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Popkultur

Tear Down This Wall: Wie Berlin die Teilung überwand und die Musikwelt prägte

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Foto: Stephen Jaffe/Getty Images

Das Berlin des 21. Jahrhunderts hat nur wenig mit der Stadt zu tun, die einst von der Berliner Mauer in zwei Teile geteilt wurde. Heute ist die vereinte Hauptstadt eine dynamische, lebendige, offene und der Zukunft zugewandte Metropole. Aber fast 30 Jahre lang – nämlich vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 – war sie physisch und ideologisch geteilt. Eine reale Mauer aus Beton und Stahl trieb einen Keil zwischen das kapitalistische Westberlin und das kommunistische Ostberlin.

von Tim Peacock

Doch entgegen aller Erwartungen entstand in der kargen Kulisse der Entbehrungen und der sozialen Teilung des Kalten Krieges eine dynamische Undergroundszene. Im Berlin der 60er und 70er Jahre trafen sich innovative und radikale Musiker*innen (und andere Kreative). Heute sind sie in ihrer Bedeutung als Wegbereiter*innen durchaus mit so einzigartigen Berliner Künstler*innen wie Marlene Dietrich, Berthold Brecht und Kurt Weill in den 20ern und 30ern zu vergleichen.

Eine lebendige Kulturszene

So wäre die elektronische Musik, wie wir sie heute kennen, ohne die bahnbrechende Westberliner Gruppe Tangerine Dream kaum vorstellbar. Gegründet 1967 von dem unerschütterlichen Edgar Froese, spielten ihre frühen Aufnahmen, wie das monumentale Album Zeit, eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Ambient-Genres und der innovativen deutschen Experimentalmusik, die unter dem Namen „Krautrock“ bekannt wurde. Auf ihren Alben Phaedra und Rubycon, die sie in den 70ern für Virgin Records aufnahmen, brachten Tangerine Dream Sequenzer zum Einsatz, lange bevor diese sich bei anderen Musiker*innen durchsetzten. Damit zementierte die Band ihren Legendenstatus.

Im Katalog von Tangerine Dream ist die Stadt Berlin sehr präsent. Das 1986 erschienene Livealbum Pergamon hält sogar den historischen Tag fest, an dem sie als erste „Rockband“ aller Zeiten in der kommunistischen DDR auftraten. Das Konzert fand am 31. Januar 1980 im Palast der Republik in Ostberlin statt. Und schon 1979 erschien ihr Meilenstein Force Majeure – Ergebnis einiger Sessions in den berühmten Hansa Tonstudios.

Hansa by the Wall

Die Anfänge dieses renommierten Studiokomplexes lassen sich bis ins Jahr 1962 zurückverfolgen. Damals haben die Brüder Peter und Thomas Meisel im Bezirk Wilmersdorf das Label Hansa Records gründeten (wo später die Europa-Releases von Boney M, Iggy Pop und vielen weiteren erschienen). Die Brüder wollten ein eigenes Studio aufbauen und mieteten dafür 1965 die ehemaligen Produktionsräume von Ariola Records in der Köthener Straße in Westberlin. 1974 war schließlich der Ausbau zum Hansa Tonstudio (auch bekannt als „Hansa by the Wall“) abgeschlossen.

Mit seiner hervorragenden Akustik etablierte sich Hansa in den 70ern als eines der führenden Studios: Damals vergruben sich David Bowie und Brian Eno in seinen Räumlichkeiten, um einen großen Teil von Bowies gefeierter Berlin-Trilogie, bestehend aus den Alben Low, Heroes und Lodger zu schreiben und einzuspielen. Berlin trug viel zu Bowies radikalem Wandel bei, als er 1976 dem Druck des Ruhms in den USA zu entfliehen versuchte und stattdessen ein einfacheres Leben im Westberliner Bezirk Schöneberg begann. Er teilte seine Wohnung in der Hauptstraße mit seinem guten Freund Iggy Pop und spielte eine wichtige Rolle als Co-Autor und Co-Produzent von dessen gefeierten Soloalben The Idiot und Lust For Life (beide 1977).

Achtung, Baby

Während ihrer Zeit in Berlin besuchten Bowie und Iggy regelmäßig das SO36 in Kreuzberg, einen der aufregendsten Nachtclubs der Stadt. Er wird oft als Deutschlands Äquivalent zum New Yorker CBGB beschrieben und öffnete seine Türen erstmals im Jahr 1978. Bis heute gastieren hier einige der bedeutendsten Punk- und Alternative-Rock-Acts der Welt. Der Club wurde schnell zu einer der beliebtesten Adressen der Kunstszene und selbst die Londoner Postpunk-Band Killing Joke widmete dem Laden einen Track auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum im Jahr 1980.

Berlin hinterließ bei Killing Joke einen tiefen Eindruck und so kehrten sie 1984 in die Hansa Studios zurück. Damals nahmen sie mit dem Rolling-Stones-Produzenten Chris Kimsey ihr Album Night Time auf, das ihnen den Durchbruch brachte. Tatsächlich war das Studio sowohl vor als auch nach dem Fall der Berliner Mauer sehr gut gebucht. Während der 80er entstanden hier musikalische Meilensteine wie David Sylvians Brilliant Trees (1984) und Tinderbox von Siouxsie & The Banshees (1986). Und seitdem bereichert das Studio ohne Unterbrechung Musikkarrieren. Auch U2s erste Session im Hansa Ton 1991 sollte ihrer kreativen Neuerfindung mit Achtung Baby auf die Sprünge helfen. Und ebenso Snow Patrols A Hundred Million Suns und R.E.M.’s Abschiedssong Collapse Into Now (2011) stehen auf der langen Liste der denkwürdigen Titel, die seit Beginn des 21. Jahrhunderts unter dem Dach der Hansa Studios das Licht der Welt erblickten.

Neue Deutsche Welle

Die Hansa Tonstudios befanden sich in verlockend kurzer Entfernung zur Berliner Mauer und brachten Platten hervor, die eine ganze Ära prägten. Auf der anderen Seite der Mauer war Kunst beim kommunistischen Regime verpönt und die Künstler*innen stark eingeschränkt. So mussten die Texte von staatlicher Stelle abgesegnet werden. Auch Konzerte wurden regelmäßig von der Stasi beobachtet. Trotzdem gelang es in den 70er und 80er Jahren einigen „Ostrockbands“ wie den Puhdys, Karat und City auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, ihr Publikum zu erreichen.

Ostberlin hat sogar einige internationale Stars hervorgebracht: Als ihrem Stiefvater, dem Liedermacher Wolf Biermann, 1976 seine Staatsbürgerschaft entzogen wurde, folgte ihm die aufsteigende Punksängerin Nina Hagen in die Bundesrepublik Deutschland. 1978 schafft sie es in Hamburg mit ihrem bei CBS erschienenen Debütalbum Nina Hagen Band zu kommerziellem Erfolg zu kommen und wurde auch von der Kritik dafür gefeiert. Hagen beeinflusste viele Künstler*innen der gerade im Entstehen begriffenen „Neuen Deutschen Welle“ der 80er Jahre, wie zum Beispiel DAF, Trio und Neonbabies. Aber sie war nicht die einzige Vertreterin von Ostberlins kleiner, aber sehr lebendiger Punk-Szene, die sich einer langen Musikkarriere erfreuen sollte. Auch die zukünftigen Rammstein-Mitglieder Paul Landers und Christian „Flake“ Lorenz erlernten ihr Handwerk Mitte der 80er in der „Ostpunk“-Gruppe Feeling B.

„Einer der emotionalsten Auftritte meines Lebens“

Ende der 80er Jahre trugen auch einige Musikveranstaltungen zu den radikalen Veränderungen bei, die der Stadt Berlin bevorstanden. 1987 kehrte David Bowie für ein Konzert am Berliner Reichstag zurück. Die Bühne stand so nah an der Grenze, dass sich viele Ostberliner auf der anderen Seite versammelten, um der verbotenen, westlichen Musik zu lauschen, die über die Mauer wehte. So war es möglich, dass beide Teile Berlins dieses Konzert erleben konnten – geteilt und doch beinahe vereint.

Als Bowie die Bühne betrat, sprach er auf deutsch zum Publikum: „Unsere besten Wünsche an unsere Freunde auf der anderen Seite der Mauer!“ Später sang er den Song Heroes, den er zehn Jahre zuvor in Berlin aufgenommen hatte. Damals, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, wurde die Stadt von Angst und Gewalt beherrscht.

„Das war einer der emotionalsten Auftritte meines Lebens. Ich kämpfte mit den Tränen“, erinnert sich Bowie später im Magazin Performing Songwriter. „Man hatte uns gesagt, dass einige Ostberliner eventuell etwas hören könnten, aber dann waren da Tausende an der Mauer und so war es wie ein Doppelkonzert, das nur die Mauer trennte. Wir konnten hören, wie sie auf der anderen Seite jubelten und mitsangen. Man, ich kriege immer noch einen Kloß im Hals. Es hat mir das Herz gebrochen. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt und ich schätze, das werde ich wohl auch nie wieder.“

„Tear down this wall“

Nur eine Woche nach Bowies Auftritt kam US-Präsident Ronald Reagan nach Westberlin. Er sprach vor dem berühmten Brandenburger Tor und wandte sich an Michail Gorbatschow, den Staatspräsidenten der Sowjetunion, mit den Worten: „Tear down this wall!“ Reagans Rede und Bowies Konzert trugen dazu bei, die über mehr als eine Generation vorherrschende Stimmung rund um die Mauer zu verändern.

Im folgenden Jahr, am 19. Juli 1988, gingen Bruce Springsteen und The E Street Band noch einen Schritt weiter. Sie traten in Ostberlin bei Rocking The Wall vor 300.000 Leuten auf. Das Konzert wurde sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Auf deutsch erklärte Springsteen den Zuschauer*innen: „Ich bin nicht für oder gegen eine Regierung. Ich bin gekommen, um Rock ’n’ Roll für euch zu spielen, in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden.“

Anfang 1989 verkündete Erich Honecker noch, dass die Berliner Mauer auch in 50 oder 100 Jahren noch stehen würde. Doch nach dem Ende des Kommunismus in Polen und Ungarn brach die DDR innerhalb weniger Monate zusammen. Erich Honecker trat zurück und sein Machtapparat war nur noch ein Scherbenhaufen. Als am 9. November 1989 die Mauer schließlich fiel, wurde das Unvorstellbare Realität.

Die inoffizielle Hymne der Wiedervereinigung

Natürlich dokumentiert die Musik die dann folgenden Veränderungen in Berlin, die schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands im Sommer 1990 führten. Marius Müller-Westernhagens Song Freiheit war zwar schon einige Jahre alt, wurde aber zur inoffiziellen Hymne der Wiedervereinigung. Auch die Powerballade Wind Of Change von den Scorpions entstand vor dem Fall der Mauer und schaffte es dennoch im Zuge der Ereignisse in Deutschland und europaweit an die Spitze der Charts. Sogar in den USA erreichte der Song Platz 4. Am 21. Juli 1990 performte Pink-Floyd-Gründungsmitglied Roger Waters auf der Freifläche zwischen dem Potsdamer Platz und dem Brandenburger Tor, die zum Mauerstreifen gehört hatte. Dort spielte er das Album The Wall von 1979.

Wenn man allerdings einen Soundtrack zum Mauerfall zusammenstellen müsste, dann würden wohl Techno und House Music überwiegen. Die sagenumwobene Club-Szene der Stadt regte sich schon vor dem Fall der Mauer, als Dr Motte, Westbam und Kid Paul 1988 im Untergrundclub UFO an der Köpenicker Straße in Kreuzberg nächtelange Acid-House-Raves veranstalteten.

Ein neuer, kreativer Schub

Dann kam Motte die Idee, die Party sowohl mit einem Truck, lauten Beats als auch mit einer Gruppe von Raver*innen auf die Straße zu bringen. 1989 wurde die Loveparade geboren und fand bis 2003 jedes Jahr statt. Ihren Höhepunkt erreichte sie 1999 mit circa 1,5 Millionen Feiernden auf den Straßen Berlins.

Aber auch das ist nur ein Teil der Geschichte. Berlins Punk-, Indie-, und Alternative-Rock-Bands – alte (Einstürzende Neubauten) genauso wie neue (Beatsteaks, Wir Sind Helden) – haben es zu internationalem Ruhm gebracht. Die unterschiedlichsten Genres, von Downtempo bis hin zu Dancehall und Berliner Hip-Hop, haben im 21. Jahrhundert der Stadt ihren Stempel aufgedrückt.

30 Jahre nach dem Fall der berüchtigten Mauer wird Berlins Appetit auf Kreativität von einer unbändigen Lust auf Vielfalt und Abwechslung getrieben. Sie wird der Stadt auf ewig eine Sonderstellung in der (Musik-)Welt garantieren.

Zeitsprung: Am 9.11.1989 spielen Faith No More in Berlin, als die Mauer fällt.

Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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