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Popkultur

Das Jahr im Überblick: Die besten Alben 2022

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Beste Alben 2022

Es war ein langes Jahr, das steht fest. Doch zumindest in musikalischer Hinsicht konnte sich 2022 durchaus hören lassen. Rammstein, Ozzy Osbourne, Florence + The Machine: Sie alle haben dieses Jahr großartige Alben veröffentlicht. Das sind unsere 15 Favoriten aus den letzten zwölf Monaten. Na gut, unsere 16 Favoriten, denn eine Band war gleich doppelt fleißig.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch unsere Favoriten des Jahres 2022 anhören:

Rammstein – Zeit

Zeit von Rammstein war bereits in unserem Halbjahres-Ranking zu finden und der Eindruck hat sich bestätigt. Zwar schalten Rammstein auf ihrem achten Album in musikalischer Hinsicht ein wenig zurück; lyrisch greift Till Lindemann dafür umso tiefer in die Trickkiste. Ob Schönheitswahn, häusliche Gewalt oder die eigene Vergänglichkeit: Rammstein machen wieder einmal vor keinem schwierigen Thema Halt. Sollte es sich bei dieser Platte um ihren Schwanengesang handeln, müssen sie sich dafür keinesfalls schämen.

Rosalía – Motomami

Auch Rosalía war bereits in unserer Halbjahres-Bestenliste zu finden. Auf scheinbar mühelose Art und Weise meistert sie den schwierigen Spagat und mischt traditionellen Flamenco mit zeitgemäßer Popmusik. Die klassische Grundlage dafür: ihre Ausbildung als professionelle Flamenco-Sängerin. Mit ihrem großen Erfolg bringt die Künstlerin mächtig Schwung in die spanische Musikindustrie, setzt sich für Frauenrechte ein und verschafft der Kultur ihrer Heimat einen Platz auf der internationalen Bühne.

Eddie Vedder – Earthling

Mit Earthling hat Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder im Februar 2022 seinen dritten Alleingang vorgelegt und lässt die Ukulele dafür erfrischenderweise mal im Schrank. Ob Mundharmonika-Punk (Try), eine Kollaboration mit Elton John (Picture), straighte Rocker (Power Of Right) oder Heartland Rock, der auch Bruce Springsteen und Tom Petty gut zu Gesicht gestanden hätte (The Dark; Long Way): Vedder beherrscht die gesamte Palette von Rock und Pop und stellt das auf Earthling eindrucksvoll unter Beweis!

Niedecken – Dylanreise

Dass Wolfgang Niedecken ein inniges Verhältnis zur größten Folk-Legende aller Zeiten pflegt und sogar als „Bob Dylan der Kölner Südstadt“ bezeichnet wird, ist mindestens seinen Fans wohlbekannt. Immer wieder hat sich die rheinische Musiklegende dem Material des Lyrik-liebenden Literaturnobelpreisträgers gewidmet und sich Dylans Songs gekonnt zu eigen gemacht. Das gelingt ihm (in kongenialer Zusammenarbeit mit Pianist Mike Herting) einmal mehr — in gewohnt kölscher Sproch und kombiniert mit netten Anekdoten!

Florence + The Machine – Dance Fever

Zum 15-jährigen Jubiläum bringen Florence + The Machine ihr fünftes Album Dance Fever raus und ziehen einmal mehr Musik-Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann. Das liegt zum einen an der faszinierenden und hypnotischen Stimme von Frontfrau Florence Welch; zum anderen begeistert die Londoner Gruppe mit ausgefeilten und facettenreichen Songs wie King, My Love und Free. Wer die Band bisher nicht mochte, wird wohl auch mit dieser Platte nichts anfangen können, doch Fans dürfen sich auf einen Meilenstein freuen.

Yungblud – Yungblud

Mick Jagger sagte über Yungblud (und dessen Kollegen Machine Gun Kelly): „Ihr Post-Punk-Vibe lässt mich daran glauben, dass der Rock’n’Roll immer noch lebendig ist.“ Gibt es einen größeren Ritterschlag? Wohl kaum. Auch auf seinem neuen Album Yungblud beweist der Brite (hier im uDiscover-Interview), dass die Rockmusik den Sprung ins 21. Jahrhundert überlebt hat. Das geschieht allerdings eher in der Tradition von Blink-182 und My Chemical Romance, nicht in der der Stones.

Harry Styles – Harry’s House

Nicht eins, nicht zwei, sondern 15(!) aufeinanderfolgende Konzerte gab Harry Styles dieses Jahr im Madison Square Garden in New York. Die Bilanz an jedem einzelnen Abend: ausverkauft. In Los Angeles spielte der Brite wenig später zwar „nur“ zwölfmal in Folge, doch auf eins können wir uns wohl einigen: Der Mann ist unfassbar erfolgreich. Kein Wunder: Auf seinem neuesten Album Harry’s House verbindet Styles völlig mühelos Rock und Pop, und bietet Anknüpfungspunkte für so ziemlich jede Generation.

Ghost – Impera

Seit inzwischen 15 Jahren wächst der Hype um Ghost immer weiter und weiter. Dafür gibt es gleich mehrere gute Gründe. Da wäre zum Beispiel die imposante Bühnenshow der Schweden um Mastermind Tobias Forge. Oder die stets kreativen Alben der Band. „Mir ging es sehr gut, der Welt aber nicht“, beschreibt Forge die Impera-Schaffensphase im Interview mit uDiscover Music. „Und in meinem Augen spiegelt sich das auf der Platte wieder.“ Auf die beste Art und Weise, ja!

Taylor Swift – Midnights

Mit Midnights brachte Taylor Swift im Jahr 2022 ihr inzwischen zehntes Album raus. Zugegeben, Rock-Fans haben das vermutlich nur mitbekommen, weil die Künstlerin mit der Platte einen nie dagewesenen Rekord aufstellte und gleichzeitig alle zehn Plätze der US-amerikanischen Singlecharts mit selbstgeschriebenen Songs belegte. Die klingen beim ersten Hören zwar vor allem poppig, kommen lyrisch aber deutlich gehaltvoller daher als so manche Rockplatte. Hut ab vor diesem Erfolg!

Larkin Poe – Blood Harmony

Bereit für einen Deep Dive in den Zauber der Südstaaten? Mit ihrem siebten Album liefern die Schwestern von Larkin Poe genau die richtige Platte dafür. Und die ist vor allem eins: abwechslungsreich. Ob Heimweh-lastige Nummern wie Southern Comfort oder sportveranstaltungstaugliche Ohrwurm-Rocker wie Strike Gold: Rebecca und Megan Lovell zeigen einmal mehr, wie vielschichtig die Musikwelt des US-amerikanischen Südens sein kann.

Bywater Call – Remain

Bywater Call klingen zwar, als ginge es gleich im Süden der USA weiter, doch die Gruppe um Frontfrau Meghan Parnell stammt aus dem Norden, nämlich aus Toronto in Kanada. Bei Remain handelt es sich erst um die zweite Platte der Gruppe, doch in Sachen Professionalität und Handwerk könnte es auch die 17. sein. Besonders deutlich wird das in Songs wie Falls Away, dem Titeltrack und Let Me Be Wrong, wenn Parnells Stimme alles andere überstrahlt.

Mantar – Pain Is Forever And This Is The End

Mantar sind eher etwas für die Krach-Fans unter euch, doch Radau beherrscht das Bremer Duo in Perfektion. Das äußert sich auch auf Pain Is Forever And This Is The End, dem inzwischen vierten Album der zwei Musiker. Von Punk-Grooves über atmosphärische Klangwelten bis hin zu Black-Metal-Blastbeats: Auf dieser Platte gibt es nichts, was es nicht gibt. „Erotik aus der Hansestadt“, lautet das Motto von Mantar. Das können wir nur unterschreiben.

Blind Guardian – The God Machine

Ganze sieben Jahre haben sich Blind Guardian für ihr aktuelles Album Zeit gelassen, doch das Warten hat sich gelohnt. The God Machine vereint alle Tugenden der Rheinländer unter einem Banner, von inspirierten Texten bis hin zu großen Melodien. So besannen sich Blind Guardian für ihre zwölfte Studioplatte auf ihre alten Großtaten, ohne dabei zu rückwärtsgewandt zu komponieren. Besonders gelungen ist die dritte Single Blood Of The Elves, die am 27. Mai erschien.

Ozzy Osbourne – Patient Number 9

Für seinen aktuellen Langspieler Patient Number 9 hat sich der „Madman“ ein paar hochkarätige Gastgitarristen an Bord geholt. Jeff Beck, Mike McCready von Pearl Jam, Eric Clapton, Zakk Wylde, Tony Iommi: Sie alle geben sich auf Ozzys neuer Platte die Klinke in die Hand. Bahnbrechendes bringt der „Prince Of Darkness“ auf Album Nummer 13 zwar nicht mehr in Gang, doch wenn einer der Miterfinder des Metal das Genre einfach mal ein bisschen zelebriert, hat das doch auch etwas.

Red Hot Chili Peppers – Unlimited Love und Return Of The Dream Canteen

Die Red Hot Chili Peppers haben nach zehn Jahren ohne ihren Gitarristen John Frusciante gleich einen Zweifachschlag vorgelegt. Am 1. April erschien Unlimited Love, die zwölfte Platte der Kalifornier. Am 14. Oktober folgte Return Of The Dream Canteen, also die Nummer 13. Inhaltlich verbergen sich auf dem Doppel zwar keine großen Überraschungen. Dafür klingen die Chili Peppers auf den beiden Alben so locker und abwechslungsreich wie zuletzt auf Stadium Arcadium (2006).

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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