tour kennen, sie zieht gemeinsam mit der Carter Family durch die Lande. 1968 macht der Musiker seiner späteren Frau auf der Bühne einen Heiratsantrag. Sie sagt „Ja“ und hilft Cash dabei, seine Dämonen zu besiegen. Doch das ist wieder einmal eine andere Geschichte.

Zeitsprung: Am 12.9.2003 stirbt Country-Legende Johnny Cash im Alter von 71 Jahren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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Ramones
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.8.1996.

von Christof Leim

Nach über 20 Jahren und 2263 Shows ist Schluss: Die Ramones spielen am 6. August 1996 ihr letztes Konzert im Palace in Hollywood, Kalifornien.

Hört hier das letzte Studioalbum ¡Adios Amigos! der Ramones:

Über die Wichtigkeit der Band für den Rock’n’Roll müssen wir vermutlich nicht viele Worte verlieren. Es gibt kaum einen Akteur der wilden Spielarten der Musik, der nicht irgendwann mal einen der einfachen, aber damit umso effektiveren Punk-Rock-Songs der vier Lederjackenhelden aus New York geschmettert hat. Ramones-Cover gibt es von Metallica, Rob Zombie, Kiss, den Chili Peppers und unzähligen anderen. Motörhead haben der Kapelle sogar einen eigenen Song gewidmet.

Berühmt und erfolglos

Zum Zeitpunkt der letzten Show zeichnet sich das Ende schon ab: Die Band darf sich 1996 zwar berühmt und einflussreich nennen, aber entsprechend erfolgreich ist sie nicht. Auch die letzte Tour passiert noch im Van. Das geht irgendwann an die Substanz, und nicht um jedermanns Gesundheit steht gut. Vor allem sprechen Joey und Johnny Ramone schon seit Jahren kein Wort mehr miteinander, trotz Abertausenden an gemeinsam abgesessenen Kilometern, seit sie sich wegen einer Dame (die später Johnnys Ehefrau wurde) gestritten haben.

Am 6. August 1996 kommt dann das Ende, das finale Konzert von insgesamt 2263. Es findet statt im Palace in Hollywood in Kalifornien, wo Bandboss/-diktator Johnny Ramone mittlerweile wohnt – und damit fern von der Heimat in New York. Beim Abschied stehen einige Gäste mit auf der Bühne, darunter Chris Cornell, Eddie Vedder und Lemmy. Der sagt später: „Wenn das die letzte Show der Ramones war, dann ist das eine Beleidigung für die Intelligenz der Welt und eine Schande für den Rock’n’Roll. Sie sind eine der besten Bands, die es gibt.“

An diesem Abend spielen die Ramones 32 Songs, die finale Nummer ist das Dave-Clark-Cover Anyway You Want It. Ein Mitschnitt erscheint am 18. November unter dem Titel We’re Ramones Were Outta Here CoverOutta Here!. Zum letzten Aufgebot gehören neben Joey und Johnny noch Bassist C.J. und Drummer Marky. Ihre Wege trennen sich nach dem Konzert, die Musiker verabschieden sich nicht mal voneinander.

Fünf Jahre später, 2001, stirbt Sänger Joey an Krebs, ohne dass der Streit mit Johnny jemals beigelegt worden wäre. Der erliegt 2004 ebenfalls einem Krebsleiden. 2002 fällt Ur-Bassist Dee Dee einer Heroin-Überdosis zum Opfer. Der erste Schlagzeuger Tommy stirbt 2014, auch an Krebs. Damit weilen die originalen Vier nicht mehr unter uns, die Ramones sind endgültig Geschichte.

 

Zeitsprung: Am 24.8.1979 läuft der Ramones-Film „Rock’n’Roll High School“ an.

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