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Popkultur

5 Verspätungen und eine Anekdote, die nur aus dem Leben von Axl Rose stammen können

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Axl Rose
Foto: Mark Horton/Getty Image

Wenn Guns-N’-Roses-Fans eins können (müssen), dann ist das warten. Ob das Konzert oder das nächste Album: Axl Rose lässt sich gerne Zeit. Wir haben fünf seiner wildesten Verspätungen und eine weitere Anekdote zusammengestellt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Guns N’ Roses anhören:

1. 1986 hätte er Guns N’ Roses fast um ihren ersten Plattenvertrag gebracht.

Guns N’ Roses gehören zu den wenigen Bands, denen gleich mit ihrem Debüt der Durchbruch gelang. Doch beinahe wäre alles ganz anders gekommen: Als die Band am 26. März 1986 ihren ersten Plattenvertrag mit Geffen Records unterschreiben soll, kann Axl Rose seine Kontaktlinsen nicht finden. Er ist sich sicher, dass seine Sehhilfen böswillig entwendet wurden und weigert sich, zu dem Treffen zu gehen. Er stürmt fort und fordert die anderen dazu auf, die Formalitäten ohne ihn zu erledigen.

Managerin Vicky Hamilton erinnert sich an den Vorfall: „Ich wollte einfach nur los und den Vertrag unterschreiben, aber die Uhr in meinem Kopf tickte und es wurde immer später. Ich dachte: ‚Versau es nicht und lass uns das Geld holen.‘ Axl dachte: ‚Wer hat meine Kontaktlinsen genommen, damit ich den Vertrag nicht lesen kann?‘ Später haben wir ihn auf dem Dach des Whisky A Go Go gefunden und er blickte über die Stadt, deren neuer König er werden würde.“ Gitarrist Slash informiert Rose darüber, dass seine Kontaktlinsen gefunden wurden — in einer seiner Hosen. Zum vereinbarten Termin erscheinen Guns N’ Roses vier Stunden zu spät, doch die Geffen-Vertreter*innen sind noch da. Nun steht der Karriere einer der größten Rockbands des Planeten nichts mehr im Wege. Oder?

2. Die Ninja Turtles gehen vor.

Dass Rose sein Umfeld auch zukünftig gerne warten lässt, ist kein Geheimnis. So taucht er 1991 zum Beispiel nicht zu einem Auftritt auf, weil er noch einen Film zu Ende schauen möchte. Als der Veranstalter einen seiner Mitarbeiter fragen lässt, warum sich Rose zum tausendsten Mal verspätet, bringt der Folgendes in Erfahrung, wie er später selbst berichtet: „Axls Management sagte mir, dass er gerade den Film Turtles II – Das Geheimnis des Ooze schaut, dass seine Aufmerksamkeit zu 100 Prozent dem Film gilt und dass er dabei nicht gestört werden darf.“ Aaalles klar …

3. In Montreal verursacht Rose 1992 einen Aufstand.

Als sich Metallica-Frontmann James Hetfield am 8. August 1992 bei einem Pyrotechnik-Unfall verletzt und die Show seiner Band abbrechen muss, sorgt das beim Publikum in Montreal verständlicherweise nicht für die beste Laune. Guns N’ Roses könnten den Abend als Co-Headliner noch retten. Alle Beteiligten versuchen, die Gruppe möglichst schnell auf die Bühne zu bekommen, doch die Gunners lassen sich geschlagene zweieinhalb Stunden Zeit. Als die Band die Bühnenbretter endlich betritt, bessert sich die Stimmung. Das hält allerdings nicht lange an: Rose hat Stimmprobleme, auch die Technik funktioniert nicht richtig. Nach gerade einmal neun Songs bricht er die Show ab, verschwindet und kommt nicht zurück. Die Fans werden jetzt erst so richtig sauer und legen Teile der Stadt Montreal in Schutt und Asche. Axl Rose vergnügt sich derweil backstage mit Champagner und Groupies.

4. In Colorado musste Veranstalter Barry Fey den Guns N’ Roses-Frontmann freundlich zurück auf die Bühne bitten — mit einer Pistole in der Gesäßtasche.

Wenige Monate später kommt es auf der gleichen Tour zu einem weiteren Eklat, diesmal sogar unter der Androhung von Gewalt. Als Guns N’ Roses am 19. September 1992 in Colorado auftreten, verlässt Rose nach einem Streit mit Gitarrist Slash die Bühne, steigt in eine Limousine und haut ab — schon wieder. Als die Beteiligten realisieren, dass er nicht zurückkommt, sollen Metallica den Abend retten, die eigentlich bereits vor Guns N’ Roses gespielt hatten. Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich wettert: „Sogar zusammengenommen habt ihr Deppen nicht genug Geld auf euren Konten, um mich nochmal auf diese Bühne zu bringen.“ Eine klare Abfuhr, doch Veranstalter Barry Fey gibt nicht auf und holt Axl Rose zurück — auf einem … äh … abenteuerlichen Weg.

Zuerst wendet sich Fey an den Inhaber des Limousinendienstes und lässt ihn wissen: „Wenn Sie jemals wieder einen verdammten Cent von diesem Unternehmen sehen wollen, bringen Sie dieses Auto sofort zurück.“ Wie es weiter geht, erzählt er im Interview mit LA Weekly: „Ich habe die Umkleidekabine verlassen, bin auf den Parkplatz gegangen, habe meine 357er aus dem Handschuhfach geholt und sie in meine Gesäßtasche gesteckt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, denn in Montreal hat er einen Aufstand verursacht, als er weggegangen ist und nicht wiederkam. Ein paar Minuten später kam der Wagen zurück, Axl stieg aus und sprach mit seinem Manager. Danach ging er auf die Bühne und legte wieder los. Ich habe dann drei meiner … wie soll ich sagen … Sicherheitsleute … Schläger auf die Treppe gestellt. Die härtesten, die ich hatte. Unten habe ich drei Polizisten aus Denver positioniert. Meine Anweisung war: ‚Wenn er hier raus will, ist das der einzige Weg.‘ Dabei habe ich auf das Publikum gezeigt.“

Einen zweiten Versuch hat Rose wohl nicht unternommen. Lars Ulrich erzählt die Geschichte ein wenig anders und behauptet, Fey habe Rose mit der Waffe bedroht, damit er die Show fortsetzt. Sollte das tatsächlich so passiert sein, wäre es nachvollziehbar, dass Fey mit dieser Geschichte nicht hausieren geht.

5. Chili And Cheese statt Rock’n’Roll.

Mitte Juli 1993 kommt Rose in Buenos Aires erneut zu spät zu einer Show, diesmal weil er Lust auf Chili And Cheese hat. Der Zimmerservice im argentinischen Hotel hat das US-amerikanische Gericht allerdings gar nicht auf der Karte. Sein persönlicher Assistent Craig Duswalt weiß genau: Wenn Rose nicht bekommt, was er will, wird es kein Konzert in Buenos Aires geben. Also erklärt er dem Hotelpersonal genau, was der Sänger haben möchte. Das funktioniert leider nicht wie gewünscht: Rose bekommt ein Stück Käse und ein paar Chilischoten geliefert. Duswalt pfeffert den Teller sofort an die Wand, um den Sänger abzulenken; anschließend beschwert er sich lauthals beim Personal über die falsche Ausführung der Bestellung. Rose vergisst darüber seinen Hunger und lässt sich doch noch zur Show fahren.

6. Anfang April 2016 leiht sich Axl Rose einen Thron von Dave Grohl.

Eigentlich soll die Not-In-This-Lifetime-Tour ja erst am 8. April 2016 starten, doch Ende März geht in Los Angeles ein Gerücht um: Angeblich spielen Guns N’ Roses vorab eine geheime Show im Nachtclub The Troubadour. Und tatsächlich: Am 1. April dürfen 500 Glückliche für schlappe zehn US-Dollar im kleinen Rahmen mit den Gunners feiern. Rose treibt es dabei anscheinend ein bisschen zu doll, denn er fällt während der Show und bricht sich den Fuß. Für den offiziellen Tourstart am 8. April braucht es eine Lösung: Rose kann nicht stehen. Genauso erging es Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl im Juni 2015, denn auch er hatte sich auf Tour ein Bein gebrochen. Um die Konzertreise nicht abbrechen zu müssen, ließ sich Grohl einen Thron anfertigen, um die bevorstehenden Shows sitzend absolvieren zu können. Als Axl Rose 2016 in die gleiche Bredouille kam, lieh er sich den opulenten Stuhl kurzerhand aus — und bedankte sich natürlich auch artig bei Grohl.

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„Use Your Illusion“: Als Guns N’ Roses erwachsen wurden

Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.8.1994 lassen Machine Head ihr Debüt „Burn My Eyes“ los.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.8.1994.

von Christof Leim

Ein wuchtiger Einstand: Mit ihrem Debüt Burn My Eyes legen Machine Head am 9. August 1994 eine Groove-Metal-Granate hin, die der harten Musik der Neunziger mit fettesten Riffs und quietschenden Obertönen einen Stempel aufdrückt. Dies ist die Geschichte eines Metal-Klassikers.

Hier könnt ihr euch das Brett geben:

Blicken wir zurück ins Jahr 1994: Klassischer Metal befindet sich schon ein Weilchen auf dem Rückzug, der haarige Hard Rock sowieso. Grunge und Crossover sind mit Macht über die Welt der Krachmusik hereingebrochen, die Geschmäcker haben sich geändert. Thrash Metal bewegt sich in Richtung Underground (abgesehen von Metallica) oder ist so groß geworden, dass stilistische Strömungen keine Rolle mehr spielen (vor allem Metallica). Metal insgesamt wird als Genre „kleiner“ und auch extremer, denn Schwarzmetall und Todesblei gewinnen an Zulauf. Rap-Metal-Bands wie Body Count (Debüt März 1992), Rage Against The Machine (Debüt November 1992) sowie Clawfinger (1993) oder Stuck Mojo (1995) und auch Nu-Metaller wie Korn (1994) setzen ebenfalls deutliche Akzente. 

Ein Bindeglied zwischen dem „alten“, klassischen Geballer (ie. Thrash) und der neuen Zeit heißt: Groove. Diesbezüglich haben Pantera schon 1990 mit Cowboys From Hell und vor allem 1992 mit Vulgar Display Of Power gezeigt, wo der Barthel den Mosh holt. Ganz vorne dabei in dieser Welle schwimmt ab 1994 eine kalifornische Band namens Machine Head mit ihrem brachialen Debüt Burn My Eyes. Damals kommt kein europäischer Luftgitarrist in der Disko ohne das obertonquietschende Riffbrett Davidian aus.

The New Bad Kids On The Metal Block: Machine Head 1994 – Pic: Jesse Fischer/Promo

Machine Head entstehen bereits 1991, genauer am 12. Oktober: Da spielen Metallica in Oakland und inspirieren die Kumpels Robb Flynn und Adam Duce, mit einer eigenen Band richtig durchzustarten. Musikalischer Neuling ist der Gitarrist und Sänger Flynn nicht: Bereits als Schüler spielt er bei den Bay-Area-Thrashern Forbidden (als die noch Forbidden Evil hießen) und schreibt sogar ein paar Songs für deren Debüt, etwa das legendäre Chalice Of Blood. Bevor die Platte rauskommt, zieht der Mann aber schon weiter zu Vio-Lence. Da spielt sein zukünftiger Machine-Head-Kollege Phil Demmel. (Ja, Thrash Metal ist ein Dorf.) Als die mit einer lokalen Gang aneinandergeraten (denn Oakland ist eben kein Dorf), verlässt Flynn die Truppe wieder und muss sich sogar eine Weile verstecken.

Metallica & Gang-Kriminalität geben die Initialzündung: Machine-Head-Boss Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Den Namen Machine Head für seine neue Band findet Flynn vor allem „cool“, mit dem gleichnamigen Deep-Purple-Album hat seine Wahl nichts zu tun. Adam Duce spielt den Bass, als Leadgitarrist wird Logan Mader engagiert, ein Herr namens Tony Costanza trommelt. Im Schlafzimmer eines Kumpels entsteht ein Demo, das der Band einen Plattenvertrag mit Roadrunner Records beschert. So schnell kann’s gehen. Die Aufnahmen passieren im kalifornischen Berkeley, doch schon nach kurzer Zeit verlässt Costanza die Band und wird durch Chris Kontos ersetzt. Nebenan spielen gerade Rancid Let’s Go ein, Green Day Dookie und Tesla Bust A Nut. Mit ersteren hängen unsere Helden regelmäßig rum, letzteren klauen sie ständig die Süßigkeiten.

Musikalisch bieten Machine Head vor allem auf „Maximum Fett“ getrimmten Metal mit viel Groove – runtergestimmt, breit, stark, wuchtig. Vor allem aber können die vier Musiker nicht nur rüde rumpeln, sondern spielen arschtight und tricksen so konsequent mit natürlichen Obertönen (Flageoletts) herum, dass diese zu ihrem Markenzeichen werden. Als Einfluss steckt hier viel kalifornischer Thrash drin (Metallica, Exodus, Slayer), großzügig angereichert mit punkigem Geboller der Marke Suicidal Tendencies, Biohazard oder Cro-Mags, dazu ein bisschen Industrial und eben Groove satt. Flynns gebellte Vocals beziehen viel Inspiration vom Hardcore, rhythmisch sogar ein bisschen vom Hip-Hop, was 1994 im Metal aber „erlaubt“ und nicht so ungewöhnlich ist. Diese Mischung klingt schon sehr „bad ass“, auch und insbesondere textlich, was ziemlich genau das Leben widerspiegelt, dass die Brüder damals führen – Drogen, Gewalt, Gangs, der ganze Quatsch. Die lyrische Sozialkritik fällt deutlich aus.

Los geht die Sause mit Davidian, der ersten Single und dem bis heute bekanntesten Song der Band mit dem herrlich brüllbaren Chorus „Let freedom ring with a shotgun blast!“ Textlich geht es um die Belagerung der Branch Davidians-Sekte in Waco, Texas, bei der 82 Menschen ums Leben kamen. Old bietet ebenfalls ein unverschämt grooviges Brutalo-Riff, zu dem man (wir sind fast sicher) fahrende Autos umtreten kann. Wir empfehlen als Beleg den Konzertmitschnitt von Hellalive (2003). Old wurde als zweite Single auserwählt und verschaffte der Band einen 43. Platz in den britischen Charts. 

Seine ablehnende Haltung gegenüber Religionen beschreit der Frontmann in Death Church, dem ersten Song, der für Burn My Eyes fertiggestellt und nach eigenen Aussagen massiv vom Album Street Cleaner der Industrial-Brechstangen Godflesh beeinflusst wurde. I’m Your God Now thematisiert die Macht der Drogen, was inhaltlich nicht aus der Luft gegriffen ist: Die Vertragsunterzeichnung am 10. Oktober 1993 feierte Robb Flynn mit Heroin, was er nur knapp überlebte. Das kurze Real Eyes, Realize, Real Lies bleibt weitestgehend ohne Gesang, wir hören aber Nachrichtenschnipsel über die Los Angeles Riots von 1992. Weitere Songs heißen A Thousand Lies, None But My Own, The Rage To Overcome und Block – alles garantiert kein Kuschelrock.

Logan Mader und Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Das kommt an und wirbelt wie ein ziemlich brutaler, aber frischer Wind durch die Metal-Welt: Burn My Eyes schafft Platz 25 in Großbritannien, 35 in Deutschland und Top 50 in einigen anderen Ländern; auch in Australien rennt die Band offene Türen ein. Das Rock Hard-Magazin nennt Flynn den „König von Europa“, in Nordamerika allerdings geht erst viel später wirklich etwas. 400.000 Mal wird die Platte in die Läden gestellt und erweist sich als erfolgreichstes Debüt in der Geschichte von Roadrunner, zumindest bis 1999 der (offizielle) Slipknot-Erstling erscheint.

Machine Head touren daraufhin wie bescheuert und bestreiten etwa 1994 das Vorprogramm für ihre Helden Slayer in den USA und Europa. Als sie im nächsten Jahr auf den alten Kontinent zurückkehren, füllen sie die gleichen Hallen bereits als Headliner. Eine Konzertreise in den USA mit Stuck Mojo hingegen erhält wegen maximal dreistelliger Zuschauerzahlen den Spitznamen „Disastour“. Auch den europäischen Festivalzyklus bespielt das Quartett ausführlich, doch Chris Kontos will nicht mit, wird vorübergehend durch Walter Ryan ersetzt und fliegt wenig später raus. Für ihn kommt Dave McClain von Sacred Reich. 

Nach dem Tourzyklus zu Burn My Eyes, der sich über mehrere Jahre erstreckt, machen sich Machine Head an die Arbeit an den Nachfolger The More Things Change (1997). Auf den folgenden beiden Alben (The Burning Red, 1999 und Supercharger, 2001) biegen die Herren dann stilistisch mal hierhin, mal dahin ab und bringen Rap-Vocals, Nu-Metal-Riffs und komische Frisuren ins Spiel, ordentlich auf die Zwölf gibt es immer. Erst Through The Ashes Of Empires stellt den Kurs 2003 wieder auf Metal. The Blackening von 2009 wird sogar als das Master Of Puppets der Neuzeit bezeichnet, aber das sind alles andere Geschichten.

Zum 25. Jubiläum des Albums schließlich kommt es zu einer Dreiviertel-Reunion des Burn My Eyes-Lineups. Man könnte sagen, dass Bandchef Robb Flynn die Ungunst der Stunde ergreift, denn im September 2018 steigen Drummer McClain und Leadgitarrist Phil Demmel (seit 2003 dabei) aus, Bassist Adam Duce war schon 2013 gefeuert worden. Flynn und Duces Nachfolger Jared McEachern kündigen an, den Geburtstag mit einer Tour zu feiern, bei der die Scheibe in voller Länge gespielt werden soll. Mit dabei: Logan Mader und Chris Kontos. 

Machine Head gehören heutzutage zu den großen Bands im Metal, ordentlich etabliert in der zweiten Reihe hinter den Altvorderen Metallica, Iron Maiden, Slayer et al. Man kann sie ansehen als eine der Kapellen, die den Metal der Achtziger, vor allem den Thrash, in die Neunziger und Neuzeit überführt haben. Das liegt vor allem an Burn My Eyes, mit dem Machine Head schon beim ersten Versuch deutliche Spuren hinterlassen können – und headbangenden Gitarristen weltweit ein paar coole Tricks nähergebracht haben. 

10 Thrash-Metal-Empfehlungen für den Einstieg

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