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Popkultur

„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

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John Lennon
Foto: Peter Fordham © Yoko Ono Lennon

Es gibt einen Song, der Millionen von Menschen in schwierigen Zeiten inspiriert und tröstet: Imagine von John Lennon und Yoko Ono.

Hier könnt ihr das Album Imagine hören:

Auch große Musiker*innen erinnern sich in solchen Momenten oft an den Song. Als Stevie Wonder im August 2018 während eines Konzertes in Atlanta vom Tod von Senator John McCain erfuhr, spielte er spontan eine wunderschöne Version von John Lennons Meisterwerk aus dem Jahr 1971. Direkt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war der Song zwar aus dem Radio verbannt worden, aber Neil Young erkannte seine Kraft und sang ihn bei dem Gedenkkonzert America: Tribute To Heroes. Coldplay spielten eine Version nach den Anschlägen von Paris im Herbst 2015 und im Nachgang der Auseinandersetzungen um Nordkorea 2018 spielte eine koreanische Musikgruppe den Song bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele.

von Martin Chilton

“Eine Marketingkampagne für den Frieden”

Lennon beschrieb Imagine als eine Marketingkampagne für den Frieden und es ist nicht verwunderlich, dass diese bewegende Hymne für Menschen, die sich nach Harmonie und Frieden auf der Welt sehnen, ein wahrer Leuchtturm ist. Imagine entstand während des Vietnamkrieges, im März 1971, und hat sich zu einem ewigen Protestsong und einem Symbol für die Hoffnung entwickelt.

Als seine Witwe Yoko Ono Anfang September 2018 gemeinsam mit ihrem Sohn Sean Lennon im New Yorker Central Park auftrat, um eine Ehrenbriefmarke des US Postal Service zu Ehren des verstorbenen Beatle zu feiern, sprach sie auch über den Song Imagine, der übrigens in der offiziellen Phonographic Performance Limited Liste gestreamter Songs noch vor allen Beatles-Songs landet.

Was macht Imagine zu so einer großartigen Aufnahme? Schon mit den ersten Klavierakkorden ruft der Song eine starke Gefühlsreaktion hervor. Und auch die Produktion ist sehr intelligent: Gemeinsam haben John, Yoko und der Maestro, Phil Spector, alles aus John Lennons nachdenklicher, verletzlicher Stimme herausgeholt. Die unauffällig schönen Streicher – geschrieben von Lennon, orchestriert von Torrie Zito und gespielt von The Flux Fiddlers – tragen ihren Teil dazu bei, dass dieser Song der absolute kreative Höhepunkt der professionellen Partnerschaft zwischen John und Yoko wurde.

Ein Liebeslied and die Menschlichkeit

Inspiriert wurde Imagine von einem Gedicht von Yoko Ono, das 1964 in ihrem Buch Grapefruit erschien. In Cloud Piece schrieb sie: “Imagine the clouds dripping, dig a hole in your garden to put them in.” Lennon sagte später: “Imagine sollte Lennon/Ono zugeschrieben werden. Ein großer Teil davon – die Textzeile und das Konzept – stammten von Yoko. Aber damals war ich zu egoistisch und ein Macho. Ich habe ihren Beitrag verschwiegen, aber die Idee kam aus dem Buch Grapefruit.”

Die erste Zeile dieses Liebeslieds an die Menschlichkeit lautet “Imagine there’s no heaven” – seinerzeit eine Provokation, denn damit stellte der Mann, der in der Vergangenheit schon gescherzt hatte, dass die Beatles “populärer als Jesus” waren, die organisierte Religion direkt in Frage. Der Song fordert die Zuhörer*innen weiterhin auf, sich die Welt ohne Besitztümer, ohne Religion und sogar ohne Nationen vorzustellen, also ohne etwas, “für das man töten oder sterben” würde.

Imagine ist die Essenz der Philosophie von Lennon und Ono an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben, nämlich, als die Frischvermählten ihre Weltsicht nach außen kommunizieren wollten. Das Album Imagine erschien nach einer turbulenten Phase, in der Lennon und Ono eine Reihe von Protesten in ihrem Bett, sogenannte Bed-ins veranstaltet und damit weltweit für Aufsehen gesorgt hatten. Außerdem hatte das Paar Coventry Cathedral besucht und dort an einer Stelle, die während des Zweiten Weltkriegs bombardiert worden war, als Zeichen für den Frieden Eicheln eingepflanzt.

Ivor Sharp © Yoko Ono Lennon

“John war ein sehr religiöser Mensch”

Dieser Blick nach draußen auf die Welt wurde allerdings mit einer erfrischenden Entdeckungsreise nach innen ergänzt. Mitte bis Ende der 1960er Jahre hatten Lennons psychedelischen Experimente ihn dazu veranlasst, nach anderen Methoden Ausschau zu halten, sein Bewusstsein zu erweitern – darunter auch das Studium der transzendentalen Meditation bei Maharishi Mahesh Yogi in Rishikesh, Indien, wo die Beatles sich 1968 aufhielten. Aber Lennon, der ewig Suchende, wäre niemals mit nur einer Methode zufrieden gewesen, wie Yoko es später ausdrückte: “John war ein sehr religiöser Mensch, er gehörte nur keiner Konfession an.” Er hatte schon den Unmut der amerikanischen Christ*innen auf sich gezogen, die nach seiner Bemerkung über die Beliebtheit von Jesus sogar Beatles-Alben öffentlich verbrannten. Und als dem Maharishi Fehltritte vorgeworfen wurden, verließ Lennon das Ashram auf schnellstem Wege.

“Das Christentum hat viele positive Elemente, aber man muss sich mit den Grundlagen beschäftigen, und mit den Grundlagen fernöstlicher Religionen, und sie dann selbst miteinander verknüpfen”, führte Lennon später aus. In dem Song God sang er: “I just believe in me/Yoko and me/And that’s reality”. Der Song erschien 1970, als Yoko sich ihres Philosophiestudiums bediente, um den Ex-Beatle zu therapieren. Nach diesen eher informellen Sitzungen nahmen John und Yoko an Primärtherapiekursen des Psychologen Arthur Janov teil. Die Ergebnisse kann man auf dem ebenfalls 1970 erschienenen Album John Lennon/Plastic Ono Band hören – ein rohes, kathartisches Album, das die Klarheit der Gedanken, die für Imagine nötig war, überhaupt erst möglich gemacht hat.


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john Lennon - Imagine
John Lennon
Imagine
Ltd. Col. 2LP, LP, CD

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Das Album Imagine, auf dem sich auch der sehr politische Song Gimme Some Truth befindet, war eine Einladung, sich das Unmögliche vorzustellen; ein Appell an die Menschen, spirituelle Einigkeit zu zeigen und den durch Religionen und Nationen verursachten Spaltungen abzuschwören. Es war auch ein Abbild von Lennons Gemütszustand zu der Zeit. Drummer Alan White erinnert sich, dass die Stimmung sehr warmherzig war und sich alle im Studio gut verstanden: “John Lennon freute sich sehr darüber, wie das Album sich entwickelte. Darum war er bester Laune.”

“Wir tragen die Fackel”

Am 5. Dezember 1980 gab John Lennon sein letztes Interview. Er sprach mit Jonathan Cott vom Rolling Stone. Über seinen einflussreichen Song sagte er: “Wir waren nicht die ersten, die gesagt haben, stellt Euch vor, wie es ohne Nationen wäre oder ‘give peace a chance’, aber wir tragen diese Fackel wie das olympische Feuer und geben sie weiter, von einem Träger zum nächsten, von einem Land, von einer Generation – und das ist unsere Aufgabe. Nicht einfach so zu leben, wie irgend jemand anderes meint, dass es richtig ist – reich, arm, glücklich, unglücklich, lächelnd, nicht lächelnd, mit der richtigen Jeans oder einer falschen.”

Das Album wurde im Februar, Mai und Juli 1971 eingespielt und es gibt sogar Aufnahmen, auf denen Lennon verschiedene Versionen des Songs am Klavier ausprobiert und es auf unterschiedliche Art und Weise singt.

Zu Beginn der Arbeit an Imagine war der Song “ohne Melodie” geplant, wie ein “Kinderreim für ein Spiel”. Als John die endgültige Version im Studio finalisierte, war Bass von dem alten Beatles-Kompagnon Klaus Voormann dazugekommen, sowie Schlagzeug und ein Streicherarrangement.

“Wir müssen über Gewalt in der Gesellschaft reden”

Bei der Veröffentlichung sagte Lennon, dass die Welt sich zu sehr auf Unwichtiges konzentrierte und “worüber wir wirklich reden müssen, ist die Gewalt in unserer Gesellschaft”. Nach Johns Ermordung im Dezember 1980 erreichte die Single Platz eins der Charts und stieg nochmal in die britischen Charts ein, nachdem Emeli Sandé für die Olympischen Spiele 2012 in London eine Coverversion aufgenommen hatte. Auch heute noch ist der Song ein fester Bestandteil der Neujahrsfeierlichkeiten auf dem New Yorker Times Square.

Imagine wurde mit Streichern hübsch verpackt, aber wenn man die Orchestrierung wegnimmt, dann ist das Konzept dahinter immer noch radikal und revolutionär – oder, wie Lennon es ausdrückte: “Es ist ein Held der Arbeiterklasse mit Zuckerguss”. Yokos Aussage, “all diese Instruktionen sind dafür gedacht, wie die Menschen die Ewigkeit verbringen sollen, denn wir haben sehr viel Zeit” war wohl eine Vorahnung. Jahrzehnte nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung ist dieses Meisterwerk der Popmusik und Paradebeispiel für Schlichtheit weiterhin eine Quelle der Inspiration für Menschen aller Ethnien und Religionen und bietet den Hörer*innen einen kurzen Moment der Hoffnung in einer chaotischen Welt – besonders mit diesen schönen Lyrics:

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope some day you’ll join us
And the world will be as one

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5 Wahrheiten über John Lennons “Imagine”

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grand Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records((LINK)) unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TBC darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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