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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.5.2015 starten AC/DC die Rock Or Bust World Tour.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.5.2015.

von Christof Leim

Keine einfachen Zeiten: Das Album mussten AC/DC schon ohne Bandchef Malcolm Young einspielen, dann steht der Drummer mit einem Bein im Knast. Zwischendurch wird Sänger Brian Johnson sogar permanent krankgeschrieben, Axl Rose übernimmt. Und trotz allem wird die Rock Or Bust World Tour ein Triumphzug. Am 5. Mai 2015 ging es los.

Hier gibt’s das Album dazu:

Die ganze Sache fühlt sich anders an: Für die Fans weltweit, vermutlich auch für die Band. Zum ersten Mal spielt Malcolm Young eine AC/DC-Tour von vornherein nicht mit. Der Rhythmusmotor hatte schon 2014 wegen einer Demenzerkrankung nicht mehr an den Aufnahmen für Rock Or Bust teilnehmen können. Die obligatorische Weltumrundung im Viervierteltakt kommt noch weniger in Frage. Zwar musste Malcolm sich schon 1988 auf der Tour zu Blow Up Your Video von seinem Neffen Stevie Young vertreten lassen, um seines eskalierenden Alkoholkonsums Herr zu werden, doch diesmal bleibt die Live-Feuerpause endgültig, nicht vorübergehend. Stevie hatte den Boss schon im Studio zu Rock Or Bust vertreten, jetzt wird er den Platz links vom Schlagzeug übernehmen.

Die Probleme des Phil Rudd

Doch noch ein Schlüsselspieler fehlt, als die Rock Or Bust World Tour am 5. Mai 2015 im niederländischen Arnheim startet: Schlagzeuger Phil Rudd war wegen Morddrohungen und Drogenvergehen in Konflikt mit dem Gesetz geraten. Deshalb spielt für ihn Chris Slade, der 1990 auf The Razors Edge und der folgenden Konzertreise getrommelt hatte. Schon beim auf Auftritt zur Grammy-Verleihung am 8. Februar sowie zwei Vorabshows am 10. und 17. April auf dem kalifornischen Coachella-Festival fehlen Phil und Malcolm. 

AC/DC zu Zeiten von „Rock Or Bust“: Cliff, Brian, Stevie, Angus. Phil fehlt schon. – Foto: James Minchin/Promo

Doch die Anhängerschaft hat trotz allem Vertrauen in die australische Boogie-Brigade: In Deutschland stellt die Band einen neuen Rekord auf: In 77 Minuten werden 300.000 Eintrittskarten verkauft. In Zürich dauert es sechs Minuten, bis alle Tickets weg sind. Es geht also gut los. Und AC/DC geben sich keine Blöße: Zwar stehen zwei Ersatzspieler auf dem Platz, wenn man so will, aber Chris Slade weiß, wie man bei AC/DC trommelt, und Stevie Young scheint einige Gene mit seinem Onkel Malcolm zu teilen: klein gewachsen, Zucken im rechten Bein, blitzsaubere Rhythmusgitarre. Und wenn Angus Young, Brian Johnson und Cliff Williams am Start sind, wie wird es dann wohl klingen? Genau. Nach AC/DC.

Alte Schätzchen auf der Setlist

Natürlich fährt das Quintett eine üppige Produktion auf: Riesiger Bildschirm hinter den Trommeln, eine lange Rampe ins Publikum, Licht, Pyros und die obligatorischen Kanonen. Die Welttour windet sich nach dem Start am 5. Mai 2015 in Arnheim zunächst bis Juli durch die größten Open-Air-Flächen Europas und gastiert alleine zwölfmal in Deutschland. Die Zuschauerzahlen liegen meistens weit jenseits von 50.000. Im August geht es in die Stadien nach Nordamerika, Vorgruppe für beide Tourabschnitte sind Vintage Trouble. Im November setzen AC/DC nach Ozeanien über, beginnend in ihrer ehemaligen Heimat, in Sydney, wo die Band 42 Jahre zuvor ihren ersten Gig gespielt hatte. Zu Weihnachten gibt’s ein paar Wochen Pause, dann geht es zurück in die USA. Die Maschine läuft, aber augenscheinlich mit Vernunft, denn zwischen den Terminen liegen viele „Off Days“ für Erholung.

Zur großen Freude der langjährigen Fans bietet die Setlist ein paar sehr nette Variationen, die in der Vergangenheit – womöglich auch Malcolms Erkrankung geschuldet – nicht möglich waren. Sicher, manche Nummern sind Pflicht, Großkaliber wie Back In Black, Hells Bells, Highway To Hell und wie sie alle heißen. Aber Have A Drink On Me, Hell Ain’t A Bad Place oder Sin City standen zuletzt selten auf der Liste. Vier neue Songs kommen zum Einsatz: Rock Or Bust immer, Play Ball und Baptism By Fire gelegentlich, Got Some Rock’n’Roll Thunder hier und da. Und ja, es gibt sogar ein paar Experimente und Versuche: Laut einer Statistik spielen die Burschen Rock’n’Roll Damnation, If You Want Blood (You Got It) und Live Wire. Jeweils einmal stehen sogar Dog Eat Dog und Problem Child auf dem Plan. Dreimal präsentieren uns AC/DC ein ganz besonderes Schätzchen: Touch Too Much von 1979, quasi noch nie live gespielt. Denn ein Mensch wünscht sich das Stück ganz feste: Axl Rose.

Brian raus, Axl rein

Und das kommt so: Nach dem Gig am 28. Februar 2016 in Kansas City muss Brian Johnson mit sofortiger Wirkung alle Liveaktivitäten stoppen, da ihm von medizinischer Seite völliger Gehörverlust prognostiziert wird. Daran soll allerdings trotz bereits einsetzender Probleme nicht der über drei Dekaden andauernde Dezibelorkan auf der AC/DC-Bühne schuld sein, sondern vor allem ein „Lärmunfall“ bei einem Autorennen, an dem der leidenschaftliche Fahrer Johnson teilgenommen hatte. So oder so: Brian muss nach Hause. Er selbst nennt den 7. März 2016 den „düstersten Tag seines professionellen Lebens“.

Nun wird es spannend: Der Chef von Guns N’ Roses, W. Axl Rose, liebt AC/DC inniglich – und bietet von sich aus seine Hilfe an. Am 19. April 2016 geht die Meldung raus, dass die Band die Tour mit Axl als Gast am Gesang beenden wird. Das ist schon ein dickes Ding: Eine der größten Rock’n’Roll-Combos der Welt und einer der ikonischsten Hard-Rock-Frontmänner machen gemeinsame Sache. Neugierige Anhänger und Anhängerinnen sind gespannt, wie das wohl klingt; viele Fans allerdings echauffieren sich so erwartungsgemäß wie ärgerlich noch vor dem ersten Einsatz. Dass die offiziellen Pressemeldung von AC/DC gegenüber Brian Johnson nach 36 Jahren „Dienst“ doch eher kühl klingen, spielt da sicher mit rein. (Eine Handvoll Interviews mit Cliff, Angus und Axl finden sich hier.)

The show must go on

Am 7. Mai 2016 geht die Rock Or Bust World Tour in Lissabon weiter; Axl muss wegen eines Knochenbruches auf einem Thron sitzen, den er sich von Dave Grohl geliehen hat. Die Meinungen über seine Eignung gehen auseinander, und oft hat das eher mit grundsätzlicher Attitüde als mit Zuhören zu tun. Beim Konzert in Düsseldorf am 15. Juni 2016 jedenfalls zeigt sich, dass Rose den Bon-Scott-Nummern den richtigen Swing gibt und die Brian-Johnson-Stück so hoch krähend singt wie der Erkrankte selber. Kurzum: Der Mann macht das richtig, richtig gut. Zudem hält sich er sich angenehm überraschend zurück und überlässt vor allem Angus das Scheinwerferlicht. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte, die noch an einigen Festivaltresen diskutiert werden wird. Der Vorteil für die Fans: Neue Songs, siehe oben. Wir stellen uns das so vor: Axl wird zum Fanboy, geht Angus während der zweiwöchigen Proben so lange auf die Nerven, bis der zustimmt, Touch Too Much rauszukramen. Hätten wir nicht anders gemacht. Danke, Axl. Können wir davon irgendwann bitte ein Livealbum haben?

Nach 86 Konzerten endet die Sause am 20. September in Philadelphia. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Nur eine andere Tour (von One Direction((LINK))) zog 2015 mehr Fans an, nur zwei andere Touren (One Direction und Taylor Swift) spielten mehr Geld ein. Insgesamt können AC/DC für die Weltreise 2015/2016 über 221 Millionen Dollar an Einnahmen verbuchen. Das sind über zweieinhalb Millionen pro Konzert. Wow.

Hoffnungsschimmer

Doch die Zukunft sieht weniger rosig aus: Während Axl zu Guns N’ Roses zurückkehrt, verkündet Cliff Williams seinen Ruhestand, Brian Johnsons Gesundheitszustand bleibt unklar, und Phil Rudd scheint zur Persona Non Grata geworden zu sein. Doch nur wenige Jahre später mehren sich Gerüchte, dass die Mannschaft, die das Album Rock Or Bust eingespielt hatte, also Angus, Brian, Cliff, Phil, Stevie, wieder im Studio arbeitet. Offizielles gibt es dazu wie üblich nicht, aber womöglich – und hoffentlich – bleibt diese Tour nicht die letzte. 

Zeitsprung: Am 28.6.2010 spielt Malcolm Young sein letztes Konzert mit AC/DC.

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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