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Metallica & die Akustikgitarren: Ein Unplugged-Überblick

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"Bei einer Band, die ihr Debüt Metal Up Your Ass nennen wollte, erwartet man nicht viele Akustikgitarren. Dass Metallica im Laufe der Dekaden ihren Sound erweitern würden, hätten die ungestümen Jungspunde von dereinst womöglich selbst nicht erwartet. Anlässlich der Veröffentlichung von Helping Hands… Live & Acoustic At The Masonic schauen wir uns die „stromlose“ Geschichte der Band an.

von Christof Leim

Hört hier in das Metallica-Unplugged-Album rein:

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Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Aller Anfang ist laut und voll elektrifiziert: Mit Kill ‘Em All legen Metallica 1983 die Grundlage des Thrash Metal und treten ein neues Genre los. Kurz darauf ballern Slayer, Anthrax, Megadeth und Exodus in die gleiche Richtung, auch in Deutschland machen Kreator, Sodom, Destruction und Tankard erste Schritte. Gemäßigte Töne sind dabei nicht zu vernehmen, nirgends. Will auch niemand. Einen Song vom Schlage Metal Militia, Deathrider oder Evil Has No Boundaries auf Akustikgitarren zu spielen, kommt den Kollegen nicht in den Sinn. Verständlicherweise. Diese Klangfarbe taucht erst später auf, meist als dramatisches Intro oder Balladenstrophen-Beschallung.

36 Jahre später veröffentlichten Metallica nun mit Helping Hands… Live & Acoustic At The Masonic ein „richtiges“ Unplugged-Album, auf dem sie Gassenhauer und ausgesuchte Coversongs stromlos darbieten, gelegentlich sogar ergänzt um Lap Steel und Streicher (alles zum Album hier). Aufgenommen wurden die zwölf Songs bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im November 2018 zugunsten der bandeigenen Stiftung All Within My Hands (alles zur Stiftung hier). Und Metallica spielen dabei mitnichten zum ersten Mal unplugged…



Denn wenn man es genau nimmt, hört man eine Akustikgitarre schon 1983 in Phantom Lord, dem ungestümen siebten Song des bahnbrechenden Debüts, und zwar im zurückgenommenen Mittelteil. Da macht bei 2:36 Min. eine Nicht-E-Gitarre ein deutliches „Pling“, wird aber nach nicht mal 30 Sekunden wieder von den Riffwalzen überrollt. Wie es sich gehört. Das zählt also nicht als „Unplugged“, nicht mal im weitesten Sinne, aber wir wollten es mal erwähnt haben,  eben weil es so schön „Pling“ macht.

Mit dem zweiten Album Ride The Lightning (1984) machen sich Metallica bereits bei Teilen der Headbangerschaft unbeliebt. Mit Fade To Black gibt es hier die erste – ja, man darf es so sagen – Ballade, ein getragenes Epos und ein Metal-Klassiker bis ans Ende der Zeit (mindestens). Und das Stück basiert auf Akustikgitarren im Intro und der Strophe, selbstverständlich gefolgt von einem lauten Chorus. Das nehmen einige Fans der ersten Stunde, die vor allem Venom und Motörhead im Ohr haben, der Band 1984 tatsächlich übel. „Ausverkauf!“ und „Auswimperei!“ wird Metallica also schon in Jahr drei ihrer Laufbahn vorgeworfen. Von Slayer und Exodus hat man sowas damals und bis heute nicht gehört, bei Metallica-Vorbildern wie Iron Maiden (Children Of The Damned, 1982) oder Black Sabbath (Children Of The Sea, 1980) aber schon.



Den vier Musikanten ist das natürlich egal. Cliff Burton sagt dazu: „Wir machen, was wir wollen. Wenn das jemand als Ausverkauf bezeichnet… egal.“ Und über das akustische Intro zum Nackenbrecher Fight Fire With Fire vom selben Album, das an klassische Kammermusik erinnert, darf man echt nicht meckern. Als Unplugged-Einlage können wir das jedoch beim besten Willen noch nicht betrachten.



Gleiches gilt für die grandiose Eröffnungssequenz von Battery auf Master Of Puppets (1986), für die James Hetfield sich von TV-Sendeschlussmusik inspirieren ließ. Auch das Instrumental To Live Is To Die auf …And Justice For All (1988) ertönt zunächst erhaben auf klassischen Nylonsaiten-Gitarren, bevor nach einer Minute wieder das dicke Gitarrenbrett übernimmt.

Nicht mal das sogenannte Black Album von 1991, dem mancher Kuttenträger gemeinhin nachsagt, Metallica zu Mainstream-Opfern gemacht zu haben, enthält richtige Stöpsel-raus-Einsätze, allerdings mit The Unforgiven schönes Akustikgitarren-Geklimper. Für die Nummer nimmt Hetfield dann auch eine Nicht-E-Gitarre mit auf Tour.



Zusammengefasst: Zu Beginn der Neunziger haben unsere Helden mit „Unplugged“ noch nichts am Hut, obwohl eher hardrockige Kollegen wie Guns N’ Roses mit GNR Lies (1988) und Tesla mit Five Man Acoustical Jam (1990) bereits die Stromlos-Welle losgetreten haben und sich MTV Unplugged als erfolgreiches Format des Senders entpuppt (Eric Clapton anyone?). Alice In Chains landen 1994 mit der Akustik-EP Jar Of Flies sogar auf Platz eins der Billboard-Charts.

Bei Metallica ändern sich die Zeiten mit Load (1996) und Reload (1997), auf denen die Band grundlegend rockiger klingt und mit verschiedenen Einflüssen jenseits des Thrash Metal experimentiert – was Teilen den Headbangerschaft noch ein bisschen mehr die Kutte rostig werden lässt. Hier findet sich dann auch ein Song, der fast ausschließlich mit Akustikgitarren gespielt wird: Das ruhige Mama Said zeigt Hetfields Affinität zu Country und Western, weswegen er im Video auch einen Cowboyhut trägt. Auch in Low Man’s Lyric findet sich diese Geschmacksrichtung.



Weil die Burschen mittlerweile sowieso machen können, was sie wollen, und nach über 15 Jahren auf den Bühnen der Welt Abwechslung Not tut, setzen sich Metallica bei den Tourneen dieser Ära manchmal mit Akustikgitarren auf die Bühne – und spielen tatsächlich kleine Akustiksets mit einer Handvoll Songs. Hier werden dann sogar Brecher wie The Four Horsemen und Motorbreath teilweise zu swingenden Rock’n’Roll-Nummern. Es müssen also nicht nur die Balladen sein.



Am 18. Dezember 1997 besuchen Metallica im Rahmen der Promo für Reload den Sender KSJO im kalifornischen San José. Hier spielen sie mit ein paar Kumpels entspannt ein paar Songs auf Akustikgitarren. Wie man es halt so macht. Mit dabei sind Gary Rossington (Lynyrd Skynyrd), Jim Martin (Faith No More), Les Claypool (Primus), Jerry Cantrell & Sean Kinney (Alice In Chains), Pepper Keenan (Corrosion Of Conformity), Chris Isaak und der Komiker Jim Breuer. Auf dem Programm stehen neben viel Quatsch-Erzählerei lockere Versionen von Low Man’s Lyric, Helpless, The Four Horsemen, Poor Twisted Me, Nothing Else Matters, Creeping Death, Last Caress und der Lynyrd-Skynyrd-Klassiker Tuesday’s Gone. Letzterer wird schick abgemischt und erscheint 1998 auf Garage Inc. Der gesamte Radiomitschnitt kursiert natürlich als Bootleg; eine Bildergalerie der Sause haben Metallica hier veröffentlicht.

Ebenfalls 1997, genauer am 18. Oktober, spielen Metallica zum ersten Mal beim Bridge School Benefit, einem jährlichen Wohltätigkeitsfestival in Mountain View, Kalifornien, organisiert von Pegi und Neil Young. Auch hier kommen die Akustikklampfen zum Einsatz, auf der Setlist steht zum Beispiel Fade To Black. Die Sause wiederholen sie zehn Jahre später am 27. Oktober 2007 mit ein paar richtigen Schätzchen: Brothers In Arms (Dire Straits), Only Happy When It Rains (Garbage), I Just Want To Celebrate (Rare Earth) und zum ersten Mal live überhaupt ihr eigenes All Within My Hands. Die Show kann man hier anhören und sogar kaufen. Am nächsten Abend geht’s weiter, anzugucken hier.



Und weil es so schön ist, kehren unsere Helden 2016 ein drittes Mal zum Bridge School Benefit zurück, diesmal unter anderem mit Whiskey In The Jar, Hero Of The Day, dem The-Clash-Cover Clampdown und sogar Seek & Destroy in stromloser Variante. Bei Mr. Soul, im Original von Buffalo Springfield, spielt dann Neil Young höchstselbst mit. Anhören und anschauen: hier und hier.



Metallifreaks dürften sich außerdem freuen über die Stücke, die am 12. Mai 2014 bei einer Veranstaltung namens MusiCares in Los Angeles erklingen. An dem Abend zollen Metallica ihrem Helden Ozzy Osbourne Tribut – mit dessen Diary Of A Madman und seinem liebsten Beatles-Song In My Life.



Wir merken: Für ihre Unplugged-Einsätze greift die Band auf Lieder zurück, die sie vollverstromt eher nicht ausgewählt hätte. Als musikalische Ausdrucksform, willkommene Abwechslung und Besonderheit für kleine Shows haben Metallica das Unplugged-Format im Laufe der Jahre sicher entdeckt. Es kommt allerdings nur für besondere Konzerte und als Zwischenspiel zum Einsatz – denn bei den allerallermeisten Shows sowie im Studio gibt es weiterhin ordentlich was auf die Ohren.

Am 3. November 2018 schließlich geben James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo im Masonic in ihrer Heimatstadt San Francisco ein unverstromtes Konzert für ihre Stiftung All Within My Hands. Das Ergebnis halten wir jetzt als Helping Hands… Live & Acoustic At The Masonic in den Händen.


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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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