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Popkultur

Rock-Justiz: Die absurdesten Gerichtsverfahren der Musikwelt

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Foto: Frazer Harrison/Getty Images

Die Welt des Musikbusiness ist eine merkwürdige Welt, in der es statt Milch und Honig komplexe Persönlichkeiten und Verdienstmöglichkeiten im Überfluss gibt. Kein Wunder also, dass es vor Streitigkeiten und Gerichtsverfahren nur so wimmelt. Wir schauen uns die wahnwitzigsten Forderungen und spektakulärsten Fälle an.

von Victoria Schaffrath

John Fogerty vs. Fantasy Records

Als John Fogerty nach kurzem, aber produktivem Erfolg 1972 bei Creedence Clearwater Revival aussteigt, gilt es, auch die geschäftlichen Beziehungen zu lösen. Gerade dieser Aspekt erscheint Fogerty dringlich, empfindet er doch die Deals mit der Plattenfirma Fantasy Records als enorm nachteilig für die Band. Fantasy hängt hingegen sehr an den Kaliforniern und entlässt Fogerty nur unter einer Bedingung: Er muss die Rechte an den eigenen Songs vollständig an Fantasy und deren Inhaber Saul Zaentz überschreiben.

Den Schalk im Nacken: Ein Pressebild von Fogerty aus den Achtzigern. Credit: Victoria Pearson.

Doch Fogerty wäre nicht Fogerty, wenn er seinem Unmut nicht Luft machen müsste. Zum einen bringt er es fertig, 15 Jahre lang keinen einzigen Song zu spielen, der Zaentz potenziell die Taschen füllt. Auf seinem 1985 veröffentlichten Soloalbum Centerfield finden sich dann gleich zwei Songs, die man durchaus als offenen Affront gegen den Label-Chef werten darf, nämlich Zanz Kant Danz und Mr. Greed. Da geht dieser das erste Mal vor Gericht und tritt aus der Verhandlung als Sieger hervor, Fogerty muss ersteren Titel umbenennen. Den Vogel schießt Zaentz jedoch ab, als er Fogerty des Plagiats beschuldigt – und zwar an seinem eigenen Song. Die Solo-Nummer The Old Man Down The Road klinge wie der „CCR“-Song Run Through The Jungle, nur eben mit neuem Text. Fogerty überzeugt eine Jury vom Gegenteil, indem er beide Songs im Gerichtssaal auf der Gitarre spielt.

Als Fogerty sich übrigens die Anwaltskosten zurückholen will und auf Stein beißt, klagt er zurück und schafft es schließlich bis vor den obersten amerikanischen Gerichtshof. Ob die Zeit alle Wunden heilt oder Fogerty lediglich die Chance auf einen letzten Seitenhieb wittert: Als Zaentz 2004 seine Anteile am Label verkauft, unterschreibt der Musiker erneut bei Fantasy.

Tony Iommi vs. Ozzy Osbourne

Dass Tony Iommi und Ozzy Osbourne sich schon zu Schulzeiten nicht besonders gut verstehen, legt vielleicht nicht die beste Basis für eine langfristige Zusammenarbeit bei Black Sabbath. Als der „Prince of Darkness“ seinerzeit unter dem Pseudonym „Ozzy Zig“ nach einer Band sucht und Iommi mit Bill Ward auftaucht, um den möglichen Sänger unter die Lupe zu nehmen, dreht sich der Gitarrist auf dem Absatz um: Mit derselben „Pestilenz“, die er aus Jugendtagen kennt, will er keinesfalls in einer Band spielen.

So verwundert es eigentlich nicht, dass die Streitigkeiten seit Osbournes Sabbath-Rausschmiss 1979 gleich mehrfach ihren Weg vor Gericht finden. Ein besonderes Schmankerl: Ein Verfahren um die Nutzung des Bandnamens Black Sabbath 2009. Laut Osbournes Anwälten nutzen Iommi, Ward und Geezer Butler diesen nämlich ziemlich monopolistisch, dabei stünden dem Fledermaus-Fan 50 Prozent der Erträge zu, unter anderem aus Merchandising-Umsätzen. Der Grund? Erst durch Osbournes markante Stimme sei Sabbath der langanhaltende Erfolg gelungen. Iommi und Konsorten sehen das natürlich anders. Nach einigem Hin und Her einigt man sich außergerichtlich, kurz darauf starten gar die Pläne für die Reunion. Doch bei der 2017 abgeschlossenen Abschiedstour herrscht wieder böses Blut: beide Parteien lassen später verlauten, die Zusammenarbeit nicht gerade als Spaziergang zu empfinden. Ob das nächste Sabbath-Treffen wohl wieder vor Gericht stattfindet?

Ozzy Osbourne in Bildern: Von Yoga, Horror und Hunden

Roger Waters vs. Pink Floyd

1985 bleibt von Pink Floyd nur noch ein Flickenteppich aus Streitigkeiten zwischen Roger Waters und David Gilmour übrig. Kreativ geht zwischen den beiden nichts mehr und als Songwriter findet Waters, er habe durchaus das Recht, die Gruppe aufzulösen. Damit sie aus dem Management-Vertrag kommen, tritt er den Bandnamen formell an Gilmour und Nick Mason ab, ganz in dem Glauben, die Gruppe sei ohnehin Geschichte. Gilmour und Mason lachen sich ins Fäustchen und machen natürlich als Pink Floyd weiter, während Waters sich entrüstet an seinen Anwalt wendet.

Man kann sich jedoch einigen: Im Austausch gegen den Bandnamen bekommt Waters die Urheberrechte für das Konzept zu The Wall. So richtig glücklich dürfte das den Komponisten nicht gemacht haben, denn 1987 kommt A Momentary Lapse Of Reason von Pink Floyd raus. Die Comeback-Platte schafft den kommerziellen Erfolg, die dazugehörige Tour zeigt deutlich mehr Zugkraft als das zeitgleich veröffentlichte Solomaterial von Waters. Erst 2005 begraben sie das Kriegsbeil für eine Show bei Live 8. Da kommt Waters scheinbar zur Besinnung: „Ich bereue meinen Anteil an dieser Negativität.“

Axl Rose vs. Slash & Duff McKagan

Auch wenn es bei Guns ’N Roses nie ein offizielles Aus gibt, bleibt ab Mitte der 90er von der Originalbesetzung lediglich Axl Rose übrig, der sich nicht gerade die Finger nach öffentlichen Auftritten leckt. Die offizielle Version seitens Slash lautet ganz PR-freundlich, man konnte schlicht nicht mehr auf Augenhöhe arbeiten, was die Direktion der Band anging. Dem dürfte Rose zustimmen, schafft er es doch vor deren Austritt noch recht schlitzohrig, Slash und Duff McKagan um ihre Verlagsrechte zu bringen. Böse Stimmen behaupten gar, Rose habe sich dabei den leicht angesäuselten Zustand der beiden zunutze gemacht.

2004 klagen Duff und Slash deswegen das erste Mal. Sie finden, Axl dürfe ruhig den ein oder anderen Film-Deal für „GNR“-Songs annehmen und so die Konten aller Beteiligten nähren. 2005 flattern bei Duff und Slash dann plötzliche gar keine Schecks mehr in den Briefkasten und es geht wieder vor Gericht. Das Geld fließt bald wieder, doch die Verlagsrechte liegen weiterhin bei Rose. McKagan und Slash rocken derweil bei Velvet Revolver. Nach viel Verwirrung um das Album Chinese Democracy und Lineup-Wechseln wie am Fließband findet die Originalbesetzung von Guns ’N Roses 2016 doch wieder zueinander. Es folgen Touren und Sammler-Kollektionen, die zumindest finanziell das Vergangene wieder gutmachen dürften.

Courtney Love vs. Dave Grohl & Krist Novoselic

Der selbstgewählte Tod Kurt Cobains wühlt 1994 die Rock-Welt auf. Seine Witwe Courtney Love befindet sich seitdem beinahe durchgängig vor Gericht, mal als Klägerin, mal als Angeklagte. Meist geht es dabei um irgendwelche Hinterlassenschaften des Nirvana-Sängers. So auch kurze Zeit nach dessen Tod, als Love mit Cobains ehemaligen Bandkollegen Dave Grohl und Krist Novoselic kooperieren soll, was unveröffentlichte Aufnahmen der Gruppe betrifft.

Genauer möchten Grohl und Novoselic die letzte gemeinsame Single You Know You’re Right in die Regale bringen. Love kann sich nicht unbedingt mit der Idee anfreunden, blockiert jahrelang die Veröffentlichung und behauptet gar, ein Vertrag zwischen ihr und den beiden Grunge-Rockern sei nichtig, da sie zum Zeitpunkt der Unterzeichnung high gewesen sei. Das eigentliche Problem: Love fürchtet, das Erbe Nirvanas werde verscherbelt und Grohl und Novoselic erhielten zu viel Lorbeeren für die Kunst, die hauptsächlich Cobain geschaffen habe. Man einigt sich schließlich außergerichtlich, der Song erscheint 2004.

Doch schlimmer geht’s immer: Wieder und wieder schießt Love öffentlich oder vor Gericht besonders gegen Grohl und kritisiert dessen Anspruch auf Nirvana-Tantiemen. Zeitweise behauptet sie gar, er habe ihrer und Cobains gemeinsamer Tochter Frances Bean Avancen gemacht. Wir geben zu bedenken, dass ebendiese Tochter sich 2018 gemeinsam mit ihrem Ex-Mann gezwungen sieht, Love wegen versuchtem Mord und Hausfriedensbruch zu verklagen. Fragt sich also, ob es wirklich eine posthum veröffentlichte Single ist, die dem Erbe Cobains schadet.

The Verve vs. Rolling Stones

Als 1997 erstmals Bittersweet Symphony durch die Radios plärrt, ahnt die Zuhörerschaft schnell, dass es sich um einen Hit handelt. Die Verursacher The Verve treffen mit dem Klassik-Sample zu Beginn des Lieds einen Nerv, aber auch einen Urheberrechtsanspruch: Die Geigen stammen nämlich aus einer Orchester-Version des Rolling Stones-Hits The Last Time. Die Briten waren zwar so klug, die Verwendung absegnen zu lassen, nutzen aber letztlich ein längeres Segment als ursprünglich besprochen. Mick Jagger und Keith Richards lassen das nicht auf sich sitzen. Sie überzeugen das zuständige Gericht ohne Probleme von ihrem Anspruch, sodass die gesamten Tantiemen in Zukunft bei den Rock-Veteranen landen.


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Für die Musiker rund um Richard Ashcroft ein herber Schlag, landen sie mit der bittersüßen Symphonie doch ihren größten Hit. Noch im November 2018 lässt der Leadsänger verlauten: „Ich hole mir diese Kohle!“ Sein Wunsch wird schneller wahr, als man glauben mag: Denn im Mai 2019 lässt Ashcroft via Pressemeldung eine unerwartete Wendung verlauten. Mit sofortiger Wirkung treten die Stones ihren Anspruch ab, in Zukunft gilt Ashcroft wieder als Songwriter. Für ihn vor allem in fußballerischer Hinsicht ein Erfolg: „Sie lassen den Song immer laufen, bevor England spielt. Jetzt kann ich endlich den Moment genießen.“

Noel Gallagher vs. Liam Gallagher

Bei Oasis gibt es Zeit ihrer Existenz ebenso viele Hits wie brüderliche Streitigkeiten. Ob Liam, der Noel während der ersten US-Tour eins mit dem Tamburin verpasst. Oder Noel, der öffentlich seine Mutter bemitleidet, weil sie seinen Bruder großziehen musste: Als sich bei den pöbelnden Briten 2009 der Deckel schließt, überrascht es niemanden, dass es zum Großteil an den Gallagher-Brüdern liegt.

Im 2011 folgenden Gerichtsverfahren geht es dann nicht etwa um Urheberrechte oder Tantiemen, sondern um üble Nachrede. Wen wundert’s? Sänger Liam verklagt seinen Bruder auf eine öffentliche Entschuldigung; Noels Behauptung, die Trennung der Band beruhe auf einem wegen Liams Trinkverhalten abgesagten Festivalauftritt, sei pure Fiktion. Die Entschuldigung kriegt er, wenn auch unter Vorbehalten. Die Klage zieht er letztlich zurück. Ruhe gibt’s danach jedoch nicht: Jüngst kündigt Liam eine Dokumentation über seine Solo-Karriere an, woraufhin Noel prompt mit dem Anwalt droht, sollte sein Bruder darin Oasis-Material singen. So richtig ernst nimmt man dieses Gallagher-typische Gepose nicht, aber wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann, dass im Musikgeschäft hinter jeder Ecke ein Gerichtsverfahren lauert.

Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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AC/DC, Tina Turner, Aerosmith: Die erfolgreichsten Comebacks der Musikgeschichte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.11.2016 droht die kanadische Polizei mit Nickelback.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.11.2016.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 26. November 2016 rät die Polizeiwache im kanadischen Kensington ihrer Facebook-Gefolgschaft von Alkohol am Steuer ab. Lobenswert, immerhin stehen Weihnachtsmärkte und -feiern vor der Tür. Das eher ungewöhnliche Druckmittel Nickelback sorgt dabei allerdings für Lacher und Kritik.

Hört euch hier die besten Nickelback-Songs an: 

„Fröhliche Weihnacht“, denkt sich 2016 das Polizeipräsidium in Kensington auf Prince Edward Island und leistet sich dann einen ziemlichen Klops. Die für ihre Nettigkeit bekannten Kanadier bieten auf Facebook am 26. November einen besonders festlichen Service: In einem Post zeigen sie Möglichkeiten auf, Alkohol am Steuer zu vermeiden. Scheinbar keine einfache Aufgabe, locken doch Glühwein und andere edle Tropfen gerade vor Weihnachten mit ihrer wärmenden Wirkung. Einen kleinen Scherz kann sich der oder die Social-Media-Verantwortliche dabei nicht verkneifen.

Staatsdienst mit Augenzwinkern

Die Erinnerung an die Pflichten im Straßenverkehr beginnt noch harmlos. Mit Empfehlungen, im Vorfeld eine nüchterne Person für die Heimfahrt zu bestimmen oder doch schon vor Beginn der Veranstaltung Taxiunternehmen oder Übernachtungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen, leistet die Polizei ihren Beitrag zur winterlichen Verkehrssicherheit.  

Aber das reicht womöglich nicht. Doch auch die Behörde scheint jedoch vernommen zu haben, dass eine gewisse landeseigene Band nicht überall den besten Ruf genießt. Die Nachricht, die sie als „Christmas Bonus Edition“ betiteln, geht also mit einer Drohung der besonderen Art einher: „Die Polizei von Kensington wird den Rest des Jahres nach denjenigen suchen, die dumm genug sind, zu trinken und danach zu fahren. Und wenn wir euch kriegen – und das werden wir – gibt es zuzüglich zu einem deftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und einem einjährigen Führerscheinentzug noch ein zusätzliches Geschenk: Auf dem Weg ins Gefängnis beschallen wir euch mit Nickelback.“

Die meinen das ernst. Oder?

Wer jetzt noch daran zweifelt, ob da wirklich eine gesamte Polizeiwache Nickelback aufs Korn nimmt, sollte unbedingt den Rest des Posts lesen: „Wir finden: Wer töricht genug ist, nach einem Drink noch hinters Steuer zu steigen, für den sind Chad Kroeger und seine Jungs das passende Geschenk.“ Das dazugehörige Bild zeigt eine bisher ungeöffnete 

Ausgabe des Albums Silver Side Up aus dem Jahr 2001, die die Mannschaft großzügig für etwaige „Gäste“ öffnen möchte.

Lang gelöscht: Ein Screenshot des Originaltexts vom 26. November 2016.

Das locker formulierte Posting trifft online einen Nerv und erscheint als Meldung in weltweiten Medienformaten. Die eigentliche Nachricht, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehenzulassen, mutiert dabei in eine Debatte über Nickelback, die man auch in den Kommentaren fortführt. Die 1995 gegründete Band gehört zu denjenigen Gruppen, die die Öffentlichkeit heiß diskutiert, und nicht immer geht es um Musik.

Wasser auf die Internetmühlen

Auch die Kommentare zum polizeilichen Facebook-Post zeigen keine Einigung. „Schimpft doch nicht auf Nickelback! Nehmt lieber jemanden wie Justin Bieber“, schlägt jemand vor. (Bieber ist ebenfalls Kanadier.) Andere wiederum fragen sich, ob eine solche Bestrafung nicht gegen die Genfer Konvention für Menschenrechte verstoße. Die Meldung zieht so kontroverse Kreise, dass die Wache den Post schließlich löscht und eine öffentliche Entschuldigung einstellt.

Nickelback selbst dürfte der Zwischenfall nur am Rande interessieren: „Ich glaube, diese ganzen Meckerer und Kritiker wissen gar nicht, was sie uns für einen Gefallen tun. Ohne sie wären wir nur eine Allerweltsband“, teilt Kroeger schon 2014 lässig der Presse mit. Die Kanadier belegen laut Digital Music News Platz elf der meistverkauften Bands der Geschichte

 

Zeitsprung: Am 21.8.2015 „rickrollen“ die Foo Fighters gegen Homophobie.

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