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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.1.1960 kommt Michael Stipe von R.E.M. zur Welt.

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Foto: Peter Kramer/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.1.1960.

von Christof Leim

Michael Stipe kennen wir natürlich als Sänger der Alternative-Ikonen R.E.M. Nicht zuletzt dank seiner Stimme und seinen Texten prägte die Band das Genre während der Achtziger und erreichte große Erfolge Anfang der Neunziger. Ihre Wirkung klingt heute noch nach. Am 4. Januar feiert Stipe Geburtstag. Wir gratulieren.

Hier gibt’s zur Lektüre die besten R.E.M.-Songs:

Dass alles liegt, wenn man so will, an einer Zufallsbegegnung. John Michael Stipe kommt am 4. Januar 1960 in einem Ort namens Decatur im US-Bundesstaat Georgia zur Welt. Weil sein Vater bei der Armee arbeitet, bleibt die Familie allerdings nicht lange an einem Ort; die Stipes residieren unter anderem in Deutschland, Texas, Illinois und Alabama. Für ein Studium kehrt der junge Mann jedoch wieder nach Athens, Georgia zurück, musiziert in einer Band namens Gangster – und trifft in einem Plattenladen den Gitarristen Peter Buck, der dort als Verkäufer arbeitet…

Freakmusik verbindet

Buck beschreibt den Sänger später als „auffallend aussehenden Typen, der sonderbare Platten gekauft hat“. Die beiden freunden sich an, gründen eine Band und fangen an, gemeinsam Songs zu schreiben. Bill Berry stößt als Schlagzeuger hinzu, Mike Mills übernimmt den Bass, das Quartett nennt sich R.E.M. Den Namen wählt Stipe per Zufallsprinzip aus einem Wörterbuch. 

Die frühen R.E.M., ganz links, ganz ergriffen: Michael Stipe

Im April 1980 steht die Truppe schon auf der Bühne, im gleichen Jahr schmeißen alle ihr Studium, Stipe als letzter. Im Juli 1981 kommt die erste Single Radio Free Europe/Sitting Still, der Rest ist Alternative-Rock-Geschichte. Schon mit dem Debütalbum Murmur (alles dazu hier) können R.E.M. 1983 erste Wellen über den Süden der USA hinaus schlagen, sogar Metallica-Urbassist Cliff Burton schwört auf die Band. Spätestens mit Out Of Time (1991) werden die vier Jungs aus Athens, Georgia zu internationalen Mainstream-Größen; Automatic For The People (1992) und Monster (1994) zementieren den Erfolg und machen R.E.M. zu einer der erfolgreichsten Gruppen der Welt.

R.E.M. gelten als Pioniere des Alternative Rock und großer Einfluss für Bands wie etwa Nirvana, mit deren Anführer Kurt Cobain Michael Stipe eine Freundschaft pflegt und für dessen Tochter Frances Bean Cobain er der Pate wird. Während der Neunziger kommt man an R.E.M. kaum vorbei, die Hitsongs kennen wir alle: Losing My Religion, Everybody Hurts, Man On The Moon und so weiter und so weiter. (Zum Song Kenneth, What Is The Frequency? von Monster (1994) gibt es eine abgefahrene Geschichte, die ihr hier nachlesen könnt.)

Den Sound von R.E.M. prägen die luftige, schrammelige Gitarre von Buck und der ungewöhnlich melodische Bass von Mills, vor allem aber Michael Stipe – mit seiner Stimme, den Texten und seinem intensiven Auftreten. Der Mann singt klagend, distanziert, aber doch eindringlich. Während der Anfangsjahre sind seine Worte kaum zu verstehen, so sehr murmelt der Mann. 1984 kommentiert das lapidar mit: „So singe ich eben. Wenn ich versuchen würde, das zu kontrollieren, wäre das falsch.“ Erst später lässt er seinen klangvollen Bariton zur Entfaltung kommen, U2-Frontmann Bono bescheinigt ihm 2003 eine „außergewöhnliche Stimme“.

Zukünftiger Rockstar: Michael Stipe 1989 – Pic: Bart Everly/Warner

Wenn er nicht will…

Zwar tragen die vier Bandmitglieder gleichberechtigt zu musikalischen Entscheidungen beim Songwriting bei, doch Buck räumt ein, dass Stipe als Haupttexter und Melodienschreiber selten dazu überredet werden kann, eine Idee zu verfolgen, die ihm nicht zusagt. Daneben kümmert sich der Frontmann um die visuelle Seite der Band, etwa Albumcover und Musikvideos, bei denen er oft Regie führt.

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In seinen Versen bleibt unser Mann zunächst vage, doch Ende der Achtziger trifft er zusehends politische Aussagen vor allem als Kommentar zu den Reagan/Bush-Jahren des US-Politik. Später singt er über Sterblichkeit und den Tod (Automatic For The People) oder Liebe und Massenkultur (Monster). Michael Stipe bleibt über 15 Studioalben die Stimme und das Gesicht von R.E.M., bis sich die Band 2011 schließlich einvernehmlich auflöst.

Locker angehen lassen

Neben der Musik interessiert er sich immer schon für Film und Fotografie. Er produziert Werke für das Independent-Kino, gibt Bildbände heraus und engagiert sich weiterhin politisch, etwa für Waffenkontrolle. Musikalische Projekte und Kollaborationen hat er seit den Achtzigern mit unzähligen Künstlern verfolgt, unter anderem mit Natalie Merchant von 10.000 Maniacs, Tori Amos (unveröffentlicht) und Chris Martin von Coldplay. Als Solokünstler hält er sich seit dem Ende von R.E.M. von einzelnen Songs abgesehen (etwa Future, If Future und Your Capricious Soul) eher zurück. Doch ganz kann sich die Künstlerseele vermutlich nicht zur Ruhe setzen. Lassen wir uns überraschen und gratulieren derweil zum Ehrentage.

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