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Popkultur

Die musikalische DNA von Rush

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Rush haben sich ihren Namen gut ausgesucht. Denn ihre Musik klingt so schnell, komplex und ausgedehnt, als wäre sie im Rausch eingespielt. Vor allem aber rauschten sie stets mit vollem Karacho an der Konkurrenz vorbei. Die Stilwechsel der kanadischen Band sind legendär: Von Blues-inspiriertem Rock ging es in härtere Gefilde, dann wurde plötzlich auf Reggae, Funk und sogar Hip Hop oder Jazz umgeschwenkt – und vergessen wir ihre legendären Synthesizer-Phase nicht! Kein Wunder, dass bei dem Tempo so mancher Vorwurf laut wurde, Rush hätten sich mit 180 Sachen total verfahren. Um die Jahrtausendwende herum sah es dann tatsächlich so aus, als wäre Rush der Sprit ausgegangen.


Hört euch hier die musikalische DNA von Rush als Playlist an und lest weiter:


Aber Alex Lifeson, Geddy Lee und Neil Peart, die seit Anfang der siebziger Jahre nach einigen personellen Umschwüngen den Kern der Band bilden, haben sich wieder aufgerappelt. Was sie angetrieben hat? Dasselbe wie damals schon, dasselbe wie immer: eine unerbittliche Liebe zur Musik. Und das gerne auch in ihrer komplexesten Form. Rush ist eine Band von Virtuosen, die noch jede andere in den Schatten stellt. Sie sind zu dritt und klingen wie mindestens acht – wer kann das schon von sich behaupten?

Ihrer manchmal abrupten Stilwechsel zum Trotz sind Rush dennoch ihren Wurzeln treu geblieben. Das heißt der Musik, die sie von Anfangstagen an begeisterte. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA dieser sich ständig wandelnden Band.


1. Cream – Crossroads (Live At Winterland, San Francisco 1968)

Was braucht’s eigentlich für eine Rock-Band? Na klar: Gitarre, Schlagzeug, Bass und ein Mikro sind die Grundausstattung. Während sich diese Formel bei den meisten anderen Gruppen in einer Vierer- oder Fünferkonstallation niederschlägt, haben es Rush von Anfang an als Trio versucht (und, nebenbei gesagt, auf dem Weg noch ganz andere Instrumente ausprobiert). Ein Vorbild, wenn nicht sogar eine direkte Inspiration fanden sie dafür im vielleicht bekanntesten Rock-Trio überhaupt: Cream.

„Cream haben das Blues-Rock-Trio quasi erfunden“, sagte Geddy Lee, als er für das Musikmagazin The Quietus seine Lieblingsalben aufzählte und dabei Creams bahnbrechendes Album Disraeli Gears nicht vergaß. Nachdem er ein Konzert von Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce besuchte, wusste der junge Bassist: So eine Band wollte er auch. Er sollte sie bekommen und Rush dankten ihren Vorbildern mit musikalischen Grüßen. Für das Cover-Album Feedback nahmen sie sich Creams Version von Robert Johnsons Blues-Standard Crossroads vor. Eine doppelte Würdigung, mit welcher die Band zugleich den Wurzeln der Blues-Musik Tribut zollte.


2. Buddy Holly – Not Fade Away

Bevor es aber soweit kommen sollte, nahmen Rush – damals noch Lifeson, Lee und Drummer Lee Rutsey – ihre erste Single auf und fuhren damit höchstens Schulterzucken ein. Ihr Cover von Buddy Hollys Not Fade Away kam nicht sonderlich gut bei der breiten Öffentlichkeit oder gar der Kritik an. Selbst ihr eigenes Plattenlabel zeigte den drei jungen Musikern die kalte Schulter. Entmutigen ließen sie sich dennoch nicht und nahmen die Sache einfach selbst in die Hand, indem sie ihr eigenes Label gründeten: Moon Records.

Das wäre wohl ganz im Sinne des unternehmungslustigen Buddy Holly gewesen, dessen überlebensgroßes Talent wir viel zu früh verloren haben. Er lebt weiter in Rushs solider Interpretation des prophetisch betitelten Songs Not Fade Away. Dem Cover wurde auf der Single die erste Eigenkomposition der Band nebenan gestellt, You Can’t Fight It. Und obwohl eben jene Single sich nur schleppend verkaufte: Heute ist sie ein begehrtes Sammlerstück. Mit ihrer ersten LP auf Moon Records überzeugten Rush übrigens dann endgültig die Öffentlichkeit von ihrem Talent. Danach rissen sich die Plattenfirmen um sie. So kann’s laufen!


3. Led Zeppelin – Communication Breakdown

Aber natürlich wurde dennoch gelästert. Die klingen doch wie ein schlechter Led Zeppelin-Abklatsch, hieß es 1974 in der Musikpresse, als Rush stolz ihr erstes Album präsentierten. Zugegeben, ganz unrichtig war der Vorwurf nicht: Led Zep sind ohne Frage die größte Referenz für Rush. Das waren sie schon seit Langem, wie Lee in einem Interview verriet. „Led Zeppelin kamen nach Toronto“, erinnerte er sich. „Ich blieb die ganze Nacht wach, um Tickets zu ergattern. Wir waren sehr jung und deshalb so fahrig und wir sogen alles in uns auf. Dann hörte ich Communcation Breakdown ein der Groschen fiel. Das war mein Punkrock!“

Lee ist aber nicht das einzige Rush-Mitglied, dem es so ging. So wie er Robert Plants markantem Kreischgesang nacheiferte, gab Lifeson Jimmy Page als eine Inspiration für sein Gitarrenspiel an und auch Peart nannte den früh verstorbenen John Bonham als eines seiner Drum-Idole. Neben Cream und Black Sabbath waren Led Zeppelin allerdings bei weitem nicht die einzige britische Hardrock-Band, die für Rush ausschlaggebend werden sollten.


4. The Who – Pictures Of Lily

Dem explosiven Sound Led Zeppelins ging der von The Who voraus. Als Rush auch dieser Band mit einer Cover-Version ihre Ehrerbietung erwiesen und für Feedback das Stück The Seeker neu interpretierten, bedeutete dies eine überfällige Verbeugung vor den schnoddrigen britischen Legenden. „Pete Townshend ist für mich der ultimative Rockmusiker“, schwärmte Lee und Lifeson nannte den Who-Mastermind den „größten Songwriter der Rockgeschichte“.

„The Who waren immer einer der Haupteinflüsse für alles, was Rush jemals gemacht haben, und das von Anfang an“, gab Lifeson in einem Interview mit dem Magazin Classic Rock zu. Vor allem aber zog er seinen Hut vor Townshend. „Er brachte mir bei, dass es selbst für einen großen Musiker in Ordnung ist, zuzugeben, nicht unfehlbar zu sein. Das ist eine herausragende Eigenschaft, die wir bei Rush nie vergessen haben.“ Auf die Frage hin, in welchem Who-Song Townshends Genie am deutlichsten wurde, konnte er sich dementsprechend schlecht festlegen. „Letzten Endes wären Pictures Of Lily, I Can’t Explain oder Run, Run, Run in der engeren Wahl. Sie sind alle so verschieden, aber sie haben diesen unverwechselbaren Townshend-Charakter.“


5. Genesis – The Musical Box

Derweil Led Zeppelin, The Who, Black Sabbath oder Cream vor ihnen schon die Grenzen der Rock-Musik ausgetestet hatten, war es ein anderer Strang von britischen Bands, die das Genre auf ein neues Level heben sollten. King Crimson, Jethro Tull, Yes und vor allem Genesis veröffentlichten Alben, wie sie zuvor noch nie gehört wurden. Allein der Opener von Genesis’ bahnbrechender LP Nursery Cryme schien eine wahre Revolution auszurufen. Mit seinen komplexen Arrangements, seinem innovativen Umgang mit dem herkömmlichen Rock-Instrumentarium und den fantastischen Lyrics Peter Gabriels legt The Musical Box die Messlatte für anderen Rock-Bands umso höher. Rush eingeschlossen.

„Damals habe ich zuerst den Grundgedanken hinter einem Konzeptalbum begriffen und dass es abenteuerlich und lebendig sein kann, statt zu langweilen“, sagte Lee über Nursery Cryme. „Es ist eine spielerische und faszinierende Platte. Ich habe den Sound geliebt. Ich war total verzaubert davon und wollte unbedingt wissen, wie sie das angestellt haben. Das ist ein Teil der Wurzeln von Rush. Der Gedanke eines flexiblen Konzepts.“ Dieses setze das Trio zuerst auf dem Album Fly By Night im Jahr 1975 um, vier Jahre nach Nursery Cryme. Gut Ding will Weile haben.


6. Pink Floyd – Echoes

Ende der siebziger Jahre zogen Rush sogar nach Großbritannien, um dort die beiden Alben A Farewell To Kings (1977) und Hemispheres (1978) aufzunehmen. Der Sound wurde immer komplexer und obskurer, was sich auf ihre Auseinandersetzung mit der britischen Prog-Rock-Szene zurückführen ließ. Die Songs wurden länger, das Instrumentarium breiter. Zwischen zwölfsaitigen und klassischen Gitarren, exotischen Percussion-Elementen und brutzelnden Effektgeräten begannen sich auch immer mehr Synthesizer wie etwa der ikonische Minimoog in das Klangbild einzuschleichen. Ein Trend, der in den achtziger Jahren zum Markenzeichen der Band werden sollte.

Während sich Lifeson später von Gitarristen wie Andy Summers von The Police oder The Edge von U2 Inspiration holen sollte und erst nach dem Comeback der Band im Jahr 2002 wieder mit seiner Gitarre in den Vordergrund trat, waren es in den siebziger Jahren noch drei Gitarristen, die ihn beeinflussten: Steve Howe von Yes, Steve Hackett von Genesis und David Gilmour von Pink Floyd. Bezüglich Gilmour gab Lifeson zu, dass dieser zwar am Blues orientiert war, betonte aber zugleich die atmosphärischen Qualitäten seines Spiels: „Wie er Räume aufmacht und Stimmungen erzeugt“, schwärmte Lifeson. Da stimmt ihn auch Kollege Lee zu, der Meddle zu seinen Lieblingsalben zählt. Denn was wäre das 23minütige Echoes auch schon ohne Gilmours fantastische Leads?


7. Jimi Hendrix – Are You Experienced?

Noch weiter zurück geht Lifesons Beschäftigung mit Jimi Hendrix. „Ich würde zwar sagen, dass Jimmy Page während meiner Jugendzeit der größte Einfluss für mich war“, sagte er in einem Interview. „Sicherlich jedoch war Hendrix einfach unglaublich, aber ich habe nie auch nur angenommen, jemals so wie er zu spielen können!“ Kollege Lee stimmte zu: „Ich hatte noch nie so etwas gehört“, sagte er über Hendrix’ Are You Experienced?-Album. „Das zeigte erneut, wie viel Kraft und Potenzial in einer Dreier-Band steckt.“

Nicht aber nur für den Gitarristen und den Bassisten der Band wurde das Album zu einem persönlichen Meilenstein. „Eines Samstagmorgens während meines Schlagzeugunterrichts am Peninsula-Konservatorium in St. Catharines in Ontario spielte mir mein Lehrer eine Platte vor und sagte dann zu mir: ‚die hier verändert einfach alles.‘“, erinnerte sich Peart. „Es war Jimi Hendrix’ Are You Experienced? mit Mitch Mitchells kunstvollem und innovativem Drumming.“ Das dürfen Rock-Fans eben nie vergessen: Auch wenn eine tolle Gitarrenarbeit zu einer guten Platte unbedingt dazugehört, das Fundament wird immer vom Schlagzeug gelegt.


8. James Brown – Funky Drummer

Rush waren nämlich immer auch eine sehr rhythmisch orientierte Band. Nicht allein, als sie während ihrer Prog-Phase mit ungewöhnlichen Taktarten experimentierten, versteht sich. Sie wandten sich auch während der achtziger und neunziger Jahre wiederholt anderen Genres zu, die die Dinge betont langsamer und auf den Groove fokussierter angingen. Neben Reggae nahmen Rush auch Funk- und sogar Hip Hop-Elemente in ihren Sound auf. Wer hätte es Mitte der Siebziger noch gedacht?

Nun, tatsächlich war der Funk schon immer da. „Als ich anfing, spielte ich in Rhythm’n’Blues-Bands“, erinnerte sich Peart an seine frühen Tage als Drummer. „Ich spielte James Brown, Wilson Pickett, Otis Redding und all sowas. Während unserer Kindheit war Blue-Eyed Soul das große Ding in Toronto. Alle wichtigen Bands hatten tolle Drummer und spielten eben diese Musik. Wir wuchsen also damit auf und ich beziehe mich immer wieder darauf, weil es sehr prägend für uns war.“ Da haben wir es also: Peart ist im Herzen ein Funky Drummer!


9. Charlie Parker – Summertime

Rush haben aber nicht nur für Funk etwas übrig, sondern auch für Jazz. Wieder ist es vor allem Peart gewesen, der während der neunziger Jahre den Ausschlag für einen erneuten Kurswechsel gab. Auf dem Album Roll The Bones aus dem Jahr 1992 wird der Jazz-Einfluss im Stück Where’s My Thing? wohl am deutlichsten. Nicht wenige sehen in dem gut vierminütigen Song den Schlüssel für das gesamte Schaffen der Band während der neunziger Jahre: endlich wurde sich wieder auf das Potenzial der gewohnten Dreierkonstellation konzentriert. Das sollte solange gut gehen, bis Peart von unerwarteten Tragödien heimgesucht wurde: Nach der Veröffentlichung der Test For Echo-LP anno 1996 und der anschließenden Tour starb zuerst seine Tochter Selena bei einem Autounfall, 1998 erlag seine Frau Jacqueline ihrem Krebsleiden.

Vor diesem schwerwiegenden Wendepunkt in Pearts Leben und der Karriere der Band, die nach dem Schicksalsschlag für mehrere Jahre auf Eis lag, war es der Schlagzeuglehrer Freddie Gruber, der Pearts Spiel in eine neue Richtung trieb und dem Trio somit mehr Jazz einimpfte. Gruber verdiente sich seine Sporen in der Bebop-Szene der vierziger und fünfziger Jahre, sogar bei Charlie „Bird“ Parker saß er hinter der Schießbude. Seine wahre Berufung fand er allerdings als Mentor für andere. Zwischen den Alben Counterparts und Test For Echo brachte er Peart einige Jazz- und Swing-Kniffe bei, wie er sie seinerseits während seiner Anfangstage mit Parker und anderen gelernt hatte.


10. Dream Theater – The Looking Glass

Als Rush 2002 wieder die Bühne erklommen und mit Vapor Trails ein furioses Comeback-Album hinlegten, hagelte es selbstverständlich wieder böse Worte. Das Online-Magazin des Musiksenders MTV spöttelte sogar, die Band würde nunmehr wie Tool klingen. Dabei ist es doch genau anders herum! Als Rush 2013 die längst überfällige Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame feierten, tummelte sich auch Danny Carey von den rüpeligen Prog-Metallern im Publikum, und als Gitarrist Adam Jones nach Jahren einen handgeschriebenen Zettel des kanadischen Trios in seinem Gitarren-Case fand, zeigte er sich in einem Instagram-Post mehr als gerührt: #heroes, schrieb er in seinem Dankespost an Rush.

Tool sind nicht die einzige Prog-Band der jüngeren Generation, die Rush zu ihren Helden zählen. “Wenn ich eine absolute Lieblingsband auswählen müsste, dann wären es Rush”, gestand John Petrucci von Dream Theater gegenüber dem Magazin GuitarWorld. “Als ich 2112 entdeckte, eröffnete mir das die Idee davon, dass Rock-Musik so viel größer sein kann – dass es ein Mittel sein kann, eine Story zu erzählen oder dich in eine andere Welt zu versetzen.” Kaum verwunderlich, dass sich seit Jahren immer wieder Rush-Titel auf den Setlists von Dream-Theater-Konzerten fanden. Ihr Song ist ein mehr als direkter Tribut an die kanadischen Kollegen.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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