------------

Popkultur

Scorpions, Eagles, Ramones: 10 Bands, die eigentlich kein „The“ im Namen haben

Published on

Ramones
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Viele Bands tragen ein „The“ im Namen, ob The Beatles, The Rolling Stones oder The Who. Es gibt allerdings auch einige Gruppen, bei denen das „The“ oft fälschlicherweise dazugedichtet wird. Wir haben uns zehn von ihnen angeschaut und auch gleich mal überprüft, wie es zu ihren Bandnamen gekommen ist.

von Timon Menge

1. Bee Gees

Die Bee Gees kennen wir alle als Könige der Discomusik, aber die Gruppe hat noch ein Vorleben: Von 1955 bis 1975 wandeln die Brüder Barry, Robin und Maurice Gibb vor allem auf rockigen und folkigen Pfaden. Und aus dieser Zeit stammt auch der Name des Trios. Ihre ersten Gehversuche unternehmen die Geschwister 1955 mit einigen Freunden als „The Rattlesnakes“. Im Mai 1958 verlassen zwei der Freunde die Band und aus den Rattlesnakes werden „Wee Johnny Hayes And The Blues Cats“ (mit Barry Gibb alias „Johnny Hayes“).

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Im August desselben Jahres zieht Familie Gibb nach Australien, wo die Brüder mit der Musik ihr Taschengeld aufbessern. Das gelingt ihnen vor allem mit der Hilfe von Rennfahrer und -promoter Bill Goode, der die Jungs 1960 für die Rennstrecke in Redcliffe engagiert. Dort unterhalten die Gibb-Brüder auf der Ladefläche eines Trucks das Publikum und werden dafür buchstäblich mit Geld beworfen. Was sie aufsammeln, dürfen sie behalten. Doch nicht nur auf dem Speedway machen die drei Musiker schnell die Runde: Als der australische Radiomoderator Bill Gates auf das Trio aufmerksam wird, verpasst er der Gruppe kurzerhand den Namen „BGs“. Diese Abkürzung steht nicht etwa für „Brothers Gibb“, wie oft angenommen wird, sondern für Bill Gates’, Bill Goodes’ und Barry Gibbs Initialen. Ein „The“ kommt in der späteren Abwandlung „Bee Gees“ nicht vor.

2. Scorpions

Die Geschichte der Scorpions beginnt namenlos, denn zur Gründung heißt die Gruppe schlicht „Nameless“, weil sich Gitarrist Rudolf Schenker und Schlagzeuger Wolfgang Dziony nicht auf eine Bezeichnung einigen können. Die Musiker möchten zunächst auch nur berühmte Hits nachspielen, vor allem von den Beatles. Später steigen die Ambitionen und damit auch der Anspruch an den Bandnamen. Aus „Nameless“ werden die „Scorpions“, weil Rudolf Schenker möchte, dass man den Namen auf der ganzen Welt versteht. Das hat gut geklappt: Die Gruppe ist immer noch der größte deutsche Exportschlager in Sachen Hardrock.

3. Eagles

Der Bandname der Eagles hat seinen Ursprung in der Mojave-Wüste in Kalifornien. Dorthin unternehmen die Musiker zu Beginn der Siebziger nämlich einen gemeinsamen Ausflug, konsumieren den halluzinogenen Peyote-Kaktus und trinken reichlich Tequila. Was man in der Wüste eben so macht. Wie genau der Name zustande gekommen ist, darüber scheiden sich die Geister. So behauptet Gitarrist Don Felder zum Beispiel, dass der ehemalige Eagle Bernie Leadon auf die Bezeichnung gekommen sei, weil er in der Mojave-Wüste von einem Buch über die Hopi erzählt habe. Songschreiber J. D. Souther hingegen behauptet, dass Sänger Glenn Frey während des Ausflugs Adler im Himmel gesehen und laut „Eagles!“ gerufen habe. Was das nicht vorhandene „The“ betrifft, schreibt Komiker Steve Martin (ein Freund der Band) in seiner Biografie, dass er eingangs dazu geraten habe, die Band „The Eagles“ zu nennen, aber dass Glenn Frey darauf bestanden habe, das „The“ unter den Tisch fallen zu lassen.

4. Ramones

Wie so viele Dinge in der Rockmusik, lässt sich auch der Bandname der Ramones auf die Beatles zurückführen. Paul McCartney checkte zu Beginn der Sechziger nämlich gerne unter dem Namen Paul Ramon in Hotels ein. Bei der Gründung der Ramones im Jahr 1974 trug Bassist Douglas Colvin deshalb bereits den Künstlernamen Dee Dee Ramone. Jeffrey Hyman (Joey Ramone) und John Cummings (Johnny Ramone) machten einfach mit.

5. Sex Pistols

Als die Sex Pistols 1972 unter dem Namen The Strand loslegen, befindet sich die Londoner Modewelt gerade im Umbruch. Unter anderem deshalb hängen die Bandmitglieder damals vor allem in zwei Klamottengeschäften in Chelsea, London rum: „Acme Attractions“ und „Too Fast To Love, Too Young To Die“. In Laden Nummer zwei arbeitet ein Herr namens Malcolm McLaren, der die junge Band unter seine Fittiche nimmt, zunächst etwas halbherzig. Der Laden entwickelt sich zu einem Dreh- und Angelpunkt der Punkszene, McLaren zieht es für einige Monate nach New York, wo er unter anderem die New York Dolls managt und auch das Treiben der Ramones mitbekommt. Als er im Mai 1975 nach London zurückkehrt, hat er eine Vision für The Strand. Die Band probt regelmäßig, McLarens Kumpel Bernard Rhodes unterstützt die Gruppe dabei. Zu jener Zeit sollen die Musiker den Namen „QT Jones & His Sex Pistols“ angenommen haben. Später wird daraus einfach „Sex Pistols“.

6. Misfits

Während die Sex Pistols noch mit normalem Punk beschäftigt sind, gehen die Misfits aus den USA schon einen Schritt weiter und erfinden den Horrorpunk. Als sie für ihre erste Veröffentlichung kein Label finden, gründen sie einfach selbst eins und benennen es nach dem berühmten Fünfziger-Trashfilm Plan 9 From Outer Space von Ed Wood. Die Bezeichnung für ihre Band entleihen die Musiker um Frontmann Glenn Danzig dem gleichnamigen Film mit Marilyn Monroe von 1961 (ihrem letzten), lassen dabei aber das „The“ aus.

7. Melvins

Die Inspiration für den Namen dieser verrückten Truppe lieferte ein Mitarbeiter eines US-amerikanischen Supermarktes, in dem Sänger und Gitarrist Buzz Osborne mal gearbeitet hat. Dort gab es nämlich einen Supervisor namens Melvin, den keiner der Angestellten leiden konnte. Das war den Melvins wohl abgefahren genug. Was das „The“ im Namen betrifft, spielt die Gruppe gerne damit herum. So erscheinen manche Alben als Melvins, andere als The Melvins, (The) Melvins oder sogar Los Melvins.

8. Beastie Boys

Vor ihrer Historie als Hip-Hop-Legenden haben die Beastie Boys experimentellen Hardcore-Punk gespielt, damals noch unter dem Namen The Young Aborigines. Bei der Namensänderung soll es Gründungsmitglied John Berry gewesen sein, der Beastie Boys vorgeschlagen hat, doch die großen Erfolge seiner ehemaligen Kollegen bekommt er nur noch von außen mit. Der Name bleibt, allerdings ohne „The“.

9. Red Hot Chili Peppers

Wer den Namen Red Hot Chili Peppers schon lang findet, sollte mal einen Blick auf die Namenshistorie der Gruppe werfen. Vorher hießen die Funkrocker nämlich „Tony Flow And The Miraculously Majestic Masters Of Mayhem“. Aua. Mit zunehmendem Erfolg änderten sie den Namen in Red Hot Chili Peppers.

 10. Foo Fighters

Der Name Foo Fighters hat einen militärischen Ursprung, denn bei einem „foo fighter“ handelt es sich aus Sicht der Kampfpiloten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg um ein UFO oder ein anderes nicht zu identifizierendes Flugobjekt. Dave Grohl scheint das zu gefallen. Ein „The“ gibt es aber auch hier nicht.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Ozzy, Lemmy & Co: 8 Rockstars, 8 Künstlernamen – und 8 überraschende Bedeutungen

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

Published on

Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

Published on

Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Wie fast Guns N‘Roses statt Queen in „Wayne‘s World“ gelandet wären

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

Published on

Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss