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Popkultur

Guitar Gods – Heilige an sechs Saiten

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Seit den Anfangstagen der Rock-Ära gab es immer Gitarristen, die ganze Generationen dazu inspirierten, es ihnen nachzutun. Aber unter den zahlreichen Aposteln, finden sich nur wenige Auserwählte, denen der Status eines Gitarrengottes zukommt. Wer sind sie und was macht sie so besonders?

Der Gitarre wohnt eine ganz eigene Magie inne. Sie ist mit keinem anderen Instrument vergleichbar. Das zeigt sich daran, wie wir uns mit unseren Helden verbunden fühlen und wie wir über sie reden. Da können andere virtuose Musiker meist nicht mithalten. Diese gottgleichen Figuren bringen die Gitarre zum Singen und zum Weinen, und besonders der elektrischen Gitarre entlocken sie dank einer Kombination aus bestimmten Instrumenten, Verstärkern und Signalprozessoren charakteristische Sounds… aber vor allem ist es ihr Talent, das sie von der Masse abhebt.

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Zuerst gab es Chuck Berry mit seinen unverwechselbaren Licks, die Gitarristen weltweit beeinflussten. Dann kamen Eric Clapton und Jimi Hendrix – beide stark inspiriert von einer Gruppe von Bluesmusikern. Aber was ist mit den vielen anderen, die die Grenzen von dem, was eine elektrische Gitarre leisten kann, sprengten?

 

Gitarre Guns N RosesWenn man sich einen Gitarrengott backen könnte, hätte der wahrscheinlich große Ähnlichkeit mit Slash: tiefhängende Les Paul-Gitarre, Zigarette im Mundwinkel, Lederhose und sein Markenzeichen, der Zylinder – Slashs Gitarrenspiel trug maßgeblich zum Durchbruch von Guns N’ Roses bei. Zu einer Zeit, als zahllose schlechte Van Halen-Klone auf den Markt schwemmten, schwamm Slash mit seinem gleichzeitig rauhen und melodischen Stil gegen den Strom. Er orientierte sich an klassischen Rockgitarristen wie Hendrix, Keith Richards und Joe Perry von Aerosmith. Vielleicht ist aufgrund seiner englischen Herkunft auch ein wenig von Paul Kossoffs DNA in seinem Stil (der Gitarrist der Band Free, der viel zu früh verstarb und so viele nach ihm beeinflusste). Slashs Einfluss war so groß, dass Gibson ab 1987 einen Anstieg der Nachfrage nach Les Paul-Gitarren verzeichnete. Das ist ironisch, wenn man bedenkt, dass seine ursprüngliche, auf Appetite For Destruction verwendete Gitarre eine Kopie war.

Die Hits von Guns N’ Roses erzählen alles, was man über Slashs Gitarrenspiel wissen muss: das epische Intro von ‘Sweet Child Of Mine’, das Wah Wah-Solo, der unglaublich schnelle Lauf am Ende von ‘Paradise City’, die harten Riffs von ‘Welcome To The Jungle’, das Slide Guitar Solo, und nicht zu vergessen die gigantischen melodischen Bends und Sustains des ‘November Rain’-Solos. Auch auf anderen Tracks auf diversen Alben gibt es großartige Momente; das Talkbox-Solo auf ‘Anything Goes’ auf ihrem Debütalbum und die unterschiedlichen Melodien auf ‘Estranged’, insbesondere das Hauptsolo in der Mitte dieses neunminütigen Werks auf Use Your Illusion II.

Wenn Ihr Extreme nur von ihrer Akustikballade ‘More Than Words’ kennt, dann seid Ihr Euch der beeindruckenden Virtuosität von Nuno Bettencourt womöglich nicht bewusst. Er hat bei Eddie Van Halen gelernt, ist aber so unglaublich gut, dass man ihm nie vorwerfen konnte, er würde ihn nur kopieren. Nuno kann einige fast unwirkliche Dinge auf der Gitarre spielen und ist dabei immer melodisch.

Ihr erster großer Hit (in Großbritannien, nicht zu Hause in den USA) war ‘Get The Funk Out’ von ihrem zweiten Album Pornograffitti. Das Solo auf diesem Song zeigt so gut wie alles, was Nuno zu bieten hat – superschnelles Picking und die zweihändige Tappingtechnik, die durch Van Halen bekannt geworden war. Das verblüffende Timing seines Phrasings zeigt, dass er wirklich die komplette Kontrolle hat. Sogar die atemberaubend schnellen und komplexen Funkrhythmen von Extremes Musik gaben Nuno eine wunderbare Plattform, auf der er sich musikalisch austoben konnte. Wenn Ihr mal etwas Anderes hören wollt, dann versucht es mal mit dem Acoustic-Instrumental ‘Midnight Express’ von ihrem vierten Album Waiting For The Punchline.

 

Progrock-Fans feiern ihre Virtuosen. Oftmals sind das Keyboarder wie Rick Wakeman. Aber kaum einer wurde so bewundert wie der Gitarrist Alex Lifeson von der kanadischen Band Rush. Er war besonders bekannt für seinen effektreichen Sound, den er extrem effizient einsetzte und so satte Klanglandschaften und den vollen Sound für das Trio schuf. Ein anschauliches Beispiel dafür ist ‘Kid Gloves’ von Grace Under Pressure: Die Kombination spitzer rhythmischer Akkorde mit synkopierten Arpeggios (Akkorde, die in einzeln gespielte Noten aufgebrochen werden) und Chorus- und Delay-Effekte ergibt den Sound von Rush. Das Solo ist eine Erweiterung davon. Es beginnt mit einem kantigen, rhythmischen Phrasing, das den Song weiterführt, zu einem Höhepunkt aufbaut und dann nahtlos wieder in das Riff übergeht. ‘Closer To The Heart’ von A Farewell To Kings demonstriert seine melodischere Seite im Solo. Es knüpft dort an, wo der Gesang aufhört, und die Harmonie-Gitarre wirkt geplant und komponiert.

GitarreAndy Summers ist stilistisch nicht allzuweit entfernt und bewegt sich ebenfalls in dem klanglichen Rahmen eines Trios. Seinen Beitrag zu The Police kann man kaum hoch genug einschätzen. Die Songklassiker wie ‘Message In A Bottle’ und ‘Every Breath You Take’ stammten zwar von Sting, aber erst durch Summers Gitarre, wurden sie prägend für die Karriere der Band. Auch wenn man sich die Gitarren ohne den Gesang anhört, weiß man immer noch ganz genau, um welchen Song es sich handelt. Ein Gitarrengott, der nicht für seine Solos, sondern die Rhythmusgitarre bekannt ist, ist eine Seltenheit, aber Andy Summers unverwechselbarer musikalischer Fingerabdruck erklärt sich durch seine Kenntnisse im Jazzbereich und seine Fähigkeit, diese im Pop anzuwenden und einen interessanten Sound zu kreieren, der die Zuhörer nicht gleich verschreckt. Das rhythmische Wechselspiel zwischen Gitarre, Bass und Drums ist bei The Police der Schlüssel: Auf Songs wie ‘Roxanne’ und ‘Walking On The Moon’ kann man hören, wie Sting, Andy und Stuart zusammen und umeinander herum spielten und dabei Raum für Experimente ließen, wie auf dem Titeltrack von Reggatta De Blanc, aber sie zögerten auch nicht, mal richtig zu rocken (‘Synchronicity I’ und ‘II’ auf dem gleichnamigen Album).

Soviel rhythmische Vielfalt wird man auf einem U2-Album nicht finden, aber was man findet, ist die ultimative Plattform für eine weitere Art von Guitar Hero. Edge steckt hinter einigen der unverwechselbarsten Klänge, die je auf einem Album zu hören waren: gewaltige Rockriffs wie ‘Vertigo’, ‘Beautiful Day’, ‘The Fly’, wunderschöne Akkorde auf ‘One’, ‘Stuck In A Moment You Can’t Get Out Of’ und natürlich die monumentalen Wall of Sounds, die mit wiederholten Delay-Effekten und Reverb entstanden, so z. B. auf ‘I Will Follow’, ‘New Years Day’, ‘Pride (in the name of love)’ und ‘I Still Haven’t Found What I’m Looking For’.

U2 GitarreEdge kreierte gewissermaßen einen neuen Gitarrenstil und viele der Songs wurden um die Sounds herum gebaut, anstatt die Effekte im Nachhinein einzufügen. Die vielschichtigen Strukturen sind weiterhin ein Markenzeichen des Sounds von U2, aber Edge hat auch keine Angst vor Experimenten. Falls Ihr Euch gefragt habt, was er in der Hand hat, wenn er ‘With Or Without’ live spielt: Das ist ein sogenannter Ebow, ein elektronisches Gerät, dass die Saiten zum Vibrieren bringt, damit diese ewig langen Töne entstehen, die wir alle kennen. Weitere tolle Beispiele für seine Vielseitigkeit sind z. B. der rauhe, kratzige Klang auf ‘Get On Your Boots’, der verzerrte Wah-Sound auf ‘Discotheque’ und der regelrecht dreckige Sound auf ‘Numb’ vom Album Zooropa – ein Track auf dem Edge auch die Leadvocals singt.

 

Wenn der Gitarrist auch der Sänger der Band ist, gibt es keine Kämpfe um das Spotlight. Diese beiden Funktionen miteinander zu verbinden, verdient allerhöchsten Respekt. Nur Musiker können wirklich verstehen, wie schwierig das sein kann – es geht definitiv über das gleichzeitige Reiben des Bauches und Klopfen auf den Kopf hinaus. Mark Knopfler ist einer der Musiker, bei dem es für das ungeübte Auge total einfach aussieht, wenn er zwischen Gesang und scharfen Gitarrenparts wechselt. Am augenscheinlichsten ist das Zusammenspiel in Dire Straits-Tracks wie ‘Your Latest Trick’ und ‘Brothers In Arms’, wo die Lücke zwischen den Textzeilen fast wie bei einem Call-and-Response Spiel mit einem kurzen Notenwirbel gefüllt wird.

Knopfler hat einen ganz anderen Stil, stark beeinflusst von Rock’n’Roll- und Countrymusikern wie James Burton, Scotty Moore und Chet Atkins. Mit Letzterem hat er auf dem Album Neck And Neck kollaboriert. Nicht nur, dass er mit den Fingern statt Plektrum spielt; er ist außerdem Linkshänder, spielt aber rechtshändig, worauf viele den einzigartigen Sound zumindest zum Teil zurückführten. Den Country-Einfluss hört man ganz deutlich auf Dire Straits-Hits wie ‘Sultans Of Swing’, ‘Calling Elvis’, sowie während seiner kompletten Solokarriere; ‘No Can Do’ von Golden Heart und ‘Do America’ von Sailing To Philadelphia sind gute Beispiele für die Kombination aus Country-Rhythmen und –Strukturen mit einem rauhen, verzerrten Gitarrensound.

Er ist ein äußerst gefühlvoller Gitarrist und so ist es nicht überraschend, dass seine Musik in der Filmwelt sehr gefragt ist. So entstanden erinnerungswürdige Stücke wie die spätere Hymne des Newcastle FC ‘Going Home: Theme Of The Local Hero’. Nicht alle seine Beiträge zu Filmen sind Gitarrentracks, aber auf dem Soundtrack zu Wag The Dog und auf dem weniger bekannten A Shot At Glory sind ein paar besonders geschmackvolle Stücke.

4 Gary Moore Guitar GodsAuch Gary Moore war ein Linkshänder, der mit rechtshändiger Technik spielte, und auch er war zusätzlich Sänger; obwohl seine Karriere ganz anders begann. Zunächst zog er von Dublin nach Belfast, um sich der Band Skid Row als Sessionmusiker mit außerordentlichen Fähigkeiten anzuschließen. Die Zusammenarbeit hielt nicht lange und 1973 hören wir ihn auf seinem ersten Soloalbum Grinding Stone zum ersten Mal Blues singen. Danach spielte er dreimal für einige Zeit in Thin Lizzy – hauptsächlich als Tourgitarrist, aber mit einigen Performancesschaffte er es auch auf Platte: die Ballade ‘Still In Love With You’ vom Album Nightlife (1974) und ‘Roisin Dubh (Black Rose): A Rock Legend’ auf Black Rose (an diesem Song hatte Moore auch mitgeschrieben). Letztere zeigt auch die keltischen Wurzeln, die immer wieder ihren Weg in sein Gitarrenspiel fanden und besonders deutlich auf dem Album Wild Frontier von 1987 zu hören sind: Das Instrumental ‘The Loner’, geschrieben von Jeff Becks früherem Keyboarder Max Middleton, ist herausragend.

1978 wandte er sich mit Back On The Streets wieder seiner Solokarriere zu. Es ist eine Mischung unterschiedlicher Stile: ‘Flight Of The Snow Moose’ spiegelt seine Zeit in der Jazz Fusion Band Colosseum II wieder und ‘Don’t Believe A Word’ ist ein Indikator dafür, dass er schließlich den direkten Weg Richtung Blues einschlagen würde. Der bekannteste Track ist ‘Parisienne Walkways’ mit Garys gefühlvollem Vibrato, exquisitem Phrasing und der Fähigkeit, sein Gitarrenspiel zu einem integralen Element des Songs zu machen. Geschrieben hat er den Track zusammen mit Phil Lynott, seinem Kumpel von Skid Row und Thin Lizzy, und später taten sich die beiden für das Album Run For Cover (1985) wieder zusammen. Aus dieser Kollaboration entstand die Hitsingle ‘Out In The Fields’, aber auch eine Version von ‘Military Man’ – ein weiteres Beispiel für die puren Emotionen, die Gary Moore beim Zuhörer hervorrufen konnte. ‘Empty Rooms’ ist ein so großartiger Song, dass er ihn schon mal für das Album Victims Of The Future aufgenommen hatte, bevor er schließlich einen weiteren Hit mit fantastischen Gitarrenmoment wurde – zunächst ein klassischer Gitarrenpart, der dann in einem kreischenden und sehr melodischen Crescendo ausbricht.

 

Als Gary Moore die Entscheidung fällte, sich auf den Blues zu konzentrieren, wechselte er fast komplett zu Les Paul-Gitarren. Eine davon hatte zuvor Peter Green von Fleetwood Mac gehört und die Inspiration hinterließ ihre Spuren. Auf dem Album Still Got The Blues und den beiden Nachfolgern After Hours und Blues For Greeny sind so viele großartige Beispiele für seinen Stil. Er spielt den Blues in all seinen Formen, aber für sein Gitarrenspiel bieten Balladen immer noch den besten Kontrast. ‘Jumping At Shadows’, ‘Separate Ways’, ‘Still Got The Blues’, ‘As The Years Go Passing By’, ‘Need Your Love So Bad’ und ‘Nothing’s the Same’ sind alle fantastische Einblicke in die Arbeit dieses virtuosen Musikers, der nach seinem Herzinfarkt 2011 leider nicht mehr unter uns weilt.

Richard Thompson ist eine ganz andere Art von Gitarrengott. Am bekanntesten ist seine Arbeit als Mitglied der britischen Folklegende Fairport Convention, aber er leistete auch einen maßgeblichen Beitrag zum Sound der gesamten Bewegung, tauchte auf Alben von Sandy Denny und Nick Drake auf, und veröffentlichte Soloalben, sowie Kollaborationen mit seiner Frau Linda. Er fühlte sich mit der akustischen Gitarre genauso wohl wie mit der elektrischen und spielt mit einer Hybridtechnik, sowohl mit Fingerpicking und Plektrum.

Nicht jeder Gitarrengott musste mit Pyrotechnik protzen. Sie beeindrucken einfach mit ihrer vollendeten Virtuosität. Thompsons langes Solo in dem Song ‘Can’t Win’ vom Album Watching the Dark findet fast überhaupt kein Ende und es ist so gut, dass man auch gar nicht möchte, dass es aufhört. Auf ‘Hard on Me’ von Mock Tudor (1999) bricht er wirklich aus, aber er hat immer die Kontrolle, und genau das ist eine der Facetten, die sein Gitarrenspiel so attraktiv machen. Aus seiner Zeit mit Fairport Convention sticht besonders seine Arbeit auf ‘Mr Lacey’ auf Fairport Convention at the BBC heraus und auf dem neunminütigen Werk ‘Sloth’ auf Full House zeigt er seine komplette Bandbreite.

GitarreDie ultimative Auszeichnung ist es, wenn andere Künstler die Talente eines Guitar Heros für ihre Platten haben wollen – der letzte Schliff, wenn nur der unverwechselbare Sound eines bestimmten Musikers gut genug ist. Beispiele dafür kann man an ganz unvermuteten Orten finden. Die meisten werden wissen, dass Slash auf den Spuren von Van Halen wandelte, als er auf Michael Jacksons ‘Black Or White’ spielte, aber er spielte auch auf Lenny Kravitzs Album ‘Always On The Run’ (daher auch die Erwähnung kurz vor dem Solo). Stevie Wonder ruft Jeff Becks Namen bei seinem Solo auf ‘Lookin’ For Another Pure Love’ von Talking Book, aber bei Jon Bon Jovis ‘Blaze of Glory’ wird er nicht groß angekündigt. Und wenn Ihr etwas wirklich Geniales hören wollt, dann empfiehlt sich sein Gastauftritt auf Trombone Shortys Track ‘Do To Me’. Auf Lionel Richies ‘Running With The Night’ sind sogar zwei großartige Solos von Steve Lukather von Toto (unbedingt die Albumversion anhören, da auf der Singleversion das Solo beschnitten ist). Richard Thompsons einzigartiger Stil passt auch perfekt zu ‘Sister Madly’ von Crowded House und mit seiner Performance auf dem Gaucho Albumtrack ‘Time Out Of Mind’ ist Mark Knopfler einer von vielen großen Musikern, die auf den Platten von Steely Dan mitwirkten. Slash hat einen weiteren Gastauftritt auf Rihannas Track ‘Rockstar 101’, und Rihanna hat außerdem das große Glück, Nuno Bettencourt in ihrer Liveband zu haben – Grund genug, sich ihre Show anzusehen.

So sieht es also aus. Ein Gitarrengott kann sehr viel ausmachen…

Finde die anderen Gitarrengötter:

Chuck Berry
Bo Diddley
Muddy Waters


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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:


Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.



Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”



Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”




Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Poster für das Schulkonzert, ausgestellt im Metalli-Museum während der Europatour 2017 – Pic: Christof Leim

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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Popkultur

Zum Start der Open-Air-Saison: Die 10 ikonischsten Festivalauftritte aller Zeiten

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FREDDIE MERCURY
Titelfoto: Steve Rapport/Getty Images

David Bowie um fünf Uhr morgens, Kurt Cobain im Rollstuhl, Bob Dylan elektrisch: Diese zehn Festivalgigs haben Musikgeschichte geschrieben. Und stimmen ein auf die erste Freiluftsaison seit 2019.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Newport Folk Festival, 1965

„Judas!“ Viel mehr muss man zu Dylans berüchtigtem Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 nicht sagen. Er wagt es doch tatsächlich, eine elektrische Gitarre zu spielen. Skandal, Zeter und Mordio! Unnötig zu erwähnen, dass sein Auftritt brillant und seine Attitüde schon damals bewundernswert renitent ist.

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2. Jimi Hendrix – Monterey, 1967

Alles beginnt 1967 in Monterey. Es ist eines der ersten Rock-Festivals überhaupt (schlanke zwei Jahre vor Woodstock), es ist das erste große Konzert der Jimi Hendrix Experience in den USA und es ist das Epizentrum des Summer of Love. Am 18. Juni 1967 will das 24-jährige Wunderkind Hendrix, diese Mischung aus Feuerpriester, Sexgott und Jahrtausendkünstler, beweisen, ws in ihm steckt – und zündet während des Gigs einfach mal seine Gitarre an . Seine Anbetung der Flammen sieht nicht nur verdammt eindrucksvoll aus, sie hat auch einen PR-Zweck: Clever übertrumpft er damit The Who, die anschließend spielen und zum Finale natürlich wieder ihre Gitarre zerdeppern.

3. The Who – Woodstock, 1969

Müßig eigentlich, eine einzelne Performance aus diesem schlammigen, lysergischen, chaotischen Fieberwahn herauszulösen. Weil man aber so gut wie immer Hendrix und seinen verzerrten Abgesang auf die Nationalhymne heranzieht, entscheiden wir uns heute mal für The Who, die am Morgen des 17. August 1969 um halb sechs auf die Bühne gehen. Egal, Zeit und Raum waren da längst abgeschafft. Die wilde, sehr körperliche, laute und aggressive Show von The Who resultiert aus der schlechten Stimmung der Band. Die bekommt Aktivist Abbie Hoffman zu spüren, der sich erst Pete Townshends Mikro schnappt und dann von Townsheds Gitarre von der Bühne geprügelt wird. Randnotiz: Für ein Festival des Friedens gab es für die Nummer unpassend viel Applaus. Als The Who von der Bühne gehen, lassen sie eine zerstörte Gitarre und dröhnendes Bass-Feedback zurück. The Who – immer schon wilder und gefährlicher als alle anderen.

4. Led Zeppelin – Bath, 1970

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, machen Led Zeppelin der Rock’n’Roll-Welt klar, dass es keine Grenzen für sie gibt. In nur zwölf Monaten wurden sie von einer moderat bekannten Rockband zu Göttern. 150.000 Menschen kamen in die englische Küstenstadt, überwiegend wegen Led Zep. Die nutzen ihre Headliner-Position für ein langes Set, mit dem sie ihrer Heimat ihren Superstar-Status mal gehörig unter die Nase reiben wollen. Und das mit Gusto, Bravado und Grandezza tun.

5. David Bowie – Glastonbury, 1971

Manchmal lohnt es sich, sehr lang wach zu bleiben. Oder sehr früh aufzustehen. Bei David Bowies Glastonbury-Stunt 1971 waren das gerade mal 12.000 Menschen. Die aber kommen am 23. Juni 1971 um fünf Uhr morgens in den Genuss eines einzigartigen Akustik-Sets, bei dem Bowie nach dem Erfolg von Space Oddity seine Wandlungsfähigkeit mal so richtig aufblitzen lässt und Songs wie Oh! You Pretty Things in Unplugged-Versionen spielt.

6. Queen – Live Aid, 1985

Man kann darüber streiten, ob U2s improvisierter Auftritt oder Queens straffes, ökonomisches Medley der eigentliche Höhepunkt des megalomanischen Benefiz-Spektakels Live Aid ist. Fakt ist: Queens 20 Minuten haben die größere Signalwirkung. Die Band hat sich wieder zusammengerauft, Mercurys Stimme überstrahlt alles und Bohemian Rhapsody ist einer dieser Musikmomente für die Ewigkeit.

7. Nirvana – Reading, 1992

1992 werden Nirvana von der Wirklichkeit eingeholt. Der Grunge-Traum wird zum Albtraum, eine aus Rebellion und Antithese gestartete Bewegung wird vom Mainstream ausgeschlachtet – Boulevardpresse inklusive, die Kurt Cobain 1992 als abgehalfterten Junkie darstellen. Cobain reagiert mit gewohnt zynischem Gespür für eine Situation und lässt sich in einem Rollstuhl auf die Bühne schieben. Die Show danach geht in die Annalen ein – anarchisch, kraftvoll, versengend.

8. Manic Street Preachers – Reading, 1994

1994 treten die Manic Street Preachers ohne ihren Gitarristen Richey Edwards auf. Der befindet sich nach einem Selbstmordversuch damals im Krankenhaus, die Band zieht eine der größten Shows ihrer Karriere als Trio durch und legt sich mächtig ins Zeug. Es ist nur der Anfang der Tragödie rund um Edwards: Am 1. Februar 1995, einen Tag vor ihrer USA-Tournee, verschwindet er spurlos. Mehrfach wollen ihn Menschen gesehen haben – auf Goa, Fuerteventura. Doch er taucht nie wieder auf und wird 2008 offiziell für tot erklärt. Wenige Monate zuvor stehen die Manic Street Preachers wieder in Reading auf der Bühne – und widmen ihm ihr Set.

9. Oasis – Glastonbury, 1994

Ihr Triumph von 1994 zeigt, wie schön es gewesen wäre, wenn Oasis ihre Egos im Griff gehabt hätten. Ihre bis dato größte Show ist das Ereignis, das sie zu überlebensgroßen Rockstars macht – mit allen Konsequenzen. Es ist aber auch die Show, die zeigt, wie es dazu kommen konnte: Die Band ist nicht gut, sondern genial, alles passt, hier wird spürbar Geschichte geschrieben.

10. Amy Winehouse – Glastonbury, 2004

Im verregneten Sommer 2004 ist Amy Winehouse noch einen Quantensprung von dem zerstörerischen Ruhm entfernt, der sich ab Back To Black aus der Spur bringen und letztendlich vernichten wird Ein halbes Jahr zuvor war ihr Debüt Frank erschienen, ein vielbeachtetes Werk zwischen Soul, Pop und Jazz, das bei ihrem Glastonbury-Debüt 2004 schon viele Freunde hatte. Die standen im Matsch und sahen eine junge, fröhliche, zufriedene Amy Winehouse, die sang als gäbe es nichts natürlicheres auf der Welt. Das tat sie drei Jahre später auch noch. Nur die Fröhlichkeit, die war dann schon verschwunden.

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Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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