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Popkultur

6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Paul Stanley stammen können

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Paul Stanley
Foto: Kevin Winter/Getty Images

Paul Stanley hat als Gitarrist und Sänger von Kiss alles erreicht, was man sich als Rockstar nur wünschen kann. Dabei sind unter anderem diese sechs Dinge passiert.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Kiss anhören:

1. In den Anfangstagen von Kiss ist Paul Stanley für kurze Zeit der „Bandit“.

Demon, Spaceman, Catman und Starchild: Die vier Alter Egos von Kiss haben in der Rockmusik einen ganz besonderen Platz. Doch bevor Paul Stanley als Starchild in die Geschichte eingeht, probiert er unterschiedliche Möglichkeiten aus. In den Anfangstagen testet er zum Beispiel eine Figur namens „Bandit“, deren Make-up an die Maske der Westernfigur Lone Ranger erinnert. Es handelt sich nicht um die einzige Station während Stanleys Identitätsfindung: „Ich habe damals sogar versucht, mein Gesicht komplett rot anzumalen“, gibt er in einem Interview mit der Zeitschrift Guitar World zu Protokoll. „Ich habe ausgesehen wie eine langhaarige Tomate! Bevor ich mich für den Stern entschieden hatte, habe ich mir einfach einen schwarzen Ring um das Auge gemalt. Jeder von uns trägt Schminke, die widerspiegelt, wer er ist. Ich habe Sterne immer geliebt und mich mit ihnen identifiziert. Als es an der Zeit war, mir etwas ins Gesicht zu malen, wusste ich, was ich möchte.“

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2. In den Achtzigern sorgt Paul Stanley dafür, dass Kiss ohne Make-up auftreten.

Zu Beginn ihrer Karriere hüten Kiss ihre wahren Identitäten wie ein Staatsgeheimnis. Wenn die Musiker nicht geschminkt sind, zeigen sie sich nur vermummt; Fotograf*innen, die ein Bild ohne Maskerade ergattern, werden anschließend von den Bodyguards der Band um den Kamerafilm gebeten. Ganz freundlich natürlich. In den Siebzigern gehört Kiss die Welt und der Mythos um ihre echten Persönlichkeiten trägt maßgeblich dazu bei. Gegen Ende des Jahrzehnts folgt auf den Höhenflug allerdings der Fall und die Laune im Camp Kiss sinkt in den Keller. 1978 streiten sich die Musiker so sehr, dass sie beschließen, vier Soloalben zu veröffentlichen, von jedem Bandmitglied eins. 1979 landet die Gruppe mit I Was Made For Loving You einen Disco-Hit, 1980 folgt das sehr poppige Album Dynasty. Schlagzeuger Peter Criss und Gitarrist Ace Frehley verlieren den Spaß an der Sache, Criss steigt sogar aus. (An seine Stelle tritt Eric Carr, der 1991 viel zu früh an Krebs stirbt — am 24. November, genau wie Queen-Frontlegende Freddie Mercury.) Nach dem exzentrischen Fantasy-Konzeptalbum (Music From) The Elder nimmt auch Frehley seinen Hut.

Kiss droht das Schicksal, von neuen Bands wie Iron Maiden verdrängt zu werden, also braucht es einen Marketing-Gag, der die Gruppe wieder ins Gespräch bringt. Die Lösung: der Verzicht auf das ikonische Make-up. Die wahren Identitäten der Kiss-Mitglieder wurden zwar auch vorher schon gelüftet, doch offiziell fallen die Hüllen erst am 18. September 1983 auf MTV. Vor allem Stanley treibt diese Entscheidung voran, denn Bassist Gene Simmons fühlt sich ohne seine Schminke zunächst unwohl. Das Ergebnis des neuen Images: Für das elfte Album Lick It Up (1983) gibt es in den USA wieder Platin und eine Top-30-Platzierung, was Kiss mit den drei vorherigen Platten nicht gelungen war. An ihre größten Erfolge kann die Band bis in die Mitte der Neunziger zwar nicht mehr anknüpfen, doch Stanley hat der Gruppe mit seinem Einsatz gegen das Make-up augenscheinlich für einige Jahre den Hintern gerettet. Ab 1996 starten Kiss noch einmal voll durch — diesmal, weil sie die Schminke wieder auftragen. Doch das ist eine andere Geschichte.

3. Seinem plastischen Chirurgen Frederic Rueckert Jr. schenkt Stanley zum Dank eine Rolex.

Als Kind leidet Paul Stanley an einer Ohrmuschelfehlbildung, die dafür sorgt, dass er mit dem rechten Ohr nichts hören kann. Es fällt ihm schwer, Geräusche zu orten, in lauten Umgebungen versteht er kein Wort. Beinahe noch schlimmer: In der Schule wird er wegen seines anders aussehenden Ohrs gehänselt. Erst im Alter von 30 Jahren lässt er sich von einem plastischen Chirurgen namens Frederic Rueckert Jr. operieren. Rueckert implantiert 1982 nicht nur ein Hörgerät in Stanleys rechten Gehörgang, sondern entnimmt auch Knorpel aus der Rippe des Musikers, um das Ohr neu zu formen. Stanley spricht später davon, dass der Arzt ihm ein „neues Leben“ geschenkt habe und lässt Rueckert zu dessen Ruhestand zum Dank eine Rolex zukommen. 2017 stirbt der Chirurg im Alter von 95 Jahren.

4. 1999 spielt Paul Stanley das Phantom in Das Phantom der Oper.

Paul Stanleys Vorliebe für die Oper ist kein Geheimnis. 1999 geht seine Liebe so weit, dass er für das Musical Das Phantom der Oper als letzter Darsteller in die Rolle des Phantoms schlüpft. Stolze zehn Jahre war die Show während der Neunziger in Toronto gelaufen; die letzte Aufführung geht am 31. Oktober 1999 mit Stanley über die Bühne. Seinen ersten Einsatz hatte er im Mai desselben Jahres.

5. Sein Song Live To Win wird 2006 Teil einer Folge der Zeichentrickserie South Park.

Als Stanley 2006 sein zweites Soloalbum Live To Win veröffentlicht, landet der Titeltrack der Platte prompt in einer besonders gelungenen Folge der US-Zeichentrickserie South Park. In der Episode Make Love, Not Warcraft treten die Hauptcharaktere Cartman, Kyle, Stan und Kenny virtuell gegen einen World Of Warcraft-Spieler mit dem Namen Jenkins an, der die vier Jungs um jeglichen Spielspaß bringt, indem er sie immer sofort tötet. Das lassen sich die Vier natürlich nicht gefallen, rufen beim Spieleentwickler Blizzard an und bitten um eine Intervention. Doch nicht einmal die Macher*innen von World Of Warcraft können etwas gegen Gaming-Junkie Jenkins unternehmen. Cartman motiviert seine Freunde dazu, jeden Tag zu trainieren, um höhere Levels zu erreichen. Der Soundtrack dazu: Live To Win von Paul Stanley. Am Ende der Folge sind die Jungs vorbereitet und es kommt zu einem großen Showdown.

6. Am 27. Juli 2007 verpasst Paul Stanley zum ersten Mal seit der Bandgründung ein Kiss-Konzert.

Von 1973 bis 2006 verpasst Gitarrist Paul Stanley kein einziges Kiss-Konzert, doch als die Band am 27. Juli 2007 in San Jacinto (Kalifornien) spielen soll, geht viel schief. Stanley leidet an jenem Abend unter Herzrasen und soll zwischendurch einen Herzschlag von 200 pro Minute gehabt haben — mehr als doppelt so viel, wie für einen gesunden Erwachsenen normal ist. Der Gitarrist erholt sich von dem Zwischenfall, doch die Show müssen die übrigen Bandmitglieder ohne ihn durchziehen und holen sich dafür Fans aus dem Publikum ans Mikro.

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„Destroyer“: Wie Kiss 1976 ein Hard-Rock-Juwel schufen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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Popkultur

„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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Wie fast Guns N‘Roses statt Queen in „Wayne‘s World“ gelandet wären

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Popkultur

25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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