Zeitsprung: Am 30.1.1969 spielen die Beatles ihre letzte Show — auf einem Dach.

January 29, 2019
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 30.1.1969 spielen die Beatles ihre letzte Show — auf einem Dach.

Zeitsprung: Am 30.1.1969 spielen die Beatles ihre letzte Show — auf einem Dach.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.1969.

von Christof Leim und Timon Menge

Während der Sechziger bringen die Beatles die Popkultur ins Rollen, gegen Ende des Jahrzehnts beginnt die Entfremdung der Musiker untereinander. Die Luft ist raus, positive Stimmung bleibt die Ausnahme. Am 30. Januar 1969 bäumen sich die Briten noch einmal auf und spielen ihr letztes gemeinsames Konzert — auf dem Dach ihres Hauptquartiers in London.


Hört hier in die besten Songs aus der Spätphase rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Als die Beatles im Januar 1969 im Londoner Twickenham Studio an ihrem letzten Album Let It Be arbeiten, herrscht unter den Musikern dicke Luft. Ambitionierte Studioveröffentlichungen wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967), Magical Mystery Tour (1967) und das White Album (1968) haben die Briten viel Kraft gekostet, man sehnt sich nach Einfachheit und möchte zu den Ursprüngen zurückkehren. Immer wieder geraten die Musiker aneinander. Vor allem George Harrison ist stinksauer und verlässt sogar kurzzeitig die Band. Die Gründe im Schnelldurchlauf: Er entdeckt gerade sein Talent als Songschreiber, kommt aber nicht gegen Alphatier Paul McCartney an. So erzählt Harrison in einem Interview mit dem Rolling Stone: „Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“ Auch John Lennon fällt es schwer, sich mit der neuen Rolle des bisher so zurückhaltenden Gitarristen anzufreunden.

Keine einfache Geburt: Let It Be, das letzte Studioalbum der Beatles

Zu allem Überfluss soll im Studio auch noch eine Dokumentation gedreht werden. Harrison fragt sich, was es für einen Sinn habe, eine zerstrittene Band bei der Arbeit zu filmen und verabschiedet sich schließlich für ein paar Tage. Etwa eine Woche später, am 15. Januar, kommt es zu einem klärenden Gespräch. Harrison zeigt sich durchaus bereit, wieder an den Aufnahmen teilzunehmen, bringt allerdings Forderungen mit in die Sitzung. Zum Einen möchte er das Album woanders aufnehmen. Seine Kollegen schlagen ein und die Beatles räumen ihr Equipment vom Twickenham Studio in ihr neues Apple-Hauptquartier um. Außerdem möchte Harrison nach jahrelangen Tourneen nicht mehr auftreten — eine Forderung, die Paul McCartneys Wille nach mehr Konzerten diametral gegenübersteht. Dennoch: Der Wunsch nach Harmonie siegt, die Musiker vertragen sich und arbeiten weiter an Let It Be.



Zu einem Kompromiss kommt es am 30. Januar, genau 885 Tage nach dem letzten gemeinsamen Konzert. Weil die Gruppe noch ein Ende für ihren Film benötigt und McCartney nach wie vor unbedingt live spielen möchte, einigen die Musiker sich auf ein spontanes Konzert auf dem Dach ihres Apple Corps-Gebäudes in der Savile Row in London. Dabei handelt es sich zu Teilen um eine rein pragmatische Entscheidung, wie Schlagzeuger Ringo Starr später berichtet: „Wir hatten den Plan, irgendwo zu spielen. Wir fragten uns, wo wir auftreten könnten, ob im Palladium oder in der Sahara. Dann hätten wir aber unser ganzes Zeug dorthin schleppen müssen, also entschieden wir uns für das Dach.“ Wer genau darauf kam, lässt nicht abschließend klären. So vertritt der zusätzlich anwesende Keyboarder Billy Preston die Meinung, John Lennon habe den Einfall gehabt. Toningenieur Glyn Johns hingegen behauptet in seiner Autobiografie, dass er selbst auf die Idee gekommen sei.



Vorderansicht des Apple Corps-Gebäudes in der Savile Row - Pic: Misterweiss/Wikimedia Commons

Los geht es um zwölf Uhr mittags mit Get Back, auf der Setlist stehen Stücke wie Get Back, Don’t Let Me Down und Dig A Pony, einige spielen das Quartett mehrfach. Die Tonspuren des Konzerts werden im Keller des Gebäudes mitgeschnitten, für den Bändertausch ist niemand Geringeres als Alan Parsons zuständig. Für die Filmaufnahmen zeichnet Regisseur Michael-Lindsay Hogg verantwortlich, der es nicht versäumt, auch die Zuschauer zu filmen, die sich im Rahmen des Auftritts (und ihrer Mittagspause) um das Gebäude versammeln. Da es weder Werbung noch Tickets für die Veranstaltung gibt, findet sich vor allem zufällige „Laufkundschaft“ vor dem Haus ein.

Die allermeisten dieser Passanten erfreuen sich an der spontanen Show, doch die britische Polizei  befürchtet Schwierigkeiten. Die Lautstärke könne Anwohner stören und Verkehrsprobleme verursachen. Beides tritt wenig später ein. Als die Beatles-Mitarbeiter den Beamten den Eintritt ins Gebäude verwehren wollen, drohen die Gesetzeshüter mit Haftstrafen, also lenken die Angestellten der Band ein. Die Polizisten begeben sich umgehend zum Dach, wo die Musiker schnell verstehen, dass ihnen gleich der Stecker gezogen wird. Doch einige Minuten spielen sie noch. McCartney passt dabei kurzerhand den Text seines Songs Get Back an und singt: „You’ve been playing on the roofs again / and you know your Momma doesn’t like it / oh, she gets angry / she’s gonna have you arrested“. Wenig später beendet die Polizei das Konzert.



Was im Januar 1969 nach einem harmlosen Streich aussieht, markiert tatsächlich das nahende Ende der Beatles. Nach ihrer Aussprache vertragen die Musiker sich ein paar Tage lang, doch direkt nach dem Konzert kommt es wieder zum Streit. Auch was Toningenieur Glyn Johns aus den Let It Be-Aufnahmen macht, gefällt der Gruppe nicht. Der Veröffentlichungstermin wird von Juli 1969 auf September verschoben. Zu jenem Zeitpunkt haben die Beatles bereits Abbey Road (1969) eingespielt, das sie nun lieber veröffentlichen möchten. So kommt es dann auch: Obwohl es sich bei Abbey Road um die letzte Studioaufnahme der Gruppe handelt, erscheint das Album noch vor Let It Be. Im Dezember bitten die Beatles Toningenieur Johns darum, nur die Lieder abzumischen, die im noch nicht veröffentlichten Film zu hören sein sollen. Erneut missfällt ihnen das Ergebnis. Im März 1970 interveniert Manager Allen Klein und holt den US-amerikanischen Produzenten Phil Spector an Bord, der die Songs teilweise um Orchestersequenzen und Chöre erweitert. So viel zu „back to the roots“. Als das Album am 8. Mai 1970 endlich erscheint, gibt es die Beatles bereits nicht mehr.



Titelfoto: Screenshot aus Video zu Don’t Let Me Down

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