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Popkultur

Alle Alben von Metallica im Ranking – die besten Platten der Bay-Area-Legenden

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Metallica
Foto: Universal Music

Die Alben einer Band nach ihrer Qualität zu ordnen, ist eine diskussionswürdige Angelegenheit. Zuletzt haben wir dieses Experiment bei den Beatles gewagt, nun sind Metallica dran. Unsere Auswahl gefällt euch? Sehr gut. Ihr seid anderer Meinung? Lasst sie uns wissen!

von Timon Menge

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10. ReLoad (1997)

Nach ihrem bahnbrechenden „Black Album“ schreiben Metallica so viel neues Material, dass sie als nächsten Schlag eine Doppelveröffentlichung planen. So sollen Load (1996) und ReLoad (1997) ursprünglich in einem Rutsch erscheinen, doch die Band entscheidet sich schließlich dagegen, weil James Hetfield und Co. nicht so viele Songs auf einmal aufnehmen möchten. Das hätten Metallica auch auf andere Art haben können. Sie hätten zum Beispiel das halbgare Material über Bord werfen und eine „Best Of Load & ReLoad“ veröffentlichen können. Das wäre sicher die bessere Platte geworden. Stattdessen müssen Metallica-Fans vor allem auf ReLoad eine Menge unfertiges Zeug ertragen (Bad Seed, Prince Charming, Attitude), um in den Genuss weniger Hits zu kommen (Fuel, The Memory Remains).

9. Death Magnetic (2008)

Als sich Metallica fünf Jahre nach St. Anger mit Death Magnetic zurückmelden, atmen weite Teile der Fangemeinde auf: Da sind sie wieder, die „alten Metallica“. Endlich spielt die Band wieder Thrash Metal, endlich hat Lars Ulrich die Snare wieder festgeschraubt. Mit Robert Trujillo haben die Legenden nach Jason Newsteds Ausstieg seit einigen Jahren einen neuen Bassisten dabei, der auf der neuen Platte für frischen Wind sorgen soll. Leider ist Death Magnetic aber vor allem eins: ein Nummer-sicher-Album. Man könnte auch sagen: Metallica haben sich dem Druck nach St. Anger gebeugt und ein Album eingespielt, dass auch Ende der Achtziger hätte entstehen können, um ihre traditionsbewussten Fans zu besänftigen. Das allein wäre aber noch kein Grund, die Platte auf den vorletzten Platz unseres Rankings zu verbannen, denn ein gutes Album ist ein gutes Album. Zusätzlich zu der musikalischen Wiederholung klingt Death Magnetic allerdings, als habe ein Tontechnikstudent im ersten Semester das Album gemastert. Ist euch mal aufgefallen, dass der Sound auf Death Magnetic fürchterlich übersteuert ist? Das liegt am sogenannten „Loudness War“, einem Phänomen in der Musikindustrie, bei dem die Lautheitspegel über die Jahre immer weiter angehoben wurden — auf Kosten der Dynamik, wie man an dieser Produktion wunderbar hören kann.

8. Hardwired … To Self-Destruct (2016)

2016 veröffentlichen Metallica mit Hardwired … To Self-Destruct ihr erstes Album seit acht Jahren und die Erwartungen liegen dementsprechend hoch. Pessimisten haben noch den grottigen Sound von Death Magnetic im Ohr, Puristen erhoffen sich einen weiteren Thrash-Klopper. Beide Parteien werden nicht enttäuscht, denn Hardwired … To Self-Destruct überzeugt nicht nur mit einem hervorragenden Sound, sondern verlässt auch wieder den musikalischen Schulhof und kombiniert den klassischen Metallica-Sound mit der nötigen Portion Avantgarde. Um in dieser Liste weiter vorne zu stehen, verlässt sich auch diese Platte zu sehr auf Altbewährtes, aber Metallica haben mit diesem Album immerhin unter Beweis gestellt, dass sie als Metal-Senioren nicht vorhaben, noch zehn weitere Death Magnetics zu veröffentlichen.

7. Load (1996)

Einen Teil der Geschichte dieser Platte haben wir eben schon beleuchtet, doch Load hat ReLoad gegenüber einen entscheidenden Vorteil: die stärkeren Songs. Mit Until It Sleeps, King Nothing, der Countryballade Mama Said und Bleeding Me steht der erste Teil der angedachten Doppelveröffentlichung deutlich besser da und lässt mit zwei geschlossenen Augen sogar Totalausfälle wie Poor Twisted Me und Thorn Within vergessen. Um den hochwertigsten Vertreter in der Metallica-Diskografie handelt es sich aber auch hier nicht.

6. St. Anger (2003)

Über St. Anger wurde schon so viel geschrieben und gesagt, dass es beinahe unmöglich erscheint, die Platte halbwegs unvoreingenommen unter die Lupe zu nehmen. Fakt ist: Das Album polarisiert. Die einen lieben die rohe Aggression und die Punk-Attitüde, die anderen hassen die fehlenden Gitarrensoli und den Mülltonnensound der Snare. Wie so oft, liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte: Ja, St. Anger wirkt mitunter wie der unreife Schnellschuss einer Anfängerband. Und ja, der Sound ist, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Außerdem hätte Bob Rock wohl stärker intervenieren sollen, als es um die Länge der Songs ging, denn mindestens 30 % dieses Albums hätten sich Metallica sparen können. Auf der anderen Seite legen Metallica auf ihrer achten Platte so viel Spielfreude an den Tag und rotzen 75 Minuten voller Wut heraus, dass sie im Endeffekt genau das liefern, was sich viele Metallica-Fans so lange gewünscht haben: ein entfesseltes Metal-Donnerwetter, kompromisslos, schnörkellos und laut. Das mit dem Snare-Teppich erklären wir Lars nochmal, versprochen …

5. Kill Em All (1983)

Als Metallica zu Beginn der Achtziger ihr Debüt Kill ‘Em All veröffentlichen, gleicht das einem Hurricane. Schnell, roh und laut zeigen die vier Langhaarigen der Welt, in welche Richtung der Metal steuert. Zeitgleich nehmen andere Truppen Fahrt auf, wie zum Beispiel Slayer, Anthrax, Megadeth, Exodus oder Testament, die damals noch Legacy heißen. Die neu geborene Thrash-Metal-Szene versprüht eine Energie, der man sich nicht entziehen kann, und läutet damit eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte ein. Noch heute gehören Metallica-Songs wie The Four Horsemen, Seek And Destroy, Whiplash, Hit The Lights und No Remorse zum Standard-Repertoire der Band. Kein Wunder: Für viele Metal-Fans gelten diese Klassiker als der große Anfang.

 4. … And Justice For All (1988)

1988 hat sich bei Metallica viel geändert, denn mit Jason Newsted hatte die Band nach Cliff Burtons Tod einen neuen Bassisten an Bord geholt. Dass er auf … And Justice For All eigentlich noch gar nicht gebraucht wird, konnte Newsted bei seinem Einstieg ja noch nicht wissen. Doch trotz der unhörbaren Bassspuren gehört das vierte Metallica-Album selbstverständlich zu den Meilensteinen der Metal-Geschichte. Hier loten die vier Musiker aus, wie weit sie das Pattern ihres Meisterwerks Master Of Puppets treiben können und merken: Die Grenze ist erreicht. Dennoch: Wenn eine der besten Metalbands aller Zeiten ein Metalalbum schreibt und dafür eins der besten Metalalben aller Zeiten als Blaupause benutzt, kann das Ergebnis so schlecht nicht werden. … And Justice For All ist der Beweis dafür.

3. Metallica (1991)

Metallica spaltet die Gemüter. Was die Verkaufszahlen betrifft, gibt es keinen Zweifel daran, dass das sogenannte „Black Album“ nicht nur das erfolgreichste Metallica-Album aller Zeiten ist, sondern auch eins der erfolgreichsten Heavy-Alben überhaupt — sofern man Led Zeppelin, AC/DC und Meat Loaf in die gleiche Kategorie einsortieren möchte, denn nur diese drei Interpreten liegen in der Liste der meistverkauften harten Alben aller Zeiten vor Metallica. Eine der Geheimwaffen, die den Erfolg der „Schwarzen“ ermöglicht haben: Produzent Bob Rock, der auch an Dr. Feelgood von Mötley Crüe und als junger Tontechniker sogar an Slippery When Wet von Bon Jovi mitgearbeitet hat. Anders gesagt: Der Mann weiß, wie man Hit-Alben produziert. Nichts anderes gelingt ihm mit Metallica und deren fünfter Platte. Grammy Awards, Millionen verkaufter CDs, eine dreijährige Welttournee, unsterbliche Klassiker wie Enter Sandman, Sad But True und Nothing Else Matters: Mit Metallica räumen unsere Metal-Giganten alles ab, was es abzuräumen gibt. Völlig zurecht.

2. Ride The Lightning (1984)

Auf ihrem zweiten Album Ride The Lightning bewahren sich Metallica ihre jugendliche Aggression, stellen aber auch unter Beweis, dass sie erwachsener geworden sind. Ob der Opener Fight Fire With Fire oder Klassiker wie For Whom The Bell Tolls, Creeping Death und das Instrumentalstück The Call Of Ktulu: Statt eine Riffsalve nach der anderen abzufeuern, wie es bei Kill Em All teilweise noch der Fall war, arbeiten Metallica ihre Songs zum ersten Mal richtig aus und treten zwischendurch auch mal auf die Bremse, um der Naturgewalt ihres Sounds anschließend erst recht freien Lauf zu lassen. Das beeindruckt vor allem deshalb, weil zwischen Kill Em All und Ride The Lightning bloß ein Jahr liegt. Angesichts der internen Veränderungen überrascht der Sprung aber schon weniger, denn während Kill Em All vor allem aus den Federn von James Hetfield, Lars Ulrich und Ex-Gitarrist Dave Mustaine (jetzt: Megadeth) stammt, legen auf Ride The Lightning auch Bassist Cliff Burton und Gitarrist Kirk Hammett Hand an und geben dem Songwriting damit eine neue Richtung. Das Ergebnis: ein rundes Gesamtwerk, das fast das beste Album ihrer Diskografie geworden wäre. Aber nur fast …

1. Master Of Puppets (1986)

Master Of Puppets führt nicht nur die Liste der besten Metallica-Alben an, sondern rangiert auch mindestens in der Top 5 der besten und wichtigsten Metal-Alben aller Zeiten. Hier perfektionieren James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Cliff Burton, was sie auf Ride The Lightning begonnen haben: erwachsenes und feinsinniges Songwriting gepaart mit jugendlichem Leichtsinn und aggressivem Biss. Von Battery über den Titeltrack bis hin zu Disposable Heroes und dem achteinhalbminütigen Instrumentalstück Orion: Bis heute kann der Einfluss dieses Albums auf die Metal-Welt kaum überschätzt werden. Die komplette Geschichte hat Kollege Christof Leim hier aufgeschrieben: Metallica – Master Of Puppets

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Schwarze Wucht: Zum 30. Jubiläum des „Black Album“ von Metallica

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

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