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Popkultur

Rocking Halloween: 11 Rock-inspirierte Kostümideen

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Robert Smith
Foto: Pete Still/Redferns/Getty Images

Zierkürbisse sprengen die Supermarktregale und Netflix schlägt wieder alte Gruselklassiker vor: Richtig, Halloween steht vor der Tür. Wirklich schaudern dürfte es die meisten jedoch eher beim Gedanken an eventuelle Kostümpartys. Dabei gibt es so viele Rockstars mit einprägsamen Looks… Wir haben zum Fest der Geister mögliche Kostümideen ausgewählt:

von Victoria Schaffrath

Neunziger-Rock: Slash & Axl Rose

An den Neunzigern scheiden sich die Geister: Für die einen gibt es dank des Grunge ein Rock-Revival, für die anderen fällt das Jahrzehnt besonders modisch durch. Dass Axl Rose und Slash von Guns N’ Roses zu den rotzigsten und coolsten Stars der Dekade gehören, steht allerdings außer Frage.

Slash 

Herrlich „90ies“: Slash in voller Montur auf einer Autogrammkarte.

Must-have: der ewige, überlebensgroße Zylinder

Slash (bürgerlich Saul Hudson) bestach in den Neunzigern meist durch eine körperbetonte, schwarze Lederhose und dunkle T-Shirts mit Aufdruck, ab und an durfte auch mal ein „Schiesser Feinripp“ ran. Lockenmähne und Les Paul im Anschlag machen den Gitarristen unverkennbar, doch im Zylinder mit Metallplaketten offenbaren sich wahre Slash-Expert*innen. Der Grund für die Kopfbedeckung fällt weniger lässig aus, als man meint: „Ich war vor Publikum immer ein wenig nervös“, gibt er zu. „Durch den Hut fühle ich mich wohler.“ Optional ergänzt man das Outfit durch eine Jeansjacke oder -weste.

Bonus: Eine schwarze oder verspiegelte Pilotenbrille

Axl Rose

Must-have: Ein rotes Bandana

Axl Rose ging da schon etwas mehr in die Vollen: Am liebsten mögen wir seinen Look mit Trikot und Liebestöter, aber wir verstehen schon, wenn das im Oktober für schlotternde Knie sorgt. Wie bei Kollege Slash tut es für Axl auch ein bedrucktes Shirt, hier jedoch mit zerrissener Jeans. Ein breit gelegtes, um den Kopf gewickeltes Rocker-Bandana in rot oder schwarz begleitet den Sänger damals wie heute, dicht gefolgt vom um die Hüften geknoteten Holzfällerhemd.

 

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Bonus: Kariertes Hemd und Sonnenbrille auf dem Bandana

Goth-Look: Robert Smith

Ein bisschen Weltschmerz schadet nie: Wer an Halloween ein wenig in den Farbtopf greifen will, findet hier einen Musiker mit hohem Wiedererkennungswert.

 

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Must-have: Schwarzer Kajal und rote Lippen

„Ich fand mein Gesicht nichtssagend und leer. So wollte ich nicht aussehen.“ Robert Smith von The Cure erkennt man ohne schwarzen Kajalstift um die Augen und roten Lippenstift kaum wieder. Die Haare dürfen dazu ganz New-Wave-mäßig kräftig antoupiert werden, die Klamotte fällt mit einem weißen oder schwarzen Hemd schlichter aus. Tipp: Auf Fotos schüchtern in die Kamera blinzeln.

Bonus: Schwarzes Haarspray

Grunge-Stars: Kurt Cobain & Courtney Love

Auch das Königspaar des Grunge gibt sich auf dieser Liste die Ehre, denn nie sahen Klamotten von der Heilsarmee so gut aus wie an den Existenz-geplagten Leibern von Cobain und Love. Die Outfits aus zweiter Hand gaben dem Grunge und seiner Haltung besonderen Nachdruck oder kommentierten im Falle von Loves Marilyn-Monroe-Looks sogar die amerikanische Faszination mit Berühmtheit.

 

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Kurt Cobain

Must-have: Schlabberpulli

Sucht man im Wörterbuch nach „cool“, findet man da relativ sicher ein Foto von Kurt Cobain – sein Heroin-Problem mal ausgeklammert. Über seine Band Nirvana und deren Bedeutung sagte er dem Rolling Stone einst: „Es ist satirisch, aber gleichzeitig auch ernst.“ Besser kann man auch seinen Stil nicht beschreiben. Die Uniform aus verwaschenem T-Shirt, Retro-Männerhemd und abgetragener Strickjacke begleitete ihn überall hin und sorgen für ein günstiges Kostüm aus dem Second-Hand-Laden. Profis kombinieren Farben, die möglichst wenig zueinander passen.

 

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Bonus: Eine weiße Sonnenbrille

Courtney Love

Must-have: Marilyn-Monroe-Kleid

Die umstrittene Hole-Sängerin und Witwe von Kurt Cobain gilt auch heute noch als die „Queen of Grunge“, und das nicht nur wegen ihres Gespürs für Mode. Unterkleider als Abendgarderobe will sie Anfang der Neunziger noch vor Calvin Klein gesellschaftsfähig gemacht haben, doch vor allem bleibt ihre schlichte, weiße Marilyn-Monroe-Hommage in Erinnerung, die sie bei den MTV Video Music Awards 1993 auffuhr. Zum Grunge-Look verwandelte Love das schicke Kleid durch zerzauste Haare und nicht gerade exakt aufgetragenen roten Lippenstift.

Bonus: Kurt-Cobain-Double

Then & Now: Janis Joplin & Adam Lambert

Ein ungleiches Paar, das zwei unterschiedliche Epochen des Rock symbolisiert: Joplin steht für den Hippie-Chic des „Summer Of Love“, Lambert für ein Update des Glam-Rock. Wir finden beide Stile absolut eindrucksvoll und verleihen das Gütesiegel „Halloween-tauglich“.

Janis Joplin

Ein echtes Original: Janis Joplin 1976 auf dem Cover des „Rolling Stone“.

Must-have: Schmuck im Überfluss

Klar, mit Schmuck ist es bei der Joplin nicht getan, auch wenn sie die zahlreichen Ketten und Armbänder mit Leder und Schmucksteinen selten ablegte. Im Idealfall weist man natürlich eine Reibeisenstimme wie aus dem Buche vor, doch wir geben uns auch mit Hippie-Bluse, Schlaghose und Strickweste zufrieden. Die Haare flattern am besten etwas unordentlich im Wind des Mercedes Benz.

Bonus: Runde Nickelbrille

Adam Lambert

 

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Must-have: Dreitagebart und schwarzer Kajal

Vom Vorsingen bei American Idol zum Fronter bei Queen: Adam Lamberts Karriere kann man nur als „steil“ bezeichnen. Eine steile Wandlung macht in der Zeit auch sein Stil durch. Die dunkle, halblange Haarpracht trägt er auch heute, der Amerikaner kombiniert sie mit einer dicken Schicht schwarzem Kajal und dunklen Bühnenoutfits mit reichlich silbernen oder goldenen Details. Trotz seines opulenten Stils gibt er folgenden modischen Rat: „Nimm eine Sache weg.“ An Halloween ignorieren wir das vielleicht lieber.

Bonus: Schwarzer Nagellack

Zweitausender-Power: Meg White & Amy Winehouse

Diese zwei Ladys des aktuellen Jahrtausends treten zwar extrem unterschiedlich, dafür aber umso denkwürdiger auf. Außer verbalen Seitenhieben von Jack White können wir keine Berührungspunkte feststellen, und doch stehen die Outfits der beiden synonym für die Ära des Indie und Alternative.

Meg White

Schwarz, weiß, rot: Sowohl beim Artwork als auch bei der Stilberatung setzten die White Stripes auf das klassische Farbschema, wie hier auf dem Cover zu „White Blood Cells“.

Must-have: Schwarz, weiß, rot

Wer unkomplizierte Outfits bevorzugt und einen Schrank voller einfarbiger Teile besitzt, dürfte mit dem übersichtlichen Farbspektrum von Meg White kein Problem haben. Ob die Kombination von weißer Hose und rotem Shirt oder ein feminines weißes Kleid: Unprätentiöser geht es kaum. Beim Make-up hielt sich White ähnlich der Öffentlichkeitsarbeit zurück; wer mag, trägt eine dunkelbraune Langhaarperücke mit Pony und bleibt im Hintergrund.

 

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Bonus: Drumsticks

Amy Winehouse

„Claim to fame“: Winehouse 2007 zum Höhepunkt ihrer Karriere auf dem Cover des „Rolling Stone“.

Must-have: Beehive-Frisur und Riesen-Eyeliner

Kurz, kürzer, Amy: Mit knappen Kleidern und hohen Haaren macht Winehouse Anfang der Zweitausender auf sich aufmerksam. Privat fällt der Look mit Polohemd und Ballerinas etwas entspannter, aber nicht weniger Vintage aus. Die Girlgroups der Sechziger dienen ihr als Vorbild, aber die Back-To-Black-Sängerin drückt dem Stil mit Tattoos, Piercings und Lebenswandel einen rockigen Stempel auf.

Bonus: Retro-Kleid

Gruppenkostüm: KISS

Must-have: Kabuki-Schminke

Wer als Gruppe auf die Büroparty will, muss sich im Musikgeschäft nicht lang umsehen, denn die vier Glam-Götter von KISS bestechen durch markantes Make-up und starke Posen. „Starchild“, „Demon“, „Space Ace“ und „Catman“ kennt nun wirklich jedes Kind; kinderleicht fällt auch das Nachschminken der vom japanischen Kabuki-Theater inspirierten Gesichter aus. Die Bekleidung aus schwarzen Outfits und optionalen Nieten lassen wir bei so viel Schminke mal in den Hintergrund rücken.

Zum Nachmachen: KISS auf dem Cover zum Album „Dynasty“ von 1979.

Bonus: Plateauschuhe & Nietenarmbänder

King of Costume“: David Bowie

 

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Must-have: Mut

Kaum ein Künstler zeigte sich so wandelbar und Chamäleon-artig wie David Bowie. Er trat als „Ziggy Stardust“, „Aladdin Sane“ oder „Thin White Duke“ auf; seine Alter Egos lenkten dabei nie zu sehr von seiner Musik ab. Er wollte den perfekten Popstar abbilden und hinterließ uns dadurch zahlreiche Facetten eines Jahrhundertkünstlers.

„Stardust“ und „Sane“ lassen sich am besten über das Make-up und die rötlichen Haare nachahmen. Bei beiden findet sich auf Augen und Wangen jede Menge rot und rosa, „Stardust“ trägt den ikonischen goldenen Kreis auf der Stirn, bei „Sane“ wiederum zieht sich der mehrfarbige Blitz über das Gesicht. Beim „Duke“ empfehlen wir neben zurückgegelten Haaren schlicht Anzughose, weißes Hemd und schwarze Weste – am besten zwei Nummern zu groß, um dem „Thin“ im Titel alle Ehre zu machen.

Bonus: Eine erweiterte Pupille

Das kultige Plattencover zu „Aladdin Sane“ von 1973.


Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version dieses Artikels enthielt Marilyn Manson. Nach Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs, antisemitischer Bemerkungen und der häuslichen Gewalt gegen den Künstler haben wir uns entschieden, den entsprechenden Absatz zu entfernen und das Titelbild zu ändern.

Süßes oder Saures: Die schaurigsten Rock-Songs zu Halloween!

Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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10 Songs von PJ Harvey, die man kennen sollte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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