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Popkultur

10 Rocksongs aus den 2010ern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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Foo Fighters
Foto: Kevin Winter/Getty Images for iHeartMedia

Wir haben euch die Blitzohrwürmer der Sechziger vorgestellt, genau wie die der Siebziger, Achtziger, Neunziger und 2000er. Da fehlt noch was: Heute beschäftigen wir uns quasi mit dem musikalischen „Gestern“ und schauen, welche Hits von 2010 bis 2019 besonders schnell zünden.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch 10 Rocksongs aus den 2010ern anhören, die man nach wenigen Sekunden erkennt:

1. Ozzy Osbourne – Let Me Hear You Scream (2010)

 Als Metal-Legende Ozzy Osbourne am 11. Juni 2010 sein elftes Studioalbum Scream auf die Menschheit loslässt, handelt es sich dabei in vielerlei Hinsicht um einen besonderen Moment. So markiert die Platte nicht nur seine erste und bis dato einzige Zusammenarbeit mit Gitarrist Gus G, sondern auch Ozzys erstes Album mit Keyboarder Adam Wakeman, Rick Wakemans Sohn. Als Vorab-Single erscheint einen Monat vor der LP-Veröffentlichung der Song Let Me Hear You Scream aus der Feder von Osbourne sowie Produzent und Schlagzeuger Kevin Churko. Und was für ein Brecher diese Nummer ist: Innerhalb weniger Sekunden verdeutlicht Osbourne, dass der „Madman“ auch nach mehr als 60 Jahren nichts von seiner musikalischen Power eingebüßt hat. Doch nicht nur Ozzy-Fans dürften diesen Song nach wenigen Sekunden erkennen, sondern auch American-Football-Fans. Let Me Hear You Scream läuft nämlich auch im Soundtrack des Football-Videospiels Madden NFL 11.

2. My Chemical Romance – Na Na Na (Na Na Na Na Na Na Na Na Na) (2010)

Bei diesem Song verrät schon der Titel, dass es sich dabei um einen Ohrwurm handeln muss. Der Hintergrund zum Stück: der Abgang des langjährigen My-Chemical-Romance-Schlagzeugers Bob Bryar im selben Jahr. So verrät Frontmann Gerard Way 2010 im Interview mit der BBC, die Band habe bis zu dem Song nicht viel Freude an ihrem vierten Album Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys gehabt. Na Na Na habe für eine Menge Motivation gesorgt. „Das war der Moment, in dem wir gesagt haben: ‚Dieser Song ändert alles“, so Way. „Wir fangen mit [Produzent Rob] Cavallo neu an und zwar sofort.’ Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich alles sehr nach Stillstand angefühlt und als Künstler steht Stillstand quasi für den Tod. Alles war blöd, der Vibe war nicht gut, doch dann kam ‚Na Na‘. Plötzlich haben wir diese echte, große Intensität gespürt. Das war der Schwung, den wir gebraucht haben, um tief in uns zu gehen und ein neues Album aufzunehmen.“ Zum Glück nimmt das eingängige Stück My Chemical Romance eine Last von den Schultern. Als die vierte Platte der Gruppe am 22. November 2010 erscheint, landet sie wenig später ohne Umschweife in der US-amerikanischen Top 10.

 3. Foo Fighters – Walk (2011)

Bei den Foo Fighters stellt sich ja eher die Frage, welchen Song man nicht nach wenigen Sekunden erkennt. In Walk singt Frontmann Dave Grohl von einem Neuanfang und davon, dass er viel zu lange damit gewartet hat, „wieder laufen zu lernen“. Als Inspiration für den Text dient ihm seine Gefühlswelt am Morgen nach dem Tod von Kurt Cobain im Jahr 1994, wie Grohl in einem Interview mit dem Rolling Stone verrät: „Man gerät im Leben manchmal in Krisen, die sich anfühlen, als gäbe es keinen Weg hinaus. Wenn man es wagt, die Krise als Chance zu betrachten, ist es einfacher, sie zu überwinden. Ich dachte nur: ‚Ich möchte nicht, dass irgendjemand das Gefühl hat, das ich an diesem Morgen hatte.‘“

4. Dropkick Murphys – Rose Tattoo (2012)

Wenn es um irisch angehauchten Party-Punk geht, macht den Dropkick Murphys aus der Nähe von Boston niemand was vor. Das gilt auch für Rose Tattoo, die erste Single vom achten Dropkick-Murphys-Album Signed And Sealed In Blood. Als besonderen Werbe-Gag rufen die Rocker ihre Fans im Vorfeld der Albumveröffentlichung dazu auf, sich ebenfalls ein „Rose Tattoo“ stechen zu lassen und ein Foto oder Video davon an die Band zu verschicken. Heute kann man das Bildmaterial auf der CD- und der Vinylverpackung der Platte bewundern. Der entsprechende Song gehört zu den vielleicht typischsten der Celtic Punks und macht innerhalb weniger Sekunden Lust auf ein eiskaltes irisches Bier.

5. Alice In Chains – Stone (2013)

Die Grunge-Legenden Alice In Chains haben ihren Sound gefunden, daran besteht kein Zweifel. Große Überraschungen gibt es bei der Gruppe aus Seattle also nicht mehr zu erwarten. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn selbst 23 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts Facelift (1990) brauchen die Musiker um Frontmann Jerry Cantrell 2013 nur wenige Töne, um Stone eindeutig als ihre eigene Komposition zu kennzeichnen. Auf das markante Riff kommt Cantrell, als er sich 2011 von einer Schulter-OP erholt. „Mein Arm war völlig kaputt“, berichtet er im Interview mit ultimate-guitar.com. „Also habe ich das Riff einfach ins Telefon gesummt und so ist der Song entstanden.“ Anders gesagt: Selbst mit Handicap schreiben Alice In Chains Stücke, die man nach wenigen Sekunden erkennt.

6. Blues Pills – High Class Woman (2014)

Was war die Aufregung in der Rockwelt groß, als die Blues Pills am 24. Juli 2014 ihr gleichnamiges Debütalbum rausbrachten. Kein Wunder: Für ihre ersten beiden EPs Bliss (2012) und Devil Man (2013) hatte die schwedische Band um Frontfrau Elin Larsson jede Menge Aufmerksamkeit bekommen, hohe Erwartungen waren die Folge. Mit der ersten Single vom Debüt verdeutlichen die Skandinavier*innen allerdings gleich zu Beginn: Wir haben uns verändert. So benötigt High Class Woman nur wenige Sekunden, um der Hörerschaft klar zu machen, dass der soulige und akzentuierte Sound der bisherigen Veröffentlichungen der Vergangenheit angehört. Stattdessen setzt die Gruppe ab 2014 auf den etwas schwammigeren Klang des Siebziger-Rock. „Wir waren nicht wirklich zufrieden mit der EP“, verrät Gitarrist Zack Anderson zu jener Zeit im Interview mit dem Sludge Worm Magazine. „Das Album klingt so, wie wir es die ganze Zeit wollten.“ Auch die Zuhörer*innen zeigen sich begeistert, vor allem in Deutschland. Hierzulande gelingt den Blues Pills mit ihrer ersten Platte aus dem Stand der Sprung auf Platz vier der Albumcharts.

7. Ghost – Square Hammer (2016)

Ghost gehören zweifelsohne zu den größten Rock-Phänomenen der letzten zehn Jahre. Mit ihrer Mischung aus teuflischer Optik, aufwändigen Kompositionen und eingängigen Hits konnten sich die Skandinavier jede Menge Fans auf der ganzen Welt erspielen und füllen mit ihrer Live-Show die größten Hallen. Zu den Ohrwürmern der Gruppe zählt unter anderem Square Hammer von der zweiten Ghost-EP Popestar, die darüber hinaus ausschließlich aus Cover-Songs besteht. „Der Song entstand gegen Ende der Konzeption von Meliora [dem dritten Ghost-Album]“, berichtet der „namenlose Ghoul“ alias Tobias Forge im Interview mit Billboard. „Es gab diesen Moment, in dem ich dachte: ‚Scheiße, ich habe einen Song.‘ Und dann sofort: ‚Vergiss es!‘, denn zu diesem Zeitpunkt war Meliora schon fertig. Das Konzept stand bereits und Square Hammer fühlte sich anders an. Außerdem muss man nicht immer sofort sein ganzes Pulver verschießen. Wenn man etwas hat, auf dem man sich ausruhen kann, kann man sich auch mal darauf ausruhen!“ Wer sich bei Square Hammer auf keinen Fall ausruhen darf, sind die Tanzschuhe — die kommen nämlich schon in den ersten Sekunden zum Einsatz.

8. Greta Van Fleet – Highway Tune (2017)

Jaaa, Greta-Van-Fleet-Frontmann Joshua „Josh“ Kiszka klingt wie Robert Plant. Doch als die jungen Rocker im Jahr 2012 ihren allerersten Song Highway Tune komponieren, erhalten sie dabei wohl keine Schützenhilfe vom ehemaligen Led-Zeppelin-Sänger. „Als wir uns gegründet haben, war dieser Song unsere Ode an den Classic Rock“, verrät Greta-Van-Fleet-Schlagzeuger Danny Wagner im Interview mit bluesrockreview.com. „Man möchte den Song einfach nur laut spielen und in genau diese Richtung hat uns das Stück geführt.“ Zum Glück, denn ob laut oder nicht: Den Highway Tune erkennt man sofort.

9. Imagine Dragons – Believer (2017)

Bei Believer von Imagine Dragons handelt es sich um eine der meistverkauften US-amerikanischen Singles aller Zeiten und das verwundert kein bisschen. In der Nummer präsentiert die Band innerhalb weniger Sekunden ihren einzigartigen Sound und bringt im Text zudem eine motivierende Botschaft unter die Zuhörer*innen: „Ich denke in dem Song über bestimmte Dinge in meinem Leben nach, die schmerzhaft waren“, verrät Sänger Dan Reynolds im Interview mit dem Magazin People. „Sei es Angst, der Umgang mit Menschenmengen, das Gefühl davon überwältigt zu sein, der Erfolg der Band, Krankheiten, Depressionen — alles, was in meinem Leben eine Quelle des Schmerzes war. Ich habe mich einfach darüber erhoben und eine Perspektive gefunden, aus der ich den Schmerz in meinem Leben wertschätzen und ihn zu einer meiner größten Stärke machen kann.“

10. Panic! At The Disco – Into The Unknown (2019)

Als hartgesottener Rock-Fan schaut man Streifen wie Disney’s Die Eiskönigin zwar oftmals heimlich — aber man schaut sie. Als am 20. November 2019 der zweite Teil der frostigen Filmreihe anläuft, erscheint der Titelsong Into The Unknown nicht nur in der Originalversion, sondern auch in einer Cover-Variante von Panic! At The Disco. Mastermind Brendon Urie stellt in seiner Version nicht nur einmal mehr unter Beweis, dass er den Namen Panic! At The Disco auch allein mit Leben füllen kann, sondern auch, was seine unfassbar umfangreiche Gesangsstimme alles hergibt. Den erhabenen Bildern aus dem Film steht seine Interpretation in nichts nach. Großes Kino — im wahrsten Sinne des Wortes!

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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