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Popkultur

„The Dirt“: Was taugt der Mötley Crüe-Film?

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"Am 22. März 2019 startet The Dirt auf Netflix. Der Film erzählt die unglaubliche Geschichte von Mötley Crüe, was bedeutet: Sex, Drogen und Rock’n’Roll, außerdem Spaß, Spannung und ein Quäntchen Selbstironie. Wie Bohemian Rhapsody mit mehr Koks und nackten Tatsachen, könnte man sagen. Wir konnten den Streifen vorab sehen, und jetzt endlich dürfen wir darüber sprechen. Hier kommt unsere Filmkritik.

von Christof Leim

Hört hier in den Soundtrack von The Dirt rein:

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Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Als Mötley Crüe 2001 ihre Autobiografie The Dirt rausbringen und es damit sogar auf die Bestseller-Liste der New York Times schaffen, haben sie nicht nur Millionen an Platten verkauft. Nikki Sixx, Tommy Lee, Mick Mars und Vince Neil haben eine Dekade mitdefiniert. Die vier Musiker zählen zu den Vätern des Hard Rock der Achtziger samt all seiner Exzesse, Riesenrefrains und Giganto-Shows. Wo Mötley Crüe drauf steht, war immer Rock’n’Roll-Spaß drin, aber auch ordentlich Drama und Zerstörung: Wenn nur die Hälfte der Geschichten im Buch stimmt, dann kann man nachträglich vor lauter Überdosen, Hollywood-Ehen, Porno-Tapes und allgemeiner Dysfunktionalität schon ein bisschen Schnappatmung bekommen. Und ganz falsch wird das alles nicht sein…

Professionelle Krawallmacher: die echten Mötley Crüe 1982 – Pic: Mark Weiss

Der Film

Den ganzen Wahnsinn können wir jetzt als Film bestaunen: The Dirt heißt das Biopic, das ab 22. März 2019 auf Netflix zu sehen ist – und zwar genau hier. Der Streifen erzählt die Geschichte der Band vom ersten Treffen zwischen Nikki Sixx und Tommy Lee 1981 bis zur Wiedervereinigung des originalen Line-ups 1997 (nach zwischenzeitlichem kurzen Wechsel an der Sängerposition). Die Story läuft schnell und laut voran, der gesamte „Tonfall“ ist wild und locker, oft lustig, manchmal melodramatisch – und fast immer ordentlich plakativ und großzügig überzeichnet: “Spinal Bohemian Tapsody”, wenn man so will. Filmisch und handwerklich wirkt das einfacher als die offensichtlichen Referenzwerke, verleiht The Dirt aber durchaus comichaften Schwung. Szenehistorische Referenzen und die passende Musik finden sich dabei eine Menge; das Ding handelt nicht nur von Rock’n’Roll, es klingt auch so. Natürlich mussten die Drehbuchschreiber die Handlung straffen und können nicht jede Station der Bandgeschichte im Detail runterbeten. Es gilt wohl die alte Weisheit: Die beste Vorlage für einen Film ist eine Kurzgeschichte, es sei denn, man hat sechs Stunden Zeit.



Musikfreaks wie wir mögen sich daran stören, dass die Chronologie oder ein paar biografische Fakten nicht immer hundertprozentig stimmen und mitunter der Dramaturgie angepasst wurden. Aber schon beim Queen-Biopic Bohemian Rhapsody merkte man: Wer zu nerdig rangeht und einen gefilmten Wikipedia-Artikel erwartet, nimmt dem Regisseur die Möglichkeit, die Geschichte spannend zu erzählen, und sich selbst den Spaß am Film. Solange solche Straffungen und Simplifizierungen der Gesamtwirkung dienen, lassen sie sich verkraften, und The Dirt nimmt sich nicht zu viele Freiheiten heraus. Mit den unvermeidbaren Notwendigkeiten des Drehbuchschreibens gehen die Macher  in einer Szene angenehm ironisch um: 1983 heuerten Mötley Crüe die Manager Doc McGhee und Doug Thaler an. Letzterer beziehungsweise sein Alter Ego wird aber nur kurz gezeigt und löst sich in der gleichen Einstellung förmlich in Luft auf. (Vielleicht, weil der der echte Thaler nicht Teil des Films sein wollte.) Daraufhin blickt „Mick Mars“ in die Kamera und sagt: „Die Geschichte ohne ihn ist genauso gut.“ Fertig.

„Nikki“, „Vince“, „Mick“ & „Tommy“: die Crüe der Leinwand – Pic: Netflix

Wenn also ein Shirt aus der Dr. Feelgood-Ära im Kontext einer viel früheren Platte auftaucht oder von einer Band (Skid Row) die Rede ist, die es zu dem Zeitpunkt der Handlung (1984) noch gar nicht gegeben hat, dann lässt sich darüber gut hinwegsehen. Aber immerhin gibts für uns damit Nerd-Punkte beim nächsten Rock’n’Roll-Stammtisch.

Die Schauspieler

Grundsätzlich allerdings geht The Dirt sehr originalgetreu vor, sogar Frisuren, Klamotten und Tattoos der Protagonisten entsprechen den Bildern und Videos, die Fans aus den jeweiligen Phasen kennen. Zudem fangen die vier Hauptdarsteller die grundsätzlichen Charaktere unserer Helden ein: Douglas Booth (Worried About The Boy) gibt souverän den charismatischen, halbkaputten Nikki Sixx, Iwan Rheon (Games Of Thrones) macht uns den grummelnden Mick Mars, während Machine Gun Kelly (Roadies) „seinem“ Tommy die nötige jugendlich-naive Energie verleiht. Auch Daniel Webber (The Punisher) fängt den gockelnden Frontmann und seine spätere emotionale Zerrissenheit gut ein. Dass die vier Schauspieler natürlich nicht komplett aussehen wie die echten Rocker, hat man nach einer Minute vergessen.

So sahen coole Videoclips 1983 eben aus – Pic: Netflix

Und so erleben wir, wie Tommy, Nikki, Mick und Vince in einem „Holy shit!“-Moment zusammenfinden, im „Hell House“ in Hollywood mehr wüten als wohnen und die ersten Konzerte spielen – mit großer Show, so weit es das nicht-große Budget damals zulässt. Die Band wächst (im Zeitraffer), die Fanscharen werden üppiger, die Ereignisse nehmen ihren Lauf. Wer The Dirt gelesen hat (und unsere Zeitsprung-Geschichten verfolgt), kennt die Episoden: im „Schneesturm“ auf der Tour mit Ozzy Nikkis Zwei-Minuten-Tod, der verhängnisvolle Unfall von Vince, der Hanoi Rocks-Drummer Razzle das Leben kostet, oder der Tag, an dem der Sänger ausgerechnet die Freundin ihres Plattenfirmenvertreters Tom Zutaut ferkelt. An „Damenkontakten“ mangelt es den ganzen Film über nicht, seien es leichtbekleidete Groupies oder Tommys zukünftige Ehefrau Heather Locklear. (Pam Anderson taucht übrigens nicht auf). Jugendfrei und politisch korrekt lässt sich der Hedonismus der Ära kaum darstellen.

Wenn man Spaß hat, geht auch mal was kaputt. Hotels zum Beispiel. – Pic: Netflix

Einige Rückblenden illustrieren die schwierige Kindheit Nikkis, ansonsten setzen die Kollegen Dinge in Brand und werfen Fernseher aus dem Fenster, wie man es halt so macht. Irgendwann werden die Hauptfiguren „trockengelegt“, der Entzug zieht auch Streit nach sich. Die Zeit nach Vince Neils Ausstieg/Rauswurf, in der John Corabi als Interimssänger erstklassige Arbeit ablieferte, die allerdings keiner hören wollte, wird nur kurz und nicht besonders respektvoll gestreift. Und dann naht die emotionale Wiedervereinigung, mit der der Film endet …

Stadionshows im Club: die frühen Mötley im Film – Pic: Netflix

Auf Netflix

Mit der Art und Weise, wie The Dirt unter die Leute kommt, beschreiten Mötley Crüe im Genre des Musikfilms oder Biopics einen ungewöhnlichen Weg: Der Film erscheint exklusiv auf Netflix, also digital als Stream. Ob er später in herkömmlichen Kanälen und Formaten zu sehen sein wird, weiß man nicht. Dahinter steckt vermutlich eine realistische und clevere Einschätzung der Medienlandschaft, die zudem mehr junge Leute an den Start bringen könnte. Womöglich wollte auch kein traditionelles Studio den Streifen haben, des Produktion lange Jahre immer wieder zum Erliegen kam. Angesichts der ganzen Drogen, Vögelei und Zerstörung fragen, wie die Altersbeschränkung in Kinos ausfallen würde; auf Netflix wird der der Streifen “ab 18” eingestuft.



Der Soundtrack

Zwar haben sich die echten Mötley Crüe an Silvester 2015 von ihrer aktiven (Bühnen-)Karriere verabschiedet, doch die Fans dürfen sich über vier neue Songs freuen: The Dirt (Est. 1981) wurde bereits als Single veröffentlicht – ein schöner Rocker, der stilistisch zur Spätphase der Band passt. Hier steuert „Tommy“-Schauspieler Machine Gun Kelly, der eigentlich vor allem als Rapper aktiv ist, einen Sprechpart bei. Ride With The Devil und Crash And Burn schlagen in eine ähnliche Kerbe, das heißt: typische Crüe-Nummern mit neuzeitlichem Einschlag circa Saints Of Los Angeles (2008). Natürlich klingt das nicht wie in den güldenen Achtzigern, aber das kann ja auch gar nicht so richtig funktionieren. Beim vierten Track gehen dann die Augenbrauen hoch: Mötley Crüe legen Like A Virgin von Madonna neu auf. Die Rocker lassen das Pop-Ding knackig nach vorne marschieren, verpassen ihm aber einen überraschend zurückhaltenden Refrain.



Klingt lustig und amüsiert Bandboss Nikki, der seinen Sänger kürzlich als „den am wenigsten jungfräulichen Kerl, den ich kenne“ bezeichnete. Die neuen Stücke erscheinen zeitgleich mit dem Streifen auf dem Album The Dirt Soundtrack, einer karriereumspannenden Best-of mit 14 Crüe-Gassenhauern. Als Produzent fungierte Bob Rock (Dr. Feelgood, Mötley Crüe), dabei standen mindestens Tommy und Nikki tatsächlich zusammen im Studio. Laut GEMA-Datenbank haben sich beim Titelstück neben den vier Mitgliedern noch Gitarrist John 5 und Machine Gun Kelly am Songwriting beteiligt. Übrigens soll die Autobiografie von 2001 zeitgleich zum ersten Mal als Hörbuch erscheinen.



Fazit

Was ergibt das alles zusammen? Einen kurzweiligen Musikfilm, ob man die Geschichte schon kennt oder nicht. Hohe cineastische Ansprüche und Wunsch nach Feingeistigem sollte man im Zaum halten, denn The Dirt funktioniert wunderbar wie ein Drei-Minuten-Rocksong, aber nicht wie ein künstlerisch wertvolles Epos; Live Wire statt The Lamb Lies Down On Broadway. Ein Vergleichswerk liegt auf der Hand: The Dirt ist filmisch nicht so gut, aber genauso unterhaltsam wie Bohemian Rhapsody, mit weniger Tragödie und Tiefe, dafür mit mehr Action, Koks und Brüsten. Geht ja auch.

Mötley Crüe: Rock’n’Roll-Veteranen – Pic: Paul Brown


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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

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Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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