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Popkultur

11 Freunde: Wenn Fußballvereine Bands wären

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Rage Against The Machine
Foto: Gie Knaeps/Getty Images

„Hä?“, werdet ihr jetzt vielleicht denken, und das durchaus zurecht. Fußballvereine? Bands? Was ist denn nun schon wieder los? Doch hin und wieder kann es ja auch Spaß machen, die Welt aus einem völlig abstrusen Blickwinkel zu betrachten.

von Timon Menge

Ihr fragt euch, warum die Beatles der BVB der Musikwelt sind? Oder warum Guns N’ Roses und der Hamburger SV so gut zusammenpassen? Wir haben eine Liste in der Stärke einer Fußballmannschaft für euch zusammengestellt.

1. FC Bayern München = Metallica

Unendlich viele Fans, kontroverse Diskussionen und ein Titel-Abo: Der FC Bayern München und Metallica sind sich ganz schön ähnlich. Schließlich stellt sich bei den Bayern nicht die Frage, ob der Verein einen Titel gewinnt, sondern nur: Wie viele Meisterschaften und Pokale werden es in dieser Saison? Ebenso müssen sich Metallica niemals fragen, ob sie Platz eins der Charts erreichen werden. Die Frage ist bloß, wie lange sie es sich dort gemütlich machen können. Wie immer, kommt mit dem Erfolg aber auch Gegenwind. So gilt der FC Bayern München nicht nur als erfolgsverwöhnt und elitär, sondern auch als kommerziell (im Profifußball!); genau wie sich Metallica seit der Veröffentlichung ihres „Schwarzen Albums“ anhören dürfen, sie hätten ihre Seele für das liebe Geld verkauft. Gähn.

2. Borussia Dortmund = The Beatles

Sie kommen aus Liverpooler Arbeiterfamilien, haben die Musikgeschichte in vielerlei Hinsicht geprägt und als The Beatles die Massen begeistert. Eine ähnliche Bedeutung kommt im Fußball dem BVB zu, einem der beliebtesten Vereine Deutschlands. So richtig nachvollziehen kann man die Ballsportbegeisterung im Ruhrgebiet wohl nur, wenn man mal dort gelebt hat. Bis dahin kann man sich die Spiele des BVB durchaus als eine Art Beatles-Konzert vorstellen, zumindest was die Lautstärke betrifft. Außerdem: Mit You’ll Never Walk Alone teilen sich der FC Liverpool und der BVB einen Song. Und der aktuelle Liverpool-Trainer Jürgen Klopp führte vorher bereits Borussia Dortmund zu mehreren Titeln.

3. FC Schalke 04 = The Rolling Stones

Wenn die Beatles der BVB sind, müssen die Rolling Stones natürlich der FC Schalke 04 sein, klar. Es gibt schließlich so etwas wie kosmische Widersacher. Doch auch inhaltlich passt der Vergleich, denn was den Einfluss auf die Fußballgeschichte betrifft, tun sich Schalke und Borussia Dortmund nicht viel, ebenso wenig wie die Beatles und die Rolling Stones. Ob es wohl ein großer Spaß wäre, wenn beide Bands jedes Jahr zweimal für ein großes Derby auf dem Rasen stünden? Ganz bestimmt sogar.

4. FC Köln = Queen

Kölner*innen sind exzentrisch, lieben die Freiheit und sie verkleiden sich gerne. Klingt nach dem Frontmann einer bekannten Rockband? Klar! In der Domstadt wäre Freddie Mercury wohl nicht weiter aufgefallen, denn irrationale Gefühlsausbrüche stehen dort an der Tagesordnung, vor allem beim Fußball. Der FC hat verloren? Jagt den Trainer aus der Stadt! Der FC hat gewonnen? Wir holen den Champions-League-Pokal! Genau wie beim FC gab es bei Queen viele Hochs und Tiefs. Fest steht: Beide gehören zu den sympathischsten und echtesten Vertreter*innen ihrer Professionen.

5. Hamburger SV = Guns N’ Roses

Ein bisschen schmuddelig, früher meisterhaft und heute auf dem Abstellgleis: Der Hamburger SV und Guns N’ Roses teilen sich viele Eigenschaften. Das Appetite For Destruction des HSV? Der Europapokal der Landesmeister 1983. Das Chinese Democracy? Der Abstieg 2018. Guns N’ Roses haben sich (teilweise) wieder zusammengetan und möchten 2021 neue Musik veröffentlichen. Ob Felix Magath noch einmal als Spieler zum HSV zurückkehrt? Wohl eher nicht.

6. SV Werder Bremen = Nirvana

Nirvana stehen grob gesagt für Coolness, alternatives Denken und eine gewisse Gleichgültigkeit. Zumindest Letzteres gilt auch für Werder Bremen: Damit das Publikum in der Hansestadt so richtig in Fahrt kommt, müssen schon drei Tore hintereinander fallen, eins mit links, eins mit rechts und eins mit dem Kopf. Was der Verein und die Band aber ebenfalls gemeinsam haben, ist die Treue der Fans. Noch heute sieht man da draußen unzählige Nirvana-Shirts. Und obwohl Werder die Fans seit Jahren eher quält als unterhält, bleiben sie an Bord. Wie vernünftig das ist, steht auf einem anderen Blatt.

7. Bayer 04 Leverkusen = Rammstein

Wir alle wissen: In Leverkusen residiert die Firma Bayer. Und nicht nur das: Ohne die Chemie gäbe es die Stadt möglicherweise gar nicht, denn schon ihr Namensgeber Carl Leverkus verdiente seine Brötchen mit dem Vermischen knallbunter, explodierender Flüssigkeiten (bestimmt!). Später entstanden am Standort die Bayer-Werke, für die mehr Stahl verbaut wurde als bei den ersten zehn Alben von Judas Priest. Was das mit Rammstein zu tun hat? Ganz einfach: Auch die Berliner setzen für ihre Konzerte auf Feuer, Krach und schweres Gerät. Davon bekommt ihr Kopfschmerzen? Wir hätten da einen Vorschlag.

8. Hertha BSC Berlin = Kiss

Prätentiös, laut und nicht immer sympathisch: Berlin und Kiss haben viele Gemeinsamkeiten. Beide sind manchmal mehr Schein als Sein, beide wirken oft überlebensgroß und beide gehen vielen Leuten ziemlich auf den Keks. Was den Fußballverein unserer Hauptstadt betrifft, gibt es zwischen dem Hertha BSC Berlin und den Schminkemonstern ebenfalls Gemeinsamkeiten, aber vor allem einen großen Unterschied: Kiss sind erfolgreich.

9. RB Leipzig = Toto

Was wurde geflucht, als der RB Leipzig zum ersten Mal die Bundesliga eroberte. Retortenmannschaft! Kommerz! (Im Profifußball!!) All das kann man Toto sicher auch vorwerfen, aber Blödsinn bleibt es in beiden Fällen. Denn genauso wie Toto manchmal vielleicht ein wenig glatt klingen, im Großen und Ganzen aber hervorragende Musiker sind, so spielen die Leipziger tollen Fußball und begeistern seit Jahren eine ganze Stadt — trotz des üppigen Sponsorings durch einen bekannten Energy-Drink-Hersteller. „Es ist einfach geil, dass wir jetzt gegen die Bayern, Borussia Dortmund oder Schalke spielen können“, befand Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel bereits 2016 in einem Interview mit Sport1. „RB Leipzig ist ein klug geführter Verein.“ Genauso wie Toto eine klug geführte Rockband sind.

10. FC St. Pauli = Rage Against The Machine

Che Guevara, Alerta Antifascista und jede Menge Feuer: Die Fans von Rage Against The Machine und die Anhängerschaft des FC St. Pauli würden sich wohl prächtig verstehen. Ob ein Crossover denkbar wäre?

11. Hannover 96 = Scorpions

Hier müssen wir den Zusammenhang wohl nicht weiter erklären: Hannover haben wir den erfolgreichsten Rock-Export aller Zeiten zu verdanken. Der dazugehörige Fußballverein spielt im Gegensatz zu den Scorpions inzwischen zwar zweitklassig, doch mit ein wenig „Wind Of Change“ ändert sich das auch wieder.

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10 Songs, die in jedem Fußballstadion laufen

Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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