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Popkultur

Rock-Justiz: Die absurdesten Gerichtsverfahren der Musikwelt

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Foto: Frazer Harrison/Getty Images

Die Welt des Musikbusiness ist eine merkwürdige Welt, in der es statt Milch und Honig komplexe Persönlichkeiten und Verdienstmöglichkeiten im Überfluss gibt. Kein Wunder also, dass es vor Streitigkeiten und Gerichtsverfahren nur so wimmelt. Wir schauen uns die wahnwitzigsten Forderungen und spektakulärsten Fälle an.

von Victoria Schaffrath

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John Fogerty vs. Fantasy Records

Als John Fogerty nach kurzem, aber produktivem Erfolg 1972 bei Creedence Clearwater Revival aussteigt, gilt es, auch die geschäftlichen Beziehungen zu lösen. Gerade dieser Aspekt erscheint Fogerty dringlich, empfindet er doch die Deals mit der Plattenfirma Fantasy Records als enorm nachteilig für die Band. Fantasy hängt hingegen sehr an den Kaliforniern und entlässt Fogerty nur unter einer Bedingung: Er muss die Rechte an den eigenen Songs vollständig an Fantasy und deren Inhaber Saul Zaentz überschreiben.

Den Schalk im Nacken: Ein Pressebild von Fogerty aus den Achtzigern. Credit: Victoria Pearson.

Doch Fogerty wäre nicht Fogerty, wenn er seinem Unmut nicht Luft machen müsste. Zum einen bringt er es fertig, 15 Jahre lang keinen einzigen Song zu spielen, der Zaentz potenziell die Taschen füllt. Auf seinem 1985 veröffentlichten Soloalbum Centerfield finden sich dann gleich zwei Songs, die man durchaus als offenen Affront gegen den Label-Chef werten darf, nämlich Zanz Kant Danz und Mr. Greed. Da geht dieser das erste Mal vor Gericht und tritt aus der Verhandlung als Sieger hervor, Fogerty muss ersteren Titel umbenennen. Den Vogel schießt Zaentz jedoch ab, als er Fogerty des Plagiats beschuldigt – und zwar an seinem eigenen Song. Die Solo-Nummer The Old Man Down The Road klinge wie der „CCR“-Song Run Through The Jungle, nur eben mit neuem Text. Fogerty überzeugt eine Jury vom Gegenteil, indem er beide Songs im Gerichtssaal auf der Gitarre spielt.

Als Fogerty sich übrigens die Anwaltskosten zurückholen will und auf Stein beißt, klagt er zurück und schafft es schließlich bis vor den obersten amerikanischen Gerichtshof. Ob die Zeit alle Wunden heilt oder Fogerty lediglich die Chance auf einen letzten Seitenhieb wittert: Als Zaentz 2004 seine Anteile am Label verkauft, unterschreibt der Musiker erneut bei Fantasy.

Tony Iommi vs. Ozzy Osbourne

Dass Tony Iommi und Ozzy Osbourne sich schon zu Schulzeiten nicht besonders gut verstehen, legt vielleicht nicht die beste Basis für eine langfristige Zusammenarbeit bei Black Sabbath. Als der „Prince of Darkness“ seinerzeit unter dem Pseudonym „Ozzy Zig“ nach einer Band sucht und Iommi mit Bill Ward auftaucht, um den möglichen Sänger unter die Lupe zu nehmen, dreht sich der Gitarrist auf dem Absatz um: Mit derselben „Pestilenz“, die er aus Jugendtagen kennt, will er keinesfalls in einer Band spielen.

So verwundert es eigentlich nicht, dass die Streitigkeiten seit Osbournes Sabbath-Rausschmiss 1979 gleich mehrfach ihren Weg vor Gericht finden. Ein besonderes Schmankerl: Ein Verfahren um die Nutzung des Bandnamens Black Sabbath 2009. Laut Osbournes Anwälten nutzen Iommi, Ward und Geezer Butler diesen nämlich ziemlich monopolistisch, dabei stünden dem Fledermaus-Fan 50 Prozent der Erträge zu, unter anderem aus Merchandising-Umsätzen. Der Grund? Erst durch Osbournes markante Stimme sei Sabbath der langanhaltende Erfolg gelungen. Iommi und Konsorten sehen das natürlich anders. Nach einigem Hin und Her einigt man sich außergerichtlich, kurz darauf starten gar die Pläne für die Reunion. Doch bei der 2017 abgeschlossenen Abschiedstour herrscht wieder böses Blut: beide Parteien lassen später verlauten, die Zusammenarbeit nicht gerade als Spaziergang zu empfinden. Ob das nächste Sabbath-Treffen wohl wieder vor Gericht stattfindet?

Ozzy Osbourne in Bildern: Von Yoga, Horror und Hunden

Roger Waters vs. Pink Floyd

1985 bleibt von Pink Floyd nur noch ein Flickenteppich aus Streitigkeiten zwischen Roger Waters und David Gilmour übrig. Kreativ geht zwischen den beiden nichts mehr und als Songwriter findet Waters, er habe durchaus das Recht, die Gruppe aufzulösen. Damit sie aus dem Management-Vertrag kommen, tritt er den Bandnamen formell an Gilmour und Nick Mason ab, ganz in dem Glauben, die Gruppe sei ohnehin Geschichte. Gilmour und Mason lachen sich ins Fäustchen und machen natürlich als Pink Floyd weiter, während Waters sich entrüstet an seinen Anwalt wendet.

Man kann sich jedoch einigen: Im Austausch gegen den Bandnamen bekommt Waters die Urheberrechte für das Konzept zu The Wall. So richtig glücklich dürfte das den Komponisten nicht gemacht haben, denn 1987 kommt A Momentary Lapse Of Reason von Pink Floyd raus. Die Comeback-Platte schafft den kommerziellen Erfolg, die dazugehörige Tour zeigt deutlich mehr Zugkraft als das zeitgleich veröffentlichte Solomaterial von Waters. Erst 2005 begraben sie das Kriegsbeil für eine Show bei Live 8. Da kommt Waters scheinbar zur Besinnung: „Ich bereue meinen Anteil an dieser Negativität.“

Axl Rose vs. Slash & Duff McKagan

Auch wenn es bei Guns ’N Roses nie ein offizielles Aus gibt, bleibt ab Mitte der 90er von der Originalbesetzung lediglich Axl Rose übrig, der sich nicht gerade die Finger nach öffentlichen Auftritten leckt. Die offizielle Version seitens Slash lautet ganz PR-freundlich, man konnte schlicht nicht mehr auf Augenhöhe arbeiten, was die Direktion der Band anging. Dem dürfte Rose zustimmen, schafft er es doch vor deren Austritt noch recht schlitzohrig, Slash und Duff McKagan um ihre Verlagsrechte zu bringen. Böse Stimmen behaupten gar, Rose habe sich dabei den leicht angesäuselten Zustand der beiden zunutze gemacht.

2004 klagen Duff und Slash deswegen das erste Mal. Sie finden, Axl dürfe ruhig den ein oder anderen Film-Deal für „GNR“-Songs annehmen und so die Konten aller Beteiligten nähren. 2005 flattern bei Duff und Slash dann plötzliche gar keine Schecks mehr in den Briefkasten und es geht wieder vor Gericht. Das Geld fließt bald wieder, doch die Verlagsrechte liegen weiterhin bei Rose. McKagan und Slash rocken derweil bei Velvet Revolver. Nach viel Verwirrung um das Album Chinese Democracy und Lineup-Wechseln wie am Fließband findet die Originalbesetzung von Guns ’N Roses 2016 doch wieder zueinander. Es folgen Touren und Sammler-Kollektionen, die zumindest finanziell das Vergangene wieder gutmachen dürften.

Courtney Love vs. Dave Grohl & Krist Novoselic

Der selbstgewählte Tod Kurt Cobains wühlt 1994 die Rock-Welt auf. Seine Witwe Courtney Love befindet sich seitdem beinahe durchgängig vor Gericht, mal als Klägerin, mal als Angeklagte. Meist geht es dabei um irgendwelche Hinterlassenschaften des Nirvana-Sängers. So auch kurze Zeit nach dessen Tod, als Love mit Cobains ehemaligen Bandkollegen Dave Grohl und Krist Novoselic kooperieren soll, was unveröffentlichte Aufnahmen der Gruppe betrifft.

Genauer möchten Grohl und Novoselic die letzte gemeinsame Single You Know You’re Right in die Regale bringen. Love kann sich nicht unbedingt mit der Idee anfreunden, blockiert jahrelang die Veröffentlichung und behauptet gar, ein Vertrag zwischen ihr und den beiden Grunge-Rockern sei nichtig, da sie zum Zeitpunkt der Unterzeichnung high gewesen sei. Das eigentliche Problem: Love fürchtet, das Erbe Nirvanas werde verscherbelt und Grohl und Novoselic erhielten zu viel Lorbeeren für die Kunst, die hauptsächlich Cobain geschaffen habe. Man einigt sich schließlich außergerichtlich, der Song erscheint 2004.

Doch schlimmer geht’s immer: Wieder und wieder schießt Love öffentlich oder vor Gericht besonders gegen Grohl und kritisiert dessen Anspruch auf Nirvana-Tantiemen. Zeitweise behauptet sie gar, er habe ihrer und Cobains gemeinsamer Tochter Frances Bean Avancen gemacht. Wir geben zu bedenken, dass ebendiese Tochter sich 2018 gemeinsam mit ihrem Ex-Mann gezwungen sieht, Love wegen versuchtem Mord und Hausfriedensbruch zu verklagen. Fragt sich also, ob es wirklich eine posthum veröffentlichte Single ist, die dem Erbe Cobains schadet.

The Verve vs. Rolling Stones

Als 1997 erstmals Bittersweet Symphony durch die Radios plärrt, ahnt die Zuhörerschaft schnell, dass es sich um einen Hit handelt. Die Verursacher The Verve treffen mit dem Klassik-Sample zu Beginn des Lieds einen Nerv, aber auch einen Urheberrechtsanspruch: Die Geigen stammen nämlich aus einer Orchester-Version des Rolling Stones-Hits The Last Time. Die Briten waren zwar so klug, die Verwendung absegnen zu lassen, nutzen aber letztlich ein längeres Segment als ursprünglich besprochen. Mick Jagger und Keith Richards lassen das nicht auf sich sitzen. Sie überzeugen das zuständige Gericht ohne Probleme von ihrem Anspruch, sodass die gesamten Tantiemen in Zukunft bei den Rock-Veteranen landen.


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Für die Musiker rund um Richard Ashcroft ein herber Schlag, landen sie mit der bittersüßen Symphonie doch ihren größten Hit. Noch im November 2018 lässt der Leadsänger verlauten: „Ich hole mir diese Kohle!“ Sein Wunsch wird schneller wahr, als man glauben mag: Denn im Mai 2019 lässt Ashcroft via Pressemeldung eine unerwartete Wendung verlauten. Mit sofortiger Wirkung treten die Stones ihren Anspruch ab, in Zukunft gilt Ashcroft wieder als Songwriter. Für ihn vor allem in fußballerischer Hinsicht ein Erfolg: „Sie lassen den Song immer laufen, bevor England spielt. Jetzt kann ich endlich den Moment genießen.“

Noel Gallagher vs. Liam Gallagher

Bei Oasis gibt es Zeit ihrer Existenz ebenso viele Hits wie brüderliche Streitigkeiten. Ob Liam, der Noel während der ersten US-Tour eins mit dem Tamburin verpasst. Oder Noel, der öffentlich seine Mutter bemitleidet, weil sie seinen Bruder großziehen musste: Als sich bei den pöbelnden Briten 2009 der Deckel schließt, überrascht es niemanden, dass es zum Großteil an den Gallagher-Brüdern liegt.

Im 2011 folgenden Gerichtsverfahren geht es dann nicht etwa um Urheberrechte oder Tantiemen, sondern um üble Nachrede. Wen wundert’s? Sänger Liam verklagt seinen Bruder auf eine öffentliche Entschuldigung; Noels Behauptung, die Trennung der Band beruhe auf einem wegen Liams Trinkverhalten abgesagten Festivalauftritt, sei pure Fiktion. Die Entschuldigung kriegt er, wenn auch unter Vorbehalten. Die Klage zieht er letztlich zurück. Ruhe gibt’s danach jedoch nicht: Jüngst kündigt Liam eine Dokumentation über seine Solo-Karriere an, woraufhin Noel prompt mit dem Anwalt droht, sollte sein Bruder darin Oasis-Material singen. So richtig ernst nimmt man dieses Gallagher-typische Gepose nicht, aber wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann, dass im Musikgeschäft hinter jeder Ecke ein Gerichtsverfahren lauert.

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Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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