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Popkultur

Weltfrauentag: Die besten 10 Songs zum Thema Female Empowerment

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Female Empowerment
Foto: Getty Images

Da facettenreiche, komplexe Frauenfiguren in der Pop- und Rockmusik glücklicherweise keine Seltenheit sind, gibt es zahlreiche Songs, die ihnen Tribut zollen. Zum Weltfrauentag am 8. März haben wir zehn Songs zum Thema Female Empowerment ausgewählt, mit denen es sich besonders gut in die Haarbürste krächzen lässt. Regler auf 11 – Happy International Women’s Day!

von Sina Buchwitz und Victoria Schaffrath

1. Aretha Franklin – Respect (1967)

Klar: Wir können nicht über Female Empowerment in der Musik sprechen, ohne Aretha Franklins Respect zu erwähnen. Ihre gospellastige Version des Songs, der im Original zwei Jahre zuvor von Otis Redding aufgenommen worden war, entwickelt sich zur Hymne der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Der veränderte Text sorgt außerdem dafür, dass er auch der Frauenbewegung eine deutliche Stimme schenkt: Damals ist es Frauen in den USA nicht möglich, Sozialhilfe zu beziehen, wenn sie mit einem Mann zusammenleben. Und so singt Aretha in ihrer Version von einer Frau, die ihre illegal beanspruchte Sozialhilfe an ihren inoffiziellen Lover abgibt, sobald dieser nach Hause kommt. Die erwartete Gegenleistung? R-E-S-P-E-C-T.

Auf den Punkt: „Oh, your kisses, sweeter than honey / and guess what? So is my money”

 2. The Runaways – Cherry Bomb (1976)

Als Cherie Currie mit den Kolleginnen Joan Jett, Lita Ford, Jackie Fox und Sandy West die Männer-dominierte Rockwelt umkrempeln soll, schnellen weltweit Augenbrauen in die Höhe. Immerhin stakst die beinahe noch Minderjährige in Korsage und Strapsen über die Bühne und singt im durch sie inspirierten Titel Cherry Bomb davon, wie sie statt der braven Schülerin lieber den Satansbraten mit eindeutigen sexuellen Interessen mimt. Damals hagelt es Entrüstung, heute liefert das Stück den Soundtrack (weiblicher) Teenie-Rebellion und der dazugehörigen Coming-of-Age-Filme.

So ganz selbstbestimmt darf man die Attitüde der jungen Frauen heute leider nicht mehr einordnen. Strategisch inszeniert Manager Kim Fowley seinerzeit das unangepasste Image; hinter den Kulissen streicht er Großteile der Gehälter ein, reicht Drogen oder misshandelt Bandmitglieder verbal. Fox spricht später gar von Vergewaltigung. Systematischen Missbrauch gab es eben schon lange vor der #MeToo-Ära, aber trotz Fowley schaffen es die Runaways in die Annalen der Rockgeschichte. Der Performance und dem Ehrgeiz dieser Pionierinnen sollte man daher an Stärke nichts absprechen.

Auf den Punkt: „Hello world, I’m your wild girl / I’m your ch-ch-ch-cherry bomb”

3. Chaka Khan – I’m Every Woman (1978)

Eine erste Single, die derart in die Musikgeschichte eingeht, können nicht viele Musikschaffende vorweisen. Aber das Erfolgsgespür erstreckt sich bei der als Yvette Marie Stevens geborenen Chaka Khan auf weit mehr als das musikalische Debüt: Jahre bevor Sender wie MTV das Musikvideo als Pflichtmedium etablieren, dreht sie für I’m Every Woman bereits einen Promo-Film. Zudem legt sie 1984 den Grundstein für die heute gängige Kollaboration von R&B und Rap, indem sie mit Melle Mel (Grandmaster Flash and the Furious Five) die Prince-Nummer I Feel For You aufnimmt und damit das erste erfolgreiche Feature dieser Art präsentiert.

In I’m Every Woman besingt Khan selbstbewusst die fürsorglichen und emphatischen Qualitäten der weiblichen Bevölkerung. Als Vorbild dient ihr dabei die eigene Mutter, die sie auch heute noch in den sozialen Netzwerken regelmäßig ehrt. Mit der Stiefmutter engagiert sie sich in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre, tritt sogar den Black Panthers bei. Die geballte Frauenpower im Text des Songwriter-Duos Ashford & Simpson (Ain’t No Mountain High Enough) macht sich in den Neunzigern auch Whitney Houston zunutze. Gemeinsam mit Mutter Cissy hatte diese nämlich schon den Hintergrundgesang auf dem Original übernommen. Ihre Version von I’m Every Woman bringt sie gleich nach I Will Always Love You heraus – und verleiht dem Erfolgssong eine neue Nuance an weiblichem Zusammenhalt.

Auf den Punkt: „I’m every woman / It’s all in me / Anything you want done baby / I do it naturally / Oh, I can sense your needs like rain onto the seeds / I can make a rhyme of confusion in your mind”

4. Gloria Gaynor – I Will Survive (1978)

Egal, ob in den wilden Siebzigern, den Neunzigern oder im Jahr 2021: Wenn Gloria Gaynor im Disco-Evergreen I Will Survive ihren Verflossenen wissen lässt, dass er nicht mehr länger willkommen ist, muss frau einfach mitgrölen. Dabei ist der Ursprung der kämpferischen Überzeugung in Gaynors Stimme tragischer Natur: Nach einer schweren Rückenverletzung liegt die Sängerin für ein halbes Jahr im Krankenhaus, temporär leidet sie ab der Hüfte abwärts sogar unter einer Lähmung.

Ausgerechnet zu dieser Zeit bietet ihr jemand I Will Survive an. Gloria Gaynor hat bereits seit drei Jahren keinen Charterfolg mehr gelandet und weiß, dass dieser Song ihre Karriere retten könnte. So entscheidet sie sich dazu, den Titel trotz Stütz-Korsett aufzunehmen – und wird mit einem Mammut-Hit belohnt, der bis heute zu den wichtigsten Hymnen der Schwulenszene zählt.

Auf den Punkt: „I’m not that chained-up little person still in love with you / And so you felt like dropping in and just expect me to be free / Well, now I’m saving all my lovin’ for someone who’s loving me”

5. Dolly Parton – 9 To 5 (1980)

Als Dolly Partons Single 1980 zeitgleich mit dem gleichnamigen Film 9 To 5 erscheint, ahnt wohl niemand, dass dessen Thematik auch mehr als 40 Jahre danach noch aktuell sein würde. Der Titel bezieht sich auf die 1973 gegründete Organisation 9to5, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz einsetzt.

Dolly Parton spielt in der Komödie die Rolle der Doralee Rhodes, die als Sekretärin für einen sexistischen und egoistischen Chef arbeitet. In ihrer Freizeit frönt sie ihren Rachefantasien, die unbeabsichtigt Wirklichkeit werden. Um die Abwesenheit ihres gekidnappten Chefs zu vertuschen, schmeißt Doralee gemeinsam mit zwei Freundinnen den Laden allein – und macht den Job deutlich besser als ihr Boss. Was auf den ersten Blick nach leichtfüßiger Comedy klingt, ist vielerorts noch immer bittere Wahrheit. 2019 verdienten Frauen laut dem statistischen Bundesamt in Deutschland immer noch 19 % weniger als Männer.

Auf den Punkt: „9 to 5, for service and devotion / You would think that I would deserve a fair promotion / Want to move ahead but the boss won’t seem to let me”

 6. Eurythmics – Sisters Are Doin’ It For Themselves (1985)

Wo Annie Lennox drunter steht, ist Frauenpower drin. Sie spielt in den Achtzigern gemeinsam mit Größen wie Grace Jones, David Bowie und Prince mit Gendernormen und zeigt, dass man als Frau nicht immer auch feminin agieren und aussehen muss. Mit Ex-Partner Dave Stewart speist sie als Eurythmics das Radio mit Pop-Perlen wie Here Comes The Rain Again, There Must Be An Angel (Playing With My Heart) oder Sweet Dreams (Are Made Of This). Zwar ergänzt sich das Paar musikalisch, doch mit Sisters Are Doin’ It For Themselves plädiert Lennox eher dafür, dass frau auch ohne männliches Zutun auf eigenen Füßen zu stehen vermag. Ein früher Hinweis auf die Solo-Karriere?

Unterstützen soll bei Sisters eigentlich Tina Turner, der die Botschaft der Nummer nach dem Ike-Fiasko am Herzen liegen dürfte. Ein terminlicher Engpass macht der Traum-Kombo zwar einen Strich durch die Rechnung, doch die Eurythmics holen sich kurzerhand Aretha Franklin ins Boot und steuern dieses unbeirrt in den Hafen der feministischen Hymnen. So liest sich auch die Liste der Coverversionen wie ein Lexikon an imposanten Frauenfiguren: Unter anderem versuchen sich die Pointer Sisters, Christina Aguilera mit Florence Welch und anderen, Ann und Nancy Wilson von Heart mit Comicfigur Lisa Simpson für das Yellow Album, die Spice Girls und nicht zuletzt die Besetzung von Xena – Die Kriegerprinzessin an dem Song.

Auf den Punkt: „Now this is a song / To celebrate / The conscious liberation / Of the female state”

7. No Doubt – Just A Girl (1995)

Mit dem Album Tragic Kingdom und Singles wie Don’t Speak und Just A Girl gelingt No Doubt 1995 der Durchbruch, aber eigentlich läuft da schon nur noch die Gwen-Stefani-Show. Der Langspieler ist der erste, auf dem die Frontfrau auch als primäre Songschreiberin fungiert und verleiht dem Ska-Punk-Sound der Kombo eine wichtige Pop-Note. Just A Girl soll dabei das erste Stück sein, das sie gänzlich ohne Bruder Eric zu Papier bringt.

Inhaltlich wie zeitlich kommt man nicht umhin, die Leadsingle in den Kontext der „Riot Grrrl“-Bewegung zu setzen, mit der Stefani ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel vollführt: Einerseits spielt sie mit ihrer Band auf Veranstaltungen, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzen, andererseits bezeichnet sie offener feministische Kolleginnen als wütend. Mal erklärt sie, sie sei „nicht wirklich eine Feministin“, dann wiederum prangert sie all die ungerechten Regeln an, die man jungen Mädchen auferlegt. Attitüde und Text genügen immerhin, das Stück für die Initiative zu beanspruchen. Just A Girl taugt übrigens auch bestens als Soundtrack zum Verdreschen von Aliens, wie Brie Larson 2019 im als erste Marvel-Frontfrau in Captain Marvel unter Beweis stellen darf.

Auf den Punkt: „Oh, I’m just a girl, all pretty and petite / So don’t let me have any rights / Oh, I’ve had it up to here”

8. Beyoncé – Run The World (Girls) (2011)

„Aggressiv, intensiv und radikal engagiert“, so wird Run The World 2011 im New York Magazine beschrieben, und das trifft den Nagel wohl auf den Kopf. Beyoncé erklärt Frauen hier zu den Machthaberinnen dieser Welt und fordert sie auf, diese Rolle für sich zu beanspruchen. Der Song spaltet die Kritiker*innen: Während das eine Lager Beyoncé für ihren kompromisslosen Feminismus feiert, kritisieren die anderen sie für ihre stetige Behandlung dieses Themas. Doch obwohl Titel wie Single Ladies (2008) oder Independent Women (2000) durchaus zum Female Empowerment gezählt werden können, spricht Run The World eine sehr viel deutlichere Sprache.

Rückblickend betrachtet war das nur der Anfang: Die folgenden Alben Beyoncé (2013), Lemonade (2016) und The Lion King: The Gift (2019) zelebrieren Frauenpower ebenso radikal und animieren junge (Schwarze) Frauen dazu, ihre Weiblichkeit ungeniert geltend zu machen.

Auf den Punkt: „Boy, you know you love it / How we’re smart enough to make these millions / strong enough to bear the children / then get back to business”

9. Lady Gaga – Scheiße (2011)

Dass Lady Gaga ein Faible für die deutsche Sprache hat, beweist nicht nur ihr Rilke-Tattoo auf dem Oberarm: 2011 nennt die Künstlerin einen Titel auf ihrem zweiten Studioalbum Born This Way „Scheiße“. Der technolastige Dance-Pop-Track entsteht nach einer durchzechten Partynacht in Berlin und beinhaltet eine undeutliche Fantasiesprache, die für das ungeübte, US-amerikanische Ohr vermeintlich deutsch klingt. In einem Interview erklärt Gaga das Kauderwelsch in Scheiße zum Symbol für all den misogynen Mist, den sich starke Frauen auf ihrem Weg anhören müssen. Die englischsprachigen Zeilen des Songs adressieren genau diesen Missstand und animieren junge Frauen zur unerschrockenen Selbstbestimmung.

Auf den Punkt: „Blonde high-heeled feminist, enlisting femmes for this / Express your womankind, fight for your right”

10. Lizzo – Truth Hurts (2019)

Als etwas unfreiwillige Galionsfigur der „Body Positivity“-Bewegung gelingt Lizzo 2019 ein Hit, den der Rolling Stone zu Recht als „ultimativen Akt der Selbstfürsorge“ bezeichnet. Bei Truth Hurts mag es um einen Ex-Partner gehen, der die Protagonistin nicht zu schätzen wusste, allerdings rückt dieser bei der süffisanten Wortakrobatik der Amerikanerin konsequent in den Hintergrund. Mit Zeilen wie „I just took a DNA test / turns out I’m 100% that bitch“ trifft die Rapperin und Sängerin unnachahmlich-direkt die Sprache der Zeit.

Zunächst ist der Track ein Schläfer, denn erst durch seine Verwendung im Netflix-Film Someone Great und als virale Tonspur auf TikTok nimmt er zwei Jahre nach Erstveröffentlichung Fahrt auf. Dann kommt der große Erfolg inklusive Grammy, Welttournee und sechsfacher Platinauszeichnung. Die neu gewonnene Plattform weiß Lizzo zu nutzen: Als zeitgemäßer Popstar predigt sie radikale Selbstliebe für alle Körper, Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten und Achtsamkeit. Dass sie sich im Video zu Truth Hurts selbst heiratet, klingt da eigentlich nur logisch.

Auf den Punkt: „I put the sing in single / Ain’t worried ’bout a ring on my finger”

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